The Jumpin‘ Rockets – Die alte Musik aus heutiger Perspektive betrachten – Interview mit Schlagzeuger Jan Falckenberg

Jan, wir kennen uns über unsere Beiträge aus dem drummerforum.de. Kürzlich hast du unter der Zeile Lieber spät als nie die CD Astro-Bash! deiner Band The Jumpin’ Rockets aus München vorgestellt. Für die Leser und Leserinnen der Website stompology.org ist eine aktuelle Produktion von Songs im Stil des 50er Jahre Rock’n’Rolls natürlich interessant. Zunächst: Wie bist du als im Jazz beheimateter Schlagzeuger zu den The Jumpin‘ Rockets gekommen und was ist der Reiz für dich in einer Rockabilly-Band zu trommeln?

Es ist eigentlich genau anders herum. Ursprünglich war ich in jungen Jahren ein typischer Rockdrummer, hatte nur einen tollen Lehrer, einen studierten Jazzer, der mir die Grundlagen hierfür vermittelte. Erst in den letzten 20 Jahren nahm der Jazz mit Bigband, Swing und Dixieland bei mir einen immer größeren Anteil ein. Sandra, unsere Sängerin, kannte ich bereits aus einer gemeinsamen Country-Rock-Band, deshalb landete ich vor etwa drei Jahren zunächst als Sub bei den Jumpin‘ Rockets. Mein Vorgänger war in der Folgezeit leider durch gesundheitliche Probleme längerfristig eingeschränkt, daher kam es zu einer Art „Urlaubsvertretung“ über mehrere Monate. Das hat musikalisch und menschlich so gut geklappt, dass eines Tages Sandra mich anrief, ob ich mir vorstellen könnte, fest einzusteigen. Wie sagt man so schön, der Rest ist Geschichte. 😉

CD Cover ASTRO-BASH! der Münchner Band The Jumpin‘ Rockets. Das Cover stammt vom US-Künstler Derek Yaniger, einem in der Rockabilly- und Tiki-Fangemeinde bekannten Designer.

Eure CD Astro-Bash! hat einen für meine Ohren sehr kultivierten Sound ohne die im Rockabilly häufig zu hörenden Spiralenhall- und Echoorgien. Der Sound der Instrumente Kontrabass, Halbakustik-Gitarre, Drumset und des ausdrucksstarken Gesangs eurer Sängerin ist nicht exotisch altmodisch. Dennoch vermittelt er eine nostalgische Atmosphäre. Wie habt ihr die CD technisch aufgenommen?

Den Live-Videodreh zu All Night Long (im Artikel weiter unten verlinkt; Anmerkung der Redaktion) machten wir gemeinsam mit Micha Herrmann vom Frequenzgarten in Augsburg  als Toningenieur zuhause in Sandras im 50ties-Style gestalteten Wohnzimmer. Das müsstest du sehen bzw. man sieht es ja im Video. Es war glaube ich eine Idee von Micha, auch die geplante CD statt im Studio bei Sandra zu recorden, da ihm der Sound wirklich gut gefiel. Letztendlich spielte für uns dabei natürlich auch die Kostenfrage eine Rolle. Ein großer Vorteil war, dass Sandra sich keine Vorstellung machte, wie es ist, mehrere Wochen im Tonstudio leben zu müssen, ich vermute aber stark, dass sie beim nächsten Mal nicht mehr so entgegenkommend sein wird. 🙂

Wir sehen uns als Musiker des 21. Jahrhunderts.

Während die erste Rockets-CD Hot Stuff From Rocketsilo 51 in einem historischen Tonstudio mit Technik aus der damaligen Zeit entstand, entschieden wir uns diesmal für eine moderne Produktion mit DAW und Software-Plugins. Um den von dir beschriebenen nostalgischen Touch zu bekommen, nahmen wir jedoch die Instrumente, getrennt durch Akustik-Stellwände, live zum Click auf, was uns eine ausreichende Kanaltrennung bei gleichzeitiger Liveatmosphäre ermöglichte. Lediglich einige Overdubs wie zusätzliche Gitarren und Percussion spielten wir separat ein, und die kompletten finalen Gesangsspuren wurden ebenfalls später im Studio eingesungen, wir hatten Sandras Wohnzimmer schließlich lange genug zweckentfremdet.

