Revox G36 als Master-Tonbandgerät verwenden – Ein Klangvergleich digitaler und analoger Endbearbeitung

Rein digital erstellte Audio-Aufnahmen werden von einigen Hörern und Hörerinnen als unnatürlich rein empfunden. Trotz zahlreicher Programme, die den Klang alter Audiogeräte, wie Bandmaschinen, simulieren. Dieser Artikel enthält einen Klang-Vergleich zwischen einer rein digitalen Musik-Produktion gegenüber einer Endbearbeitung des digitalen Audios, erstellt mit einer Röhren-Tonbandmaschine.

Die Master-Maschine

Zur Endbearbeitung der digital erstellten Aufnahme wurde in diesem Vergleichstest ein Tonbandgerät Revox G36 MK 1 gewählt.

Es handelt sich bei der Baureihe Revox G36 um die letzten in Serie hergestellten semiprofessionellen Röhrentonbandgeräte. Die Revox G36 vereint gleich zwei analoge Soundeigenschaften: die einer Bandaufzeichnung und die Wirkungen der Klangerzeugung mittels Röhrentechnik.

Das im Vergleich zu hörende Exemplar einer Revox G36 wurde von der Bundeswehr für messtechnische Aufgaben 1964 angeschafft. Bald schon außer Dienst gestellt, verbrachte das Gerät einen langen Dornröschenschlaf, bis es vor einigen Jahren von einem auf Röhrentechnik spezialisierten Fachmann vollständig überholt wurde.
Inzwischen hat der Oldtimer im kleinen Stompology-Studio seinen festen Platz gefunden.Das DIN-VU-Meter über den Spulen des Bandgerätes dient zur Anzeige des Ausgangspegels eines Interfaces oder Mischpults.

Der Vergleich

Zunächst ist die rein digitale Produktion, erstellt mit dem Programm Audacity, zu hören.

Hiervon wurde eine Audiodatei mit der Revox G36 bei Aussteuerung nach Bedienungsanleitung erstellt: maximaler Pegel nach angezeigter Aussteuerungskontrolle + 1,5 VU.

Eine weitere Aufnahme der digitalen Aufnahme mit der G36 erreicht bei lauten Passagen einzelner Instrumente der Aufnahme + 3 der nach ASA-Norm geeichten Revox VU-Meter. Mit dieser Aufnahme sollen die Übersteuerungseffekte Bandsättigung und Röhrenverzerrung hörbar werden.

Audios im Vergleich

Hier folgen die drei Aufnahmen (jeweils 30 Sekunden) zum Hörvergleich.

Rein digital

Das digital erstellte Audio

Revox Bandmaschine mit empfohlener Aussteuerung

Das digitale Audio, aufgenommen mit der Revox G36 bei empfohlener Aussteuerung

Revox Bandmaschine mit überhöter Aussteuerung

Das digitale Audio, aufgenommen mit der Revox G36 bei Übersteuerung

Der Song „Sanftes Leben“

Für diesen Hörvergleich wurde das Intro des neuen Songs „Sanftes Leben“ von Archie Ancora & His Motorboats ausgesucht. Der Song ist demnächst auf stompology.org frei verfügbar.

Weiterführender Link

Für Freunde und Freudinnen von Bandgeräten in der Musikproduktion: EinVergleich zwisschen einer Revox A77 und G36 wurde bereits hier vor einiger Zeit veröffentlicht. Der Beitrag ist hier zu finden.

Christian W. Eggers – 25. Februar 2026 – christian@stompology.org (Letzte Aktualisierung dieses Artikels am 25. Februar 2026)

Buchbesprechung: Sam Phillips – Der Mann, der den Rock’n’Roll erfand

Dies ist keine formale Buchbesprechung. Ich schreibe über dieses Buch so, als würde ich die Eindrücke einfach, so wie der Schnabel gewachsen ist, einem Freund oder einer Freundin mittteilen.

Das Leben eines Menschen ist am Ende wie ein altes Haus. Blickt man durch die Fenster, sieht man Türen. Weit genug geöffnet, führen sie in verschiedene Räume. Kleine, großzügige, in Kammern und vergessene Rumpelkammern. Je weiter man schaut, seinen Blick auf Details richtet, umso verwirrender erscheint das Gebäude zunächst zu sein.

Als (Hobby-) Musiker und Bewunderer der frühen packenden Sun-Aufnahmen interessiert mich besonders die Frage „Wie hat Sam Phillips das gemacht“?

Es waren, im Gegensatz zu den damals schon etablierten Labels der Großstädte, überwiegend Amateure mit ramponierten Gitarren, denen manchmal Saiten fehlten, die in das kleine Sun Studio in Memphis kamen. Und das Studio war lange nicht in der Lage, mit der teuren Technik der großen Labels mithalten zu können.

