Berühmte Grooves – „T-Bone Shuffle“ – Der Back Shuffle

Berühmt (und auch bei Musikern gefürchtet) ist der T-Bone Shuffle von T Bone Walker, weil er in einer dezenten „Gegenrhythmik“ zur gewöhnlichen Shuffle-Figur gespielt wird. Bezeichnet wird diese Spielweise als Back Shuffle oder auch als Stumple Shuffle. Dazu unten mehr.

Zur Geschichte des Songs

Der „T-Bone Shuffle“ erschien erstmals als B-Seite der Single „Papa Ain’t Salty“ bei Atlantic im Jahre 1954. Beide Songs wurden von T-Bone Walker komponiert. In seiner scheinbar naiven Schlichtheit ist der „T-Bone Shuffle“ mehr im Jump Blues der 40er Jahre als im R&B der 50er verwurzelt. Die kurzen und leisen Bläser Big Band Phrasen geben dem Song eine Ballroom Atmosphäre.

Der Groove

Auf der Basis einer verbreiteten Boogie Piano Rhythmusfigur und einem in Vierteln schreitenden Contrabass (Walking Bass) spielt der Schlagzeuger einen Snare Besengroove durchgehend geschlagener Shuffle Achtel (rechte Hand), während der kreisende Besen (linke Hand) für das fließende Rauschen sorgt. Soweit entspricht der Groove einem konventionellen Shuffle.

Für zusätzliche Spannung sorgt die Akzentuierung der feinen Besenschläge. Akzente erfolgen ausnahmslos und im Fluss auf den Offbeats, den mit ternärer Dehnung gespielten „Und-Zählzeiten“: „Eins-Und-Zwei-Und-Drei-Und-Vier-Und“.
Diese Offbeat-Phrasierung des Shuffles steht in einem Konflikt mit der gewohnten Shuffle Onbeat-Spielweise der Band („Eins-Und-Zwei-Und-Drei-Und-Vier-Und“).

Die durchgehende Betonung von Offbeats bewirkt ein Vorantreiben. Werden alle Offbeats des Schlagzeuges so sanft und fließend wie im T-Bone Shuffle betont, entsteht ein unaufdringlicher Shuffle-Gegenrhythmus, der im Hintergrund für zusätzliche rhythmische Bewegung sorgt.

Hier kannst Du im Notenbild sehen, wie Du den „T-Bone Shuffle“ spielen kannst:

Die linke Hand „schlurft“ durch kreisende Bewegungen und die rechte Hand lässt die Achtel hüpfen. Im Notenbild werden Shuffles meist als binäre Achtel ausgewisen. Am Beginn einer Notation befindet sich dann ein Hinweis ( 2 = 3 ) , dass zwischen den notierten Achteln eine Achtelpause zu lesen und zu spielen ist.

Eine weitere von zahlreichen Varianten des Shuffles im T-Bone Stil, gespielt auf der Hi-Hat und der Snare: Tell Me What’s The Reason

Basis: Die Hi-Hat wird leicht geöffnet oder das Ride-Becken mit Achtelschlägen angespielt; die Snare wird nur auf den Offbeat-Achteln gespielt. Die Variation zeigt eine Hand to Hand Spielweise mit einem starken Akzent auf der 3-Und

Audio zur Hand to Hand Variation des Stumple Shuffle gespielt mit den „geschlagenen“ Besen
Nicht ganz einfach – Der „umgekehrte Shuffle“

Wenn man jahrelang Shuffles geübt hat und die Aufmerksamkeit auf den Fluss mit den Betonungen der Zwei und der Vier verinnerlicht ist, braucht es etwas Geduld beim Einüben des „stolpernden“ Shuffles. Das klingt anfangs ein weing nach Polka, aber nach und nach stellt sich der Fluss mit dem Shuffle-Gefühl ein.

Mit den Sticks gespielt

Als Stick-Schlagfolge (wie im Beispiel Tell Me What’s The Reason) der rechten Hand bietet sich an, die gewohnte Shuffle Schlagtechnik „Downstroke – Upstroke – Downstroke – Upstroke“ umzukehren, so dass die Downstrokes jetzt auf den Offbeats erfolgen. Damit sind die Offbeats „automatisch“ betont.