Wissenswerte Fakten der Jumpin‘ Rockets, verfasst von Jan Falckenberg: Die Band existiert seit 2017, von der Urbesetzung sind noch Robert und Steffen geblieben. Zunächst als Quintett mit Piano und männlichem Leadgesang, fand vor 4 Jahren nach dem Ausstieg des früheren Sängers und des Pianisten über eine Anzeige Sandy Lee zur Band. Ich bin mittlerweile seit 2 Jahren fest dabei.
Während Robert als Gitarrist in der Regel die musikalischen Grundideen zu neuen Songs hat, ist Sandra eine hervorragende Texterin mit einem tollen Gespür für Melodien. Gleichzeitig stammen von Robert viele der kreativen Elemente wie unser geniales Bandlogo, Flyer und dergleichen, während Sandra sich um die oft ungeliebte Aufgabe des Bookings kümmert. Unser Jurist Steffen ist der Mann für alle vertraglichen Dinge, und ich bin Ansprechpartner für die technischen Fragen rund um Veranstaltungen. Du siehst, die Jumpin‘ Rockets, das ist echte Teamarbeit, bei der keiner zu kurz kommt.

Die Gitarre wurde über Roberts Röhrenamp mit Mikro – ich glaube zweifach – abgenommen, Steffens Kontrabass sowohl über Pickup als auch über Großmembran-Mikrofon auf zwei Spuren aufgezeichnet und später entsprechend zusammengemischt. Das Schlagzeug nahmen wir ganz modern mittels Close Miking ab. Toms und Snare bekamen jeweils ein Sonor C8 aus den 80ern, das die offen und recht tief gestimmten Toms in der Art eines Gene Krupa bei Sing Sing Sing einfangen sollte, was meines Erachtens richtig schön geworden ist. Als Stereo-Overheads verwendeten wir irgendwelche Großmembraner von Micha, und in der Bassdrum lag, nach mehreren Vergleichsaufnahmen mit verschiedenen Mikros, letztendlich eine Grenzfläche vom Typ Behringer BA19A.

Die Frage nach Vinyl taucht regelmäßig auf und wir fänden die Idee alle nicht schlecht.

Interessanterweise entschieden wir uns später beim Mixing dafür, die Overheads nicht zu verwenden, da Micha und ich den Sound ohne Overheads als kompakter und trotzdem ausgewogen empfanden. Generell hat sich unser Sounddesign, wie auch unsere Songs, nicht an der 100% Retro- Attitüde manch anderer Rockabilly-Bands orientiert, sondern wir sehen uns als Musiker des 21. Jahrhunderts, die die alte Musik verehren, aber aus heutiger Perspektive betrachten.

Eure Songs auf der CD sind Eigenkompositionen. Sie klingen so, als seien sie Klassiker, die in den 50er Jahren geschrieben wurden. So zum Beispiel der Titel ‚ALL NIGHT LONG‘. Dieser Song und weitere zehn Songs wurden von eurem Gitarristen Robert Dejak und eurer Sängern Sandy Lee geschrieben. Wer arrangiert die Songs? Gibt es für dich und euren Kontrabassisten Steffen K-F Mitsprachemöglichkeiten?

Danke dir für dieses tolle Feedback. Für mich ist es jedes Mal auch live ein Erlebnis, wenn unser Publikum nicht nur die Coverstücke, sondern auch unsere eigenen Songs mitsingt, ohne sie (vermutlich) zu kennen, denn bisher zählen wir ja noch nicht zu den Rockabilly-Stars wie Brian Setzer, die Go Getters oder JD McPherson.
Wie eigentlich in allen Belangen sind wir auch beim Songs ausarbeiten ein gleichberechtigtes Team, wo jeder seine Ideen mit einbringen kann. Tatsächlich stammen die Arrangements sogar zu weiten Teilen von mir, da habe ich scheinbar ein gutes Händchen dafür. Ich weiß gar nicht, ob die anderen sich an mehrstimmigen Backgroundgesang ran getraut hätten.

