Berühmte Grooves – The Train Beat

Dass Rhythmen durch wiederkehrende Geräusche aus der Umwelt inspiriert werden, ist wohl so alt wie die Menschheit. Das passiert heute nicht nur in der klassischen Musik. Barry Gibb von den Bee Gees soll in einem Interview berichtet haben, dass der Rhythmus des großen Hits Jive Talkin‘ durch das Geräusch eines über eine Brücke mit Holzbohlen fahrenden Autos angeregt wurde. (1)

Komponist Dampflokomotive – Hörbeispiel mit einer Lok

Eine verbreitete Schlagzeugspielweise in der Country-Musik und auch im Rockabilly sind die sogenannten Train Beats. Sie bestehen in der Nachahmung der Geräusche einer Dampflokomotive mit ihren Waggons in voller Fahrt.

Das hier gezeigte und sehr spezielle Beispiel imitiert das sogenannte Andampfen mit dem Besen in einer Achtel-Wischbewegung (linke Hand) und das Rattern der Räder der Waggons mit „angewischten“ 16-tel-Besen-Schlägen (rechte Hand).

Das Soundbeispiel einer Dampflok zu Beginn dieses Audios stammt von einer Lok der deutschen Baureihe 01 und wurde freundlicherweise aus der Datenbank der Modelleisenbahn-Website über den Einbau von digitalen Sounds in Lokomotiven www.gleis10.com zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! (2)

Nach dem Sound der Dampflok folgt im Audio die Nachahmung am Drum Set.

Dampflok und Nachahmung ab 0:15
Train Beat im Dampflok-Sound: Mit dem Besen wird das „Andampfen“ nachempfunden; die Linke spielt das Rattern der Waggons

Train Beats einüben

Inzwischen gibt es zu den Train Beats und seinen Spielweisen zahlreiche sehr informative Videos auf YouTube. (3)

Zum Hintergrund des Schlagzeugs in den verschiedenen Spielarten der Country-Musik kannst Du den Stompology Artikel über den Song „The Breeze“ lesen.

Konventioneller Train Beat „Hand to Hand“ RlRL – Der erste Akzent wird meist lauter als der zweite Akzent gespielt

Train Beat Variante – Akzente im Wechsel auf „di und „un“

Train Beat Melodie: „Dab be dap ba dab be da pa“. Es ensteht ein sehr bewegter Beat, der sich auf der 1 und der 3 in einer „Gegenrhythmik“ zur Band befindet.
Vorschlag zur Zählweise und zur Notation der Variante
Handsatz RLRL auf der Snare gespielt. Akzente auf „di“ und „un“: die „di“-Akzente sind im Beispiel lauter gespielt als die „un“-Akzente
Beispiel der Variante im Zusammenspiel

Hier ist der obige Groove mit Gitarre und Gesang zu hören:

Beispiel für die obige Variante im Zusammenspiel: die ersten Takte von „A Boy Named Sue“ von Johnny Cash (Cover)

Der Unterschied zum Second-Line Drumming

Öfter taucht die Frage auf, was denn an einem Train Beat anders ist als an einem Second Line Groove, der auf der Snare Drum  gespielt wird.

Second-Line Drumming liegt eine Achtel-Aufteilung mit den Bezugspunkten der „Zwei“ und der „Vier“ zu Grunde. So wie im frühen Jazz üblich.

Nicht zu verwechseln ist die „Hand to Hand“-Spielweise des New Orleans R&B (untere Notenzeile) mit dem „Country Train Beat“

Train Beats der Country- und Rockabilly Bands basieren mehr auf einem 2/4-Takt alla breve-Gefühl. In 4/4 Takt Kompositionen sind die „Eins“ und die „Drei“ meist durch den Bass (Wechselbass) besonders hervorgehoben. Die 16-tel Zählweise am Schlagzeug „Eine-Und-Die-Zweie-Und-Die-Dreie-Und-Die-Viere-Und-Die“ mit den Basis-Betonungen auf „Und“ und „Die“ erzeugt im Zusammenspiel mit der Band einen bewegteren und im Mikrotiming etwas feineren Groove gegenüber dem ebenso spannenden marschartigen „Parade-Stil“ des frühen Jazz und des New Orleans R&B.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren und Yee-haw!

