Bausteine eines Grooves – Puls und Tempo

Grundlagen Teil 1 – Puls und Tempo

Rhythmus setzt zunächst die zeitlich gleichmäßige Abfolge von Impulsen, die Grundschläge genannt werden, voraus. Die Grundschläge eines Grooves erfassen wir beim Hören von Musik häufig intuitiv: Unser Fuß wippt einfach mit und markiert so die Grundschläge in ihrer zeitlichen Abfolge. Der Fluss dieser Schläge wird auch Puls oder Beat genannt. Der zeitliche Abstand, in dem die einzelnen Grundschläge gleichmäßig fließen, ist das Tempo eines Rhythmus. Es wird in Schlägen pro Minute gemessen (beats per minute = bpm).

Grundschläge im gleichmäßigen Fluss

Das Tempo wird in Grundschlägen – die auch Puls oder Beat genannt werden – pro Minute gemessen und mit beats per minute (bpm) angegeben.

Der Puls muss nicht immer durchgehend „ausgespielt“ sein. Seine Schläge sind jedoch stets die gefühlten Orientierungspunkte und sie sind das zeitliche Zentrum, in dem Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger und alle anderen Musiker Klänge und Töne präzise platzieren. 

Hier kannst Du die Einteilungen der Tempobezeichnungen im Überblick sehen. Swing groovt übrigens im Medium-Tempo besonders gut

Können Viertel-Grundschläge swingen?

In der Theorie, nein! In der Praxis, ja! Swing ensteht unbestritten in der Teilung der Viertel-Grundschläge in Achteltriolen aus der Kombination von Pausen und Akzenten der einzelnen Triolenachtel einer Achteltriole. Damit ist Swing eigentlich erst im Mikrotiming möglich.

Wenn man aber im triolischen Gefühl spielt, nur den jeweils ersten Schlag der Achteltriole ausspielt und vom Spielgefühl her den zweiten und dritten Schlag der Achteltriole als Pause im Fluss begreift, dann swingen auch die Viertel.

Du zählst einfach „Tri-oh-la“ und spielst nur „Tri“ z. B. auf dem Ride-Becken. Ein kleines Wunder geschieht und die Viertel swingen. Du glaubst mir nicht? Dann höre Dir von Booker T & the M G ’s „Green Onions“ (youtube) an.

Und noch ein Wort zum Tempo

Das Tempo bestimmt bei triolischen Grooves den Charakter des Mikrotimings: Medium-Tempi mit 120 bis 170 bpm („heiter, lebhaft“) lassen zwischen den Triolenachteln den Raum, den sie zum rollen, federn und swingen benötigen. Wird eine swingende Komposition zu schnell gespielt, geht die „ternäre Dehnung“ des Grooves verloren und die Schlagfolge wirkt im Mikrotiming binär, also zweigeteilt. Deshalb: „Stay cool and calm“ beim Anzählen.

Two-Beat und Four-Beat

Der Puls wird in traditionellen Spielweisen des 4/4-Taktes meist durch den Wechsel von Bassdrum-Schlägen mit getretenen Hi-Hat-Anschlägen markiert. Diese Spielweise wird als Two-Beat bezeichnet. Werden alle vier Viertel mit der Bassdrum gespielt, handelt es sich um eine Four-Beat-Spielweise.

Beiträge dieser Artikelserie zur Theorie

Berühmte Grooves – Der T-Bone Shuffle

Berühmt (und auch bei Musikern gefürchtet) ist dieser Groove, weil er in einer dezenten „Gegenrhythmik“ zur gewöhnlichen Shuffle-Figur gespielt wird. Dazu unten mehr.

Zur Geschichte des Songs

Der „T-Bone Shuffle“ erschien erstmals als B-Seite der Single „Papa Ain’t Salty“ bei Atlantic im Jahre 1954. Beide Songs wurden von T-Bone Walker komponiert. In seiner scheinbar naiven Schlichtheit ist der „T-Bone Shuffle“ mehr im Jump Blues der 40er Jahre als im R&B der 50er verwurzelt. Die kurzen und leisen Bläser Big Band Phrasen geben dem Song eine Ballroom Atmosphäre. Die Originalaufnahmen wurden von Oscar Lee Bradley getrommelt. Bradley verkörperte den typischen Sideman Drummer der 40er und 50er Jahre: beim Publikum wenig bekannt, unspektakulär im Spiel aber von fundamentaler Bedeutung für das Gelingen zahlreicher Blues Klassiker.
Hier kannst Du den Song in der Originalversion anhören: https://m.youtube.com/watch?v=0GsRzqbRvus

Der Groove

Auf der Basis einer verbreiteten Boogie Piano Rhythmusfigur und einem in Vierteln schreitenden Contrabass (Walking Bass) spielt der Schlagzeuger einen Snare Besengroove durchgehend geschlagener Shuffle Achtel (rechte Hand), während der kreisende Besen (linke Hand) für das fließende Rauschen sorgt. Soweit entspricht der Groove einem konventionellen Shuffle.

Für zusätzliche Spannung sorgt die Akzentuierung der feinen Besenschläge. Akzente erfolgen ausnahmslos und im Fluss auf den Offbeats, den mit ternärer Dehnung gespielten „Und-Zählzeiten“: „Eins-Und-Zwei-Und-Drei-Und-Vier-Und“.
Diese Offbeat-Phrasierung des Shuffles steht in einem Konflikt mit der gewohnten Shuffle Onbeat-Spielweise der Band („Eins-Und-Zwei-Und-Drei-Und-Vier-Und“). Die durchgehende Betonung von Offbeats bewirkt ein Vorantreiben. Werden alle Offbeats des Schlagzeuges so sanft und fließend wie im T-Bone Shuffle betont, entsteht ein unaufdringlicher Shuffle-Gegenrhythmus, der im Hintergrund für zusätzliche rhythmische Bewegung sorgt.

Hier kannst Du sehen (und hören: coming soon) wie Du den „T-Bone Shuffle“ spielen kannst:

Die linke Hand „schlurft“ durch kreisende Bewegungen und die rechte Hand lässt die Achtel hüpfen. Im Notenbild werden Shuffles meist als binäre Achtel ausgewisen. Am Beginn einer Notation befindet sich dann ein Hinweis ( 2 = 3 ) , dass zwischen den notierten Achteln eine Achtelpause zu lesen und zu spielen ist.

Eine von zahlreichen Varianten des Shuffles im T-Bone Stil: Hörbeispiel coming soon

Wenn die Hi-Hat leicht geöffnet mit Achtelschlägen angespielt wird und die Snare nur auf den Offbeat-Achteln gespielt wird, ensteht ein stark treibender Shuffle.
Hier der Back Shuffle, der auch Stumple Shuffle genannt wird, auf dem Ride-Becken gespielt

Nicht ganz einfach – Der „umgekehrte Shuffle“

Nicht einfach, weil zunächst sehr ungewohnt, ist die Koordination gleichmäßiger Kreisbewegungen des Besens mit der Shuffle-Schlagfolge im „Gegenrhythmus“ zu der Onbeat-Akzentuierung der Mitmusiker und zur Hörgewohnheit der üblichen Shuffles mit der Betonung auf den Puls-Zählzeiten 2 und 4. Als Schlagfolge der rechten Hand bietet sich an, die gewohnte Shuffle Schlagtechnik „Downstroke – Upstroke – Downstroke – Upstroke“ umzukehren, so dass die Downstrokes jetzt auf den Offbeats erfolgen. Damit sind die Offbeats „automatisch“ betont.

Wichtig ist das weiche und gleichmäßige Spiel und die feinfühlige Akzentuierung der Offbeats damit der Fluss seine triolische Beschwingtheit behält.
Bei den Kreisbewegungen der linken Hand gibt der Puls der Bassdrum Orientierung: Auf der „Eins“ und der „Drei“ erfasst der Kreisbogen den oberen Rand der Snare, auf der „Zwei“ und der „Vier“ den unteren Rand. Zur Einübung des Kreises auf der Snare siehe hier.

Beispiel-Video „T-Bone Shuffle“

Eine flüssige Besen-Variante zur Spielweise des T-Bone Shuffles ohne Kreisbewegungen zeigt hier Jan Falckenberg aus dem drummerforum.de. Vielen Dank!

Schlagzeug Transkription (Noten): Christian Eggers – Quellen: „Reclams Jazzlexikon“ und „All that Jazz“ von Michael Jacobs, Beispiel-Video: Jan Falckenberg, „trommla“ drummerforum.de

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