First Rocket-Lounge Session with the Rockabilly / Rhythm & Blues / Rock n Roll Band – THE JUMPIN‘ ROCKETS (GER) – playing their brand new track ‚ALL NIGHT LONG‘ – Words by Sandra von Bonin & Music by Robert Dejak – which will be released on the upcoming second album ASTRO-BASH (2025). Filmed and recorded at the Rocket Lounge, Augsburg, Bavaria, Germany (November, 2024).

Eure CD wird vertrieben über das Hamburger Unternehmen BROKEN SILENCE. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit diesem renommierten Dienstleister? Und wer hat sich eigentlich das lustige CD-Cover ausgedacht?

Unter Vertrag sind wir bei der Essener NIWO MUSIC, die wiederum mit Broken Silence in Verbindung steht. Von denen bekommen wir regelmäßig Berichte über alle initiierten Aktionen, Presseberichte etc., Näheres kann ich dir allerdings gar nicht sagen, da der Kontakt über Steffen und Robert läuft. Nur die Verträge haben wir alle unterschrieben. Das Cover stammt vom US-Künstler Derek Yaniger, einem in der Rockabilly- und Tiki-Fangemeinde bekannten Designer, den Sandra durch ihre guten Verbindungen kennen gelernt hat.

Gibt es weitere Pläne für Tonträger? Eure Musik wäre auf Vinyl doch der Hammer.

Ja, die Frage nach Vinyl taucht regelmäßig auf und wir fänden die Idee alle nicht schlecht. Nur spielen natürlich die Kosten im Gegensatz zur CD eine nochmal größere Rolle, deshalb wollten wir zunächst abwarten, wie Astro-Bash! nachgefragt wird, ehe wir eine LP hinterherschieben. Ich verspreche dir, wenn wir uns dazu entscheiden, bist du der Erste, der es von mir erfährt.
Eine neue CD ist aktuell nicht geplant, im Moment konzentrieren wir uns darauf, uns international auf Festivals bekannter zu machen.

Dafür wünsche ich den Jumpin‘ Rockets viel Erfolg! Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.

Die Mail-Adresse thejumpinrockets@aol.com für Konzert-Anfragen veröffentliche ich an dieser Stelle sehr gerne. Die CD ASTRO-BASH! ist über diverse Anbieter erhältlich, so zum Beispiel auch bei Thalia und jpc.

Das Interview führte Christian W. Eggers – 6. Oktober 2026 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 6. Oktober 2026)

KI-Mastering in der analogen Audioproduktion – Ein Praxistest

„Bei mir klingt es aber mit meinen Boxen gut!“. Die Ernüchterung setzt spätestens mit der Wiedergabe seines Meisterwerks über ein Smartphone oder die Laptop-Lautsprecher ein. Es folgen dann zeitraubende händische Versuche am Mischpult oder mit der Aufnahme-Software Kompromisse zu finden.

KI-Einsatz als audiotechnisches Hilfsmittel

Der KI-Einsatz zur Gestaltung von Inhalten (!) kommt auf stompology.org selbstverständlich nicht in Betracht.

Anders könnte es sein, wenn die KI allein die rein technische Optimierung zur Erstellung eines Masters besser erledigen kann, als es bisher in Eigenleistung möglich ist. Dann kann man sich eigentlich nur wünschen, dass das zeitlich anspruchsvolle Mastering als rein technischer Vorgang mittels Knopfdruck durch eine Maschine erleichtert wird.

Audio-Mastering hat den Zweck eine fertige Stereospur (oder auch Monospur) eines Songs für die Wiedergabe auf verschiednen Geräten kompatibel abhörbar zu machen. Ob Smartphone, Autoradio oder Monster-Stereoanlage: Ein Song soll auf üblichen Audio-Geräten möglichst gleichmäßig passabel klingen. Audio-Mastering ist daher weniger eine Gestaltung der Audio-Inhalte, sondern ein technischer Vorgang zur Anpassung des Klangs unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der Endgeräte der Hörer und Hörerinnen.

Nun haben gerade die Produktionen von stompology.org die Zielsetzung einen „Vintage Sound“ der 50er bis 60er Jahre zu vermitteln. Im Einsatz dafür sind Bandmaschinen und weitere analoge Studiogeräte „alter Zeiten“.

Gibt es eine KI-Bearbeitung, die tatsächlich so vorsichtig ist, so dass unsere sensiblen Künstler beim Anhören des Maschinenproduktes nicht am Ende der Besonnenheit angelangt sind?

Macht nun ein KI-Mastering alle Bemühungen das Flair der frühen Musikproduktionen herzustellen zunichte?

Das muss einfach ausprobiert werden!

Der Dienstleister LANDR

Als Dienstleister wurde das Portal www.landr.com des Anbieters LANDR ausgesucht. Dort besteht die Möglichkeit ein schon bestehendes Master oder auch nur einen Mixdown zu optimieren. Mit einigen Voreinstellungen zum gewünschten Klangcharakter, wie zum Beispiel „warm“, geht es dann recht zügig zum abhörbaren Vorschlag mittels Button zum Hin- und Herschalten zwischen Original und KI-Version.

Noch schneller geht es dann, wenn man das Master herunterladen möchte, zum Bezahlsystem. Neun Euro sind futsch. Immerhin hat man nicht die „Katze im Sack“ gekauft, sondern den Sound, den man zuvor im Vergleich zwischen Original und KI-Produkt hören konnte.

Tatsächlich deutlich unterschiedlich waren auch Sounds mit alternativen Voreinstellungen zur Optimierung zu hören und auswählbar. Technische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die ganze Sache dauert wenige Minuten.

Ein sogenanntes Prompting (textliche Befehle zur Bearbeitung) ist für die Master-Erstellung nicht erforderlich. Interessant ist, dass bei LANDR offenbar eine Musikgenre-Erkennung im Spiel ist. Legt Archie Ancora los, „merkt“ die KI „Aha! Das ist wohl alter Kram. Was mit Vintage und so.“

Wie sich ältere Popmusik anhört, hat die Maschine wahrscheinlich zuvor aus Trainingsdaten ( den online zugänglichen Hits der 50er und 60er Jahre) „erlernt“ und als Muster abgelegt.

Das Testmaterial

Für den Test wurde eine überwiegend analoge Produktion hochgeladen. Das Röhrentonbandgerät-Master des Songs An der Bucht eignet sich für den Test gut. Eine schwierige Produktion für ein Master: Über einen Breitbandlautsprecher der 60er Jahre klingt das Original recht angenehm ausgewogen, über die iPhone Kopfhörer ein wenig kratzig in den lauten Passagen und mit der Stereoanlage irgendwie immer noch „wummerig“. Es gibt also etwas zu tun für die KI, wenn der Anbieter seine Versprechen hält.

Bleibt etwas vom Flair der Klangerzeugung mittels Röhrentechnik im KI-Master erhalten? Oder ist alles dahin? „Denkt“ die KI analoge Artefakte seien Störgeräusche, die es zu „glätten“ gilt?

Der Vergleich zwischen KI-Optimierung und Original

Hier zunächst das Original-Master. Es ist ein Stereo-Mixdown digitaler Spuren mittels einer Röhrenbandmaschine Revox G36. Dieses Master zum Song An der Bucht wurde im Portal www.landr.com zum Ausgangspunkt für die Optimierung mittels KI genutzt.

An der Bucht Master Röhrentonbandgerät Revox G36

Das „Revox-Master“ wurde zweimalig zwischen Computerspuren und Band Hin und Her überspielt. Damit sollte eine analoge Kompression und kräftige Bandsättigung erzeugt werden. Dieser Arbeitsschritt verringert den Frequenzbereich der Aufnahme ein wenig, was in Kauf genommen wurde.

Die Grafik zeigt die Computer-Spuren des digitalisierten Revox-Masters. Deutlich sichtbar sind die unterschiedlich starken Pegel einzelner Klänge, was auf eine hohe Dynamik hinweist.

Es folgt zum Vergleich das Audio der KI-Master-Version des Anbieters LANDR. Gewählt wurde im Portal die Voreinstellung „Klangfarbe warm“ und „Laustärke anpassen“.

An der Bucht – KI korrigiertes Revox-Master.
Die Grafik zeigt: Es ist laut geworden. 🙂 Was für ein Brett!

Im letzten Schritt dieses Vergleichs wurde die Lautstärke des KI-Masters händisch etwas gezähmt. Damit ist es einfacher einen Klangvergleich mit dem Original-Master aus der Revox Bandmaschine zu ermöglichen.

Das KI-Master von An der Bucht händisch leiser gemacht und damit besser im Vergleich zum Original zu hören.
Die Grafik zeigt die händische Absenkung der Lautstärke des KI-Masters. Zu sehen ist an der durchlaufend gleichen Länge der Spitzen nach dem Meeresrauschen und Archies affigen Anzählen, dass die KI kräftig an der Begrenzung der Dynamik geschraubt hat.

Persönliches Fazit

Ich habe nur meine Ohren zur Beurteilung des Klangs. Also bitte ich um Nachsicht, wenn mein Fazit „subjektiv“ ausfällt.

Erstmal prima, dass es nicht geschadet hat. Der Song ist noch zu erkennen. Im Gegensatz zu ersten Versuchen mit KI-Mastering vor zwei Jahren, stelle ich fest, dass der aktuelle Song An der Bucht nicht zu einem unpassenden Heavy Metal Mix wurde. Ich höre mehr Bässe und der Sound ist deutlich stärker komprimiert. Kann man machen!

Was mir gefallen hat: Die Höhen wurden für mich nicht wahrnehmbar angehoben. Die stören mich sonst häufig bei digitalen Werkzeugen mit ihrer Härte und ihrer einen Mix durchdringenden Sauberkeit. Geschmackssache wahrscheinlich.

Ich finde, die wenigen Euro haben sich für die Erfahrung gelohnt. Man kann die Datei auch weiter selber bearbeiten oder sie als Vergleichsaudio bei der Herstellung eines Masters nutzen.

Vielleicht fällt der Leserschaft etwas im Vergleich zwischen Original und KI-Master auf, was ich bisher nicht höre. Dann bitte in die Tasten hauen! Es gibt eine Kommentarfunktion oder auch gerne per Mail an christian@stompology.org schreiben.

Viele Grüße und bis bald

Christian

Christian W. Eggers – 1. Oktober 2026 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung am 3. Oktober 2026)

Song „An der Bucht“

Der Sommer neigt sich dem Ende zu. Bekannt ist ja, dass Archie Ancora und die Motorboats eine Vorliebe für ausgiebige Sommerferien an der Ostsee haben. Nun ist unsere Hausband zurück und die Jungs haben uns einen Song mitgebracht. Tja, was sollen wir vom stompology.org Management anderes tun, als dieses leicht melancholische Machwerk von epischer Weite (3:04 Minuten! Wer soll das spielen? Inzwischen gekürzt und die Mono-Kompatibilität hergestellt.) zu Gehör zu bringen.

Der große Durchbruch für Archie und die Jungs wird das wohl schon wieder nicht werden. Aber wir meinen, der Song An der Bucht ist passend zum hoffentlich milden Herbst und zur Nachsaison 2026.

Zudem waren die Jungs halbwegs bei Stimme und haben sich nicht in ihren scheppernden Vintage-Klampfen-Sound geflüchtet. Was ja keine Selbstverständlichkeit ist.

Herausgekommen ist eine geklaute Mischung aus langsam gespielten „Let’s Work Together“ (Canned Heat) und einem Song der Beach Boys (Do It Again), was Archie natürlich empört bestreitet. „Cool down, Archie!“ Klar, auch unsere Hausband kann das Rad des Rock’n‘Roll nicht neu erfinden.

Audio zum Song An der Bucht von Archie Ancora & His Motorboats (final version).
Wie meist: Das Master wurde mit einer Revox G36 erstellt, die Produktion wurde digital mit zahlreichen analogen Tonband-Mixdowns der Computer-Spuren als Zwischenschritte aufgenommen.

Geholfen hat ein Freund und Musiker, Christoph Buhse, mit der Begleitung der Tasteninstrumente, Ideen zur Gestaltung und Geduld. Also, mal was anderes, als „reine“ Gitarrenmusik von Archie und den Jungs.

