Mit den Jazz Besen kreisen und shuffeln

Kaum mehr Vereinigung von ruhigem Fluss und überraschenden Akzenten ist mit dem Spiel der Jazz Besen auf der Snare vorstellbar. Der hier gezeigte Groove liegt so oder sehr ähnlich in Abwandlungen unzähligen Jazz Titeln zu Grunde.

Hier die grafische Darstellung der Kreisbewegungen im 4/4 Takt. Wenn es für dich einfacher ist, dann kannst du natürlich auch von innen nach außen kreisen. Wichtig ist nur der Fluss ohne bei den mit der anderen Hand hinzuzufügeden Akzenten zu stocken

Das Kreisen (meist mit der linken Hand) erzeugt den gleichmäßigen Fluss, vergleichbar dem Rauschen einer alten Schallplatte. Das Schlagen und mehr noch das Wischen der Akzente mit dem Besen (meist mit der rechten Hand) erzeugt ein schlurfendes Geräusch. Und genau daher stammt auch die Bezeichnung Shuffle: sie umschrieb schleifende Fußbewegungen beim Tanzen auf einem rauen Boden. Das Wort mit der Schreibweise shuffeln hat es übrigens in den Duden geschafft.

Heute kein langes Gerede und keine Geschichten. Hier ist der Groove! Dargestellt im Audio, in Noten sowie mit einem Video zum Einüben der Figuren.

Kreisen und „schlurfen“ auf der Snare. Die Bassdrum wurde auf dem Puls durchgehend gespielt

Kreisen und „schlurfen“ kann man ganz ohne viel Krach gut auf einer alten Zeitung einüben. Das Video zeigt dir die zwei Übungsschritte. Bis sich ein gleichmäßiges Kreisen einstellt, braucht es etwas Ehrgeiz.


Und nun wünsche ich viel Spaß, eine Zeitung zum Kreisen und eine gute Zeit bei der Beschäftigung mit den Jazz Besen.

Christian W. Eggers – christian@stompology.org – 26. April 2022 (letzte Aktualisierung am 24. April 2022)

Famous Grooves – With a Girl Like You – The Troggs

Für Boomer gibt es spezielle „Oldie-Programme“. In denen werden von sehr jungen Musik- Redakteurinnen und -Redakteuren gerne die abgehangenen Kamellen aus dem „Abspiel-Zufallsgenerator 60er Hits“ aufgelegt.

„Bab ba ba bam baaammm! with a girl like you!“ Von wem ist das noch mal?

„Was blieb den Jungs der englischen Klassengesellschaft der 60er Jahre ohne den Besuch einer Eliteschule anderes übrig, als Pop- oder Fußballstar zu werden?“

Foto aus dem Heimatort Andover der Bandmitglieder der einstigen Schülerband The Troggs; Bildtitel: Andover – Colin Jackson Cars; Autor: Chris Talbot; Quelle: wikimedia; Lizenz: CC BY-SA 2.0

Mit der englischen Beat Band The Troggs wird vor allem der Brachialsong  Wild Thing verbunden. Zwischen eingängigen und melodiösen Titeln finden sich seltsam rudimentäre Musikwerke, die unter dem Bandnamen „Die Höhlenmenschen“ alle Befürchtungen zu erfüllen scheinen. Aber da ist auch dieses schwungvolle  „Bab ba ba bam baaammm with a girl like you!“. Das groovt doch; irgendetwas ist hier anders als im 4/4-Garagenbeat der 60er Jahre Beatwelle.

Anhören, Nachempfinden, Üben und Aufnehmen

Den Song With a Girl Like You kannst du auf YouTube anhörnen: https://www.youtube.com/watch?v=Fqo63avlNvk

Der britischer Rock- und Pop-Sänger Sir Rod Stewart soll einmal sinngemäß gefragt haben: „Was blieb den Jungs der englischen Klassengesellschaft der 60er Jahre ohne den Besuch einer Eliteschule anderes übrig, als Pop- oder Fußballstar zu werden?“ Den Mitgliedern einer Schülerband aus dem südenglischen Andover in Hampshire gelang unter dem Bandnamen The Troggs 1965 mit dem Song Wild Thing ein Nummer 1 Hit in den USA

Der Groove

Als die englische Beat Musik zur Rock Musik mutierte, waren da plötzlich die 16tel Schläge. Das klang so wie bei Mitch Mitchell, Trommler bei Jimi Hendrix, neu und aufregend. Einige Musikerinnen (damals sehr wenige wohl nur) und Musiker sprachen vom Mitch Mitchell Beat.

