Song „An der Bucht“- Archie Ancora & His Motorboats

Der Sommer neigt sich dem Ende zu. Bekannt ist ja, dass Archie Ancora und die Motorboats eine Vorliebe für ausgiebige Sommerferien an der Ostsee haben. Nun ist unsere Hausband zurück und die Jungs haben uns einen Song mitgebracht. Tja, was sollen wir vom stompology.org Management anderes tun, als dieses leicht melancholische Machwerk von epischer Weite (3:12 Minuten! Wer soll das hören?) zu Gehör zu bringen.

Es gab zahlreiche Versionen (alle Beteiligten haben inzwischen den Überblick verloren) der Abmischung des Songs und lebhafte Diskussionen, wie das Ding letztendlich als Audio-Datei hier klingen soll. Sogar eine spezielle KI wurde für das Mastering probiert. Das war grauenhaft und nichts für sensible Gemüter. Machte schlechte wirklich Laune. Der Artikel zum KI-Einsatz wurde daher gelöscht.

Am Ende hat das stompology Management die Notbremse gezogen: „Keine Songs über drei Minuten! Das ist nicht das, was wir wollen. Auch wenn der Fanclub auf die von uns vorschnell veröffentlichte „Extended Version“ bestehen sollte. Zurück zum Ursprungsmix mit der verdammten Rumpel-Revox-Bandgerät-Kiste aus den 60er Jahren. Ende der Durchsage!“

Der große Durchbruch für Archie und die Jungs wird das wohl schon wieder nicht werden. Aber wir meinen, der Song An der Bucht ist passend zum hoffentlich milden Herbst und zur Nachsaison 2026.

Zudem waren die Jungs halbwegs bei Stimme und haben sich nicht in ihren scheppernden Vintage-Klampfen-Sound geflüchtet. Was ja keine Selbstverständlichkeit ist.

Herausgekommen ist eine geklaute Mischung aus langsam gespielten „Let’s Work Together“ (Canned Heat) und einem Song der Beach Boys (Do It Again), was Archie natürlich empört bestreitet. „Cool down, Archie!“ Klar, auch unsere Hausband kann das Rad des Rock’n‘Roll nicht neu erfinden.

An der Bucht – Archie Ancora & His Motorboats – Der Patina-Mix
Wie meist: Der Song wurde mit Hilfe einer Revox G36 erstellt, die Produktion wurde digital mit zahlreichen analogen Tonband-Mixdowns der Computer-Spuren als Zwischenschritte aufgenommen.

Geholfen hat ein Freund und Musiker, Christoph Buhse, mit der Begleitung der Tasteninstrumente, Ideen zur Gestaltung und Geduld. Also, mal was anderes, als „reine“ Gitarrenmusik von Archie und den Jungs.

Christian W. Eggers – Kiel, 18. September 2026 – christian@stompology.org

(Letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 23. Oktober 2026)

Teaser-Foto „Sonnenaufgang“ von SimoneVomFeld/pixabay Lizenz: pixabay; Strandfoto im Artikel: Archie Ancora

Der kleine beige Amp – Modifikation eines preiswerten Röhren-Amps „Fame Tube 5“

Kürzlich entdeckte ich in einem Kleinanzeigenmarkt die Abbildungen eines Mini-Röhren-Amps der Marke Fame. Optisch erinnerte mich der kleine Würfel an einen US-Fender Amp Champ 600. So einen Verstärker hatte mein Großonkel nach seinen wilden Tagen der Beat-Musik auf dem Dachboden versteckt. Das Ding hatte große Klasse und hinterlies einen tiefen Eindruck „in meinen Ohren“. Gebaut wurden diese Verstärker von 1949 bis 1953 in den USA. Ich vermag nicht zu sagen, wo das inzwischen wohl ziemlich wertvolle (Sammler-) Stück meines Großonkels abgeblieben ist.

