How To Play The Snowshoe

Letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 21. Dezember 2020

Nach wochenlanger Bastelarbeit ist es soweit: Der selbstgebaute Snowshoe für das Spiel im New Orleans Second Line Stil am Drumset ist einsatzfähig. In diesem Artikel erfährst Du etwas über die Spielweise des Backbeats (bzw. Afterbeats) mit den Becken, über die Geschichte des „Snowshoes“, auch Charleston-Pedal genannt, und wie die New Orleans Brassbands das Spiel am Drumset beeinflusst haben.

Demonstration zum Klang und zur Spielweise

Der Klang und die Spielweise einer Second Line Figur für Basstrommel und Becken kannst Du im nachfolgenden Video anhören und anschauen.

Für kräftige und schnellere Grooves mit einem „Ring-out“ der Becken, ist ein einfacher Sprungmechanismus vorteilhaft.

Das Video zeigt nur eine von vielen möglichen Kombinationen der Bassdrum mit dem Snowshoe. Gemeinsam ist allen Figuren, dass der offene Nachklang zweier aufeinander treffender Becken im Stil der militärischen Marschkapellen den speziellen Sound des Second Line „Streetbeat“ ausmacht.

Schlagzeug-Noten New Orleans Drumming

Gegenüber der Hi-Hat hat der Snowshoe den Vorteil, dass der „Tsching“-Nachklang direkt mit dem Fuß ohne viel Kraft allein aus der Gelenkdrehung erzeugt werden kann. Die Spielweise ist zunächst sehr ungewohnt. Ich habe einige Stunden zur Umgewöhnung benötigt. Ich meine, die Mühe lohnt sich.

Eine Bauanleitung zum Selbstbau des schon sehr lange nicht mehr im Handel zu findenden Snowshoes findest Du hier.

Zur Geschichte des Snowshoes

Das Becken-Pedal hat im Lauf der Zeit verschiedene Bezeichnungen erhalten. Die Firma Ludwig verkaufte bis in die 30er Jahre das Pedal unter der Bezeichnung „Charleston Cymbal“. Unter Schlagzeugern hatte sich der Begriff „Snowshoe“ durchgesetzt.

Ludwig Katalog von 1928, Seite 63. Die Ausführung des Herstellers Ludwig hatte, im Gegensatz zu einigen anderen Herstellern, ein Sprungfeder-Scharnier. In der Beschreibung ist ein Hinweis zur Spielweise enthalten: „for left foot after-beats“. Quelle: Clay Taylor Greene, http://www.drumarchive.com/Ludwig/ , Link zum Katalog: http://www.drumarchive.com/Ludwig/1928_LUDWIG.pdf

Der Snowshoe ist aus einer Notwendigkeit entstanden. Diese hatte mit der Einführung des Drumsets ( Entwicklung 1899 bis 1918) parallel zur Gründung der ersten Jazz Bands zu tun. So wurden die Schlaginstrumente und Spielweisen der Rhythmussektion einer New Orleans Brassband auf die Ausführung durch nur eine Person, jetzt sitzend vor den Trommeln und Becken, übertragen.

Der Snowshoe übernahm daher zunächst allein den Part des kleinen Beckens auf der Marsch-Basstrommel, welches mit dem „Wire Beater“ gespielt wurde und auch noch in Second Line Paraden in New Orleans so gespielt wird (siehe hier).

Einen Hinweis zur Spielweise enthält die obige Beschreibung des Ludwig Kataloges aus dem Jahre 1928: „for left foot after-beats“. Mit „Afterbeats“ sind in einem 4/4-Takt die Pulsschläge 2 und 4 gemeint. Hinzu kommt der sogenannte „Duoble Downbeat“, der später in das Repertoire der Swing-Drummer für Hi-Hat und Crash-Becken übernommen wurde und eine enorm treibende Wirkung erzielt. Ein Beispiel hierfür ist das Spiel von Gene Krupa in dem Song „Stompin’ At The Savoy“.

Der Snowshoe übernahm das kleine Becken, welches in den New Orleans Brassbands an der Marsch-Basstrommel befestigt ist. Typisch ist der mit dem Snowshoe gespielte Afterbeat (heute Backbeat genannt) mit einer Kombination aus Double Downbeats sowie einer durch Lautstärke hervorgehobenen Vier.

Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren! Vielleicht haben Leserinnen und Leser auch eigene Erfahrungen sammeln können. Wie immer freue ich mich über Nachrichten hierzu. christian@stompology.org

Christian W. Eggers, 12. Januar 2021, letzte Aktualisierung am 11. März 2021

Quellen:

Create your own Brassband – Multi-Tracking Video-App „MelodyLab“

Zusammen musizieren in Zeiten der COVID‐19‐Pandemie ist unvernüftig und je nach aktuell bestehenden Regelungen verboten. So wundert es nicht, dass Bands, Musikerinnen und Musiker nach technischen Möglichkeiten einer virtuellen Zusammenkunft suchen. Oder auch nur unkompliziertes Homerecording ihrer Musikwerke verwirklichen möchten.

Eine kostenfreie und einfache Möglichkeit zum Zusammenspiel bietet die Video- und Audio-App“ MelodyLab“ des schwedischen Entwicklers Mats Eriksson. Die App wurde im Jahr 2016 für Apple Produkte konzipiert und funktioniert ohne Einschränkungen auf jedem iPhone. Als Zubehör ist ein Kopfhörer oder Ohrhörer mit Kabelverbindung notwendig. Nicht kompatibel ist die App mit Bluetooth Headphones. Die App ist im Apple App Store kostenfrei herunterzuladen.

Im App Store wird die App so beschrieben:

“Record a video of yourself when you play an instrument or sing, then add more recordings and create your own song. When finished, export video to photo album and share it with your friends. With MelodyLab you can be your own band!“

Screenshot MelodyLab im Apple App Store. Die App gibt es bisher nur in einer kostenfreien Version, die in einem erträglichen Umfang Werbung am unteren Rand der Bedienungselemente einblendet. Im fertiggestelleten Video ist ein relativ dezenter Hinweis auf den Namen der App enthalten (siehe Video unten „The Big Easy“).

Datenschutz und personalisierte Werbung

Die App ist zwar kostenfrei, dennoch (oder gerade deshalb) hat sie ihren Preis. Dieser besteht in der Sammlung und Auswertung von Nutzeraktionen zur Übersendung von personalisierter Werbung an die jeweiligen Nutzer. Leider bietet der inzwischen offenbar inaktiver Hersteller keine kostenpflichtige Version ohne Datensammlungen zum Zweck der Werbung an. Denn diese haben es in sich! Nachdem mein iPhone mehrfach die Kopfhörerlautstärke ungefragt heruntergeregelt hat (Gehörschutz), zeigte die App eine Woche später tatsächlich Werbung für Hörgeräte an (siehe folgende Abbildung).

Personalisierte Werbung am unteren Rand des Layouts der MelodyLap App nach mehrfacher und automatischer Runterregelung der Lautstärke durch das iPhone.

So funktioniert die MelodyLab App

Du nimmst ein Video Deines Musikparts im üblichen Apple MOV‐Format auf. Nun importierst Du das Video in die App mittels der Import‐Taste. Jetzt kannst Du der Aufnahme bis zu acht weitere Video‐Parts hinzufügen. Selbstverständlich können Videos auch zwischen verschiedenen Personen ausgetauscht werden und jeder, der im Besitz der App ist, kann Parts des Projekts importieren und einspielen. Laustärkeverhältnisse zwischen den einzelnen Videos lassen sich recht genau über Schieberegler abstimmen.

Screeshot des Layouts der Bedienungselemente der MelodyLab App.

Bedienung der MelodyLab App

Die Bedienung ist einfach. Das übersichtliche Layout der App erklärt alle Funktionen, ohne dass sie nachgelesen werden müssen (siehe obige Abbildung). Das macht Freude und man kann sich ganz auf die Musik konzentrieren.

Einsatz der App für das Schlagzeugspiel

Für Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger ergibt sich eine Einschränkung beim Monitoring über den notwendigen Kopfhörer: Naturgemäß braucht es zum Overdubbing eines Musikparts mit einem akustischen Schlagzeug kräftig etwas auf die Ohren. Denn das Schlagzeug darf die bestehenden Aufnahmen beim Einspielen nicht übertönen, so dass es mühsam wird, synchron und schwungvoll zu spielen.

Plötzliche Reduktion der Kopfhörer-Monitorlautstärke durch das iPhone. Für „analoge“ Drummer ein kleines Problem.

Apple schaltet jedoch bei hohen Lautstärken die Kopfhörerlautstärke mit einem strengen Hinweis zum Gehörschutz ohne Vorwarnung herunter (siehe Abbildung oben). Das ist während einer Aufnahme, gelinde gesagt, sehr unhöflich. Abhilfe kann hier ein externer Kopfhörerverstärker, verbunden mit einem geschlossenen Studio-Kopfhörer, schaffen. Dabei muss im Einzelfall ausprobiert werden, ob die App und die Harware das Audiosignal auf den Kopfhörer übertragen (Kompatibilität).

The Big Easy: Es rumpelt, schwankt, kracht und rollt. Sicher geht das alles genauer einzuspielen und im Klang nachzubearbeiten. Was aber erstaunlich beim Aufnehmen und Anhören vorhanden ist: Das Live‐Gefühl. Und daran fehlt es ja in diesen Zeiten des einsiedlerischen Musizierens häufiger. Ein großer Spaß!

Fazit nach der ersten Erfahrung mit MelodyLab

Das obige Video zeigt, wie der Autor dieses Artikels die Rhythmussektion einer New Orleans Brassband einübt. Als Vorspann und als Abspann wurden Abbildungen mit iMovie eingefügt. Die MOV-Datei wurde aus iMovie heraus in eine mp4-Datei konvertiert.

Es rumpelt, schwankt, kracht und rollt. Sicher geht das alles genauer einzuspielen und im Klang etwas nachzubearbeiten. Was aber erstaunlich beim Aufnehmen und Anhören vorhanden ist: das Live‐Gefühl. Und daran fehlt es ja in diesen Zeiten des einsiedlerischen Musizierens häufiger. Ein großer Spaß nicht nur in den Zeiten der Pandemie.

Wer sich bezüglich der umfangrechen Datenerhebungen zur Erstellung von personalisierter Werbung durch die App zu sehr belästigt und ausspioniert sieht, müsste sich nach einem ähnlichen Produkt umsehen. Leider habe ich bisher keine Alternative gefunden. Über eine Nachricht hierzu würde ich mich daher sehr freuen: christian@stompology.org

Ich wünsche viel Spaß beim Entdecken und Ausprobieren!

Christian W. Eggers (Kiel, 14. Dezember 2020; letzte Aktualisierung am 18. Dezember 2020)

Der Snowshoe zum Selbstbau – Teil 2

Der erste Teil dieser Artikelserie befasst sich mit dem Bau der Grundplatte, der Pedalplatte und der Verbindung dieser Platten durch ein Scharnier. Mit diesem zweiten Teil zur Bauanleitung eines Snowshoes, auch Charleston Pedal genannt, geht es um die Montage der Becken, die Auswahl eines Fußriemens und die Lackierung. Der dritte Teil beschreibt die Montage eines Rückholmechanismus des Pedals.

Der einsatzbereite Snowshoe. Zum Planen, dem Bau und Einkauf von Teilen, dem Experimentieren und den Härtungsphasen betrug der Zeitaufwand ca. 30 Stunden.

Was soll das Ding?

Aufgrund einiger freundlicher Nachfragen, möchte ich, bevor es um die Endarbeiten geht, kurz beschreiben, welche Eigenschaften ein Snowshoe bietet:

  • erzeugt den Klang von Marschbecken, die mit den Händen aneinander geschlagen werden
  • eignet sich für Scond-Line-Drumming (New-Orleans-Drumming), auch als Effekt-Becken und für Cajon-Spieler geeignet
  • bietet einen direkten Kontakt zum Fuß und erlaubt damit eine sehr genaue Steuerung allein über die Fußbewegung ohne Umsetzung über Kettenzüge sowie Druck- und Sprungfedern
  • direkte Übertragung der Schlagenergie erlaubt ein Spiel, fast so wie mit den Händen, ohne Überwindung mechanischer Widerstände
Demonstration zur Funktion und zum Klang des Snowshoes. Die 12-Zoll-Becken sind leicht und haben eine hohe Glocke.

Montage der Becken

Ein Anstellwinkel bei der Beckenaufhängung von 12-Zoll-Becken ist nicht notwendig. Die Bohrungen können also senkrecht ausgeführt werden. Wichtig ist, dass die Becken etwas Spiel behalten und nicht zu fest eingehängt werden.

Top-Becken (Pedalplatte):

Verwendet wurde ein 6 mm Schraubbolzen mit Rundkopf für die Oberseite des Pedals. Auf der Unterseite des Pedals umschließt den Bolzen ein runder selbstklebender Filz mit dem Duschmesser von 3,6 mm. Diese Filzscheiben gibt es in jedem Baumarkt als „Flitzgleiter“ für Möbelbeine zu kaufen. Das Becken wird mit der Kuppe in den Bolzen eingehängt und so wie für Becken üblich mit Plastikhülse, Filzschutz und Flügelmutter justiert. Die Länge des Bolzens beträgt 3,6 cm mit einem Durchmesser von 6 mm.

Einbau der Bolzen für das Top-Becken an die Pedal-Platte.

Botton-Becken (Grundplatte):

Der Bolzen zur Aufhängung des Botton-Beckens hat einen Sechskant-Schraubenkopf (10mm), eine Länge von 5 cm mit einem Durchmesser von 6 mm. Zur Justierung der Bohrung für das Botton-Becken einfach das Pedal mit dem eingesetzten Becken-Bolzen des Pedals schließen. An der Stelle, an der der Top-Bolzen auf die Grundplatte (mit der Stärke von 3 cm) auftrifft, jetzt die Bohrungsmarkierung einzeichnen. Eine Bohrung mit 10 mm Durchmesser und der Tiefe von 2,5 cm in die Bodenplatte bohren.

Das Bohrloch mit Kunstharz füllen. Den Bolzen mit der Schraubenkopfseite in die Bohrung mit dem noch flüssigen Harz einsetzen. Jetzt die spezielle Hülse mit Unterlegscheibe („Cymbal Sleeve DA 252“) auf den Bolzen setzen. Die Unterseite des „Cymbal Sleeve“ mit Kunstharz um den Bolzenherum fixieren. Die eingebauten Teile bis zur Endfestigkeit trocknen lassen. Der Vorgang kann mit einem Föhn beschleunigt werden. Die Beckenaufhängung erfolgt mit Beckenschoner (Beckenfilz, Unterlegscheibe und einer einfachen 10 mm Sechskant-Schraubenmutter.

Einbau des Bolzens für das Botton-Becken auf der Grundplatte des Snowshoes. Der 10 mm Sechskant.Schraubenkopf wird in einer Bohrung (nicht Durchbohrung) versenkt und mit 2-Komponenten Kunstharz stabilisiert.

Montage des Fußriemens

Als Fußhalterung eignen sich Klettband-Riemen. Der Riemen kann mit zwei Riemenösen in eine feste Position auf der Pedalplatte (eine Öse links und eine Öse rechts) angebracht werden. Beim Experimentieren hat sich jedoch herausgestellt, dass es nicht notwendig ist, die Riemen an der Pedalplatte zu fixieren. Es funktioniert auch einfach und ohne weitere Schrauben und Verklebungen, wenn der Riemen einfach unter dem Pedal hindurch geführt wird.  

Der Fußriem besteht aus einem 3 cm breiten Klettbandriemen. Eine Befestigung am Pedal ist nicht notwendig. Klettbandriemen sind auch in Baumärkten in verschiedenen Breiten und Farben erhältlich. In Kiel gab es nur die Roten. 🙂

Antirutsch der Bodenplatte

Damit die Bodenplatte nicht durch die Fußbewegungen verrutscht, kann sie mit handelsüblichem (Baumarkt) Antirutsch-Pads versehen werden. Die Neopren-Pads in verschiedenen Größen sind selbstklebend und tatsächlich sehr haltbar. Die Pads verhindern rutschen auf glatten Böden wie auch auf Teppichböden.

Finishing

Je nach Geschmack und handwerklichen Fähigkeiten sind bei der Endfertigung kaum Grenzen gesetzt. Wichtig ist eine schichtstarke 3-malige Lackierung des Pedals, so dass es keinen Schmutz annimmt und das relativ weiche Kiefernholz an der Oberfläche gegen Abnutzungen durch Schuhe gehärtet ist. Stark vorstehende Schraubenköpfe an der inneren Scharnierbefestigung können angeflext oder mit Schutzkappen versehen werden. Die Ränder der ausgesägten Platten sollten vor der Lackierung geglättet sein. Die Pedalplatte wurde mit Kunstharz lackiert. Alle weiteren Holzoberflächen wurden mit verarbeitungsfreundlichem Acryl-Klarlack versehen.  

Den Snowshoe im Einsatz könnt Ihr hier hören und sehen. Bis sehr bald und der Autor freut sich über Fragen und Anregungen.

Christian W. Eggers (1. Februar 2021)

Quellen: Marius Buck, 2017, Bachelorarbeit im Studiengang „Jazz und aktuelle Musik“ an der Hochschule für Musik Saar: „Das Becken – Eine materielle Auseinandersetzung – Vergleichende Analyse der Anatomie einiger Jazz-Ridebecken in Hinblick auf ihre klanglichen Eigenschaften. http://www.buckblech.de/ http://buckblech.de/images/pdf/dasBecken.pdf http://buckblech.de/

Der Snowshoe zum Selbstbau – Teil 1

Schon lange nicht mehr im Handel erhältlich ist eine der frühsten Umsetzungen (ca. 1920) der mit den Füßen gespielten Becken: der „Snowshoe“ oder auch das „Charleston Pedal“. Das Pedal mit seinen zwei Becken erzeugt, richtig gespielt, das satte „Tsching“ der Marschbecken einer Marsch-Kapelle. Nur eben mit einem Fuß gespielt, so dass die Hände für die Snare, die Toms und weitere Becken frei bleiben. Der Klang eignet sich hervorrangend für Second-Line-Grooves. Und so hat sich der Autor dieses Artikels an die Arbeit gemacht einen möglichst typischen Snowshoe nach alten Abbildungen nachzubauen.

Bildzitat aus dem Ludwig Katalog von 1928, Seite 63. Die Ausführung des Herstellers Ludwig hatte, im Gegensatz zu einigen anderen Herstellern, ein Sprungfeder-Scharnier. Quelle: Clay Taylor Greene, http://www.drumarchive.com/Ludwig/ , Link zum Werk: http://www.drumarchive.com/Ludwig/1928_LUDWIG.pdf

Der erste Teil dieser Artikelserie befasst sich mit dem Bau der Grundplatte, der Pedalplatte und der Verbindung dieser Platten durch ein Scharnier. Im zweiten Teil zur Bauanleitung eines Snowshoes, auch Charleston Pedal genannt, geht es um die Montage der Becken, die Auswahl eines Fußriemens und die Lackierung. Der dritte Teil beschreibt die Montage eines Rückholmechanismus des Pedals.

Funktionsweise des Snowshoes

Das Prinzip ist einfach. Die Schlagbewegung zum Aufeinandertreffen der 12-Zoll-Becken wird allein über die Fußbewegung, ohne mechanische Übersetzungen wie Druckfedern oder Zugfedern ausgeführt. Bei der hier gezeigten Variante des Snowshoes erzeugt die Abwärtsbewegung der Ferse durch das Scharnier die Öffnung der Becken. Unterstützt wird diese Bewegung durch den Zug des Mittelfußes der über einen Riemen mit der oberen Pedalplatte seinen Halt findet. Das Schließen der Becken erfolgt, wie bei der modernen Hi- Hat mit der Fußspitze.

Die Abbildung zeigt den selbstgebauten Snowshoe in der Endfertigung. Die Becken sind sehr leicht und haben einen Umfang von 12 Zoll.

Die Grundplatte

Die Basis für den Snowshoe für 12-Zoll-Becken ist eine solide Grundplatte mit einer Länge von 38 cm, einer Breite von 14 cm und einer Stärke von 3 cm. Im Beispiel wurde Kiefernholz verwendet. Gut geeignet sind auch schwerere Hölzer (z. B. Eiche) oder auch mehrfachverleimtes Bootsbauersperrholz.

Als Antirutsch-Funktion der Bodenplatte eignen sich handelsübliche Gummifüße, die auf der Unterseite der Grundplatte verschraubt werden. Wer absoluten Luxus anstrebt, kann die Füße auch in der höhenverstellbaren Variante erwerben und anbauen.

Das Foto zeigt die Rohlinge für das Pedal und die Bodenplatte.

Die Pedalplatte

Die Pedalplatte sollte möglichst leicht sein. Dann hat der Fuß weniger Arbeit. Es eignet sich daher Kiefernholz.

Die Platte hat eine Länge von 43 cm, eine Breite von 11 cm und einer Stärke von 1,5 cm. Im Beispiel ist die Ferse abgerundet. Mit einer Elektrostichsäge lässt sich auch eine Spitze, an der später das Becken befestigt wird, aussägen. Als Zeichenschablone für die Spitze wurde ein Bügeleisen verwendet. Für die Ferse kann eine Tasse als Zeichenschablone dienen.

Zur Vorbereitung der Montage des Klappscharniers wurde auf der Unterseite eine Verstärkung aus Bootsbauersperrholz mit einer Stärke von 1 cm, Länge von 7 cm und Breite von 8 cm verleimt und verschraubt. Die Position der Verstärkung befindet sich in einem Abstand von 6 cm zum äußersten Punkt der abgerundeten Ferse am Ende des Pedals.

Montage des Scharniers

Das Stahl-Scharnier hat eine handelsübliche Größe (Baumarkt). Die Breite beträgt 8 cm, die Länge in geschlossenem Zustand 4 cm. Die Stärke beträgt 1,2 mm. Das Scharnier sollte jeweils drei Bohrungen für die Verschraubungen enthalten. Eine Variante wäre der Einbau eines Sprung-Scharniers, welches ebenso wie das hier verwendete Scharnier einzubauen ist.

Schritt 1: Scharnier mit der Grundplatte verschrauben. Das Scharnier muss mittig auf der Grundplatte sitzen und einen Abstand zum hinteren Ende der Grundplatte von 4 cm haben. Für die Verschraubungen genügt hier die Verwendung von Holzschrauben mit der Länge von 2 cm.

Die Abbildung zeigt das Scharnier, welches die Bodenplatte mit dem Pedal verbindet. Zum Aufsetzen des Scharniers wurde die Pedalunterseite verstärkt.

Schritt 2: Pedalplatte genau mittig zur Grundplatte einpassen und die Bohrungen auf der unteren Seite auf der Verstärkung der Pedalplatte markieren. Der Abstand des Scharniers zum äußerten Punkt der Ferse beträgt 6 cm. Das Scharnier mit drei Bolzen mit der Pedalplatte verbinden. Die Muttern der Bolzen auf der Oberseite des Pedals im Holz versenken und die Versenkung mit Polyester-Spachtelmasse füllen und glätten. Die Länge der Bolzen beträgt 3 cm. Der Durchmesser richtet sich nach dem Bohrungsdurchmesser des Klappscharniers.

Mit dieser Abbildung wird die Versenkung der Bolzenmuttern auf der Oberseite des Pedals deutlich. Die Löcher werden mit Kunstharz gefüllt. Die Füllungen sind nach der Montage der Antirutschfläche nicht mehr sichtbar.

Montage der Antirutsch-Fläche

Damit der Fuß nicht von Pedal abrutschen kann, sollte die Oberseite des Pedals mit einer Antirutschfläche versehen werden. Hier, im Beispiel, wurde diese Fläche aus Neopren in einer Fußform ausgeschnitten. Die Verklebung erfolgt mit transparentem Polyesterharz, welches auch gleichzeitig als Lackierung der Oberseite des Pedals dienen kann.

Nicht ganz einfach ist das Ausschneiden von Neopren als Antirutschfläche für das Pedal. Weniger aufwendig wäre das Bekleben des Pedals mit handelsüblichen und selbstklebenden Antirutsch-Folien.

Allgemeine Hinweise zur Arbeit

Nicht jeder hat eine Profi-Werkstattausrüstung. Die Arbeiten für den Snowshoe lassen sich jedoch mit wenigen Hilfsmitteln ausführen. Hierzu gehören eine elektrische Stichsäge, eine Schleifmaschine, Schraubzwingen und eine Bohrmaschine.

Bohrungen stets mit geringem Bohrer-Durchmesser beginnen und dann in Zwischenstufen bis zur Endgröße vorarbeiten. Das verhindert Splisse im Holz an den Stellen, an denen der Bohrer austritt. Das zu durchbohrende Holzstück immer auf eine Holzunterlage legen und mit wenig Druck bohren.

Das Versenken von Schraubenmuttern und Schraubenköpfen im Holz lässt sich mit einem konischen (zugespitzten) Fräsenkopf (z. B. an einem Dremel oder einem Akkubohrer) problemlos ausführen.

Beim Schleifen von Kanten und Rundungen möglichst das Werkstück in der Hand halten und über das Schleifgerät gleitend führen. Das Schleifgerät (z. B. einen Eckenschleifer) erhält Halt, wenn es in einem Schraubstock mit Stoff umwickelt fixiert wird.

Versuch und Irrtum

Wie immer lernt man durch Versuch und Irrtum. 🙂

Es hat nich sofort alles so geklappt, wie der Autor dieses Artikels es sich gedacht hat. Wenigstens konnte die Werkstatt so warm gehalten werden.

Den Snowshoe im Einsatz könnt Ihr hier hören und sehen. Bis sehr bald und der Autor freut sich über Fragen und Anregungen.

Christian W. Eggers

(Letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 21.12.2020)

Selbstbau eines Wire Beaters (Coat Hanger)

Aktualisiert am 29.12.2020

Auf Grund des überraschenden und mich sehr freuenden Interesses am Wire Beater der New Orleans Brassbands (Artikel „New Orleans Drumming – Von der Brassband zum Rock ’n‘ Roll“), hier nun eine detallierte Bauanleitung.

Im Handel sind diese, auch „Coat Hanger“ genannten, Becken-Beater nicht zu bekommen. Sollte jemand mehr Glück haben als ich, bitte ich um Nachricht! Gefunden habe ich nur einen Hersteller in New Orleans für die Brassband Uniformmützen. So ein Ding setze ich mir aber erst auf, wenn ich das Spiel mit dem Wire Beater besser beherrsche. -)

Demonstration der Sound-Variationen beim Spiel mit dem Wire Beater. Ähnlich wie beim Besen-Spiel kann auch der Schaft mit einbezogen werden. Mit dem Beater ist es möglich, kurze und scharfe Klänge wie auch weich ausklingende Klänge der Becken-Glocke zu erzeugen.

Der Klang des Wire Beaters ist nicht mit einem Stick nachzuahmen. Mit dem Beater entsteht der Schwung „nach vorne“ der Brass Band Becken und mit dem Spiel um die Beckenkuppe herum ein eigentümliches metallisches „Tsching“. Dieses sollte ursprünglich den Klang zweier aneinander geschlagener Marschbecken imitieren.

Also, los geht es mit dem Selbstbau des Wire Beaters

New Orleans Second Line Wire Beater. Selbstbau mit vier 2 mm Drahtseilen. Fotos historischer Beater darf ich bisher nicht zeigen, da ich von den US-Museen trotz freundlicher Anfragen und Vergütungsangeboten bisher keine Lizenz erwerben konnte.

Das obige Foto zeigt den fertigen Beater. Die vier dünnen Drahtseile (jeweils 2 mm Bodenzüge) ermöglichen ein besseres Schwingen als ein einzelner starker Draht. In historischen Darstellungen zur Parade der Brassbands sind auch häufig mehrfach ineinander geflochten einfache dünnere Drähte zu sehen. Diese, so habe ich festgestellt, neigen zur Ermüdung und sie verformen sich.

Bauanleitung: Mit sechs Schritten zum Wire Beater.

Zum Verkleben der Drahtseile im Holz und der weißen Kunstoffkappe auf dem Holz habe ich ein 2-Komponenten Epoxidharz aus dem Baumarkt (Autozubehör) der Marke „presto“ verwendet.

Die sehr stabile Bauweise des New Orleans Second Line Wire Beaters: Selbstbau mit vier 2 mm Drahtseilen und deren Befestigungen mit Kunstharz im Holz und mit einer Kappe.

Zwischen Holz und Draht ist eine Kunststoff-Kappe verklebt. Damit soll mehr Stabilität erreicht werden, so dass sich die Drahtenden nicht aus den Bohrungen im Holz lösen. Als Kappe habe ich einfach einen sogenannten Lampen-Kabel-Distanzaufhänger (auch aus dem Baumarkt, Abteilung Lampen und Elektro) verwendet. Die als Mutter der Schraube fungierende Seite wird durchbohrt, über den Draht gezogen und dann großzügig verklebt. Insbesondere ist es wichtig das flüssige Epoxidharz in die Zwischenräume zu gießen, so dass die Drahtenden umschlossen sind. Dem Aushärten können Ungeduldige etwas mit einem Haartrockner nachhelfen.

Das Foto zeigt die Bohrung am Griffende für einen Metallbolzen. Dieser dient zum Gewichtsausgleich der Drähte. So liegt der Beater gut in der Hand und kann wie ein Stick balanciert werden.

Die Spielweisen mit dem Wire Beater sind in dem großartigen Buch „100 YEARS OF NEW ORLEANS DRUMMING“ von Antoon Aukes nachzulesen und mit der beigelegten CD anzuhören und zu erlernen.

Ein klein wenig verrückt muss man schon sein dürfen als Schlagzeuger. Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren!

Und: „Come on Zutty, wihp them cymbals Pops!“ Spielanweisung von Louis Armstrong an Zutty Singleton (Louis Armstrong and his Hot Five “A Monday Date“).

Christain (15. November 2020; aktualisiert am 27. Januar 2021) Der Autor dieses Artikels freut sich über Austausch christian@stompology.org