Sam Phillips soll der vorgeschlagene Untertitel seiner Biografie nicht gefallen haben. Er sah sich nicht als Erfinder des Rock’n’Rolls, sondern als der, der ihn in „seinen“ Künstlern gefunden hatte.

Vielleicht war es die besondere Gabe des jungen Sam Phillips, zuhören zu können. Und ein tief verwurzelter  Respekt vor der einzigartigen Eigenheit eines Menschen, von der Phillips überzeugt war, dass wirklich jeder über sie verfügt. Man müsse sie nur zu Tage bringen und dem Künstler Mut machen, sie herauszulassen.

Laut Autor der Biografie war Sam Phillips die Perfektion suspekt; sie ängstigte ihn geradezu. Was er wollte, war etwas „Echtes“, wie er schon früh betonte.

Klar, man kann, um bei dem Bild mit dem Gebäude zu bleiben, die Türen für einen Blick auf die technische Innovation des Slap-Back-Echos öffnen. Es ist nicht falsch, wenn häufig auch die Art der Soundgestaltung als ein Faktor der Überzeugungskraft der Sun-Aufnahmen hervorgehoben wird. So einfach ist es jedoch nicht. Waren doch Sun-Aufnahmen in bis dahin konventioneller Aufnahmetechnik ohne technische Tricks ebenso ergreifend.  

Laut Autor der Biografie war Sam Phillips die Perfektion suspekt; sie ängstigte ihn geradezu. Was er wollte, war etwas „Echtes“, wie er schon früh betonte.

Musik aufzunehmen nach einem Rezept, dessen Ergebnis es schon zigmal gab, war für ihn uninteressant. Und sollte die Aufnahme den Geschmack der Radiostationen nicht treffen, dann hatte man zwar Geld in den Sand gesetzt aber die Musiker und er selbst jede Menge Spaß beim Aufnehmen gehabt.

In seinen späteren Jahren, so der Autor der Biografie, neigte Sam Phillips zu ausschweifenden und pathetischen  Monologen über „die Seele der Musik“. Ohne „Pinkelpausen“. Wären da nicht die frühen Aufnahmen als ein Beleg für die Geburt der musikalischen Seele jedes einzelnen Künstlers (auch der weniger bekannten Künstler) des Labels, dann wären diese Reden lediglich Zeugnisse einer wichtigtuerischen Egozentrik.

Daten zum Buch – Titel: Sam Phillips – Der Mann, der den Rock’n’Roll erfand – Wie ein Mann Howlin‘ Wolf, Ike Turner, Jerry Lee Lewsi, Johnny Cash und Elvis Presley entdeckte, und sein winziges Label SUN RECORDS aus Memphis die Welt auf den Kopf stellte! Erscheinungsdatum 31. Oktober 2019,Sprache: deutsch, Seitenanzahl 636, Autor Peter Guralnick, Übersetzung Michael Widemann, Illustrationen durchgehend schwarz-weiß bebildert, Verlag/Hersteller Cosoc Grand Palace, Originaltitel Sam Philipps – The man who invented RocknRoll, Originalsprache englisch, Produktart gebunden, Gewicht 1230 g, Größe (L/B/H) 178/246/39 mm, ISBN 9783982101606. Preis ca. 34,00 Euro.

Sam Phillips habe den Autor mehrfach ermahnt „die verdammte Wahrheit“ über Sun Records und ihn selbst zu schreiben. Er solle das zumindest versuchen. Das scheint dem Autor Peter Guralnick gelungen zu sein.

Ich weiß nach dem Lesen des über 600 Seiten starken Werks nicht, ob ich Sam Phillips eigentlich gemocht hätte. Die vielen Rumpelkammern sind zuweilen befremdlich und anstrengend. Viel Licht bringt auch viel Schatten, so heißt es oft.

Die Biografie ist mit ihren äußerst akribischen Quellenangaben und häufig langen Fußnotentexten keine leichte Kost.

Was mir als Leser besonders Spaß gemacht hat, war das parallele Hören der im Text mit ihren Entstehungsgeschichten erwähnten Songs. Darüber hinaus ist das eine Lehrstunde über die Zufälligkeiten, die über Erfolg und Misserfolg im Musikgeschäft entscheiden.

Was ist hängen geblieben von dem Besuch des „Gebäudes Sam Phillips“, nachdem Türen und Fenster wieder verschlossen sind?

Alles andere als die Eigenheit, mit allen Stärken und ungewöhnlichen Eigenwilligkeiten eines Künstlers, einer Künstlerin zu fördern, ist für einen Produzenten auf der Suche nach „dem Echten“ langweilig. Die größte Aufgabe ist nicht das „Recorden“ und Herumfummeln an immer wieder neuen technischen Trends der Aufnahmetechnik, sondern die Geburtshilfe der „musikalischen Seele“ des Individuums.