Mit den Besen gespielt

Nicht einfach, weil zunächst sehr ungewohnt, ist die Koordination gleichmäßiger Kreisbewegungen des Besens mit der Shuffle-Schlagfolge im „Gegenrhythmus“ zu der Onbeat-Akzentuierung der Mitmusiker und zur Hörgewohnheit der üblichen Shuffles mit der Betonung auf den Puls-Zählzeiten 2 und 4.

Beispiel-Video „T-Bone Shuffle“ mit den Besen gespielt

Wichtig ist das weiche und gleichmäßige Spiel und die feinfühlige Akzentuierung der Offbeats damit der Fluss seine triolische Beschwingtheit behält.

Eine flüssige Besen-Variante zur Spielweise des T-Bone Shuffles ohne Kreisbewegungen zeigt hier Jan Falckenberg aus dem drummerforum.de. Vielen Dank!

Bei den Kreisbewegungen der linken Hand gibt der Puls der Bassdrum Orientierung: Auf der „Eins“ und der „Drei“ erfasst der Kreisbogen den oberen Rand der Snare, auf der „Zwei“ und der „Vier“ den unteren Rand. Zur Einübung des Kreises auf der Snare siehe hier , „Übung – Kreisen mit den Jazz-Besen“.

Der Drummer – Oscar Lee Bradley

Die Originalaufnahme wurden von Oscar Lee Bradley getrommelt. Bradley verkörperte den typischen Sideman-Drummer der 40er und 50er Jahre: beim Publikum wenig bekannt, unspektakulär im Spiel aber von fundamentaler Bedeutung für das Gelingen zahlreicher Blues Klassiker.

1947 holte T Bone Walker den Jazzdrummer Bradley in seine Band. Bradley wirkte bei Walkers Sessions für Black & White Records mit und ist u. a. in „Call it Stormy Monday“ und „Drifting Blues“ zu hören. (Quelle: wikipedia)

Christian W. Eggers – 18. Mai 2021 – Letzte Aktualisierung am 24. Januar 2023 – christian@stompology.org

Quellen

Famous Grooves – „The Banana Boat Song“ Harry Belafonte

In dieser Folge aus der Reihe „Berühmte Grooves“ geht es um die Geschichte und die Schlagzeugspielweise des Banana Boat Songs in der Version von Harry Belafonte.

Der König widerwillen

Harry Belafonte hat mit Kritik am Showgeschäft nicht gespart. Insbesondere gegen Klischees wehrt er sich vehement.  Als sich das Album „Calypso“ mit dem Banana Boat Song in kurzer Zeit über eine Millionen Mal verkauft hatte, wurde Belafonte als King of Calypso vermarktet. Das gefiel Belafonte nicht und es hatte Folgen.

„Das war zwar ein marktfähiger Titel, aber nur wenige meiner Songs waren Calypsos. Ich protestierte und habe deswegen den „Banana Boat Song“ lange nicht gesungen, da mein Repertoire weitaus vielfältiger war.“

Harry Belafonte (1)

„1950 erhielt Belafonte einen Plattenvertrag bei Capitol Records. Jedoch lehnte er die ihm vorgelegten Kommerzsongs ab und der Vertrag wurde aufgelöst. So versucht er einen Neuanfang mit reinem Folksong-Repertoire, beeinflusst von der Musik der Westindischen Inseln. In diesem Rahmen trat er in einem New Yorker Nachtclub auf. Dort begeisterte Belafonte das Publikum mit seiner stilistischen Vielfalt und seinen Entertainerqualitäten, was ihm ein Engagement im berühmten Jazz-Club Village Vanguard einbrachte.“ (2) Bildnachweis: Bildautor Tom Marcello from Webster, New York, USA – The Village Vanguard at night; Lizenz CC BY-SA 2.0 via wikipedia

Entertainment und Protest

Seine Bekanntheit nutzte Belafonte zur Förderung politisch unbequemer Künstlerinnen und Künstler sowie zur Unterstützung der Bürgerrechtsbewegungen. Im US-Showgeschäft der 50er und 60er Jahre ein existenzgefährdender Drahtseilakt.

Harry Belafonte (Mitte) auf dem Marsch für Bürgerrechte 1963 in Washington D.C. mit Sidney Poitier (l.) und Charlton Heston (r.). Bildnachweis: Aus dem Bestand der National Archives and Records Administration, katalogisiert unter dem National Archives Identifier (NAID) 542061, Public Domain

Belafontes Publikum konnte in dem Banana Boat Song das hören, was ihm je nach Weltanschauung und Herkunft passte: idyllische Ausmalung harter Arbeit oder doch mehr einen Aufruf („Day-o!“) zum Kampf für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte.

Gegen den Vorwurf der „Onkel Toms Hütte Verkitschung“ ausbeuterischer Arbeitsbedingungen steht die Echtheit dieses jamaikanischen Volksliedes. Die Strophen wurden tatsächlich bei der Arbeit gesungen und je nach Situation textlich variiert. Nicht selten wurde dabei das Mittel der Satire und der Ironie verwendet. Der Banana Boat Song war und ist ein internationaler Worksong. In den 60er Jahren wurde der Song von den Schauerleuten des Hamburger Hafens beim Entladen der Frachter gesungen. (3)

Aber nun endlich zur Musik und dem großen Spaß am Schlagzeugspiel eines einzigartigen Grooves!

Calypso Rhythmus

Gibt es den typischen Calypso Rhythmus? Vergleicht man die Unterrichtsmaterialien von Schlagzeugschulen zum Calypso, wird man stark von einander abweichende Darstellungen „des Calypsos“ finden. Das liegt daran, dass Calypso-Sänger nicht einen markanten Rhythmus bevorzugten, sondern sich frei aus den verschiedensten Tänzen und denen ihnen zugrunde liegenden Rhythmen bedienten. (4) Typisch ist ab den 1930er-Jahren eher eine Klangfarbe: die der karibischen Stahltrommeln.

Der Banana Boat Groove

Der Groove strahlt mit seiner hüpfenden Spielweise Fröhlichkeit aus. Die eintaktige 4/4-Schlagfolge wird geshufflet. Das Tempo hat mit 120 bpm „Worksong“-Schwung.

Zu hören sind in der Originalaufnahme Membranophone („Fellklinger“), wahrscheinlich zwei Conga-Trommeln. Auf der Zählzeit Zwei der 4/4-Takte ist ein „Tschick“-Geräusch zu hören. Vermutlich wird dieses mit einem Shaker erzeugt.

Die Groove-Melodie in Lauten

Ein guter Weg sich in Stimmung und Timing zu bringen, ist das Singen der Groove-Melodie. Etwas so:

„Dam-Tschick-badam-Duuuuhhh“

Basis am Drumset

Bei der Umsetzung der Schlagfolge am modernen Drumset, bieten sich zahlreiche Variationen an. Soll der Groove am Set gespielt werden, können die Toms auch wirkungsvoll mit den Händen angeschlagen werden.

Das Grundgerüst zeigt die obige Schlagfolge von Jan Falckenberg, die hier mit den Händen und Füßen (Two Beat) am Set getrommelt wird. (5)

Das geheimnissvolle „Duuhhh“-Geräusch

Das die Atmosphäre des Grooves prägende „Duuuuhhh“ ist auf der Vier zu hören. Wie dieser Klang in der Belafonte-Version des Songs ensteht, ist nicht überliefert und wird unterschiedlich beantwortet. (6)

Mit großer wahrscheinlichkeit wird der Klang mittels eines „Finger Glissandos“ auf der Conga-Trommel erzeugt. Diese spezielle Technik, bei der das Fell angeschlagen wird und der Finger anschließend mit Druck über das Fell gleitet, wird heute gelegentlich als Moose Call (Ruf der Elche) bezeichnet (wie auf der Conga zu spielen, siehe Video). (7) Es soll Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger geben, die mit dem Stick einen Moose Call auf den Toms nachahmen können. Trotz vieler Stunden Übens und des Experimentierens mit verschiedenen Stimmungen ist mir das nicht gelungen. Es klang scheußlich.

Beispiel zur Umsetzung am Drumset mit den Besen

Die hier gezeigte Umsetzung wird mit den Jazz-Besen gespielt. Statt des „Duuuhhhh“ wird ein „Tschsch“ mit dem gewischten Besen auf dem Standtom erzeugt.


Zum Einsatz kommen in diesem Beispiel der Umsetzung (obige Abbildung) die Snare bei ausgeschaltetem Teppich auf der Eins, die Hi-Hat für den „Tschick“-Klang auf der Zählzeit Zwei, das kleine Tom auf der Drei und im zweiten Takt zusätzlich auf der Zwei-Und. Für die Vier mit dem „Tschsch“-Klang ist das Standtom reserviert.

Hier die oben gezeigte Schlagfolge zum Babana Boat Song mit etwas mehr Tempo als im Originat. Sehr leise ist zusätzlich ein Schellenkarnz auf den Vierteln zu hören. Er wurde mit dem rechten Fuß auf einer Decke liegend angeschlagen.

Die Schlagzeuger

Im letzten Abschnitt eines Artikels über berühmte Grooves folgt regelmäßig ein kurzes Porträt des Drummers. Trotz längerer Recherche war bisher nicht herauzufinden, wer den Banana Boat Song getrommelt hat. Für einen Hinweis aus der Leserschaft, wäre ich dankbar.

Überliefert ist, dass Belafonte einen jazzigen Carakter des Albums Calypso anstrebte und daher seinen engen Freund Toni Scott samt seines Orchesters anheuerte. (8) Schlagzeuger des Toni Scott Orchestra waren im Zeitraum der Aufnahmen der Calypso Produktion Lenny McBrowne und Osi Johnson.

Christian W. Eggers – 11. Mai 2021 – letzte Aktualisierung dieses Artikels am 16. Mai 2021- christian@stompology.org

Quellen

  • (1) Belafonte Zitat aus dem Beitrag „Harry Belafonte sang für die Bürgerrechte“, Hans-Jürgen Finger – swr4
  • (2) wikipedia über Harry Belafonte
  • (3) Persönliche Mitteilung eines ehemaligen Studenten, der 1966 im Hamburger Hafen als Schauermann gearbeitet hat
  • (4) Handbuch der populären Musik, Seite 126
  • (5) Noten-Beispiel von Jan Falckenberg, drummerforum.de
  • (6) Diskussion zum Klang der Zählzeit Vier im Schlageug-Part des Banana Boat Songs; drummerforum.de
  • (7) How I do the Moose Call on the Conga Drums – Glissando Lesson; drumcircles.net YouTube via drummerforum.de; Beitrag #2, Heartbeat
  • (8) “Calypso” — Harry Belafonte (1956) Added to the National Registry: 2017 Essay by Judith E. Smith
  • Artikel-Foto, Teaser oben: „Library of Congress„, loading a vessel under difficulties, Jamaica 1923; Jamaica Stereograph showing people loading bunches of bananas on boat by shore; ship in background

Famous Grooves – „Albatross“ Fleetwood Mac

Als der Instrumental-Song Albatross am 22. November 1968 erschien, war die wachsende Fan-Gemeinschaft der englischen Retro-Bluesband Fleetwood Mac nicht einhellig begeistert. Noch heute scheiden sich die Geister:  „Weichspüler-Blues“ ist noch eine der milderen Beschimpfungen. (1)

„Als Peter Green den Miesepetern, die den Nummer 1-Hit schlicht als Abfall abtaten, anschließend den Marsch blies, hatte er schlicht recht: ‚Was ihr heute verachtet und sogar als Abfall bezeichnet, wird in 30 Jahren immer noch mit Begeisterung gehört werden! Ich werde mich niemals durch eure Angriffe von Albatross distanzieren.‘ “ (2)

Wurzeln und Früchte

…the blues are the roots and the other musics are the fruits.

Willie Dixon

In ein versönhliches Licht rückt ein berühmter (Halb-) Satz des Bluesmuiskers Willie Dixon auch den Song Albatross: …the blues are the roots and the other musics are the fruits. (3) Wenn man schon das Etikett “Blues” nicht für den Song hergeben mag, dann ist er eben eine Frucht, die der Band ein neues Publikum jenseits der Dust My Broom Gitarren-Riffs erschlossen.

Albatross erschien am 22. November 1968 als Single. Die B-Seite enthielt den Song
Jigsaw Puzzle Blues. Zur Zeit der Aufnahme bestand die Band aus Peter Green, Danny Kirwan, John McVie und Mike Fleetwood. Der Song schaffte es auf Platz 1 der britischen Charts

Den Beatles muss der Intrumental-Hit jedenfalls auch gut gefallen haben. So ist auf dem Album Abbey Road von 1969 eine deutliche Anleihe an Albatross mit dem Song Sun King (Video) zu hören.

Der Song „Albatross“ von Fleetwood Mac

Erfolgreiche Kompositionen haben häufig erste Gehversuche hinter sich gebracht.

Verwandtschaften: Albatross klingt ein wenig nach Santo & Johnny’s „Sleep Walk„, 1959) (Video) und besonders nach Chuck Berry’s Instrumental „Deep Feeling“ (Video) aus dem Jahre 1957. (4) Wo Chuck Berry das nun wieder her hatte? Klar, aus dem Blues. Oder auch aus der Country-Music?

Aufgebaut ist Albatross im Blues „call and answer style“ und in 12/8-Takte – auf der Grundlage einer konstanten Bassfigur und den Akkorden Emaj7 und F#m – aufgeteilt.

Der Groove – Ein „orchestraler“ Shuffle

Wie kann man den Drumpart von Albatross beschreiben? Technisch betrachtet handelt es sich um einen Shuffle der orchestral gespielt wird. Zum Einsatz kommen Mallets (Filzschlägel), ein mittelhohes und ein tief gestimmtes Tom sowie ein großes Becken. Die entspannte Atmosphäre entsteht durch das langsame Tempo (66 bpm), dem weichen Klang der Toms sowie durch das Beckenrauschen, welches die Assoziation zum Meeresrauschen weckt. Man kann den Albatross auf hoher See über brechende Wellenkämme majestätisch im Gleitflug kreisen sehen.

Unterschiedliche Spielweisen des Grooves

In einer Live-Aufnahme des WDR (Video) ist zu sehen, dass beide Toms und das Becken (unregelmäßig auch auf „Und“) gleichzeitig angeschlagen werden („Double Hand Shuffle“). Die nachfolgende Notation der Toms basiert auf der Schlagabfolge, wie sie in dem WDR Video zu sehen ist. Die Becken auf den „Und-Zählzeiten“ ist im nachfolgenden Audio-Beispiel durchgängig gespielt.

Interessant ist an dieser Variante ist das auf den „Und-Achteln“ leicht angeschlagene Becken. So ensteht ein schönes Rauschen an „unerwarteter Stelle“
Hörbeispiel Albatross – Das Beckenrauschen wird durch zwei Metall-Nieten verstärkt und verlängert (Sizzle Ride Becken)
Basis-Groove „Albatross“ mit Sechstole Becken Roll

Eine einfache Alternative der Spielweise zu den oben gezeigten, beschreibt die Fachzeitschrift Sticks. (5) Der Puls (erstes Triolenachtel) wird auf dem höheren Tom gespielt und die Shuffle-Note (drittes Triolenachtel) wird auf dem tiefen Tom angeschlagen. Diese „Hand to Hand“ Spielweise nur auf dem tiefen Tom gespielt ist in diesem Fleetwood Mac Live-Video-Zusammenschnitt aus einer Sendung des NDR von 1969 ab Minute 38:05 zu sehen. Leider wurde das Video inzwischen auf YouTube gelöscht.

Der Studio-Aufnahme der Single wurden die Becken-Rolls wahrscheinlich im Overdub-Verfahren hinzugefügt. (5)

Einüben von langsamen Shuffle-Grooves

Die Grafik zeigt das Shuffle-Prinzip. Auf den Puls werden drei Achtelnoten (also, eine Achtetriole) verteilt. Das erste Triolenachtel markiert den Puls, das zweite Triolenachten pausiert und das dritte Triolenachtel wird wieder gespielt. Im langsamen Tempo kann so zum Einüben des Zeitgefühls gezählt werden: „tri-oh-la“.

Der Drummer – Mike Fleetwood

Über Mike Fleetwood ist viel geschrieben worden. Und auch Mike Fleetwood schreibt selber über sein Leben (6) und steht für Interviews immer mal wieder zur Verfügung, wie seiner Website zu entnehmen ist. (7)

Mike Fleetwood in 2013, surrounded by his extensive drum kit – Foto: Joe Bielawa auf flickr.com– via wikipedia – Lzenz CC BY 2.0

Der junge Mike hatte das Glück, dass er Eltern hatte, die seinem Talent nicht im Wege standen. So erlaubten sie ihm im Alter von fünfzehn die Schule zu verlassen und nach London zu ziehen. Dort gelang es ihm in der aufblühenden britischen Blueszene Fuß zu fassen und nach wenigen Jahren seine eigene Band mit Peter Green zu gründen. (8)

Neben seiner Tätigkeit als Musiker, ist Mike Fleetwood Schauspieler. Er hat in zahlreichen Fernsehproduktionen und Spielfilmen mitgewirkt.

Eine Schlagzeug Lern-DVD hat Mike Fleetwood vor einigen Jahren veröffentlicht. (9) Sie hat den schönen Titel, der hier auch als Schlusswort dienen soll,

„It’s not just Technique“.

Christian W. Eggers – (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 8. Februar 2022) christian@stompology.org

PS: Auf ein Foto des Vogels Albatross habe ich verzichtet. Erstaunlich, wie viele Seemöven als Albatross von Stockagenturen angeboten werden. 🙂

Quellen

Famous Grooves – Wonderful World von Sam Cooke

Eine spontane und improvisierte Aufnahmesession ohne großes Produzententrara und Orchester; dann noch ein Tonbandaufnahme, die für fast ein Jahr herumlag und am Ende als Single Platz zwei in den R&B-Charts erreichte. Das ist verkürzt die Geschichte des unsterblichen Soul-Klassikers Wonderful World von Sam Cooke

Bei der Recherche über Sam Cooks Gesangsstil fällt in Beschreibungen immer wieder das Wort Eleganz. Es passt so gut beim Anhören von Wonderful World, dass auch in diesem Artikel darauf nicht verzichtet wird. Auffallend ist die zarte Leichtigkeit des mit den Jazz Besen gespielten Grooves dieses Soul-Songs.

Der Song und der Sänger

Sam Cooke gilt als ein Begründer der Stilrichtung Soul. Seine Songs, die er überwiegend selber schrieb, sind im Vortrag stark vom Gospel und lateinamerikanischer Stilistik beeinflusst. Als Sänger zeichnete Cooke eine besonders feinfühlige Intonation aus. So erweiterte Cooke den Soul auch um melodiöse Facetten, die in einem Gegensatz zu den Songs der Soul „Shouter“ wie James Brown standen.

RCA Victor Records – Billboard page 21 Public Domainview terms via wikipedia

Der Groove – Wonderful World von Sam Cooke

Aufgebaut ist Wonderful World als 2-Minuten-Strophen-Song mit zwei Zwischenspielen, in denen der Drum Part unverändert bleibt. Im lebhaften Medium Tempo (136 bpm) ist die Groove-Basis in 4/4 Takte aufgeteilt und in Achtel-Unterteilungen angelegt.

Keep it simple and soft

Gespielt wird der Groove mit den Jazz Besen, ohne dass diese „gewischt“ werden. Dem Groove liegt eine schwebende Leichtigkeit zu Grunde. So als würden die Besen von einem Maler geführt, der eine Leinwand grundiert.

Grundlage für den Groove ist ein einfacher „Achtel-Beat“: Backbeats auf der 2 und der 4, weiche Bassdrum-Schläge auf der 1, der 2-Und und der 3

Zwei Fills als Bestandteile des Grooves

Zwei unterschiedliche Fills im Wechsel sorgen für Bewegung und verleihen dem Groove seine Individualität. Siehe unten in den Noten Takte 3, 5 und 6.

Die ersten 6 Takte zeigen den Wechsel aus Basis und zwei unterschiedlichen Fills. Fill 1 in den Takten 2 und 4; Fill 2 im Takt 6
„Kleiner“ Fill Takt 2 und Takt 4 (siehe Noten oben) – wiederholt

Der Drummer – Ron Selico

Über das Leben und Werk von Ron Selico ist erstaunlich wenig zu erfahren. Auch existiert offenbar nur ein einziges öffentlich zugängliches Foto, welches als Musiker-Porträt für eine John Mayall Produktion angefertigt wurde.

Ron Selico war vor allem „Insidern“ als einer der Drummer von Frank Zappa („Hot Rats“ und „Peaches En Regalia“) bekannt. Auf der Website http://www.united-mutations.com gibt es einen anonymen Leserbeitrag (1), der offenbar von einem Musiker stammt, der mit Selico in einer Band gespielt hat:

„with john „jabo“ starks, james brown drummer
we had a percussionist who came into james’s band for a year or two, ron selico. he had some good riffs and he had good hands. i learned some things from ron.“

Sieht man sich die Discography von Ron Selico auf AllMusic an, dann bestehen keine Zweifel an der Bedeutung dieses Drummers. (2)

Foto von Ron Selico auf dem Plattencover „Jazz Blues Fusion“ von John Mayall aus dem Jahre 1972. Selico war auch an dem „Mini-Hit“ Room to Move von John Mayall beteiligt.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme von „Wonderful World“ muss Selico noch sehr jung gewesen sein. So wird er in der Beschreibung der Aufnahme-Session im März 1959 als „teenage drummer“ bezeichnet. (3)

Christain W. Eggers, 1. Mai 2021 – (letzte Aktualisierung am 6. Juni 2021) christian@stompology.org

Quellenangaben

  • (1) Zitat über die Arbeit von Ron Selico in der Band von James Brown auf www.united-mutations.com ; letzter Aufruf am 30. April 2021
  • (2) Discography von Ron Selico auf AllMusic ; letzter Aufruf am 30. April 2021
  • (3) wikipedia über „Wonderful World ; letzter Aufruf am 30. April 2021
  • Portät Sam Cooke – Quelle: RCA, Fotograf unbekannt
  • Cover „Jazz Blues Fusion“ – Quelle: Polydor
  • Artikel-Teaser-Foto: Saturday afternoon, Clarksdale, Mississippi Delta, November 1939. (Geburtsort von Sam Cooke) Foto: Marion Post, gemeinfrei, Quelle New York Public Library @ Flickr Commons

Famous Grooves – “I Wish You Would” von Billy Boy Arnold

Es gibt immer wieder etwas neu zu entdecken. Die Aufnahmen von Howlin‘ Wolf, Muddy Waters, Elmore James und vieler weiterer Bluesmusiker des frühen R&B sind eine wahre Fundgrube mitreißender Grooves.

Auf I Wish You Would von Billy Boy Arnold hat mich freundlicherweise ein Gitarrist und Leser dieses Blogs hingewiesen.  

Die Lebendigkeit und die Originalität der Drum-Grooves im frühen R&B mag auch damit zu tun haben, dass die Drummer zuvor in Jazz Bands getrommelt haben. So finden sich auch jazzige Tom-Tom Jungle Grooves im Stil der Bigband Drummer der 40er in einigen Hits des R&B Genres wieder.

Ein Beispiel hierfür ist der berühmte Bo Diddley Beat. Nicht ganz so berühmt, aber nicht minder fesselnd ist der Groove des Songs I Wish You Would von Billy Boy Arnold.

Der Song – I Wish You Would

Billy Boy Arnold arbeitete als Bo Diddleys Harpspieler, als er „I Wish You Would“ für das in Chicago ansässige Blues-Label von Vivian Carter und Jimmy Brackens Vee-Jay Records im Mai 1955 bei der Universal Recording Corporation aufnahm. Entwickelt hatte Arnold den einfach aufgebauten Groove-Song aus seiner Zusammenarbeit mit Bo Diddley bei Chees Records.


Der Song „I Wish You Would“ besteht aus einem über zwei Takte gespielten und druchgehend wiederholten Gitarrenriff als Hookline. Der Song enthält keine weiteren Formteile. Die Dramaturgie entwickelt sich über die Laut-Leise-Dynamik und die Frage-Antwort-Anordnung von Gesang und Harp.


Das Riff klingt ein wenig nach dem hüpfenden Feeling des Songs What’d I Say von Ray Charles (1959). Nur ist es nicht so elegant im New Orleans Stil gespielt, sondern eben mehr rau und ungestüm im Sound des Chicago R&B.

Billy Boy Arnold – Foto Ron Weinstock via Wikipedia CC BY-SA 2.0

Zunächst hatte der Song den albernen Namen „Diddy Diddy Dum Dum“ und Arnold schrieb für seine Version ohne Bo Diddley einen neuen Text. Wie es sich für einen richtigen Blues Song gehört, beginnt er mit der Textzeile „Early in the morning about the break of day“. Also, mit dem Zeitpunkt, zu dem ein Bluessänger meistens von seiner Geliebten verlassen wird, das Elend seinen Lauf nimmt und nur durch einen Song verarbeitet werden kann.

Als ein großes Kompliment für seine Aufnahme soll Arnold die Coverversion der englischen Band The Yardbirds von 1964 mit Eric Clapton an der Leadgitarre angesehen haben. („Das hat mir wirklich Auftrieb gegeben.“) (1)

Der Drum Groove – I Wish You Would

Die Basis bildet ein Tom-Tom Groove, dessen Figur aus zwei Takten besteht. Die Schlagmelodie folgt nahezu dem swingenden und schnellen Gitarrenriff: „Dam de bam de / dam dede dam de“.

Der erste Takt kommt mit Viertelschlägen aus. Im zweiten Takt wird die Schlagfolge bewegter und ein für den Groove entscheidender Akzent auf der „2-Und“ gespielt. Wichtig ist, dass der Groove mit einem „Swing Gefühl“ gespielt wird. Auf den Füßen steht der Groove als Two-Beat (also, im Wechsel aus Bass Drum und Hi-Hat im 4/4 Puls).

Der Drum Groove von „I Wish You Would“ – Der notierte Akzent wird auf der Originalaufnahme nicht durchgängig gespielt. Ebenso verhält es sich mit den Und-Achteln im zweiten Takt auf der 3 und der 4. Im Beispiel wurde die Schlagfolge über die ausgeschaltete Snare und das Standtom verteilt.
Groove „I Wish You Would“ fast

Tipp zum Einüben

Notiert sieht der Groove super einfach aus. Dennoch hakelt der Fluss vielleicht zunächst auf der 2-Und im zweiten Takt. Bestehen Probleme beim Einüben oder im Zusammenspiel mit der Band, empfiehlt es sich nicht alle Achtel des zweiten Taktes auszuspielen (siehe Noten-Beispiel oben), sondern sich auf das swingende Und-Achtel auf der Zwei im zweiten Takt zu konzentrieren. Damit „funktioniert“ der Groove schon. Zum Einüben kann so gezählt werden: 1-2-3-4-5-6-Und-7-8.

Eine sehr einfache Schlagfolge im Notenbild. Im schnellen Tempo und swingend gespielt bedraf sie etwas Übung.
Einüben des Grooves „I Wish You Would“: 1-2-3-4-5-6-Und-7-8

Der Drummer – Earl Phillips

Geboren wurde Phillips am 25. April 1920 in Harlem, NY. Zunächst spielte er mit dem Bassisten Dallas Bartley in der Begleitband der R&B Sängerin Annie Laurie.

In den frühen 50er Jahren zog Phillips nach Chicago. Es begann eine lange Verbindung mit der Chicago Blues Szene, besonders mit Howlin‘ Wolf und Jimmy Reed. (2)

Phillips gehört zu den zahlreichen beim Publikum kaum bekannten Studio- und Sessionmusikern der US-amerikanischen R&B Szene. Häufig wurde nicht einmal seitens der Plattenfirmen dokumentiert, welcher Drummer welchen Song getrommelt hat. Entweder waren die am Erfolg der Musik beteiligten Musiker Angestellte einer Plattenfirma oder aber man drückte ihnen einige Dollar in die Hand und die Sache hatte sich erledigt.

Odie Payne, Clifton James, Fred Below, S.P. Leary, Earl Phillips September 4, 1986 at the Chicago Historical Society (now known as the Chicago History Museum) photo Steve Cushing; photographer’s name not known – Quelle https://www.wirz.de/music/sidemen.htm

Bei den R&B Produzenten und Labels aus Chicago waren neben Earl Phillips die Drummer Odie Payne, Clifton James, Fred Below und S.P. Leary beliebt. Sie sind mit den Bluesklassikern dieser Musikepoche verewigt.

Christian W. Eggers, 20. April 2021 (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 25. April 2021) – christian@stompology.org

Quellen

Literaturtipps zu Vee-Jay Records