Einigen Biographien über Musiker und Musikerinnen eilt der Ruf voraus, in langweiligen Aneinanderreihungen von Superlativen zu münden. Diese Befürchtung ist – trotz des Superlativ-Titels Cool Cooler Cale – unbegründet.
Mark Bloemeke zeichnet die Lebensstationen des Musikers und Komponisten JJ Cale in fast fünfzig übersichtlichen, kurzen Kapiteln nach. Dabei spart der Autor weder Misserfolge noch den anfangs wohl mehr unbeholfenen, schüchternen als cool wirkenden Umgang des Künstlers mit Presse, Plattenfirmen und Fans aus.
Die Recherche der zahlreichen Geschichten und Fakten basiert laut Quellenangaben auf bereits veröffentlichten Interviews und Zeitungsartikeln. Der Autor der Biographie ist Journalist und das journalistische Handwerk ist dem Buch anzumerken. Trotz seines Faktenreichtums ist es Dank einer klaren Gliederung und Sprache leicht lesbar und dabei durchgehend spannend. Eine symphatische persönliche Note lässt der Autor in angemessener Kommentierung durchscheinen. Zum Beispiel dann, wenn er nach einem zitierten und entsetzlich peinlichen Interview des Rolling Stone Magazine mit JJ Cale (mit-) leidet.
Für Musikerinnen und Musiker ist diese Biographie kein Fortbildungsprogramm nach dem Motto: „Wie hat JJ Cale das bloß gespielt?“ Mitnehmen lässt sich jedoch die Erkenntnis, wie wichtig die Suche nach dem eigenen Sound ist. Darauf geht der Autor insbesondere in einem Kapitel über eine ungewöhnliche Eigenbau-Gitarre von JJ Cale ein. Minutiös beschreibt er die chaotisch anmutende Schaltung der lose verdrahteten Tonabnehmer. Dabei zitiert Mark Bloemeke den Meister selbst – von wegen „JJ Cale – Der große Schweiger“.
Auf 258 Seiten wird deutlich, dass JJ Cale ein Mensch war, der mit Widersprüchen – den eigenen ebenso wie denen seiner Zeit – geradezu entwaffnend offen umging. Was rückblickend als Markenzeichen „Coolness“ gestempelt wird, lässt sich nach der Lektüre als gelebte Handlungsfreiheit – die insbesondere auch das Nichthandeln umfasst – verstehen. Dieser Einstellung blieb JJ Cale auch dann treu, wenn sie unangenehme Konsequenzen im Showgeschäft nach sich zog.

Zu den schönsten Abbildungen der Biographie gehört ein Foto, das Eric Clapton und JJ Cale während eines Konzerts zeigt: dicht beieinandersitzend und sich während des Spielens etwas in das Ohr sprechend.
Die Biographie steuert auf eine glückliche und ruhige letzte Lebensphase des Künstlers JJ Cale zu – auf die Freundschaft mit Eric Clapton und die überraschende Freude am Touren mit den Musikern und Musikerinnen, die ihn über Jahrzehnte begleitet hatten.
Lässt man den Inhalt der Biographie etwas sacken, bleibt vor allem eine Erkenntnis: Lebensglück und ein eigenständiges Lebenswerk können sich auch im Showgeschäft einstellen, wenn man sich nicht in den Wünschen und Vorstellungen anderer Menschen verfängt. Einfach „sein eigenes Ding machen“ und damit im Reinen sein.
Daten zum Buch – Autor: Mark Bloemeke; Herausgeber: Voodoo Verlag; Erscheinungstermin: 24. Juli 2020; Auflage: 1.; Sprache: Deutsch; Seitenzahl der Print-Ausgabe: 262 Seiten; ISBN-10: 3000661514; ISBN-13: 978-3000661518; Abmessungen: 18.9 x 1.4 x 24.61 cm; Abbildungen: zahlreich
Christian W. Eggers – 17. Juli 2026 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 19. Juli 2026)
Hörtipp:













