Berühmte Grooves – „I‘m Walking“ von Fats Domino

Einen weltweiten Hit hatte Fats Domino mit „I‘m Walking“. Der Beat dieses Songs besteht in einer Übertragung der Straßen-Parade Beats der New Orleans Brassbands („Blechkapellen“) in den Rock ’n‘ Roll. Schlagzeuger Earl Palmer war an der Verbreitung von „Second-Line Grooves“ als Bestandteil des Rock ’n‘ Roll maßgeblich beteiligt. Den Song aus dem Jahre 1957 kannst du hier anhören.

Das Intro beinhaltet auf beeindruckende Weise auf vier Takte (Zeilen 2 und 3) komprimiert wesentliche Elemente des Second Line Parade Drummings. Der Basis Groove (erste Notenzeile) kann auch mit den Handsätzen RR LL RR LL gespielt werden. (2)

Schlagmelodie im Intro

Was für ein großartiges Intro! In vier Takten hat Earl Palmer den Facettenreichtum des traditionellen New Orleans Parade Stils – gespielt auf der Bassdrum und der Hi-Hat – untergebracht. Zum Einüben der nicht so schnell zu behaltenden Schlagfolge des Intros (4 Takte) kann es hilfreich sein, sich die Schlagfolge von Bassdrum und getretener Hi-Hat zunächst duch Nachsingen einzuprägen und langsam mitzuspielen.

Die Lautmelodie des Intros von I’m Walking

Das dominate Handklatschen erfolgt auf den Hi-Hat Zeiten durchgehend auf der „Zwei“ und der „Vier“.

Hier 2x das Original-Intro -gespielt von Earl Palmer – stark verlangsamt zum Anhören. Deutlich wird die „triolische“ Spielweise dieser wunderbaren Schlagfolge. (3)

Basis Groove

Im Basis-Groove dominiert die marschartige Parade-Snare. Die Zählzeiten Zwei und Vier werden durch Snare-Akzente und die getretene Hi-Hat hervorgehoben.

Nicht zu verwechseln ist der Groove mit den „Train Beats„. Sie basieren mehr auf einem Country Musik Gefühl mit 16-tel Aufteilungen und einem Schwerpunkt auf der Eins und der Drei.

Der Basis Groove „I’m Walking“

Herkunft und Bedeutung

Der Schlagzeug-Part lässt sich in einer direkten Linie vom Second Line Parade Schlagzeug über den Jazz zum New Orleans R&B der 50er bis weit in die Gegenwart der Rockmusik verfolgen. Ein sehr bekanntes Beispiel für die Übernahme des Grooves und seiner Spielweise in den Rock der 70er Jahre ist in dem Song The Ballroom Blitz von der englischen Glamrock Band The Sweet (hier auf youtube) zu hören.

1991 war der Song in der Werbekampagne „Alles super!“ des Mineralölkonzerns Aral in einem inzwischen zum Kult-Werbespot erklärten Film (hier auf youtube) zu hören.

Der Drummer Earl Palmer

Palmer lieferte den Backbeat zu berühmten Songs wie „Tutti Frutti“ von Little Richard, „You’ve Lost That Lovin’ Feelin’“ von den Righteous Brothers oder „River Deep, Mountain High“ von Ike und Tina Turner. Mit Fats Domino nahm er „The Fat Man“ auf, mit Smiley Lewis „I Hear You Knockin’“. Er arbeitete auch mit so unterschiedlichen Künstlern wie Frank Sinatra, Neil Young und den Monkees zusammen. Little Richard schrieb in seiner Autobiografie über Palmer, er sei vielleicht der größte Session Drummer aller Zeiten.“ (4)

„1999 wurde Palmers Biographie „Backbeat: Earl Palmer’s Story“ veröffentlicht und 2000 wurde er in der Kategorie „Sidemen“ in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Palmer starb 83-jährig am 19. September 2008 in seinem Haus in Los Angeles. Der Rolling Stone listete Palmer 2016 auf Rang 25 der 100 besten Schlagzeuger aller Zeiten.“ (5)

Viel Freude am Entdecken dieses Grooves und immer daran denken, dass er mit ein wenig Swing-Gefühl gespielt werden sollte. Wenn das klappt, besteht Suchtgefahr.

Christian W. Eggers – 9. Oktober (letzte Aktualisierung am 9. Oktober 2021) christian@stompology.org

Quellen und Literaturtipp

Wer sich intensiver mit dem New Orleans Drumming befassen möchte, kann das hervorragende Buch von Antoon Aukes mit dem Titel Second Line – 100 Years Of New Orleans Drumming (Verlag C. L. Barnhouse) lesen. Wahrscheinlich das beste Fachbuch über historisches Schlagzeugspiel.

