Der swingende Spielmannszug – Teil 2 Basis-Übung für Basstrommel und Becken im Two-Beat

In diesem zweiten Teil der Artikelserie zur Umsetzung des swingenden Spielmannszuges geht es um das Einüben der Two-Beat-Basis der swingenden Second Line Spielweise für Basstrommel und Becken.

Im ersten Teil war zu erfahren, wie ein swingender Two Beat einer New Orleans Brassband klingt.

Als Two Beat wird eine Spielweise bezeichnet, die auf dem Wechsel von Basstrommel- und Becken-Schlägen der Viertel in einem 4/4 Takt basiert. Das Tempo dieser Schläge bestimmt das Schritttempo einer Parade.

Die Voraussetzungen für den New Orleans Parade Stil im swingenden Two Beat bestehen im wesentlichen aus

  • dem Spielen im triolischen Fluss,
  • dem Hervorheben der Zählzeit 4 sowie
  • im Spielen von Offbeats (Synkopen) auf der Zeit 2-Und.

Zur Einstimmung und Orientierung an dieser Stelle ein Song einer New Orleans Brassband, die einen typischen Second Line Groove spielt.

Zusammenspiel von Basstrommel und Becken

In einer New Orleans Brassband spielen die Bass-Trommler und Bass-Trommlerinnen auch die Becken. Diese sind an den Basstrommeln mit kleinen Stativen befestigt. In einer klassischen Spielmannszugs-Besetzung fallen diese beiden Instrumente auf jeweils eine Person. Dritte Personen spielen die Snare Drums.

Zusammenspiel im Two Beat

Das rhythmische Fundament für das Spiel im Second Line Parade-Stil bildet das Zusammenspiel von Basstrommel und Becken im Two Beat. Damit ist der Wechsel von Basstrommel und Becken auf den Vierteln eines 4/4 Taktes gemeint.

Das erste Viertel wird auf der Basstrommel gespielt, das zweite Viertel wird mit den Becken markiert, das dritte Viertel erklingt wieder mit der Basstrommel und das vierte Viertel zum Abschluss eines Taktes erfolgt wiederum mit den Becken.

Das Notenbeispiel zeigt in den Takten 1, 2 und 4 den Two Beat. Der Takt 3 zeigt einen Four Beat, der zur Steigerung der Energie sparsam in die grundsätzliche Spielweise im Two Beat „eingebaut“ werden kann.

Erst wenn das Fundament des Zusammenspiels von Basstrommel und Becken sicher steht, sollten die melodisch gespielten Schlagabfolgen auf der Snare Drum hinzukommen (siehe Teil 3 dieser Artikelserie zur Spielweise der Snare Drum).

Grundsätzliches zum Einüben

Die „Mutter“ der hier vorgestellten Spielweise ist der „triolische Fluss“ des Zusammenspiels von Basstrommel und Becken.

Für die ersten Schritte ist es bedeutsam zu verstehen, dass Second Line Kompositionen meist als 4/4 Takte notiert werden. Doch liegt hierin die Gefahr von Missverständnissen. Dem rhythmischen Fluss liegt meist ein 6/8-tel Gefühl zu Grunde. „Triola-Triola-Triola-Triola“. Dieses Gefühl wird hier als triolischer Fluss bezeichnet. Näheres hierzu ist hier zu finden.

Ein Metronom zum gemeinsamen Üben ist zunächst wohl unerlässlich. Hier im Bild ist ein älteres mechanisches Metronom zu stehen. Stellt man es auf eine Trommel, wird es zum ersten Einüben von Bewegungsabläufen gerade laut genug für die Anwesenden schwingen. Zudem hat ein mechanisches Metronom auf Grund seiner Trägheit einen natürlichen Swing. Es ist etwas „menschlicher“ als der elektronische „Pieper“ im Ohr.

Förderlich ist es, wenn die nachfolgenden drei Übungen in einem sehr langsamen Tempo zur Einübung begonnen werden. Auch wenn das zunächst seltsam wie eine „Zeitlupe“ wirkt und man sich noch nicht vorstellen kann, dass sogar die wenigen Schläge der Übung 1 „grooven“ können.

Übung 1 – Triolischer Fluss mit Bass-Drum-Offbeats

Ziel dieser Übung ist die Gewöhnung an die Zählzeit 2-Und und an die Hervorhebung der Zählzeit 4.