In der Erwartung, dass der „Brüllwürfel“ aus der Kleinanzeige zumindest mit einer sehr einfachen Röhrenschaltung einem Fender Champ 600 konzeptionell ähnlich ist, landete das Gerät für 70 Euro bei mir. Nach dem Auspacken habe ich den Kieler Röhrengerät-Spezialisten Peter Wolff befragt, ob er das Gerät aus chinesischer Fertigung auf technische Fehler prüfen und gegebenenfalls Modifikationen zur Verbesserung des Klangs vornehmen könne. Die Begeisterung über diese Anfrage hielt sich – nach wenig beflügelnden Erfahrungen mit der Audio-Elektronik aus chinesischer Herstellung – in Grenzen.

Hersteller und Verarbeitung

Fame ist eine Marke des Musikversandhandels Music Store. Die Herstellung diverser Musikinstrumente nebst Zubehör erfolgt im Auftrag von Music Store meist in China. Der Fame Tube 5 Mini-Amp ist inzwischen nicht mehr als Neuware zu erhalten. Tatsächlich ist der Verstärker ein „reiner“ Röhrenamp. Er ist dem Fender Champion 600 aus dem Jahre 2008 (einer Neuauflage des Champ von 1949) äusserlich (!) in einzelnen Bauteilen ähnlich.

Inzwischen macht der kleine beige Amp Fame Tube 5 jede Menge herrlichen Röhren-Krach.

Der Fame Tube 5 hat ein solides Holzgehäuse und ist perfekt bezogen. Optisch ist das Holzgehäuse vertrauenserweckend und ohne Schnörkel und Gedöns verarbeitet. Aufgeschraubt stellt sich heraus, dass einzelne Bauteile – wahrscheinlich schon ab Werk – etwas provisorisch befestigt wurden. Eine Kabelverbindung war recht wackelig mit dem Lautsprecher verbunden und ein Kondensator hing ziemlich lose in der Luft.

Der Fame Tube 5 wird nicht mehr gebaut. Für wenig Geld ist er über Kleinanzeigenmärkte zu erwerben. Auf Grund seines kompakten und soliden Gehäuses sowie seiner einfachen Konzeption eigent er sich zum „Weiterbasteln“.

Werbetext und technische Angaben des Herstellers: Vollröhren-Combo 5 Watt 6″ Lautsprecher. Der Tube 5 Röhren-Combo produziert mit seinen 5 Watt Leistung und seinem 6″ Special Design Lautsprecher typischen Röhrensound, den man besonders von Rock’n’Roll- und Country-Aufnahmen der 1950er und 60er Jahre kennt und schätzt. Besonders, wenn man ihn aufdreht und ein unverwechselbarer Crunch entsteht, entwickelt der Tube 5 seine Qualitäten. Ein Eingang (mit Impedanz-Wahlschalter), je eine 12AX7 und 6V6GT-Röhre, 1 x Volume, 1 x Presence, that’s it! Hier formt die Gitarre den Ton. Ideal für’s Studio, für’s Wohnzimmer, für Live-Einsätze, für Parties, für Jams… dieser kleine Würfel macht überall eine gute Figur, vor allem weil sich seine Röhrenendstufe bei erträglichen Lautstärken wunderbar in die Sättigung fahren lässt. Und ist er mal nicht laut genug für die Location, dann stellt man ein Mikro davor! Features: Vollröhren-Combo 5 Watt, Vorstufenröhre: 1 x 12AX7, Endstufenröhre: 1 x 6V6, Lautsprecher: 1 x 6″ Special Design, Regler: Volume, Tone; Schalter: Hi / Lo Eingangsimpedanz, Abmessungen: 365 x 245 x 365 mm, Gewicht: 6,8 kg.

Klangliche Eigenschaften des Amps und Modifikation des Übertragers

Klanglich lies der Würfel jedoch erkennen, dass man auch bei einer sehr einfachen (damit aber wirklich nicht automatisch schlechten) Röhrenschaltung Fehler machen kann. Wo sind blos die tieferen Mitten und die Bässe? Mein Exemplar des Amps klang recht nervig. Weit von nostalgischen Erinnerungen des Dachbodenfunds entfernt.

Messwerte zum Verstärker „Fame Tube 5“: Lautsprecher: ca. 4 Ohm; Ferquenz f.: 1 kHz; Ausgangsleistung und Klirr an R = 4 Ohm: 3 W bei 5 % Klirrfaktor, 4 W bei 6,6 % Klirrfaktor, 4,8 W bei 10 %; Klirrfaktor; f: = 100 Hz max 0,5 W bei 10 %, 200 Hz max. 1,9 W bei 10 %; . Bei 10 kHz bis 20 kHz Augangsleistung 4 W möglich.

Technisch durchgemessen ergab sich, dass der Ausgangsübertrager nicht zur Übertragung niedrieger Frequenzen mit nennenswerter Leistung ausgelegt war. Ein Ausgangsübertrager ist das Bindeglied zwischen Röhrenendstufe und Lautsprecher. Diese Übertrager sind prägend am Klang eines Amps beteiligt. Wird hier an Eisen und Kupfer gespart, helfen auch ein hochwertiger Lautsprecher und teure Marken-Röhren nicht mehr weiter.

Daten zum Einbau des größeren Ausgangsübertragers, der auch niedrige Frequenzen mit nennenswerter Leistung überträgt: Der neu eingebaute und schon mal verbaute Übertrager stammt vermutlich aus älteren Produktionen von Röhrenverstärkern und ist technisch fehlerfrei. Eine Typenbezeichnung ist nicht vorhanden. Hier sind die Messdaten: Primärimpedanz ca. 5 K Ohm, sek. 4 Ohm. Gemessen mit Last R = 4 Ohm; Ausgangsleistung: max 5,5 W bei Frequenz 1 kHz, K = 10 %, Ausgangsleistung: 2,4 W bei 100 Hz, K = 10 %, Ausgangsleistung 4,6 W bei 200 Hz, K = 10 %. Bei 10 kHz bis 20 kHz Ausgangsleistung 4 W möglich.

Anwendungsmöglichkeiten des Fame Tube 5 Verstärkers

Kleine Verstärker mit geringer Lautsstäke sind zum Üben wunderbar. Ausschlaggebender Vorteil: Zur Soundgestaltung eigenen sich Röhrenverstärker mit geringer Leistung hervorragend. Die gewünschte „Übersteuerung“ mit ihrem typischen Sound stellt sich früh ein, so dass nur noch ein Mikrofon benötigt wird, das den puren Röhren-Sound am Lautsprecher des Amps auch für notwendige Lautstärken auf einer Bühne über eine PA abnimmt.

Kleine Röhren-Amps eignen sich nicht nur für die Verstärkung von Gitarren mit Tonabnehmern. Blues Harps, abgenommen mit einem Mikrofon, klingen bei hoher Lautstärke des Verstärkers enorm präsent bei gleichzeitiger angenehm „blusiger“ Verzerrung.

Nutzung als Vorverstärker

Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist das Spielen „in the Box“ bei digitalen Musikaufnahmen. Das Gitarren-Signal wird am Verstärker mittels Klinkenkabel an der Lautsprecherbuchse abgegriffen und zum Interface geleitet. So erhält man einen „echten“ Röhren-Gitarren-Klang in der Vorverstärkung. Digitale Simulationen erübrigen sich damit.

Die Anschlussmöglichkeit eines externen Lautsprechers an der Rückseite des Amps wird als Ausgang genutzt und mit dem Eingang eines Interface verbunden. Für diesen Vorgang bedarf es bei dem Fame Tube 5 eines kleinen Tricks. Notwendig ist ein Abschwächer, damit auf Grund der hohen Ausgangsleistung der Lautsprecherbuchse das Interface keinen Schaden nimmt und das ankommende Signal im Regelbereich des Interface-Eingangs für Musikinstrumente liegt.

Das Foto zeigt den Abschwächer, der mittels Klinkenkabel mit dem dem Interface verbunden wird. Ein massiveres Gehäuse des Abschwächers ist noch in Arbeit.

Technische Daten zum Adapter „Ausgang Fame Tube 5 an Eingang Audio-Interface Steinberg UR 22„: Eingangswiderstand 20 Ohm, Ausgangswiderstand ca. 1 K Ohm, Abschwächung am Adapter einstellbar max. ca 45:1 / ca. -33 dB.

Soundbeispiel Mikrofonabnahme einer Gitarre

Den kleinen beigen Amp habe ich mit einer „Blues Gitarre“ im Open Tuning E Dur verbunden. Im Schalloch steckt ein alter, noch gut erhaltener, Schaller Tonabnehmer. Das Mikrofon zur Abnahme des Lautsprechers ist ein modernes Neumann TLM 103. Der Hocker stammt aus dem Baumarkt Bauhaus, erworben 2013. 🙂

Der Aufbau zum Soundtest: Akustische Gitarre, ein Eigenumbau einer Franconia zum Stompophon Archie Ancora Signature mit Schaller Tonabnehmer, Mikrofon Neumann TLM 103, Aufnahmesoftware Audacity. Einstellung am Verstärker auf „clean“ getrimmt.
Audiobeispiel Fame Tube 5 Amp. Die Mono-Aufnahme ist 1:1 ohne jegliche Klang-Bearbeitungen hier zu hören. Am Verstärker wurde eine Einstellung für den Sound „clean“ vorgenommen.

Ohne die Hilfe eines Kenners der Röhrentechnik ist der Fame Tube 5 (jedenfalls mein Exemplar) wohl kaum zu einem Verstärker umzuwandeln, der auch höheren Ansprüchen genügt. Man könnte jetzt noch zahlreiche Bauelemente optimieren, beziehungsweise gegen höherwertige auswechseln. Dabei stehen dann Kosten und Nutzen kaum noch in einem angemessenen Verhältniss zu einer hörbaren Klangverbesserung.

Ich hoffe, der Beitrag ist auch hinsichtlich der technischen Beschreibungen vertändlich.

Mir macht das Gerät mit dem nunmehr passenden Übertrager wirklich Freude.

Christain W. Eggers – 12. Oktober 2026 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 11. Oktober 2026)

Quellen: https://www.gitarrebass.de/equipment/fender-champion-600-im-test/

Einkaufsland – Song von Archie Ancora & His Motorboats

Manchmal schießt ein Besen. Nach einer langen Produktion eines Surfsongs mit endlosen Harmonie-Gesangsspuren wurde es Zeit das Stompology-Studio einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Archie und die Jungs krümeln nämlich rücksichtslos mit Keksen und hinterlassen auf unseren kostbaren Vintage-Gerätschaften Kaffeeringe.

Im Archivkarton „ Abgelehnt, weil zu blöd“ fanden wir also beim Staubwischen noch einen USB-Stick unserer Hausband. Der Song Einkaufsland sollte ursprünglich zu unserem bahnbrechenden Artikel über Songs mit nur einem Grundakkord erscheinen. Aber da kam Archie damals mit dem Song Ende der Aufgeregtheit besser zum Thema.

Zudem hielten wir die hinterhältige Konsumkritik einiger Textpassagen des Songs Einkaufsland als aufblühende Produktionsfirma mit den Hang zu sinnfreien Musikprodukten auf kostbaren Vinyl für völlig überzogen.

Text zum Song Einkaufsland.

Und nun finden wir den Song, nachdem Archie und die Jungs ein wenig Doo Wop Gesang hinzugefügt haben, eigentlich doch noch ganz gut. Recht großzügig wurden Slapback-Echos neben weiteren unterschiedlichen Hall-Arten verwendet. Dieses moderne „Stereo“ mag so etwas nicht. Somit, erstmals wieder nach langer Pause auf sicheren Boden, ein Mono-Mix.