Auf den Back Beat der „Zwei“ folgt ein 16tel Schlag auf der Snare, der die „Drei“ anschiebt. Auf der „Vier“ wird abschließend der zu erwartende Back Beat auf der Snare gespielt. Das Ride Becken wird auf der Kuppe gespielt, was dem Groove einen hellen und leichten Klang verleiht
Die Variation mit einem Tom-Schlag auf der Drei
Variation mit zwei Sechszehntel-Figuren

Ronnie Bond (eigentlich Ronald Bullis), Schlagzeuger der Band The Troggs spielte diesen Beat 1966 auf seine Art: Mit dem genaueren Anhören und Nachspielen kommt ein lockerer Groove zu Tage, der diesem sehr harmlosen und optimistischen Song einen leicht lateinamerikanischen Schwung verleiht.

Viel Spaß beim Ausprobieren, Nachspielen und Experimentieren!

Christian W. Eggers – 10. April 2022 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 13. April 2022)

Quellen, Bildnachweise und Lizenzen

  • Foto aus dem Heimatort Andover der Bandmitglieder der einstigen Schülerband The Troggs; Bildtitel: Andover – Colin Jackson Cars; Autor: Chris Talbot; Quelle: wikimedia; Lizenz: CC BY-SA 2.0
  • Band-Foto The Troggs: Quelle: Fontana Records, wikemedia, Public Domain
  • Artikel: „Groovers and Shakers: Ronnie ‘Split Your ‘Ands!’ Bond – The Troggs“ von Bob Henrit auf MikeDolbear.com

Paradiddle Jungle Groove

Ein Groove, dominiert durch Paradiddle Schlagfolgen? Kann das gut klingen? Eigentlich bezeichnet die lautmalerische Wortschöpfung Paradiddle eine einst in der Militärmusik festgelegte Schlagfolge („Rudiment„), die gerne als technische Übung gespielt wird.

Charakteristisch ist die Kombination aus Einzel- und Doppelschlägen, so wie etwa der verbreiteten 16tel-Schlagfolge RLRR LRll.

Der Autor des Nachschlagewerks Reclams Jazzlexikon Ekkehard Jost nimmt an, dass die „unregelmäßig auf beide Hände verteilte Schlagfolge“ eine Asymetrie darstellt und diese zu „einer bewusst angestrebten rhythmischen Desorientierung führt“. Das alles klingt nicht nach der Idealvorstellung zur Gestaltung eines markanten Drum Grooves.

Zum Glück kann man die „Figur“ Paradiddle etwas „answingen“ auf den Toms spielen, Akzente einbauen und sie mit einfachen Schlagfolgen kombinieren. Es entsteht ein schöner „Jungle Groove“.

Basis für den hier im Audio zu hörenden Groove. Zu einem kleinen Solo wird das Ding, wenn man noch Becken-Schläge hinzufügt und die Schlagfolge über das ganze Set inklusive Snare verteilt

Das Notenbild zeigt so eine Kombination aus wiederkehrenden Paraddidle-Figuren und Einzelschlägen mit Off-Beat Akzenten. Da ist heftige Bewegung drin, so dass Mitmusikerinnen und Mitmusiker schnell genervt werden können, wenn der hier gezeigte exzessive Gebrauch von Paradiddles nicht auf kurze Passagen begrenzt wird. Viel Luft für andere musikalische Ereignisse bleibt sonst nicht übrig.

Paradiddle Jungle Groove im Retro-Sound

Ein Schlagzeuger, der mit Paradiddle-Figuren überaus erfolgreich war und damit Hits komponierte, war der am 14. Februar 2022 verstorbene „Mr. Let There Be Drums“ Sandy Nelson. Einen Artikel über diesen ungewöhnlichen Jazz- und „Beatmusik“-Drummer findest du hier.

Sandy Nelson

Das war es auch schon und ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren!