Christian W. Eggers – Kiel, 18. September 2026 – christian@stompology.org

(Letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 1. Oktober 2026)

Teaser-Foto „Sonnenaufgang“ von SimoneVomFeld/pixabay Lizenz: pixabay; Strandfoto im Artikel: Archie Ancora

Buchbesprechung „Cool Cooler Cale“ – Die JJ-Cale-Story

Einigen Biographien über Musiker und Musikerinnen eilt der Ruf voraus, in langweiligen Aneinanderreihungen von Superlativen zu münden. Diese Befürchtung ist – trotz des Superlativ-Titels Cool Cooler Cale – unbegründet.

Mark Bloemeke zeichnet die Lebensstationen des Musikers und Komponisten JJ Cale in fast fünfzig übersichtlichen, kurzen Kapiteln nach. Dabei spart der Autor weder Misserfolge noch den anfangs wohl mehr unbeholfenen, schüchternen als cool wirkenden Umgang des Künstlers mit Presse, Plattenfirmen und Fans aus.

Die Recherche der zahlreichen Geschichten und Fakten basiert laut Quellenangaben auf bereits veröffentlichten Interviews und Zeitungsartikeln. Der Autor der Biographie ist Journalist und das journalistische Handwerk ist dem Buch anzumerken. Trotz seines Faktenreichtums ist es Dank einer klaren Gliederung und Sprache leicht lesbar und dabei durchgehend spannend. Eine sympathische persönliche Note lässt der Autor in angemessener Kommentierung durchscheinen. Zum Beispiel dann, wenn er nach einem zitierten und entsetzlich peinlichen Interview des Rolling Stone Magazine mit JJ Cale (mit-) leidet.

Für Musikerinnen und Musiker ist diese Biographie kein Fortbildungsprogramm nach dem Motto: „Wie hat JJ Cale das bloß gespielt?“ Mitnehmen lässt sich jedoch die Erkenntnis, wie wichtig die Suche nach dem eigenen Sound ist. Darauf geht der Autor insbesondere in einem Kapitel über eine ungewöhnliche Eigenbau-Gitarre von JJ Cale ein. Minutiös beschreibt er die chaotisch anmutende Schaltung der lose verdrahteten Tonabnehmer. Dabei zitiert Mark Bloemeke den Meister selbst – von wegen „JJ Cale – Der große Schweiger“.

Auf 258 Seiten wird deutlich, dass JJ Cale ein Mensch war, der mit Widersprüchen – den eigenen ebenso wie denen seiner Zeit – geradezu entwaffnend offen umging. Was rückblickend als Markenzeichen „Coolness“ gestempelt wird, lässt sich nach der Lektüre als gelebte Handlungsfreiheit – die insbesondere auch das Nichthandeln umfasst – verstehen. Dieser Einstellung blieb JJ Cale auch dann treu, wenn sie unangenehme Konsequenzen im Showgeschäft nach sich zog.

Buch-Cover Cool Cooler Cale – Die JJ-Cale-Story – eine Biographie

Zu den schönsten Abbildungen der Biographie gehört ein Foto, das Eric Clapton und JJ Cale während eines Konzerts zeigt: dicht beieinandersitzend und sich während des Spielens etwas in das Ohr sprechend.

Die Biographie steuert auf eine glückliche und ruhige letzte Lebensphase des Künstlers JJ Cale zu – auf die Freundschaft mit Eric Clapton und die überraschende Freude am Touren mit den Musikern und Musikerinnen, die ihn über Jahrzehnte begleitet hatten.

Lässt man den Inhalt der Biographie etwas sacken, bleibt vor allem eine Erkenntnis: Lebensglück und ein eigenständiges Lebenswerk können sich auch im Showgeschäft einstellen, wenn man sich nicht in den Wünschen und Vorstellungen anderer Menschen verfängt. Einfach „sein eigenes Ding machen“ und damit im Reinen sein.

Daten zum Buch – Autor: Mark Bloemeke; Herausgeber‏: ‎ Voodoo Verlag; Erscheinungstermin: ‎ 24. Juli 2020; Auflage: ‎ 1.; Sprache: ‎ Deutsch; Seitenzahl der Print-Ausgabe: 262 Seiten; ISBN-10: ‎3000661514; ISBN-13: ‎ 978-3000661518; Abmessungen‏: ‎ 18.9 x 1.4 x 24.61 cm; Abbildungen: zahlreich

Christian W. Eggers – 17. Juli 2026 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 20. Juli 2026)

Hörtipp:

Archie Ancora – Vier Songs auf Vinyl und Band

Hier ist sie: die Maxi-Schallplatte mit vier Songs der stompology Hausband Archie Ancora & His Motorboats. Die sagenhaft hohe Auflage der Schallplatte ( 1 Exemplar) ist mit hoher Qualität bei dr. dub in Österreich geschnitten worden.

Das Master Band zur Erstellung der Schallplatte wurde mit einem Röhrentonbandgerät des Herstellers Revox mit der Bezeichnung G36 erstellt. Die Maschine aus den 60er Jahren wurde für das Projekt gründlich überholt.

Die vier Songs sind auch als Dateien des bei stompology analog erstellten Masters der vier Aufnahmen hier online zu hören.

Audios Die Revox Bänder #1

Das Ende der Aufgeregtheit
Leicht
Ich kann nur einen Beat
Beschäftigt mit Nichtstun

Cover und Einleger zur Schallplatte

Das stompology Management hat keine Mühen gescheut und mit Fotoapparat und Photoshop ein Cover mit Einlegern gebastelt.

Begleittext zur Schallplatte Archie Ancora & His Motorboats – Die Revox Bänder #1

Nichts ging mehr. Am 22. März 2020 starb das öffentliche Leben. In den darauf folgenden Wochen waren Menschen gezwungen, auch das private Leben dem „Corona-Lockdown“ mit Kontaktbeschränkungen anzupassen.

Versandhandel verzeichneten in dieser Zeit ungewöhnlich hohe Bestellungen von Musikinstrumenten. Wahrscheinlich hegten die Käufer und Käuferinnen schon lange den Wunsch, ein Instrument spielen zu können. Der Lockdown mit seinem Stillstand ermöglichte den Freiraum, sich diesen Wunsch im heimischen Wohnzimmer zu erfüllen.

In den Wochen des Lockdowns war es mir möglich, ein Jahre zuvor angefangenes Buchmanuskript über traditionelle Spielweisen und Musikstile am Drumset als Website-Veröffentlichung unter stompology.org zu realisieren.

Unter den, zunächst mehr scherzhaft gewählten, Namen Big Boy Chrischie and the Original Wave Stompers sowie Archie Ancora & His Motorboats erschienen auf stompology.org über den Zeitraum der Artikelveröffentlichungen kurze Musikbeispiele zur akustischen Darstellung einzelner Spielweisen. Gespielt und aufgenommen von mir im Wohnzimmer in der erzwungenen Abgeschiedenheit und der „amtlichen“ Entpflichtung von gewerblichen Tätigkeiten während der Corona-Krise.

„Archie und die Jungs“ lernten dazu und wurden sozusagen zur Stompology-Hausband befördert. Die vier ursprünglich als Beispiele für die Vielfalt traditioneller Spielweisen komponierten Songs dieser 10-Inch-Maxi-Schallplatte sind sorgsam ausgesucht, wurden neu abgemischt und mit einem Röhrentonbandgerät aus den 60er Jahren für die Wiedergabe auf Vinyl gemastert.

Der Freiraum eines Lebens ohne Terminkalender sowie dabei allein aus Spaß an der Sache, ohne kommerzielle Interessen, etwas zu erschaffen, bleibt als eine positive Erfahrung bestehen. Die sich mit dieser Erfahrung einstellende Gelassenheit besteht hoffentlich weiterhin als ein Fundament der experimentellen Ungezwungenheit und als Inspiration für weitere Songs von „Archie und den Jungs“.   

Christian W. Eggers – Kiel im Mai 2026

Archie auf YouTube

Die vier Songs können auch auf YouTube als zusammenhängende Datei wiedergeben werden.

Ich wünsche viel Spaß und gute Laune beim Hören!

Christian W. Eggers – 29. Juni 2026 – christian@stompology.org – (letzte Bearbeitung dieses Artikels am 15. Juli)