Bandsalat Teil 3 – Uher Report Praxistest

Zunächst: Was soll der Quatsch? Gibt es einen vernünftigen Grund im Jahre 2021 Schlagzeug Grooves mit einem 45 Jahre alten Reporter-Tonbandgerät aufzunehmen? 

Aus „stompologischer“ Hör- und Sichtweise lässt sich nur sagen: es macht riesigen Spaß! Und schließlich geht es ja hier um die akustische Dokumentation der „alten“ Grooves. Diese konnten nur analog aufgezeichnet werden und der Klang mit allen seinen Unzulänglichkeiten und Besonderheiten hört sich vertraut an, meine ich.

Das Uher Report Stereo 4400 IC wurde von 1971 bis 1979 produziert. Der nicht gerade designpreisverdächtige Metallwürfel aus den Uher Werken München erfreute sich – bis zur Ablösung durch portable Kassettenrekorder Anfang der 80er Jahre – bei Radioreportern und Sendern weltweit großer Beliebtheit. Bei meinem aus einem Privathaushalt erworbenen Gerät funktionierte zunächst der rechte Kanal nicht. Das Mehrfache betätigen der Spurwahltasten hat den Fehler vollständig behoben. Zudem waren die Antriebsriemen ausgeleiert, so dass diese ersetzt werden mussten.

Der Charme des Analogen

Ein Vergleich der analogen Bandaufnahme mit analogen Fotografien drängt sich auf. Das analoge Foto setzt sich – sehr vereinfacht – aus Silberkörnern zusammen. Werden Negative und/oder Abzüge des Negativs digitalisiert, wird der optische Eindruck der Kornstruktur des Films miteingefangen. Je nach Auflösung des Films stärker oder weniger deutlich. Die akustischen Eigenheiten der analogen Bandaufnahme bleiben zum Teil, ähnlich wie die Besonderheiten der Filmemulsion, bei einer Umwandlung in Dateien erhalten. Das macht den Charme aus.

Ohne Zubehör geht es nicht. Adapterkabel zur Digitalisierung, Entmagnetisierungsspule, Wattestäbchen, Alkohol und (eher selten) ein ganz klein wenig Uhrmacher-Öl halten das Gerät funktionsfähig.

Zum Testen der Funktionsfähigkeit der inzwischen häufig über 50 Jahre alten Uher Geräte, ist die Nutzung von Originalzubehör sinnvoll. Damit lassen sich Fehler ausschließen, die in der fehlenden Kompatibilität zwischen veralteter deutscher Audio Din Norm und modernen Zubehör und neueren Mikrofon- und Audio-Anschlüssen bestehen können.

Zwei Original-Mikrofone von Uher mit der Bezeichnung M534. Zum Testen des Uher Report ideal, da die Mikros auf das Report abgestimmt sind. Das Paar der wenig benutzten Mikros war über eBay Kleinanzeigen für Euro 65,00 zu erwerben.

Ein erster Test mit Bandgerät und Schlagzeug

Nachdem nun alle notwendigen Komponenten zur Aufnahme und zur Digitalisierung zusammen sind, hier zunächst ein kurzer Aufnahmetest mit meinem Schlagzeug und dem Uher Report 4400 Stereo IC.

Ein Bo Diddley Groove aufgenommen mit dem Uher Report und zwei Uher M534 Mikrofonen. Wiedergegeben über den eingebauten Lautsprecher des Bandgerätes.

Je weiter man in der Zeit bei der Wahl der analogen Technik zurückgeht, umso aufwendiger wird es, die Brücke zur digitalen Musik-Publikation zu schlagen. Abgesehen von den ständig notwendigen Wartungsarbeiten und den eventuellen Reparaturen (siehe Bandsalat Teil 1 und Teil 2), muss man für die speziellen Adapter für Mikrofonanschlüsse, Kabelverlängerungen und Audioanschlüsse ein kleines Vermögen aufbringen.

Digitalisierung der Tonbandaufnahme

Die Umwandlung der Tonbandaufnahmen in digitale Formate ist hier mit einem Minimum an Technik zu sehen. Das niedrigpreisige Interface von Behringer und die freie Software Audacity reichen für die Erstellung von MP3 Dateien völlig aus.

Digitalisierung: Ein Interface kann über die Din-Audio-Buchse des Uher Report angeschlossen werden. Im Bildbeispiel wird die Stereo-Aufnahme zur digitalen Mono-Aufnahme. Auf einen in Auftrag gegebenen passenden Adapter mit 2 x Klinke (Stereo) sowie mit einer guten Abschirmung warte ich derzeit noch.