Christian W. Eggers – 27. März 2022 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung am 27. März 2022)

Berühmte Grooves – Rock Around the Clock

»Ich saß neben den beiden Toningenieuren und bedeutete ihnen mit meiner Zigarre die Regler weiter nach oben zu schieben. Das war das erste Mal, dass eine Schallplatte bis in den roten Bereich ausgesteuert wurde.« Gemeint ist die Aufnahme Rock Around the Clock von Bill Haley & His Comets. Manager James E. („Jim“) Myers beschrieb diese Szene, wie sie sich Hollywood nicht besser hätte ausdenken können. (1)

Rock Around The Clock · Bill Haley & His Comets – Provided to YouTube by Universal Music Group

Welche Entfesselungskräfte in seiner Musik schlummern, können Bill Haley und Jazz-Produzent Milt Gabler nicht ahnen, als sie Rock Around the Clock am 20. Mai 1954 veröffentlichen. Sonst wäre das zwei Minuten und acht Sekunden lange Stück, mit über 200 Millionen verkauften Einheiten einschließlich aller Cover-Versionen der bis heute meistverkaufte Rock-Song aller Zeiten, nicht zunächst auf der B-Seite einer Vinyl-Single versteckt worden. (2)

Bill Haleys Version von Rock Around the Clock gerät zu einem Moment puren Genies, der das Feuer und das Drama dieser Musik für alle Zeiten konserviert.

Haley-Biograf John Swenson

Bill Haley selbst muss ein bescheidener Mann gewesen sein. „Wenn ich eine Dixieland-Melodie nehme und den ersten und dritten Rhythmus-Schlag weglasse, dafür aber den zweiten und vierten betone und einen Beat dazugebe, nach dem die Zuhörer klatschen oder auch tanzen können – das wäre dann genau nach ihren Wünschen. Dann nahm ich alltägliche Redewendungen wie ‚Crazy Man, Crazy‘, ‚See You Later, Alligator‘ oder ‚Shake, Rattle and Roll‘ und machte nach der geschilderten Methode Songs daraus.“ So schlicht erklärte Bill Haley seinen Erfolg später dem Fan-Magazin Haley News.

Spielweise des Grooves

Erstaunlicherweise ist angesichts der Bedeutung der Aufnahme für die Musikgeschichte wenig überliefert, wie der Drum Groove zustande gekommen ist. Über das „klackern“ der Saiten des Contrabasses (Slap-Technik) bis hin zur Vermutung von nachträglichen Overdubs der markanten und den Groove prägenden Shuffle-Figur im Woodblock-Sound: alles Spekulationen, die nicht wirklich helfen den Groove am Schlagzeug umzusetzen.

Viele Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger „hängen“ sich bei diesem Song in das Ride Becken. Das ist nicht so elegant und nimmt dem Song das Achtel-Shuffle-Gefühl. Im Zusammenspiel mit der Band funktioniert die hier gezeigte „hüpfende“ 2-taktige Figur mit den überraschenden Snare-Akzenten im zweiten Takt sehr spannungsreich.

Notiert und nachgespielt ist hier daher das, was in der von der Plattenfirma autorisierten Abmischung zu hören ist. Ohne Anspruch auf historische Richtigkeit.

Der Vorschlag zum Spielen des Basis-Grooves zeigt eine Kombination von Schlägen auf dem Woodblock (Alternativ „Rim of Snare“) und der Snare.
Basis Groove Schlagzeug „Rock Around the Clock“

Bassdrum und Hi-Hat werden in der üblichen Four-Beat-Kombination gespielt. Markenzeichen des Drummers Billy Gussak in der Zusammenarbeit mit Bill Haley war der unerwartet überlaute Akzent auf der 3-Und gefolgt von einem Akzent auf der Zählzeit 4. Diese kraftvolle Spielweise wurde von Bill Haleys Tour-Drummer Dick Richards übernommen.

Steigerung der Intensität zum Ende des Songs mit Backbeats auf der Snare
Das Sticking für Rechtshänder. Wie im Swing üblich, wird der 3-Und Zwischenschlag im zweiten Takt der Basis mit der Linken gespielt

Im Grunde besteht der Groove in einer Fortführung der bis dahin unter dem Begriff „Jump Blues“ bekannten Spielweisen der Bands der amerikanischen Großstädte. Extrem gut tanzbar, laut, Backbeat fixiert und befreit von den komplizierten Feinheiten der Big Band Arrangements.

