Famous Grooves – „Let There Be Drums“ – Sandy Nelson

Let There Be Drums ist einer der aufregendsten Drum Grooves, der je komponiert wurde.

Fragt man Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger, welcher Song die Begeisterung für die Trommeln geweckt hat, wird häufig der Instrumental-Hit Let There Be Drums von Sandy Nelson aus dem Jahre 1961 genannt.

Den dschungelartigen Groove im swingenden Gene Krupa und Cozy Cole Stil, eingepackt in den frühen Gitarren-Surfsound, wird wohl kaum jemand ohne steigenden Herzrhythmus anhören können.

He’s a Drummer Boy – Ebenfalls ein Album aus dem Jahre 1961. Das Cover im „Gene Krupa Look“ hat der berühmte Grafiker Jim Jonson (1921-1999) gestaltet.

Der Song

Aus der Inspiration seiner Solowerke Let There Be Drums und Teen Beat durch die Schlagzeug-Hits Topsy 1 und Topsy 2 von Cozy Cole aus dem Jahr 1958 hat Nelson kein Geheimnis gemacht.

Let There Be Drums wurde im September 1961 als Single aus dem gleichnamigen Album ausgekoppelt. Der 2:14 Minuten Instrumental-Hit aus dem Hause Imperial Records erreichte in kurzer Zeit Platz sieben der U.S. Billboard 100.

Songwriter waren Sandy Nelson und Richard Podolor.
Aufgebaut ist der Song im Wechsel eines A- und B-Teils. Im B-Teil des Songs ist das Schlagzeug mit einem konventionellen Swing-Groove Begleitinstrument zur Leadgitarre.

Der aufregende A-Teil beinhaltet den Tom-Tom Groove. Die schrittweisen Tonartverschiebungen nach oben erzeugen zusätzlich Spannung, so dass sich auch der Groove in seiner Intensität mit jedem neuen Chorus steigert.

Der Groove

Let There Be Drums besetht aus einem schnellen Shuffle-Groove, dessen Basis auf zwei Toms gespielt wird. Die Melodie des Grooves ist sehr einprägsam, ohne dabei auch nur eine Sekunde abgenutzt redundant zu werden. Das liegt sicher auch an dem feinfühligen Wechsel aus mal etwas mehr geraden Achteln und mehr hüpfenden Achtelschlägen im ersten Takt des zweitaktigen Basis-Grooves. Hinzu kommt eine hohe Dynamik. Die besonders markanten „herausknallenden“ Akzente auf den Zählzeiten 2-Und und 3-Und im zweiten Takt auf dem tiefer gestimmten Tom der Basis-Figur treiben den Beat kräftig voran.

Die Version aus dem Jahr 1961 enthält einige Rimshots auf den Toms und zahlreiche weitere Feinheiten der Phrasierung. Diese sind hier nicht notiert.

In der vom Tempo und technisch gemäßigteren Live-Version aus dem Jahre 1965 werden die 2 und die 4 mit dem Sidestick zusätlich zur getretenen Hi-Hat markiert.

Let There Be Drums: Melodie, der original Handsatz und Verteilung tiefes und hohes Tom.
Track 1: Singing the groove melody. Das Einüben kann durch das Singen der Melodie in einem langsameren Tempo unterstützt werden. Das Einüben der Melodie mit Lauten ist hilfrei, wenn Anfangs die Akzente versehentlich auf die 3 und die 4 des zweiten Taktes des Basis-Grooves verrutschen.
Handsätze

Der oben in der Noten-Grafik gezeigte Handsatz unter Punkt 2 basiert auf der Beobachtung von Video-Liveaufnahmen der 61er Version.

Dieser Groove funktioniert jedoch auch nur mit Einzelschlägen oder auch aus einer Kombination aus Paradiddles. Für die hier gezeigte Schlagfolge habe ich ein tiefes Standtom auf die linke Seite des Sets gestellt. Es ist für mich leichter die Und-Akzente mit der Linken zu spielen und ich muss die Arme dabei nicht kreuzen.

Eine Möglichkeit: Im ersten Takt der Basis werden Paradiddles gespielt und im zweiten Takt folgen RLRL-Einzelschläge, wobei die kräftigen Und-Akzente mit Lings gespielt werden.
Track 2: Der Basis-Groove, gespielt mit Einzelschlägen, Akzente mit der linken Hand
Hier eine 16tel-Variation mit Paradiddles für das Finale, gespielt auf der Snare

Variation in den Takten 9 und 10 sowie der Bassdrum-Trick

Track 3: Variation, siehe obige Noten-Grafik, Zeile 2


Der „Sandy Nelson Bassdrum Trick“

Einen interessanten Trick hat Sandy Nelson sich bei dem Jazz-Drummer Ben Pollack abgeschaut. Der Shuffle-Groove wird mit dem Stick auf der Bassdrum gespielt. Dabei wird die Bassdrum auf dem Puls gespielt und mit dem Stick werden die Und-Schläge hinzugefügt. Die mächtigen Tom-Akzente von Let There Be Drums können nun, sofern man die Unabhängigkeit der Bewegungen erreicht hat, mit der linken Hand auf den Groove aufgesetzt werden. Eine Integration der im Wechsel „Fuß-Stick-Fuß-Stick“ gespielten Bassdrum in Let There Be Drums demonstriert Sandy Nelson eindrucksvoll in dem nachfolgenden Video.

Der Meister persönlich erklärt den „Bassdrum-Stick-Trick“. Von Minute 00:18 bis 00:27 ist zu sehen und zu hören, wie Sandy Nelson den „Stick On Bass Drum“ in Let There Be Drums integriert. Quellen und Urheberschaft der Videoszenen siehe unter Fußnote (2)

Sandy Nelson – Der Melodiker

Sandy (Sander) Nelson gehörte dem erlauchten Kreis der Los Angeles (Surf-) Musikerszene der 60er an.

Er „besuchte dieselbe High School wie Jan Berry und Dean Torrence (Jan and Dean) und Kim Fowley.“ Nach seinem Schulabschluss spielte er in einer Band, „bestehend aus Richard Podolor, Bruce Johnston und Nick Venet. Daneben war er als Studiomusiker tätig, unter anderem 1958 für Phil Spector auf To Know Him Is to Love Him von den Teddy Bears, 1960 auf dem Nummer-eins-Hit Alley-Oop der von Kim Fowley produzierten Hollywood Argyles sowie auf diversen Aufnahmen von Gene Vincent.“ (3)

Nelson entdeckte seine Leidenschaft für swingende Grooves und das Schlagzeug, als er im Alter von sieben Jahren ein Gene Krupa Konzert besuchte. Ähnlich wie sein Vorbild Gene Krupa entschied sich Sandy Nelson gegen das Musikerleben als Sideman- und Studio- Drummer.

“I don’t care what it is as long as it sounds good. And that’s my first lesson in the record business: Just follow your heart. Whatever sounds good.

Sandy Nelson, Interview Scott K Fish (4)

Zu seinem Markenzeichen wurden swingende Doppelschläge, Rudiments, marschartig-jazzige Grooves, messerscharfe Akzente mit einer spannenden Mischung aus laut und leise. Das alles, im Aufnahmestil der Zeit, serviert mit einer ordentlichen Portion Hall. Die Instrumente und Kompositionen um das Schlagzeug herum wurden so, abgesehen von einigen Ausnahmen, zum Beiwerk.

Nelsonized

Nelson ist seinem Stil und Sound treu geblieben. An die großen kommerziellen Erfolge der ersten Hälfte der 60er wollte er wohl auch nicht durch stilistische Konzessionen anknüpfen.

Sein letztes Album mit dem Titel „Nelsonized“ stammt aus dem Jahre 2008. Es wurde mit den wesentlich jüngeren Musikern der Band The Sin City Termites aufgenommen. Eine aufregende und experimentelle Mischung aus Rockabilly, Psychedelic und Surfmusic. Und eine Fundgrube für feurige Grooves im Nelson Stil.

„I’m trying to say that I think most rock drummers, when they try to do a drum solo, they get so excited and they overplay, and they play fast, and they play one volume: LOUD! There’s no dynamics.“

Sandy Nelson, Interview Scott K Fish (5)

Sandy Nelson, inzwischen 83 Jahre alt, gibt immer mal wieder Konzerte in kleineren Clubs, in denen er in seiner humorvollen und liebenswert kauzigen Art Geschichten über das Schlagzeugspielen, den Jazz und verrückte Musikproduzenten der 60er Jahre erzählt. Zur Untermalung und Bekräftigung einzelner Sätze zaubert Nelson mit spontaner Begeisterung in der ihm eigenen Leichtigkeit der melodischen Stickführung jazzige Licks hervor.

Just follow your heart. Let there be drums!

Christian W. Eggers – 23. Mai 2021 (letzte Aktualisierung am 5. Juni 2021) – christian@stompology.org

Literaturtipp

„The Wrecking Crew: The Inside Story of Rock and Roll’s Best-Kept Secret“ – Ein spannendes und ausgezeichnetes Buch über die Los Angeles Musiker- und Produzentenszene der 60er Jahre.

Quellen und Anmerkungen

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."

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