Die Übung 1 zeigt die Basis der Two Beat Figuren: Je nach Komposition können den unterschiedlichen Zählzeiten der bis zu vier Takte umfassenden Figuren Basstrommel-Offbeats (Synkopen) hinzugefügt werden. Im Beispiel ist ein Schlag der Basstrommel auf der Zählzeit 2-Und im zweiten Takt der Figur hinzugefügt. Weiter ist es wichtig die Schläge der Zählzeit 4 deutlich zu akzentuieren.

Second-Line Grooves werden als 4/4 Takte notiert. Dennoch liegt diesen „two-beats“ ein 6/8 Gefühl zu Grunde. Daher ist es hilfreich zum Einüben das Pattern zunächst in einer ternären Auffassung zu spielen. Die nicht gespielten Schläge der Triolen sind in Klammern gesetzt. Sie können beim Einüben aber gesungen werden, damit das Zeitmaß der ausgespielten Schläge stimmt.

Mit dem folgenden Audiobeispiel ist zu hören, wie die einfachste Basis-Figur eines typischen Second Line Grooves im Two Beat langsam eingeübt werden kann. Dabei ist es hilfreich Betonungen zunächst etwas zu übertreiben.

Mit dieser synkopierten Basstrommel auf der 2-Und nimmt die Schlagfolge jetzt deutlicher den Charakter eines Second Line Two Beat an.

Nach dem Spielen der 2-Und ist es wichtig, dass die 3 und die akzentuierte 4, gespielt von Basstrommel und Becken, im triolischen Fluss bleiben. Gemeint ist damit, dass diese Viertel-Schläge nicht „zackig“ im binären Zeitgefühl erfolgen sollten. Darauf ist besonders zu achten, denn sonst verliert diese Spielweise ihr Flair.

Übung 2 – Komplexe Figuren der New Orleans Brassbands

Komplex und damit auch melodischer sind die 4-taktigen Figuren. Das Notenbeispiel zeigt ein verbreitetes Pattern zum Second Line Drumming. Die oben gezeigte Übung 1 ist ein Schritt zum Erlernen komplexer Figuren. (2)

Ist das hier zu hörende Zusammenspiel von Becken und Basstrommel „intus“, ist ein riesiger Schritt in Richtung „swingender Spielmannszug“ erreicht. Selbst mit der Swing-Rhythmik erfahrene Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger brauchen für diese Art des Spiels häufig eine Zeit der Gewöhnung.

Übung 3 – Komplexe Figuren mit Pausen als „hohe Schule“

Fortgeschritten ist das Spielen komplexer Abläufe mit Pausen auf der Zählzeit Eins oder/und auch auf der Zählzeit Drei. Diese Pausen sind sehr wirkungsvoll, weil sie dem Groove zusätzlichen swingenden Schwung verleihen. Die Pausen sind im Notenbild rot hervorgehoben.

Nachfolgend ein Beispiel für den Schwung mittels Pausensetzungen auf der Eins im dritten Takt und auf der Drei im vierten Takt. Ein schönes Beispiel für die Kunst des Weglassens und ihre Wirkung in der Rhythmik.

Der dritte Teil dieser Artikelserie befasst sich mit der Spielweise der Snare Drum auf der Grundlage des hier gezeigten Fundaments des Two Beat von Basstrommel und Becken.

Ich bedanke mich für das Interesse und freue mich, wenn diese dreiteilige Artikelserie (Teil 1, Teil 3) dazu beiträgt, dass das Spielen im Stil der New Orleans Brassbands auch eine Bereicherung für traditionelle Spielmannszüge sein kann.

Christian W. Eggers – 3. März 2024 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 20. März 2024)

  • Fußnote (1): Nicht zu verwechseln ist die Aufteilung 3:2 im „two-beat“ mit dem Spiel der New Orleans Brass Bands mit den dort auch im Programm befindlichen afrokubanischen Claven der meist binär gespielten Grooves.
  • Fußnote (2): Reproduziert aus Second Line – 100 Years Of New Orleans Drumming, Antoon Aukes (C. L. Barnhouse), Seite 3

Song „Ich kann nur einen Beat“

Hier ist das aktuelle Demo zum Song „Ich kann nur einen Beat“ der Stompology Hausband Archie Ancora And His Motorboats.

Nun ja, was soll man sagen? Archie und die Jungs toben sich etwas aus und möchten nicht ständig Grooves bekannter Interpreten nachspielen. Nach langem Gequengel: Ok, diesen einen Beat!

Ich hoffe, dass wir uns jetzt wieder ernsthaft mehr mit den wissenschaftlichen Aspekten der Rhythmik, der Stompology, befassen können. 🙂

Dank an Beeble aus dem drummerforum.de, der das schlimmste Bass-Wummern ein wenig bändigen konnte und aus den „Kraut und Rüben Spurensalat“ einen anhörbaren Mix gemacht hat.

Christian W. Eggers – 28. Februar 2024 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 29. Februar 2024

Der swingende Spielmannszug – Teil 1 Voraussetzungen zum Swingen im Two Beat

Kann man eigentlich mit dem Spielmannszug in der Swing-Rhythmik spielen? Vor dieser Frage einer Leserin gab es bei dem Versuch der Umsetzung der Idee „swingender Spielmannszug“ ein heilloses Chaos. Das erinnert ein wenig an die Filmszene aus der Glenn Miller Story, in der der berühmte Bandleader als zum Kriegsdienst eingezogener Soldat einen Infanterie-Marsch zum St. Louis Blues March verwandelt.

Wie auch ein traditioneller Spielmannszug das Swingen lernen kann, davon handelt diese Artikelserie in drei Teilen. In diesem ersten Teil geht es um die theoretischen Voraussetzungen zum Swingen im Stil einer New Orleans Brassband.

Der zweite Teil und der dritte Teil beschäftigten sich mit der Einübung und Umsetzung des „swingenden Spielmannszugs“.

Und hier ist er! Der „Brassband Two Beat Groove“ um den es im folgenden geht.

Lernen von den New Orleans Brassbands

Berühmt für swingende Paraden sind die New Orleans Brassbands. Noch heute ist die oben gehörte Form der rhythmischen Gestaltung in den Straßenparaden der New Orleans Brass Bands erhalten.  

Hier ist ein Hörbeispiel einer vollständigen Brassband. In diesem Video ist auch zu sehen, wie die Trommeln und die Becken gespielt werden. Sie sind das Fundament auf dem der Rest der Band swingt.

Das Foto zeigt eine New Orleans Straßenparade anlässlich der Beerdigung des Jazz Musikers Danny Barker. Die New Orleans Straßenparaden mit ihren Brassbands stehen in einer langen Tradition und sie werden als die Wiege des Jazz betrachtet. Europäischer Marsch, triolische Spielweisen und „syncopated Grooves“ bildeten das rhythmische Fundament. Quelle: Wikimedia Lizenz

Zwei grundlegende Spielweisen – Binär und Ternär-Triolisch

Um Missverständnissen vorzubeugen, ist es bedeutsam zu wissen, dass die Rhythmik der New Orleans Brassbands im Wesentlichen auf zwei unterschiedlichen Spielweisen basiert. Diese bestehen ursprünglich in einer mehr lateinamerikanischen Ausrichtung und daneben in der stärker an ursprünglich afrikanische Rhythmen angelehnten Spielweise.

Samba-Paraden und Sambaschulen, ursprünglich bekannt aus dem Karneval in Rio de Janeiro, sind weltweit verbreitet. Anders als die Musik der New Orleans Brassbands basiert die Rhythmik dieser Paraden mehr auf einer binären Zeitteilung als auf der überwiegend triolischen, swingenden Zeitteilung der New Orleans Brassbands. Foto: Lee Pigott / unsplash.com

Während der „lateinamerikanische Zweig“ meist nicht swingend gespielt wird (binäre Rhythmik), swingt die afrikanische Ausrichtung der Rhythmik in einer „gedehnten Zeit“ auf der Grundlage eines 6/8-Gefühls.

Diese Spielweise wird auch als „triolische Rhythmik“ bezeichnet. Sie geht aus der ternären Rhythmik hervor. Ein Artikel zum vertiefenden Verständnis der ternären und triolischen Spielweisen ist hier zu finden: Erklärung der binären, ternären und triolischen Rhythmik

In diesem Audio-Beispiel ist zu hören, wie eine Marsch-Phrase, am Drumset triolisch gespielt, swingen kann.

Die drei notwendigen Bedingungen für „swingende Spielmannszüge“

Drei Änderungen der traditionell europäischen rhythmischen Auffassung und der Darbietung des Spielmannszugs sind Voraussetzung, damit die Parade swingt.

Die Schritte der Wandlung der europäischen, traditionellen Spielweise in eine swingende Musik-Parade im Stil der New Orleans Brassbands bestehen in

  • dem Spielen in einer mehr ternären („triolischen“) Rhythmik im Two Beat sowie
  • der Hervorhebung von Offbeats (Synkopen),
  • der körperlichen Bewegung der Parade zu weichen und wiegenden Schritten.

Tanzen statt Marschieren

Die Choreografie des Spielmannszugs, soll sie nicht in einem ständigen Konflikt mit der swingenden Musik stehen, muss sich zwangläufig ändern. Die Gangart, die Swing hervorbringt und unterstützt, wäre zumindest nach militärischen Maßstäben schon ein wenig subversiv. Nämlich mehr wiegend und weicher als die Schritte des militärischen Marschierens. Vielleicht schon ein Tanz. Eine schöne Vorstellung!

Literaturhinweise

  • Eines der umfassendsten und leicht verständlichen Lehrbücher über New Orleans Drumming sowie zum Verständnis von Swing wurde von Antoon Aukes aus den Niederlanden verfasst. Mit jedem Satz und jeder Note (inklusive CD) spürt man seine Begeisterung für das Spiel der New Orleans Brassbands. Das ist wirklich ansteckend. „Second Line – 100 Years Of New Orleans Drumming“, Antoon Aukes (C. L. Barnhouse)
  • Zum Verständnis der Unterscheidungen zwischen ternär, triolisch und binär: Erklärung der binären, ternären und triolischen Rhythmik
  • Zum Verständnis der Begriffe Onbeat, Offbeat und Two Beat: Bausteine eines Grooves – Unterteilungen und Mikrotiming

Im zweiten Teil und im dritten Teil dieser Serie zum swingenden Spielmannszug geht es um das spezielle Einüben und die Umsetzung der Theorie in die Praxis heimischer Spielmannszüge. (2)

Vielen Dank für das Dranbleiben!

Christian W. Eggers – 21. Februar 2024 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 18. März 2024)

Fußnoten

  • (1) Eine zutreffende Erklärung und für die Praxis Orientierung gebende Definition für den Begriff Synkopen aus der amerikanischen Jazz-Wissenschaft.
  • (2) Der dritte Teil zu diesem Artikel erscheinen voraussichtlich Mitte März 2024.

Bildnachweise

Vintage  Hall- und Echo-Konzept

Inzwischen taucht öfter die Frage auf, welche Effekte zur Erzeugung des Raumklangs für die Demo-Aufnahmen auf stompology.org verwendet werden. Zuletzt von einem befreundeten Musikerkollegen.

Es ist erfreulich, dass das Klangbild der „Stompo-Aufnahmen“ von Interesse ist. Zeigen die Nachfragen doch, dass es inzwischen besser gelingt einen ansprechenden „Vintage-Sound“ herzustellen. Dieser Artikel beschreibt den bisherigen Weg der hier gelegentlich vorgestellten Demo-Songs.  

Aufnahmesituation

Die Angaben beziehen sich auf Mono-Aufnahmen, die im Sound der Aufnahmen der späten 50er und frühen 60er Jahre klingen sollen. Bei Stereoaufnahmen kann es mit dem hier beschriebenen Verfahren unter Umständen zu Problemen bei der Verwendung von Slap Back Echos kommen.

Alle Instrumente werden einzeln Spur für Spur aufgenommen. Es geht nicht um die Aufnahmen einer Band, die zusammenspielt. Leider!

Der Aufnahmeraum ist sehr klein und schallgedämpft. Es gibt so gut wie keinen natürlichen Raumklang in den „Stompo“-Aufnahmen.

Klangbeispiel
Audio-Beispiel für ein gutes Mono-Klangbild in dem Song Blues & Rhythm von Archie Ancora And His Motorboates, der fiktiven stompology.org Hausband. 🙂

Zu unterscheiden sind Delay (Echo) und Reverb (Hall) Effekte. Sehr vereinfacht gesagt: das Delay wiederholt ein Signal und ein Reverb zieht es in die Breite, so als würde man in einem großen Raum singen. Beide Effekte sorgen für Tiefe und Staffelung eines Gesamtklangs einer Aufnahme. Jeder Effekt auf seine eigene Art.

Das Schlagzeug

Die Hallerzeugung (Reverb) erfolgt schon während der Aufnahme mit der Hardware „echter Federhall“ aus dem Eigenbau. Ein kurzer und dezenter Nachhall soll genügen. Dann spielt man auch besser nach meiner Erfahrung. Denn das Mitgehörte beeinflusst das Spielgefühl und damit die Schlagtechnik.

Das Foto zeigt ein Gehäuse, in dem Hallspiralen untergebracht sind. Federhallgeräte haben einen recht begrenzten Frequenzgang. Sie eignen sich aber hervorragend für den „echten“ Vintage-Klang.

Die Nachbearbeitung erfolgt meist mit der Software „Tal-Reverb“ unter der Einstellung „ Small Drum Plate“ (siehe Screenshot nachfolgend unter „Akustische Gitarren“).

Der E-Bass

Hall- und Echo-Effekte werden nicht während der Aufnahme verwendet. Nur bei der Erstellung des Masters aller Spuren kommt ein leichtes Band-Echo hinzu. Dieses wird mit der Master-Maschine erzeugt, siehe nachfolgend unter „Master“. Dabei sollte es beim E-Bass nach meiner Erfahrung unbedingt bleiben.

Akustische Gitarren

Western-Gitarren werden für die Stompo-Demos meist nur zum „Füllen“ verwendet und recht weit „hinten“ im Raum angesiedelt. Das geht mit der Software Tal-Reverb Version II unter der Einstellung  „Big Wet Plate“, siehe Screenshot.

Wird die Gitarre lediglich zum Füllen und für den Drive benutzt, kann sie weit nach hinten gemischt werden, muss aber eine starke Komprimierung erhalten. Schaltet man sie aus dem Mix ab, sollte man merken, das jetzt „irgendwie“ etwas fehlt.

Der Screenshot zeigt die Software Tal Reverb II, eingebunden in das Programm Audacity.

E-Gitarren

E-Gitarren werden in den Stompo-Demos deutlich weiter im gehörten Raum (Klangbild) nach „vorne“, also näher zum Ohr gebracht als die Western-Gitarren. Dabei sind die  elektrischen Rhythmusgitarren bei der Aufnahme meist völlig clean (rein, sauber, trocken) oder mit der Hardware Alesis Microverb II mit der Einstellung „Small 4“ aufgenommen.

Im Bild sind zwei Alesis Microverb II Geräte zu sehen. Das untere Gerät wurde für den Anschluss an Mono-Röhrenbandmaschienen modifiziert. Diese Geräte waren einst sehr teuer. Heute bekommt man sie gebraucht für ca. 50 Euro.

Die Nachbearbeitung erfolgt je nach Gesamtklangbild mit der Software Tal-Reverb bei der Einstellung „Short Plate“ zuzüglich des Audacity Programmhalls „kleiner Raum“. Stichwort: frühe Reflexion.

Dominante E-Gitarren (Solos und Akzente) sind gleich bei der Aufnahme mit einem Röhrenamp meist nur leicht verzerrt aufgenommen. Dabei ist am Verstärker das Programm Reverb deutlich hörbar aufgedreht. Es erfolgt keine weitere Hall- oder Echo-Nachbearbeitung mittels Software.

Das Foto zeigt eine Kombination aus Röhren- und Transistor-Amp mit einem digitalen Hall-Programm. In dieser Kombination eines VOX Verstärkers, lässt sich leicht ein „Vintage-Sound“ einstellen.
Gesang

Neuerdings nutze ich Valhalla Supermassive mit der Einstellung „Gemini“. Genaue Parameter sind im Screenshot zu sehen. Es entsteht ein sehr angenehmes leichtes „Schlag zurück Echo“. Etwas altmodisch, so wie angestrebt.

Aber Vorsicht: Das Programm reagiert heftig und man muss sich herantasten. Schon die kleinsten Einstellungsänderungen haben große Wirkung.

Der Screenshot zeigt die Software Valhalla Supermassive zur Hall und Echo Erzeugung.
Mastern wie damals – Der letzte Schliff mit einer Bandmaschine

Die absolut letzte Bearbeitung (das Mastern) ist enorm wichtig für das 50er Gefühl. Sie ist eine Art Kleister, der alles zusammenhält. Zunächst  erzeugt eine hoch ausgesteuerte Bandmaschine mit der Bandsättigung weiche Höhen und eine spürbare aber „freundliche“ Verdichtung (Kompression).

Zu viel Kompression zerstört das Flair. Die Bandkompression ist ein guter Weg auch für diejenigen, die beabsichtigen ihre Songs auf Vinyl (Schallplatten) pressen zu lassen.

Daneben kann im Rock’n‘Roll und im frühen R&B ein „End“-Delay mit einem zweiten Tonkopf erzeugt werden. Aber bitte nur ganz leicht!

Dieser Delay-Effekt wirkt sich auf alle Signale der Aufnahmespuren aus und macht das Klangbild trotz der zuvor unterschiedlichen Effekte und Sounds zu einer homogenen Mono-Aufnahme.

Die Abbildung zeigt eine Bandmaschine M24 von Telefunken. Das Röhrengerät erlaubt auf Grund eines Tonkopfes für Hinterbandkontrolle (es ist das aufgenommene Signal zu hören; nicht das aufzunehmende Signal) das Erzeugen eines „echten“ Slap Back Echos. Es ist tatsächlich ein ganz eigener und ursprünglicher Effekt, der durch den Produzenten Sam Phillips bekannt wurde.
Fazit

Natürlich ist das oben Ausgeführte nur die grobe Richtung und sie ist auch variabel von Song zu Song. Die Idee ist nicht die Umsetzung des Konzeptes Wall of Sound (Klangmauer) des Produzenten Phil Spector.

Lediglich das Spielen mit der Klangraum-Platzierung einzelner Instrumente durch die Erzeugung unterschiedlicher Intensitäten von Delay und Reverb sind dem Konzept entnommen.

Es funktioniert und man sollte keine Angst vor Experimenten haben. Es geht ja nicht um Leben und Tod, sondern um das spielerische Ausprobieren von Klanggestaltung im Raum.

Ich bin kein Tontechniker und habe den hier beschriebenen Weg durch Versuch und Irrtum eingeschlagen. Bestimmt kann man es besser machen. Ich freue mich über Tipps und Nachfragen.

Christian W. Eggers – christian@stompology.org – 13. Februar 2024 (letzte Aktualisierung am 5. März 2024) 

Der Blues und das Sizzle Ride Becken

„Sizzle Ride Becken? Das sind doch diese Bleche, gespickt mit Nieten.“ Ja, ein wenig aus der Mode gekommen sind sie und zur Rockmusik passen sie auch nicht gut.

Das Foto zeigt ein 21 Zoll Sizzle Ride mit zwei Nieten, hier im Bild rechts unten zu sehen. Die Nieten sind lose eingesetzt und erzeugen so ein Nachschwingen, das als Geräusch „sizzelt“.

Sound-Beispiel für einen Sizzle Ride Becken Groove: Wonderful World von Sam Cooke

Reduzierte Spielweisen im Blues und Swing

Naturgemäß verursachen die Anschläge auf dem Sizzle Becken keinen prägnanten Anschlag, sondern mehr einen „verwaschenen“ Klang. Darin liegt die Stärke dieser Becken, wenn man sich auf weiche und wenige Anschläge beschränkt. So kann beispielsweise ein Blues-Song im 4/4 Takt in der Basis auch nur mit vier Beckenschlägen pro Takt grooven. Denn das lange Ausklingen des Beckens führt zu einem weichen Fluss. Besonders sanft und dennoch deutlich wahrnehmbar wird dieser Effekt mit den Jazz-Besen erzeugt.

In dem Video Der „Kein Mensch hier“ Blues“ ist die Umsetzung der Theorie zu hören. Sizzle Ride Becken erzeugen ein „Grundrauschen“. Es ist weniger der einzelne Anschlag zu hören, sondern mehr ein im Puls dezentes anschwellendes und abschwellendes Rauschen. Das klingt besonders in Swing-Rhythmen fließend und druckvoll. Die Bohrungen, ausgefüllt mit lockeren kleinen Hohlnieten, verursachen im traditionellen Jazz der Stilrichtung Swing sowie im Blues diesen beeindruckenden Effekt. Musik: Die Stompology Hausband Archie Ancora And His Motorboats.
Der ‚Kein Mensch hier‘ Blues im MP3-Format zum Download

Sizzle Ride Becken selber basteln

Wie man mit wenig Geld ein Sizzle Ride Effekt erzeugen kann, ist in einem Beitrag einer Musikschule hier zu lesen. Ich selber habe es nicht ausprobiert, sondern ein günstiges und leicht gebrauchtes Sizzle Ride Becken erworben.

Christian W. Eggers – 30. Januar 2024 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 2. Februar 2024)