„Bill Haley and his Comets in the 1954 Universal International film Roundup Of Rhythm“ Lizenz, Autor und Quelle via wikimedia: „Unknown author – This image was provided with the friendly permission by Mr. Klau Klettner from Hydra Records“

Sound des Grooves

Auffallend ist der kräftige Nachklang der Snare Drum. Hier wird wahrscheinlich das Beste der amerikanischen Studiotechnik der 50er Jahre zum Einsatz gekommen sein. Lässt sich der Halleffekt mit einfachen Mitteln imitieren? Ohne Software? Ja, das geht! (siehe hier „Retro Hall der Snare Drum“)

Das hözerne „Shuffle-Klackern“ kann mit einem Woodblock oder auch „Rim of Snare“ erzeugt werden

Interssant ist der Snare Hall besonders im Kontrast zum weniger verhallten Woodblock. Damit kommt der Klang des Grooves schon sehr dicht an das Original heran.

Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren und Losfetzen im Bill Haley Sound. Am besten mit einer guten Band.

Christian W. Eggers – 19. März 2022 – christian@stompology.org – (Letzte Aktualisierung dieses Artikels am 20. März 2022)

Quellen

Wie man ein altes Röhrentonbandgerät aus dem Dornröschenschlaf erweckt

Ein Drama in drei Akten von Klaus Diemer

Akt 1 – Vorgeschichte

Ein Freund von mir hatte ein Grundig TK 30 erworben, ein Röhrentonbandgerät aus den 50er Jahren. Zunächst ging bei ihm alles gut. Das Band lief an und der Sound war klar und kräftig.

Die Aufnahmen hatten jedoch sehr betonte Höhen. Aber bevor weitere Tests folgen konnten, kam plötzlich nur ein ganz leiser Ton aus dem Lautsprecher, dafür wurde ein markanter Brumm hörbar und zwar unabhängig von der Stellung des Lautstärkereglers, also auch bei Stellung „Null“.

Das Tonbandgerät aus dm Jahre 1958. Ein Grundig TK 30

Mechanisch war dagegen alles so weit OK. Das Band konnte ohne weiteres vor- und zurückgespult werden, auch der normale Bandlauf funktionierte ohne Probleme. Aber was nutzt die beste Mechanik, wenn aus dem Lautsprecher nur ein ganz leiser Ton kommt, dazu von einem deutlich vernehmbaren Brumm überlagert?

So fasste mein Freund den Entschluss, mir das Tonbandgerät zur weiteren Prüfung zu übersenden. Keine einfache Sache, denn das Gerät wiegt fast 20 Kilo. So ging eine ehemalige Weinkiste mit der kostbaren Fracht aus dem hohen Norden in den tiefen Süden auf die Reise. Genauer gesagt von Kiel in Schleswig-Holstein nach Bad Füssing in Niederbayern. Die gute alte Post schaffte es tatsächlich, das schwere Paket innerhalb kürzester Zeit zum Zielort zu bringen.

Optisch gab es nichts zu mäkeln

Nach dem Auspacken ging es zunächst einmal an die erste optische und technische Prüfung. Optisch gab es nichts zu mäkeln. Für sein Alter sah das Gerät wirklich tadellos aus. Keine Verschmutzungen, keine Brüche, Kratzer, Dellen oder Ähnliches, alles war einfach spitzenmäßig.

Das Grundig TK 30 hat weder Kratzer noch rostige Stellen

Dieser erste Eindruck trübte sich dann allerdings schnell, nachdem ich den Einschalter betätigt hatte. Die Maschine lief zwar gut an, es war auch ein Licht zu sehen, aber dann kam dieser unsägliche Brumm. Um nicht mehr Beschädigungen zu riskieren, schaltete ich das Gerät erst einmal aus und machte mich an die Besichtigung der Innereien.

Akt 2 – Besichtigung und Erneuerungen

Das schwere Metallchassis des TK 30 ist in ein massives Holzgehäuse eingebaut. Es ist mit vier Muttern auf feststehenden Schrauben, die in Gummifüße eingelassen sind, montiert. Der Lautsprecher ist über ein zweiadriges Kabel über einen abziehbaren Stecker mit dem Chassis verbunden. Nach Herausziehen des Steckers lässt sich das Chassis nach Lösen der Muttern leicht nach oben herausheben.

Der Autor weist eindringlich darauf hin, dass bei den Arbeiten an Röhrengeräten wegen der hohen Spannungen äußerste Vorsicht geboten ist. Dies gilt zwar für alle Geräte, in deren Gehäuse ein Netztrafo eingebaut ist, aber im Gegensatz zu transistorisierten Geräten liegen bei Schaltungen mit Röhren an vielen Stellen hohe Gleichspannungen an. Diese können mittelbar oder unmittelbar zu Schäden führen, bis hin zu einem tödlichen Schlag.

Wie erwartet waren im Innern des Gerätes eine Menge alter Bauteile verbaut. Wobei hiermit nicht nur das Lebensalter, sondern der technische Stand der verbauten Teile gemeint ist.

Schweizer Kracher und Malzbonbons

Als erstes fielen die Kondensatoren auf. Da gab es zunächst einmal die „Malzbonbons“, die schwarz-braunen, schön geformten Kondensatoren, die wegen ihrer Ähnlichkeit mit den früher beliebten Malzbonbons diese Bezeichnung haben. Und dann waren auch gleich die Papierkondensatoren zu erkennen, die wegen ihrer Ähnlichkeit mit Feuerwerkskörpern „Schweizer Kracher“ genannt wurden.

Diese Kondensatoren haben mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nach all den Jahren keine Funktion mehr. Und dann gab es noch die kleinen Styroflex–Kondensatoren, die auch schon bessere Zeiten erlebt hatten.

So zeigte sich das Gerät mit den Malzbonbons (ganz rechts im Bild) und „Schweizer Krachern“

Und hier nach Einbau der Folienkondensatoren

Hier sieht man deutlich, dass die alten Anschlussdrähte wiederverwendet wurden

Alle vorgenannten Kondensatoren können durch moderne Folienkondensatoren mit entsprechender Spannungsfestigkeit ersetzt werden. Dies gestaltet sich problemlos, weil diese Bauteile leicht zu bekommen sind und ohne Schwierigkeiten eingelötet werden können.

Es bietet sich an, die alten Kondensatoren so abzuzwicken, dass die Anschlussdrähte noch vorhanden sind. So lassen sich die neuen Kondensatoren, die im allgemeinen kürzere Anschlussdrähte haben, einfacher anlöten. Polaritäten sind nicht zu beachten, wohl aber die richtigen Kapazitätswerte und Spannungsfestigkeit. Mit Bauteilen einer Spannungsfestigkeit bis 1000 V ist man auf der sicheren Seite, 630 V oder 500 V sind aber in den meisten Fällen auch einsetzbar.

Als nächstes wurden die Elkos geprüft. Dies lässt sich recht zuverlässig mit einem ESR-Meter bewerkstelligen. Wenn der gemessene Widerstand nur wenige Ohm beträgt, kann man davon ausgehen, dass der Elko noch in Ordnung ist. Es schadet aber auch nicht, diese alten Elkos ebenfalls generell zu ersetzen. Auch hier sollte die Spannungsfestigkeit und natürlich die richtige Polung beachtet werden!

Dann ging es an die Widerstände. Dies ist ein langwieriger Prozess, weil die Widerstände zur Messung mit einem Ohmmeter an einer Seite abgelötet bzw. abgezwickt und nach der Messung wieder angelötet werden müssen.

Als letztes kam die Diode im Kreis des magischen Bandes EM 84 auf den Prüfstand. Diese hatte einen Schluss und sollte durch einen modernen Typ 1N4148 ersetzt werden. Problematisch erschien der Wechsel, weil man an diese Diode nur sehr schwer herankam. Mit etwas Geschick und Fummelei sollte der Tausch aber möglich sein, ohne die gesamte, oberhalb der Diode befindlichen Mechanik, abzubauen.

Akt 3 – Fehlersuche und Reparaturen

Nun kam der spannende Moment. Nach Austausch aller vorgenannten Teile wurde das Gerät eingeschaltet und… der Brumm war nach wie vor vorhanden und der Ton wie vorher nur sehr leise.