Christian W. Eggers – 17. Juli 2021 (letzte Aktualisierung am 22. Juli 2021) – christian@stompology.org

Quellen:

 

Berühmte Grooves – Von „Louie Louie“ zu „The Joker“

Die Aufführungen gleichen sich häufig. Einsatz „Rumbs Bums Bam – Bum-Bum – Rumbs Bums Bam – Bum-Bum“. Die Band versucht auf Touren zu kommen, ein Dirigent oder eine Dirigentin rudert mit den Armen und die richtige Betriebstemperatur des Grooves will sich nicht einstellen. Kaum eine Marching Band, ein Schulorchester oder eine Feuerwehrkapelle, die der Versuchung den R&B Klassikers „Louie Louie“ in das Standardrepertoire zu übernehmen widerstanden hat.

Zahlreiche Kompositionen im modifizierten „Louie Louie“ Groove

Dem Beat von „Louie Louie“ in der Fassung der Kingsmen sind Schwerfälligkeit und etwas Beschwingendes gleichzeitig zu Eigen.

Je nachdem worauf sich die Akzentuierung der prägenden „1-Und-2“ Schlagfolge („Down-Down-Tack“) richtet und wie sie rundherum aufgefüllt wird, entstehen Rhythmen, deren Songs zunächst wenig miteinander zu tun zu haben scheinen. Ein Beispiel für die Übernahme der Schwere des „Louie-Louie“ Beats findet sich modifiziert in Wild Thing von den Troggs. Aus der Schlagfolge „Eins-Und-Zwei – Eins-Zwei“ wurde „Eins Zwei – Eins-Und-Zwei“.

The Joker von Steve Miller

Den Sieg der Leichtigkeit über die Schwerkraft unter den „Down-Down-Tack“-Beats trägt wohl der Song The Joker von Steve Miller davon.  Erzeugt wird der Groove in den Strophen durch Gitarre und Schlagzeug: Downstroke Gitarre – Downstroke Gitarre – Snare-Akzent. Eine Merkhilfe kann das Nachsingen mit den Lauten  „Down Down Tack“ sein. Aufgelöst wird die Strenge des Beats durch einen Gitarrenlauf, der zum Grundton zurückführt. Im Refrain schließlich löst sich der Song aus der Staccato-Gleichzeitigkeit der Drums und der Gitarre. Zu hören ist jetzt ein fröhlicher Country-Song.

Im Video: Refrain, Gitarrenlauf und der „Down-Down-Tack“-Groove auf der Gitarre demonstriert.

Weitere Songs im „Down Down Tack“-Groove

Der Basis-Groove am Drum Set

Der Basis-Groove von The Joker und anderen im „Down Down Tack“-Groove gehaltenen Kompositionen ist sehr einfach. Es kommt auf das besondere Gefühl an. Die „Joker-„Achtel auf der nicht mit dem Fuß fest geschlossenen Hi-Hat klingen ein wenig „angeschoben“.

Der einfache Basis-Groove von „The Joker“ im Notenbild
Hier der Groove in seiner ganzen Schlichtheit
Besonders charakteristisch für den „The Joker“ Groove ist ein 16-tel Fill. Er setzt auf der „Vier“ ein: „…3-Und-Taka-Taka“

Eine hervorragende Darstellung der zahlreichen Fills des Drumparts ist auf www. drumstheword.com zu sehen. Auf der Seite wird zusätzlich eine komplette Transkription zum freien Download angeboten. (1)

Der Drummer – John King

John King zog sich nach dem großen Erfolg mit der Steve Miller Band aus dem Showgeschäftt zurück. Er spielte nur von 1973 bis 1974 in der Band.

„After leaving the band, he started his own business, India Street Percussion, selling instruments worldwide. He brought his family and business back to Tennessee to be near his parents and to raise his daughters.“ (2)

John King starb 2010 an den Folgen einer schweren Erkrankung. (3)

Christian W. Eggers – 10. Juli 2021 (letzte Aktualisierung am 10. Juli 2021) – christian@stompology.org

Quellen:

Boogie Woogie Drum Grooves

Eine besondere Herausforderung nicht nur für Pianisten ist der Boogie Woogie. Dieser Musikstil basiert auf einer konstanten Shuffle Rhythmik auf den vier Grundschlägen eines 4/4-Taktes. Typisch für das Schlagzeugspiel ist der lockere, leise und häufig extrem schnelle Groove, gespielt mit den Jazz Besen in einer Kombination aus Schlägen und Wischbewegungen auf der Snare. In diesem Artikel geht es um die verschiedenen Handsätze bei der Umsetzung der Schlagzeugspielweisen der Boogie-Rhythmik.

Die Herausforderung

Boogie Woogie am Schlagzeug ist wohl die höchste Stufe der Techniken der traditionellen Spielweisen. Es vereinen sich mehrere Merkmale dieses Stils zu einem Bündel an spielerischen Fähigkeiten.

Boogie Drums sind

Ein tolles Beispiel für die Körperhaltung und die Bewegungen zur Technik des Boogie Woogie Schlagzeugspiels kannst Du hier auf YouTube anschauen

Martin Pyrker (Piano) und Sabine Pyrker (Drums)

Hörbeispiele zur Rhythmik und zum Ablauf

Der harmonische Ablauf entspricht dem Blues-Schema.

Hier ein Blues-Schema mit 8 Takten
Hörbeispiel Boogie Woogie mit der Gitarre gespielt im 8-Take-Bluesschema
Boogie Woogie am Piano

Die Pianisten Pete Johnson und Albert Ammons spielen den „Barrel House Boogie“. Begleitet von James F. Hoskins am Schlagzeug.

If this doesn’t make you move, you don’t have a pulse…

Der Felsen, auf dem der Rock ’n‘ Roll steht: Boogie Woogie wurde als Klaviermusik Anfang des  20. Jahrhunderts, hervorgegangen aus dem „Barrelhous Piano“,  zunächst im amerikanischen Mittelwesten gespielt. Der Songaufbau entspricht der „Bluesformel“, der zwölftaktigen und achttaktigen Standardform des Blues mit seiner zyklischen Harmoniefolge. Ende der 30er Jahre gelangte der Boogie Woogie in das Repertoire der  Tanzkapellen der Großstädte und damit wurde der Boogie Rhythmus auch Sache der Schlagzeuger. Boogie Woogie wurde zunächst von Swing Big Bands bearbeitet und übernommen. Er wurde ein fester Bestandteil des Jump Blues, des frühen R&B und er ist die musikalische Wurzel und das Fundament des frühen Rock’n’Roll.

Mögliche Spielweisen des Basisgrooves

Die nachfolgende Abbildung (1. Basisgroove) zeigt einen mit den Besen „Hand to Hand“ geschlagenen Groove auf der Basis eines Four-Beat. Die Snare-Akzente erfolgen, typisch für den Boogie, synchron zu den häufig in der Basslinie des Klaviers gesetzten Betonungen auf den Zeiten „Zwei“, „Vier“ und der „Drei-Und“ als treibendem Offbeat Akzent. Der Handsatz „RLRL“ eignet sich für sehr schnelle Tempi, da er technisch weniger anspruchsvoll ist als der Handsatz im 2. Basisgroove (siehe Abbildung).

Die im 2. Basisgroove gezeigte Variante ermöglicht die Kombination aus Schlag- und Wisch-Bewegungen. Diese Variante stellt die ursprüngliche Spielweise des Boogies am Schlagzeug dar.

Die Notation zum 3. Basisgroove zeigt eine Boogie Variante im New Orleans Stil.  Ab Anfang der 50er Jahre flossen dort lateinamerikanische Rhythmen in den Boogie Woogie ein. Der Boogie blieb „triolisch“, aber er wurde mit Akzenten auf der „Eins“ und Sechszehntel-Schlägen aus seiner strengen Form befreit. Mehr hierzu kannst Du hier mit zwei Hörpeispielen und Noten erfahren „Faux Latin Grooves – Basis„.

„Faux Latin Boogie“

Boogie Handsätze im Video

Die verschiedenen Boogie-Handsätze langsam gespielt auf dem Übungsbrett

„Backbeat Boogie“ – Eine R&B Variante

Eine R&B Variante der 50er Jahre ist der Backbeat Boogie. Abweichend vom „klassischen“ Boogie werden die Backbeats (also, die 2 und die 4) stärker auf der Snare hervorgehoben und der Groove etwas straighter gespielt. Die Variante enstspricht der Darstellung des 1. Basisgrooves in der obigen Notengrafik. Diese Spielweise eines Boogies wurde in den 80er Jahren durch die Stray Cats als Neo-Rockabilly (wieder-) bekannt.

Hörbeispiel mit Gitarre: Backbeat Boogie mit den Besen gespielt.

Grundsätzliches zum Einüben

Die Jazz Besen haben nicht so starke Rückschlageigenschaften wie die Sticks. Damit im rasanten Boogie-Tempo nicht die Puste ausgeht, bedarf es daher etwas Übung. Hier Tipps aus meiner Erfahrung:

  • Halte die Besen locker in den Händen und nutze so den (geringen) Rückschlag der Drähte. Locker gehaltene Jazz Besen erzeugen zudem einen klaren Wischklang auf der Snare.
  • Auch die Schultern und die Arme sollten sich nicht anspannen oder gar verkrampfen. Höre sofort auf zu üben, wenn Du „unlocker“ wirst und beginne die Übung nach einer Pause neu.
  • Der Drive ensteht über ein Gleichgewicht aus den Bewegungen zwischen links und rechts. Es ensteht eine Art Kreisbewegung der Hände und Arme, unterstützt durch den Oberkörper. Daher ist es wichtig, auch möglichst gerade zu sitzen.

Und nun wünsche ich viel Spaß beim Üben und Ausprobieren! Kritik und Anregungen ausdrücklich erwünscht. Mail: christian@stompology.org

(Letzte Aktualisierung: 1. Juli 2021. Dieser Artikel ist eine Überarbeitung des Beitrags „Übungen – Boogie Woogie“ vom 18. Oktober 2020)

The Tulsa Sound – „The Breeze“

Über den Tulsa Sound ausgerechnet am Beispiel des Grooves von The Breeze von JJ Cale zu schreiben und ihn nachzuempfinden ist seltsam. War doch am Anfang nur ein Hammond Drumcomputer („Boom Tschack Boom Tschack“) im Spiel. Aber der Reihe nach.

Tulsa als Zentrum eines eigenen Stils

„Die Großstadt Tulsa in Oklahoma hatte von den 1950ern bis in die 1970er eine sehr lebendige Musikszene, die einen eigenen Sound entwickelte.“ „Berühmtester Vertreter dürfte JJ Cale sein. Eric Clapton, der dessen Stücke coverte, machte sich auch diese spezielle Spielart zu eigen, obwohl er bekanntlich nicht aus Tulsa stammt.“ (1)

Hintergrund der Entwicklung: Anders als im frühen R&B, der sich überwiegend außerhalb eines offiziellen Bildungsbetrieb entwickelte, wuchs in den 60er Jahren eine Generation heran, deren musikalische Bildung spätestens in „Performance Groups“ an den High-Schools begann. Alte und neue Musikrichtungen waren plötzlich aus der Praxis zugänglich: Jazz, Blues, R&B, Folk, Big Band Swing und natürlich die unterschiedlichen Country-Musik Stile. Man konnte sich bedienen. Genau das ist das Rezept des Stils aus Tulsa und Umgebung. Jedenfalls sind neben einer Vielfalt an Instrumenten der Folk- und Country-Musik viele Cowboy-Hüte auf den Bühnen zu sehen.

Entschiedene Unentschiedenheit

Der Tulsa-Zutaten-Stilmix hat auch in der Rhythmik zahlreicher Kompositionen Spuren hinterlassen. Die dem Blues entlehnten Phrasen werden hörgewohnheitlich als Achtel mit den üblichen Backbeat-Anschlägen auf der Zwei und der Vier wahrgenommen. Der Rhythmus-Gitarre in The Breeze liegen jedoch 16-tel Anschläge und Pausen als Fluss zu Grunde.

Groove der Anschläge im 16-tel Fluss: „Ein-e Und die Zwei-e Und die Drei-e Und die Vier-e Und die„. Der Drum-Computer in der Studioversion von The Breeze spielt die Grund- und „Und“-Schläge

Der Bass und das Schlagzeug spielen ebenfalls in der Zeiteinteilung einer Country-Musik Rhythmik. Da ist zunächst der ruhige Wechselbass mit dezenten Betonungen auf der Eins und der Drei in 4/4-Takt Kompositionen. Das Schlagzeug spielt wie die Rhythmusgitarre eine verdoppelte Geschwindigkeit der Grundschläge. Also, mit dem in den verschiedenen Stilen der Country-Musik beheimateten Doubletime-2/4-Takt Gefühl. In diesem Mikrotiming (den Unterteilungen der Grundschläge) werden nun Und-Zeiten und der nachfolge „die“-Schlag (das 4. Sechzehntel eines Grundschlages ) auf der Snare Drum hervorgehoben.

Es entsteht das typische Rattern, welches an einen Eisenbahnzug in schneller Fahrt oder an das „Andampfen“ einer Lokomotive erinnert (zumTrain Beat ausführlich). In der Verbindung von Gitarre, Bass und Schlagzeug ist jetzt ein lebhafter Groove zu hören. Er enstspricht nicht so richtig den Hörgewohneiten eines „Backbeat“-Rock’n Roll und auch nicht den Hörgewohnheiten eines üblichen Country-Grooves.

Hier ist das Schlagzeug zusammen mit der Gitarre zu hören.

Deutsche Musikkritiker schreiben öfter, dass JJ Cale Rhythmen „stolpern“ und sogar „Herzrhythmusstörungen“ erzeugen.

(2) Fundstellen: Christian Thomas in der Franfurter Rundschau und laut.de über JJ Cale
Das Beispiel – „The Breeze“ in einer Liveversion

Zwischen Live- und Studio-Versionen ließ JJ Cale enorme Unterschiede zu. Die hier besprochene neun-minütige Live-Version von The Breeze wurde mit einer riesigen Besetzung und mit Schlagzeuger Jimmy Karstein in Tulsa im Jahre 2004 aufgezeichnet. Hier kannst du sehen und hören, wie der Song auf der Bühne gespielt wurde.

Doublehand Variante

In diesem kurzen Ausschnitt der Live-Version kannst du sehen, wie der Drummer mit beiden Händen gleichzeitig die 16-tel Figur des Grooves The Breeze trommelt. Diese Spielweise wird öfter als Doublehand bezeichnet und sie ist im Shuffle gebräuchlich.

Auschnitt aus Call Me the Breeze (Long version) – Live from Tulsa OK. 2004 via YouTube, hochgeladen von TEXANOBLUES
Der Komponist JJ Cale

JJ Cale führte nach zahlreichen Coverversionen seiner Kompositionen durch brühmte Interpreten ein ruhiges Leben mit sicherem Tantiemen-Einkommen. Ruhm und Starrummel verabscheute er. Das war nicht etwa eine Image-Marketingidee. Der Schlagzeuger Karl Himmel berichtet:

„Ich glaube, er hat sich vor dem Erfolg versteckt. Ich erinnere mich, dass ich einmal mit ihm in Frankreich war und wir im Hotel zu Mittag aßen. Ich sah diese schönen französischen Damen und brachte sie an unseren Tisch. Ich sagte: ‚Sie reden davon, zu deiner Show zu gehen. Besorg ihnen ein paar Pässe.‘ Er fing an zu erröten. Ich sagte: ‚Sag ihnen deinen Namen.‘ Aber er war so schüchtern und wusste nicht, was er sagen sollte. Er war wie kein anderer. Nicht lange danach lebte er mit seinem Hund in einem Airstream-Anhänger. Er ist einfach verschwunden.“ (3)

Die Drummer

Die hier besprochene Live-Aufnahme zeigt den Drummer Jimmy Karstein. Ein längeres Interview kannst du hier auf YouTube anschauen. Auch Karstein verfügt über die den Tulsa Musikerinnen und Musikern eigene Vielseitigkeit. So trommelte er nicht nur für die Stars der Country-Musik, sondern auch für Rockmusiker wie Jo Cocker.

Karl Himmel ist ebenfalls in vielen unterschiedlichen Stilen zu Hause und liebt Jazz. Er trommelte u. a. für Dr. John (New Orleans R&B), Bob Dylan und Neil Young. Karl Himmel wurde für etwa drei Stunden (inklusive Zigarettenpausen) von JJ Cale für einige Aufnahmen des Albums Natrurally engagiert. (4)

Und was ist nun mit dem Hammond Drumcomputer der Originalaufnahme The Breeze auf dem Album Naturally? Ich finde, der hat einen guten Job gemacht.

Christian W. Eggers – 24. Juni 2021 (letzte Aktualisierung am 26. Juni 2021) christian@stompology.org

Quellen:

  • (1) Online-Musik-Magazin Sounds Of South
  • (2) Christian Thomas; Angekommen in der Schwebe, Frankfurter Rundschau und laut.de über JJ Cale
  • (3) und (4) Andy Greene; Drummer Karl Himmel on His Years With Neil Young, Bob Dylan, Elvis Presley, and J.J. Cale; Rolling Stone; Zitat übersetzt durch den Autor mit Hilfe von Google-Übersetzer 🙂

Drum Fills im Blues Turnaround

In diesem Artikel geht es um die Spielweise im Turnaround eines Songs. Turnarounds kommen in Songs vor, die nach dem sogenannten Bluesschema aufgebaut sind. Das sind nicht nur Blues-Songs, sondern auch Kompositionen die dem Jazz, Boogie Woogie, Rock’n’Roll und dem Soul zugeordnet werden.

Turnarounds markieren das Ende eines Chorus und leiten zum neuen Chorus über

Gemeinsam ist den Songs im Blues-Schema, dass sie keine Verse und keinen Refrain im eigentlichen Sinn enthalten. Die inhaltliche Thematik spielt sich innerhalb von meist zwölf  oder acht Takten in der „Bluesform“ ab. Spannung und Steigerung werden durch den harmonischen Bogen von Tonika, Subdominante und Dominante erzeugt.

Typisches (Gitarren-) Intro eines Bluessongs: Der chromatische Lauf, hier als Triolen in der Tonart E gespielt, setzt auf der Zählzeit Zwei des ersten Taktes ein. Es folgt ein weiterer Takt bestehnd aus E im ersten Viertel und H7 im zweiten, dritten und vierten Viertel. Danach geht es dann endlich los. Dieses Intro wiederholt sich im Turnaround (siehe unten) und kann durch Drum Fills an Dramatik gewinnen.

Ein 12 Takte Bluessong beginnt nach dem Intro mit vier Takten Tonika (hier E7); es folgen je zwei Takte Subdominante (hier A7) und Tonika, je ein Takt Dominante (H7) und Subdominante und wieder zwei Takte jeweils als Tonika und Dominate. Die letzten beiden Takte bilden den Turnaround.