Der mit Audacity bearbeitete Groove, hier als MP3 Datei hochgeladen. Die Mikros standen für den Test ganz einfach vor dem Schlagzeug. In der Bearbeitung sind die Bässe (Bassdrum) etwas hervorgehoben und natürlich darf die Simulation eines 50er Jahre Raumhalls nicht fehlen. Ansonsten wurde die analoge Aufnahme unverändert übernommen.

Das waren spannende und lehrreiche Wochen! Jetzt aber freue ich mich, demnächst die Aufnahmen der alten Grooves für dieses Archiv mit der „Uher-Kiste“ fortsetzen zu können.

Christian W. Eggers (2. Oktober 2021) christian@stompology.org

(Letzte Aktualisierung dieses Beitrags: 2. Oktober 2021)

Bandsalat Teil 2 – Plug and Pray

Nachdem das 70er Jahre Uher Report Tonbandgerät nun endlich eingetroffen war und einer gründlichen Reinigung unterzogen wurde (siehe Teil 1), sollte es eigentlich losgehen. Zu früh gefreut!

Das Uher Report 4400 IC mit der berühmten „Reporter Bereitschaftstasche“ aus Leder. Kritiker meinten, die Tasche sei sehr nützlich: Endlich sei der Spulenlärm eines Report in den Griff bekommen.

Antriebsriemen wechseln

Nach einem ersten Testlauf lösten sich die wahrscheinlich uralten Antriebsriemen in Bruchstücke auf. Ein Crash-Kurs über YouTube, in dem ein etwas unkonzentrierter Dozent mit schlechter Beleuchtung den Wechsel gerissener und loser Riemen beschreibt, machte Mut zum selber Hand anlegen. Neue Gummiriemen gibt es natürlich über das Internet zu bestellen. Da Uher 1, 5 Millionen Bandgeräte des Typs Rekord verkauft haben soll, scheint sich ein reger Ersatzteilhandel wohl noch zu lohnen.

Bandgeräte der Report Serie sind so gebaut, dass auch ein Laie die notwendigsten Wartungsarbeiten durchführen kann. Der Riemenwechsel ist zwar fummelig, aber ohne das Entfernen von Platinen und Trennen von Verlötungen zu bewerkstelligen.

Die robuste Technik der Reports wurde nicht nur von Rundfunkreportern der ARD, sondern auch im „Kalten Krieg“ sowohl von West- wie auch von Ost-Geheimdiensten zur Aufzeichnung von Telefongesprächen eingesetzt. Überraschend für die Geschäftsleitung der Uher Werke soll gewesen sein, dass weltweit auch Hobby-Nutzer Gefallen an dem seltsamen Metallwürfel fanden.

Nach dem Ersatz eines gerissenen Antriebriemens und dem Austausch eines ausgeleierten Riemens läuft die Kiste wieder. Die Spulengeräusche halten sich in Grenzen. Die Uher Report Bandgeräte sind so gebaut, dass Verschleißteile gut zugänglich sind. Alle 2 bis 4 Jahre sollen laut Bedienungsanleitung die Antriebsriemen gewechselt werden. Insgesamt hat das Uher Report drei Riemen. Einer davon ist lediglich für das sehr genau arbeitende Zählwerk zuständig. Bricht einer der beiden Laufwerk-Antriebsriemen, geht nichts mehr.

Wiedergabe und Aufnahme

Die Wiedergabe von Musikaufnahmen über den internen Lautsprecher klingt sauber und ohne hörbare Gleichlaufschwankungen. Mono-Aufnahmen mit einer Bandgeschwindigkeit von 19 cm/s klingen (nach Entmagnetisierung und Tonkopfreinigungen) mit dem mitgelieferten einfachen Uher Mikrofon M 514 überraschend frisch und so warm, wie ich es mir erhofft hatte.

Die Stereofunktion ist leider entgegen der Beschreibung der Verkäuferin defekt und so muss ein Test noch warten. Auch warte ich immer noch auf die passenden Din auf XLR Kabel für meine zwei Studio-Mikrofone.

Der Mann mit der Ledertasche

Statt am Schlagzeug zu sitzen, verbrachte ich ein Wochenende (insgesamt 20 Stunden) mit der Sanierung des unrettbar zerbröselten 70er-Jahre-Velours-Innenlebens der 1978 von Uher als Designer Tasche angepriesenen Verpackung aus Rindsleder.

Wie bekloppt muss man eigentlich sein?

Alles in allem: Es ist wohl etwas naiv zu glauben, dass man – egal was Verkäufer versprechen – ohne weitere Mühen und Kosten ein 45 Jahre altes Bandgerät einfach so nutzen kann. Ein Rückbau auf funktionierende analoge Technik in Verbindung mit Digitalisierungen ist richtig teuer. Es sei denn, man kann die beim Kauf einzuplanenden notwendigen Reparaturen an der Elektronik selber ausführen und hat sehr viel Zeit. Das ist mir leider nicht so sehr vergönnt.

„Plug and Pray“ statt „Plug and Play“.

Im 3. Teil dieses Artikels geht es um die Digitalisierung von Schlagzeugaufnahmen über ein Interface.

Christian W. Eggers – 28. September 2021 (letzte Aktualisierung dies Artikels am 29. September 2021) christian@stompology.org

Bandsalat Teil 1– Kauf und Erweckung eines 45 Jahre alten Tonbandgerätes

„Von Musikaufnehmen verstehe ich nichts. Aber bedenken Sie, junger Mann: Ihre Frau brauchen Sie länger als ein Tonbandgerät!“, sagte Adelheid B. (Name geändert) am Telefon. Ich hatte auf Adelheids Kleinanzeige zum Verkauf eines Tonbandgerätes mit der Bitte um eine Reservierung geantwortet. Schließlich wollte ich nicht den Hausseegen durch einen Spontankauf ohne die Zustimmung meiner Frau riskieren.

Das gereinigte Uher Report 4400 Stereo IC. Etwas verdünnter Essig für das Gehäuse und medizinischer Alkohol helfen gut. Die abnehmbaren roten Punkte sind zum Auffinden der Aufnahme-Tasten angebracht.

„Nun kostet das Tonband aber 5 Euro mehr!“

Sowohl meine Frau wie auch Adelheid zeigten sich gnädig. Fast wäre der Kauf am Versand gescheitert. Adelheid teilte mir grußlos per Mail mit, dass sie nun mal 83 Jahre alt sei, kein geeignetes Verpackungsmaterial finden könne und im Übrigen sei das Paket zu schwer für sie. Dank eines Services des Paketdienstes wurde das Gerät aus dem tiefsten bayrischen Wald  direkt bei Adelheid abgeholt („Jetzt kostet das Gerät aber 5 Euro mehr.“)   Einige Tage später war ich für 255 Euro der neue Besitzer eines  45 Jahre alten Gerätes der Marke Uher Report.

Die sich schleppend drehende Spule, begleitet durch den Lärm einer Großbaustelle, ließ Böses ahnen.

Wie ich erfahren hatte, verbrachte das Gerät schon vor dem Ableben des Ehemannes einige Jahre (Jahrzehnte?) im Keller. Nur kurz vor dem Verkauf hatte Oma Adelheids Enkel die Maschine an das Netz angeschlossen („alles funktionsfähig“) und tatsächlich: Das Ding lief! Und Geräusche kamen auch heraus. Die sich schleppend drehende Spule, begleitet durch den Lärm einer Großbaustelle, ließ Böses ahnen. Und dann war da dieser Geruch: abgestandener Keller, fein untermalt mit Nikotin; wahrscheinlich der Marke „Juno“.

Die Freizeit der kommenden Tage verbrachte ich damit, das ehemalige Rundfunk-Reporter Gerät zu untersuchen und zu reinigen. Nachdem sich sogar der alte Nickel-Cadmium Akku aufladen ließ und das Gerät einige Stunden Vor- und Rücklauf hinter sich hatte ohne Protestgeräusche zu produzieren, bin ich wieder optimistischer.

 „Auwacka, wieder so ein Verrückter!“

Das alte mitgelieferte Band erschien mir zu verschmutzt um damit weitere Tests durchzuführen. Zum Glück gibt es ein Musikinstrumente-Versandhaus, welches Bandmaterial auf 13 cm Spulen liefert.

Nicht ganz einfach ist es, moderne Mikros und ältere amerikanische Mikros mit XLR-Verbindung mit den alten deutschen Din-Buchsen störungsfrei zu betreiben. Das Gerät hat vier verschiedene Geschwindigkeiten und muss manuell ausgesteuert werden.

Dann war da noch die Sache mit den Anschlüssen für die Mikrophone. Amerikanische Mikrophone mit einer deutschen 5-poligen Din-Buchse zu verbinden ist eine Wissenschaft für sich. Über das Internet wurde ich auf ein Hifi-Adapter Geschäft aufmerksam. „Auwacka, wieder so ein Verrückter!“, erklärte mir der Inhaber im besten Berliner Jargon. Nach einem etwa zweistündigen Gespräch, auch über „Mucke machen und so“, war dann geklärt, wie diese Kabel für die vorhandenen Mikros gelötet werden müssten.

Der Test von Aufnahme und Wiedergabe muss noch ein wenig warten. Davon werde ich im zweiten Teil dieses Artikels berichten.

Christian W. Eggers – 19. September 2021 – christian@stompology.org

Berühmte Grooves – What’d I Say – Ray Charles

Zunächst nur eine ausgedehnte Improvisation zur Erfüllung der vertraglichen Spielzeit in einem Club und kurz darauf auf dem Weg zu einem R&B Klassiker: What’d I Say von Ray Charles, aufgenommen im Jahre 1959, gehört laut Rolling Stone Magazin zu den 10 größten Songs aller Zeiten. (1)

Aufgrund seiner kulturellen und historischen Bedeutung für die Vereinigten Staaten wurde der Song am 27. Januar 2003 in die National Recording Registry der Library of Congress aufgenommen. (2)

Hier kannst du auf YouTube den Song in der Studio-Version anhören.

Charles in the 1960s – William Morris Agency (management)/Photo by Maurice Seymour, New York – Quelle Wikipedia

Verbindung von Gospel und R&B

Musikgeschichtlich kommt dem Song gleich zweifach Bedeutung zu. Zum einen ist da die Stil-Fusion von Gospel und New Orleans R&B und darüber hinaus enthält der Song erotische Anspielungen, die Empörung auslösten, weil der Song in seiner Form als Bestandteil eines Gottedienstes verfasst wurde. In dem Song „tritt die Verbindung von R’n’B und Gospel sehr deutlich hervor. Das Stück übernimmt mit seinem Call-and-Response direkt die Kommunikationsform zwischen Prediger und Kirchengemeinde.“ (3)

Der Groove

Daniel Glass, Autor des Lehrbuches „The Commandments of Early Rhythm and Blues Drumming“ bezeichnet diesen Groove als Faux Rhumba: „One of the best-known faux rhumbas of all time is Ray Charles’s 1959 smash ‚What’d I Say‘ .“ (4) Mehr über „Faux Latin Grooves“ kannst du hier erfahren: „Boogie meets Latin“

Der Groove zum Song What’d I Say

Die Groove Melodie und Vorübung

  1. Takt: „Ding-die-die – Tack-die – Ding-die-die – Bam-Bam“
  2. Takt: „Ding-die-die – Tack-die – Ding Bam BAM Bam“
Die langsam gesungene Groove Melodie

Beim Einüben des Grooves hilft es wie immer zunächst ein langsameres Tempo zu wählen, so dass die Bewegungsabläufe sich nach und nach einprägen. Insbesondere die drei Tom- Anschläge hintereinander im zweiten Takt hakeln vielleicht zunächst etwas.

Besonderes Augenmerk ist auf die 16-tel Ride-Becken Figur zu legen. Da das Tempo der Original-Aufnahme mit fast 180 bpm sehr flott ist, bedarf es einer lockeren Stickhaltung, die viel Rückschlagenergie zulässt. Dabei hilft die harte Kuppe des Ride Beckens gut mit.

Notation des Grooves

Das Becken wird im Rumba Pattern auf der Kuppe gespielt. Auf der Zwei erfolgt ein Side Stick Anschlag auf der Snare. Abgerundet wird der Groove auf der Vier im ersten Takt mit zwei Tom-Tom Anschlägen und im zweiten Takt auf der 3-Und, der Vier sowie der Vier-Und. Die Bassdrum wird leise auf den Vierteln „durchgespielt“.

Der Drummer – Milt Turner

Milt Turner (1930 – 1993) war ein Jazz-Drummer, der sich als Pionier des frühen R&B in amerikanischen Musikerkreisen einen großen Namen machte. Seine produktivste Zeit hat er wohl in der 60er Jahren als Studiomusiker bei Atlantic Records.

Turner’s soulful drumming and light grooves, as on “What I Say,” helped make the song a huge crossover hit.

Drummagazine.com (5)

Wie so oft bei den Schlagzeugern dieser frühen Zeit der Musikproduktionen ist nicht viel über die Beteiligten und meist hervorragenden Musiker und Musikerinnen zu erfahren. Milt Turner ist in der Live-Aufnahme „Ray Charles live in Sao Paulo – Brazil 1963“ zu sehen und zu hören. Beeindruckend ist die Leichtigkeit gepaart mit Drive, mit der Turner diesen einzigartigen Groove trommelt.

Christian W. Eggers – 28. August 2021 (letzte Aktualisierung am 28. August 2021) christian@stompology.org

Quellen

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