Zum Verständnis des weiteren Vorgehens muss man sich die Röhrentechnik vor Augen halten. Eine Röhre hat eine Kathode, ein oder mehrere Gitter und eine Anode. Im vorliegenden Fall ging es um die Endröhre, also die Verstärkerröhre der Endstufe, eine EL 84. Meistens hat der Koppelkondensator zum Steuergitter der NF-Endröhre einen zu hohen Leckstrom. Dadurch verändert sich der Arbeitspunkt der Endröhre. Das führt nicht nur zu Verzerrungen und zu einer Überlastung der Endröhre durch zu hohen Anodenstrom. Durch den zu hohen Anodenstrom ist das Netzteil überlastet und der Brummanteil höher. Diesem Koppelkondensator gehörte deshalb meine Aufmerksamkeit. Ausgetauscht und… der Ton war wieder da, allerdings noch nicht ganz brummfrei. Und was noch schlimmer war als der Brumm: der Ton war stark verzerrt. Diese Verzerrung schwoll mit zunehmender Lautstärke an, irgendetwas brachte die Stufe zum Schwingen.

Jetzt war ein weiterer Blick in das Schaltbild angesagt. Die Endstufe ist gegengekoppelt. Dabei wird die Phase der Gegenkopplung mit steigender Frequenz gedreht. Wenn die Verstärkung größer als eins ist, kommt es zum Schwingen der Stufe. Also muss dort, wo die Phase soweit gedreht ist, dass es schwingen kann, die Verstärkung kleiner eins sein. Hierfür sorgt der zwischen der Anode und dem Steuergitter liegende Kondensator mit 470pF, indem er den wirksamen Widerstand des Elkos mit 8µF soweit reduziert, dass die Verstärkung kleiner eins ist.

Die ausgebauten Kondensatoren

Nach Ersetzen des Styroflexkondensators 470pF waren die Verzerrungen beseitigt. Der Ton war klar und kräftig, aber ab und zu gab es kleinere Aussetzer. Dies ist bei älteren Geräten nicht unüblich, weil die Lötstellen auch nicht mehr die besten sind. Dies ist die am häufigsten vorkommende Ursache für Wackelkontakte. Daher hatte ich an verschiedenen Drähten der Potentiometer für die Lautstärke und dem Klangregler vorsichtig gezogen und schon war der berüchtigte Wackelkontakt da. Hier kam der Lötkolben abermals zum Einsatz. Die Kontakte wurden nachgelötet (vorher wurde das Gerät vom Netz genommen!) und schon war dieser Fehler auch beseitigt.

Die Aufnahme funktionierte auch, aber die Höhen fehlten etwas

Die Aufnahme funktionierte auch, aber die Höhen fehlten etwas. Daher hatte ich den Wiedergabekopf ausgebaut und näher besichtigt. Der Kopf sah zwar noch einigermaßen gut aus, hatte aber einen stumpfen Belag.

Nun kam meine Spezialmethode ins Spiel. Es gibt Schwämme mit einem silbrigen Belag, der etwa einer Körnung von 1200 entspricht. Damit kann man mit etwas Spiritus den Tonkopf feinschleifen, wobei man den Kopf auf der Silberfläche mit ganz leichtem Druck gleichmäßig hin- und her bewegt und dabei der Krümmung des Kopfes folgt. Also so, wie eine Kirchenglocke hin und her schwingt. So konnte ich den Belag entfernen und das Ergebnis war ein hochglänzender Kopfspiegel.

Nach Einbau war eine brillante Aufnahme vernehmbar, mit schönen Höhen und satten Tiefen. Leider gab es immer noch ein leichtes Brummen, wobei ich eine Brummschleife vermutete. Also den Netzstecker um 180° gedreht und auch dieser Brumm war verschwunden.

Nach mehreren Tagen Arbeit, Tests und Suchen war das Problem schließlich gelöst und das Gerät konnte wieder zusammengebaut und auf die Reise in den hohen Norden geschickt werden.

Klaus Diemer – 16. März 2022 – (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 20. März 2022)

Der Autor dieses Beitrags, Klaus Diemer, ist leidenschaftlicher Tonbandgeräte-Fan und betreibt als Hobby ein Portal für die Reparatur und Wartung von Geräten der Reihe UHER Report 4000 – 4400 und UHER Report Monitor 4000 – 4400. Die Website von Klaus Diemer: https://www.tonbandservice.de/

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