Was für ein Anspruch!  So einen Produzenten wünschen sich wahrscheinlich zahlreiche Musiker und Musikerinnen.

Christian W. Eggers – christian@stompology.org – 15. Januar 2026 (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 18. Januar 2026)

Nicht für diese Zeit gemacht und der Bau einer Blues-Gitarre

Es hatte sich herumgesprochen, dass Archie die Angewohneit hat, auf „Schrott-Gitarren“ zu spielen. So ist es kein Wunder, dass immer mal wieder eine dieser Gitarren der Müllentsorgung von der Schippe springt und bei Archie landet.

„Da kannst Du bestimmt noch was draus machen! Ich nehme an, dieses Ding wird so originell schlecht klingen, dass Du es lieben wirst.“ Und schon hat man den Salat, bedankt sich brav und sieht sich verpflichtet.

Das Schöne war, man konnte nichts mehr wirklich kaputtmachen. Es konnte nur besser werden. Also machte Archie sich an die Arbeit. Es sollte die schlimmste schönste Blues-Gitarre der Welt werden. So jedenfalls Archies Idee.

Audio zum Video Nicht für diese Zeit gemacht von Archie Ancora & His Motorboats

Eine Wandergitarre des Herstellers Framus Franconia, vermutlich aus den späten 60er Jahren, war der Ausgangspunkt. Archies Plan war es, daraus eine Gitarre für das Bottleneck-Spiel in der Open-Tunig Stimmung E zu bauen. Oha! Naturgemäß verkraften Wandergitarren sechs Stahlseiten und hohe Stimmungen nicht ohne radikale Umbauten.

Nachdem Archie sich wochenlang in seiner Werkstatt irgendwo auf dem Lande nördlich des Nord-Ostsee-Kanals vergrub, tauchte er am vergangenen Samstag unangekündigt mit seinem neuen Stompophon auf. Und nicht nur das: Er brachte auch gleich einen Song dazu mit! Nicht für diese Zeit gemacht.

Video zum Umbau einer Wandergitarre zur Stompophon Blues-Gitarre.

Ich wünsche viel Spaß beim Anschauen und Hören. Wie immer freue ich mich über Anmerkungen und Anregungen.

Christian W. Eggers – christian@stompology.org – 11. Januar 2026 (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 11. Januar 2026)

Nicht für diese Zeit gemacht und das Musik-Marketing

Das Stompology Management hat inzwischen mitbekommen, dass es im Internet nicht nur Foren gibt. Fortbildung war also angesagt. „Musik-Marketing: Strategien zur Eigenwerbung“, so nannte sich das Seminar. Ehrlich gesagt, bekamen wir davon ziemlich schlechte Laune.

Ständig „Input“ liefern, möglichst kurz und bloß nicht zu anstrengend. Auch haben wir keine Lust, in Netzwerken zu wühlen. Allein die vielen Passwörter!

Damit der schweineteure Marketingkurs nicht gänzlich umsonst war:

Hier ist unser „Mega-Super-Promo-Video“ zur kommenden Veröffentlichung des Songs „Nicht für diese Zeit gemacht“ von unserer Hausband „Archie Ancora & His Motorboats“.

„Der Dreh“ ging dank Hollywood-Urgestein Samuel P. Ronshainer (86) ohne Zwischenfälle in Archies oller Garagen-Werkstatt irgendwo nordöstlich des Nord-Ostsee-Kanals über die Bühne.

Schaut selbst!

Video-Ankündigung zur Veröffentlichung des Songs „Nicht für diese Zeit gemacht“.

Archie hat ein wenig widerwillig mitgemacht und meinte: „Too much Monkey Business! Aber es ist okay, alles Wichtige im Musikgeschäft hat in Garagen begonnen.“

Christian W. Eggers – 20. November 2025 – christian@stompology.org – letzte Aktualisierung dieses satirischen Beitrags: 27. November 2025

Song-Veröffentlichung – Himmel und Hölle

Der Song Himmel und Hölle ist im Rahmen eines gemeinsamen Projektes der Musiker und Komponisten Christoph Buhse und Christian Eggers entstanden. Ab heute (15. November 2025) ist der Song über verschiedene Musikplattformen anzuhören.

Die Autoren des Songs, Christoph Buhse und Christian Eggers, wünschen viel Freude bein Anhören.

Ein Link für alle Plattformen: https://listen.music-hub.com/gmAs2i

Christian W. Eggers – 15. November 2025 – christian@stompology.org

Bildnachweis zum Artikelfoto: Link zum Anbieter – Autor: jodeng – Quelle: pixabay – Lizenz – Titel des Fotos: Straße, Wüste, Sonnenuntergang