Hier ist Einkaufsland von Archie Ancora & His Motorboats:

Audio zum Song Einkaufsland von Archie Ancora & His Motorboats. Analoges Master, erstellt mit einem Revox G36 Bandgerät.

Archie und die Jungs meinten: „Bestimmt wird das Ding in den Hotlines und Kaufhäusern rauf und runter durch alle Abteilungen als Hintergrundmusik gespielt. Geniales Marketing!“ Da müssen wir die Begeisterung unserer Künstler hinsichtlich unserer Möglichkeiten dämpfen. Für Archie und die Jungs ist die Veröffentlichung auf stompology.org hoffentlich eine späte Genugtuung.

Viel Spaß beim Anhören und bis bald!

Christian W. Eggers – Kiel, 8. Oktober 2026 – christian@stompology.org

(Letzte Aktualisierung dieses Artikels am 19. Oktober 2026)

Artikel-Teaser-Foto: escalator / pixabay, Lizenz; Hintergrundbild (verändert) zum Songtext: makamuki0 auf pixabay, Lizenz

The Jumpin‘ Rockets – Die alte Musik aus heutiger Perspektive betrachten – Interview mit Schlagzeuger Jan Falckenberg

Jan, wir kennen uns über unsere Beiträge aus dem drummerforum.de. Kürzlich hast du unter der Zeile Lieber spät als nie die CD Astro-Bash! deiner Band The Jumpin’ Rockets aus München vorgestellt. Für die Leser und Leserinnen der Website stompology.org ist eine aktuelle Produktion von Songs im Stil des 50er Jahre Rock’n’Rolls natürlich interessant. Zunächst: Wie bist du als im Jazz beheimateter Schlagzeuger zu den The Jumpin‘ Rockets gekommen und was ist der Reiz für dich in einer Rockabilly-Band zu trommeln?

Es ist eigentlich genau anders herum. Ursprünglich war ich in jungen Jahren ein typischer Rockdrummer, hatte nur einen tollen Lehrer, einen studierten Jazzer, der mir die Grundlagen hierfür vermittelte. Erst in den letzten 20 Jahren nahm der Jazz mit Bigband, Swing und Dixieland bei mir einen immer größeren Anteil ein. Sandra, unsere Sängerin, kannte ich bereits aus einer gemeinsamen Country-Rock-Band, deshalb landete ich vor etwa drei Jahren zunächst als Sub bei den Jumpin‘ Rockets. Mein Vorgänger war in der Folgezeit leider durch gesundheitliche Probleme längerfristig eingeschränkt, daher kam es zu einer Art „Urlaubsvertretung“ über mehrere Monate. Das hat musikalisch und menschlich so gut geklappt, dass eines Tages Sandra mich anrief, ob ich mir vorstellen könnte, fest einzusteigen. Wie sagt man so schön, der Rest ist Geschichte. 😉

CD Cover ASTRO-BASH! der Münchner Band The Jumpin‘ Rockets. Das Cover stammt vom US-Künstler Derek Yaniger, einem in der Rockabilly- und Tiki-Fangemeinde bekannten Designer.

Eure CD Astro-Bash! hat einen für meine Ohren sehr kultivierten Sound ohne die im Rockabilly häufig zu hörenden Spiralenhall- und Echoorgien. Der Sound der Instrumente Kontrabass, Halbakustik-Gitarre, Drumset und des ausdrucksstarken Gesangs eurer Sängerin ist nicht exotisch altmodisch. Dennoch vermittelt er eine nostalgische Atmosphäre. Wie habt ihr die CD technisch aufgenommen?

Den Live-Videodreh zu All Night Long (im Artikel weiter unten verlinkt; Anmerkung der Redaktion) machten wir gemeinsam mit Micha Herrmann vom Frequenzgarten in Augsburg  als Toningenieur zuhause in Sandras im 50ties-Style gestalteten Wohnzimmer. Das müsstest du sehen bzw. man sieht es ja im Video. Es war glaube ich eine Idee von Micha, auch die geplante CD statt im Studio bei Sandra zu recorden, da ihm der Sound wirklich gut gefiel. Letztendlich spielte für uns dabei natürlich auch die Kostenfrage eine Rolle. Ein großer Vorteil war, dass Sandra sich keine Vorstellung machte, wie es ist, mehrere Wochen im Tonstudio leben zu müssen, ich vermute aber stark, dass sie beim nächsten Mal nicht mehr so entgegenkommend sein wird. 🙂

Wir sehen uns als Musiker des 21. Jahrhunderts.

Während die erste Rockets-CD Hot Stuff From Rocketsilo 51 in einem historischen Tonstudio mit Technik aus der damaligen Zeit entstand, entschieden wir uns diesmal für eine moderne Produktion mit DAW und Software-Plugins. Um den von dir beschriebenen nostalgischen Touch zu bekommen, nahmen wir jedoch die Instrumente, getrennt durch Akustik-Stellwände, live zum Click auf, was uns eine ausreichende Kanaltrennung bei gleichzeitiger Liveatmosphäre ermöglichte. Lediglich einige Overdubs wie zusätzliche Gitarren und Percussion spielten wir separat ein, und die kompletten finalen Gesangsspuren wurden ebenfalls später im Studio eingesungen, wir hatten Sandras Wohnzimmer schließlich lange genug zweckentfremdet.

Wissenswerte Fakten der Jumpin‘ Rockets, verfasst von Jan Falckenberg: Die Band existiert seit 2017, von der Urbesetzung sind noch Robert und Steffen geblieben. Zunächst als Quintett mit Piano und männlichem Leadgesang, fand vor 4 Jahren nach dem Ausstieg des früheren Sängers und des Pianisten über eine Anzeige Sandy Lee zur Band. Ich bin mittlerweile seit 2 Jahren fest dabei.
Während Robert als Gitarrist in der Regel die musikalischen Grundideen zu neuen Songs hat, ist Sandra eine hervorragende Texterin mit einem tollen Gespür für Melodien. Gleichzeitig stammen von Robert viele der kreativen Elemente wie unser geniales Bandlogo, Flyer und dergleichen, während Sandra sich um die oft ungeliebte Aufgabe des Bookings kümmert. Unser Jurist Steffen ist der Mann für alle vertraglichen Dinge, und ich bin Ansprechpartner für die technischen Fragen rund um Veranstaltungen. Du siehst, die Jumpin‘ Rockets, das ist echte Teamarbeit, bei der keiner zu kurz kommt.

Die Gitarre wurde über Roberts Röhrenamp mit Mikro – ich glaube zweifach – abgenommen, Steffens Kontrabass sowohl über Pickup als auch über Großmembran-Mikrofon auf zwei Spuren aufgezeichnet und später entsprechend zusammengemischt. Das Schlagzeug nahmen wir ganz modern mittels Close Miking ab. Toms und Snare bekamen jeweils ein Sonor C8 aus den 80ern, das die offen und recht tief gestimmten Toms in der Art eines Gene Krupa bei Sing Sing Sing einfangen sollte, was meines Erachtens richtig schön geworden ist. Als Stereo-Overheads verwendeten wir irgendwelche Großmembraner von Micha, und in der Bassdrum lag, nach mehreren Vergleichsaufnahmen mit verschiedenen Mikros, letztendlich eine Grenzfläche vom Typ Behringer BA19A.

Die Frage nach Vinyl taucht regelmäßig auf und wir fänden die Idee alle nicht schlecht.

Interessanterweise entschieden wir uns später beim Mixing dafür, die Overheads nicht zu verwenden, da Micha und ich den Sound ohne Overheads als kompakter und trotzdem ausgewogen empfanden. Generell hat sich unser Sounddesign, wie auch unsere Songs, nicht an der 100% Retro- Attitüde manch anderer Rockabilly-Bands orientiert, sondern wir sehen uns als Musiker des 21. Jahrhunderts, die die alte Musik verehren, aber aus heutiger Perspektive betrachten.