So einen Bogen nennt man Chorus. Ist er „durchgespielt“ folgt der nächste Chorus in gleicher Spielweise. Damit es nicht langweilig wird, werden die Chorusse an ihren Übergängen hervorgehoben. Man hört also genau, wo ein neuer Chorus beginnt. Diese Hervorhebung wird Turnaround genannt. Er markiert über zwei Takte das Ende eines Chorus und leitet zum nachfolgenden Chorus über (siehe Abbildung). In einem 12 Takte Bluessong sind dieses die Takte 11 und 12 und in einem 8 Takte Bluessong erfolgt der Turnaround in den Takten 7 und 8.

Eine häufige Form neben dem zwölftaktigen Chorus ist der achttaktige Bluessong-Ablauf. Die ersten vier Takte bilden den „Call“, eine Fragestellung, die letzten vier Takte mit dem Turnaround gehören der Beantwortung, „Response“ genannt.

Fill-ins zur rhythmischen Gestaltung des Turnarounds

Schlagzeug Fill-ins sind kurze Variationen oder Erweiterungen der Groove-Schlagfolge und sie markieren die Wendepunkte in einem Song. So ein Wendepunkt ist natürlich auch ein Turnaround.

In einem 8-taktigen Bluesschema bietet es sich an, einen Fill-in nur im letzten Takt des zweitaktigen Turnarounds zu spielen. In der obigen Abbildung kannst Du als Beispiel sehen, wie Du Fills im Turnaround anbringen kannst.

Auf der Vier enden

Den Variationsmöglichkeiten zur Markierung des Turnarounds sind kaum Grenzen gesetzt. Wichtig ist jedoch, dass der Fill das Ende des letzten Taktes deutlich hervorhebt. Die Schlagfolge sollte also auf der Vier des zweiten Taktes eines Turnarounds enden.

Nicht so „jazzig“ klingt es, wenn Turnaround-Fills zur „Eins“ des neuen Chorus führen und diese dann – so wie in der Rockmusik und im Bluesrock passend – krachend betonen.

Passend ist es, auf der Vier des letzten Taktes des Chorus eine Markierung durch einen Akzent zu setzen und damit den Abschluss eines Spannungsbogens zu besiegeln. Der Fill entspricht damit der Dramaturgie eines Blues-Songs.

In diesem Hörbeispiel sind die Akzente mit den Besen sehr laut gespielt. So kannst du genau hören, wo sie „sitzen“. Im Zusammenspiel mit der Band geht es natürlich dezenter angemessen. Die 2-taktigen Fills entsprechen den oben in der Grafik gezeigten Noten.

Beispiel Fill-in im letzten Takt eines Chourus „Ugeda Fill“

Nachfolgendes Beispiel zeigt einen Fill, bestehend aus einer Viertel und Achtel Kombination (wie oben in der Variante 2 gezeigt) und einem Snare und Becken Akzent auf der Vier. Der Fluss und das Gefühl beim Spielen ist dabei „dreigeteilt“. Man kann es auch so sehen und hören: Die Bassdrum ersetzt auf der 1, 2 und 3 jeweils das erste Triolenachtel einer Achteltriole.

Hörbeispiel für einen „Ugeda-Fill“
Die Laut-Melodie kann Dir helfen, diesen Fill umzusetzen: „Ugeda – Ugeda – Ugeda – Peng“. Die Melodie lässt sich durch unterschiedliche Akzente natürlich individuell und je nach Können noch viel Abwechslungsreicher gestalten.

Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren und der eigenen Entwicklung von Turnaround-Fills.

Christian W. Eggers – 19. Juni 2021 – christian@stompology.org (Letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 19. Juni 2021)

Quellen

  • Fritsch, Kellert, Lonardoni: Harmonielehre und Songwriting, Leu-Verlag
  • Kellert, Peter; Fritsch, Markus: Arrangieren und Produzieren, Leu-Verlag
  • zum „Ugeda-Fill“: Andy Gillmann; Top 10 Fills & Licks, CD, Leu-Verlag