Berühmte Grooves – „Stompin’ At The Savoy“

Der 1934 von dem Arrangeur, Komponisten, Saxophonisten und Trompeter Edgar Sampson komponierte Instrumental Song „Stompin‘ At The Savoy“ zählt zu den Jazz Standards. Ursprünglich für Chick Webbs Band geschrieben, entstanden im Laufe der Jahre Versionen unterschiedlicher Interpreten. Eine davon wird von Ella Fitzgerald gesungen. „Stomp“ war ein Modetanz und dieser wurde u.a. im New Yorker Savoy Ballroom getanzt, dessen Hausband Webb leitete. Die hier beschriebene Version des Benny Goodman Quartett wurde am 16. Januar 1938 in der Carnegie Hall aufgenommen. Der Song, aufgebaut im „AABA Blues Schema“, legt gegenüber dem Original aus dem Jahre 1934 ein tanzbares medium-fast Tempo vor. Beherrschend ist das rhythmische Zusammenspiel zwischen Vibrafonisten Lionel Hampton und Schlagzeuger Gene Krupa.

Den Song kannst Du auf YouTube „Benny Goodman Quartet – Stompin‘ At The Savoy (Carnegie Hall Live)“ anhören.

Der Groove

Die Notation (nachfolgende Abbildung) unter dem Basisgroove zeigt acht charakteristische Takte des Drumparts des eineinhalb Minuten langen Vibrafon Solos. Die rhythmische Basis bildet ein Two Beat, also der Wechsel der  Viertelgrundschläge zwischen Bassdrum und Hi-Hat, und das Besenspiel auf der Snare mit der kreisenden linken Hand bei leicht „angewischten“ Viertelschlägen der rechten Hand. Es ensteht ein „stampfender“ Besen-Beat, den Krupa über den fünfeinhalb Minuten langen Songs in  Variationen des Bassdrumspiels, mal im Two Beat und mal im Four Beat, mit Snare Akzenten auf der „Drei-Und“, dem Wechsel zwischen Vierteln und Swing-Achteln auf der Snare sowie mit scharf akzentuierten Fill-ins lebendig hält. 

Spielerische Besonderheiten

Die in den Großstädten des Nordens zum Zeitpunkt der Aufnahme als altmodisch geltende Two Beat Spielweise (Bassdrum auf 1 und 3 und Hi-Hat auf 2 und 4) des New Orleans Jazz zeigt hier ihre Möglichkeiten: Im taktweisen Wechsel zwischen Two Beat und Foor Beat (Bassdrum auf allen Vierteln und die Hi-Hat auf 2 und 4), ergänzt mit Achtelschlägen der Bassdrum, entsteht eine allmähliche Steigerung der rhythmischen Intensität.

Die Bassdrum-Offbeats (Schäge, die nicht auf die Viertel fallen; Erklärungen hier) kommen in den „luftigeren“ Two Beat Passagen besonders zur Geltung (siehe Noten Takt 7 bis 10).

„Double Downbeat“

Die nachfolgende Abbildung zeigt eine rhythmische Figur der New Orlenas Brassbands, den „Double Downbeat“. Diese Eigenheit des New Orleans Drummings bestand ursprünglich aus einem Becken-Akzent auf den Downbeats und einem nachfolgenden Offbeat auf der Basstrommel. Gene Krupa spielt satt des Crashbeckens einen Snare-Akzent.

Quelle zum „Double Downbeat“: Second Line 100 Years Of New Orleans Drumming, Antoon Aukes. Die Figur wird auch „Double Rab“ genannt. Zur Geschichte und Terminologie vgl.  Aukes, Seite 7.

Der Drummer – Gene Krupa

Gene Krupa konnte mit seinem Spiel vor allen die Herzen der Menschen erreichen. Bei aller Akrobatik und allen spektakulären Finessen war Krupas Spiel ein musikalischer Tiefgang zu eigen, die seinen klar strukturierten, melodischen Figuren und Klängen Raum und Gewicht gab. Der Fachbuchautor Ulfert Goeman hat Krupas Spiel so beschrieben: „Im Herzen Dixieland-Trommler, in der Realität Swing-Spezialist, mit dem Verstand Bebop-Schlagzeuger“.  Kaum einem Schlagzeuger  werden mehr bedeutende Innovationen  zugesprochen als Gene Krupa. So gilt er als der erste Schlagzeuger, der mit einer Bassdrum (1927) und mit einem Schlagzeugsolo (1937) auf einer Schallplatte zu hören ist.

Quellen: History of Drumsetplaying (Leu-Verlag), All that Jazz (Reclam), Handbuch der populären Musik (Schott), Reclams Jazzlexikon (Reclam), Second Line 100 Years Of New Orleans Drumming, Antoon Aukes.

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."