Eure Songs auf der CD sind Eigenkompositionen. Sie klingen so, als seien sie Klassiker, die in den 50er Jahren geschrieben wurden. So zum Beispiel der Titel ‚ALL NIGHT LONG‘. Dieser Song und weitere zehn Songs wurden von eurem Gitarristen Robert Dejak und eurer Sängern Sandy Lee geschrieben. Wer arrangiert die Songs? Gibt es für dich und euren Kontrabassisten Steffen K-F Mitsprachemöglichkeiten?

Danke dir für dieses tolle Feedback. Für mich ist es jedes Mal auch live ein Erlebnis, wenn unser Publikum nicht nur die Coverstücke, sondern auch unsere eigenen Songs mitsingt, ohne sie (vermutlich) zu kennen, denn bisher zählen wir ja noch nicht zu den Rockabilly-Stars wie Brian Setzer, die Go Getters oder JD McPherson.
Wie eigentlich in allen Belangen sind wir auch beim Songs ausarbeiten ein gleichberechtigtes Team, wo jeder seine Ideen mit einbringen kann. Tatsächlich stammen die Arrangements sogar zu weiten Teilen von mir, da habe ich scheinbar ein gutes Händchen dafür. Ich weiß gar nicht, ob die anderen sich an mehrstimmigen Backgroundgesang ran getraut hätten.

First Rocket-Lounge Session with the Rockabilly / Rhythm & Blues / Rock n Roll Band – THE JUMPIN‘ ROCKETS (GER) – playing their brand new track ‚ALL NIGHT LONG‘ – Words by Sandra von Bonin & Music by Robert Dejak – which will be released on the upcoming second album ASTRO-BASH (2025). Filmed and recorded at the Rocket Lounge, Augsburg, Bavaria, Germany (November, 2024).

Eure CD wird vertrieben über das Hamburger Unternehmen BROKEN SILENCE. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit diesem renommierten Dienstleister? Und wer hat sich eigentlich das lustige CD-Cover ausgedacht?

Unter Vertrag sind wir bei der Essener NIWO MUSIC, die wiederum mit Broken Silence in Verbindung steht. Von denen bekommen wir regelmäßig Berichte über alle initiierten Aktionen, Presseberichte etc., Näheres kann ich dir allerdings gar nicht sagen, da der Kontakt über Steffen und Robert läuft. Nur die Verträge haben wir alle unterschrieben. Das Cover stammt vom US-Künstler Derek Yaniger, einem in der Rockabilly- und Tiki-Fangemeinde bekannten Designer, den Sandra durch ihre guten Verbindungen kennen gelernt hat.

Gibt es weitere Pläne für Tonträger? Eure Musik wäre auf Vinyl doch der Hammer.

Ja, die Frage nach Vinyl taucht regelmäßig auf und wir fänden die Idee alle nicht schlecht. Nur spielen natürlich die Kosten im Gegensatz zur CD eine nochmal größere Rolle, deshalb wollten wir zunächst abwarten, wie Astro-Bash! nachgefragt wird, ehe wir eine LP hinterherschieben. Ich verspreche dir, wenn wir uns dazu entscheiden, bist du der Erste, der es von mir erfährt.
Eine neue CD ist aktuell nicht geplant, im Moment konzentrieren wir uns darauf, uns international auf Festivals bekannter zu machen.

Dafür wünsche ich den Jumpin‘ Rockets viel Erfolg! Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.

Die Mail-Adresse thejumpinrockets@aol.com für Konzert-Anfragen veröffentliche ich an dieser Stelle sehr gerne. Die CD ASTRO-BASH! ist über diverse Anbieter erhältlich, so zum Beispiel auch bei Thalia und jpc.

Das Interview führte Christian W. Eggers – 6. Oktober 2026 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 6. Oktober 2026)

Buchbesprechung „Cool Cooler Cale“ – Die JJ-Cale-Story

Einigen Biographien über Musiker und Musikerinnen eilt der Ruf voraus, in langweiligen Aneinanderreihungen von Superlativen zu münden. Diese Befürchtung ist – trotz des Superlativ-Titels Cool Cooler Cale – unbegründet.

Mark Bloemeke zeichnet die Lebensstationen des Musikers und Komponisten JJ Cale in fast fünfzig übersichtlichen, kurzen Kapiteln nach. Dabei spart der Autor weder Misserfolge noch den anfangs wohl mehr unbeholfenen, schüchternen als cool wirkenden Umgang des Künstlers mit Presse, Plattenfirmen und Fans aus.

Die Recherche der zahlreichen Geschichten und Fakten basiert laut Quellenangaben auf bereits veröffentlichten Interviews und Zeitungsartikeln. Der Autor der Biographie ist Journalist und das journalistische Handwerk ist dem Buch anzumerken. Trotz seines Faktenreichtums ist es Dank einer klaren Gliederung und Sprache leicht lesbar und dabei durchgehend spannend. Eine sympathische persönliche Note lässt der Autor in angemessener Kommentierung durchscheinen. Zum Beispiel dann, wenn er nach einem zitierten und entsetzlich peinlichen Interview des Rolling Stone Magazine mit JJ Cale (mit-) leidet.

Für Musikerinnen und Musiker ist diese Biographie kein Fortbildungsprogramm nach dem Motto: „Wie hat JJ Cale das bloß gespielt?“ Mitnehmen lässt sich jedoch die Erkenntnis, wie wichtig die Suche nach dem eigenen Sound ist. Darauf geht der Autor insbesondere in einem Kapitel über eine ungewöhnliche Eigenbau-Gitarre von JJ Cale ein. Minutiös beschreibt er die chaotisch anmutende Schaltung der lose verdrahteten Tonabnehmer. Dabei zitiert Mark Bloemeke den Meister selbst – von wegen „JJ Cale – Der große Schweiger“.

Auf 258 Seiten wird deutlich, dass JJ Cale ein Mensch war, der mit Widersprüchen – den eigenen ebenso wie denen seiner Zeit – geradezu entwaffnend offen umging. Was rückblickend als Markenzeichen „Coolness“ gestempelt wird, lässt sich nach der Lektüre als gelebte Handlungsfreiheit – die insbesondere auch das Nichthandeln umfasst – verstehen. Dieser Einstellung blieb JJ Cale auch dann treu, wenn sie unangenehme Konsequenzen im Showgeschäft nach sich zog.

Buch-Cover Cool Cooler Cale – Die JJ-Cale-Story – eine Biographie

Zu den schönsten Abbildungen der Biographie gehört ein Foto, das Eric Clapton und JJ Cale während eines Konzerts zeigt: dicht beieinandersitzend und sich während des Spielens etwas in das Ohr sprechend.

Die Biographie steuert auf eine glückliche und ruhige letzte Lebensphase des Künstlers JJ Cale zu – auf die Freundschaft mit Eric Clapton und die überraschende Freude am Touren mit den Musikern und Musikerinnen, die ihn über Jahrzehnte begleitet hatten.

Lässt man den Inhalt der Biographie etwas sacken, bleibt vor allem eine Erkenntnis: Lebensglück und ein eigenständiges Lebenswerk können sich auch im Showgeschäft einstellen, wenn man sich nicht in den Wünschen und Vorstellungen anderer Menschen verfängt. Einfach „sein eigenes Ding machen“ und damit im Reinen sein.

Daten zum Buch – Autor: Mark Bloemeke; Herausgeber‏: ‎ Voodoo Verlag; Erscheinungstermin: ‎ 24. Juli 2020; Auflage: ‎ 1.; Sprache: ‎ Deutsch; Seitenzahl der Print-Ausgabe: 262 Seiten; ISBN-10: ‎3000661514; ISBN-13: ‎ 978-3000661518; Abmessungen‏: ‎ 18.9 x 1.4 x 24.61 cm; Abbildungen: zahlreich

Christian W. Eggers – 17. Juli 2026 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 20. Juli 2026)

Hörtipp: