Der Inhalt dieses Beitrags wurde am 10. Juli 2024 mit einem neuen Beitrag aktualisiert:
Autor: Christian W. Eggers
Time Roll Grooves
„Die Füße sind für das Tempo einhalten zuständig. Die Hände sind für Verrücktheiten da.“ So lautet eine grundlegende und frühe Idee der ersten New Orleans Musiker, die ab den 1920er Jahren ein Drum Set nutzten. (1)
Eine dieser schönsten Verrücktheiten der Hände, übernommen aus den New Orleans Brassbands, sind die „Time Rolls“.
Definition „Time Roll Groove“
Ein Time Roll besteht aus sogenannten „gepressten Wirbeln“, den Press Rolls, die nicht als Verzierung sondern als Bestandteil eines Grooves auf der Snare Drum gespielt werden. Bekannt ist diese Art des „Wirbelns“ aus der Marschmusik. Über die New Orleans Paraden gelangten die Press Rolls in den frühen Jazz.
Press Rolls als Ausgangspunkt
Wie der Name „Press Roll“ schon impliziert, entsteht er durch einen Stick-Schlag auf das Fell der Snare Drum und einem anschließenden Druck so, dass man nicht mehr einzelne Noten hört, sondern eine Vielzahl von Anschlägen. Man kann es auch so sagen: aus „Tack“ wird „Drrrrrrrrrr“.
Press Rolls als Groove-Element
Werden diese „drrrrrrrrrr’s“ jetzt konsequent durchgehend in einem Groove gespielt, kann von einem Time Roll Groove gesprochen werden. Heute sind diese Grooves meist im sogenannten Dixie Land Jazz zu hören. Das mag dazu beitragen, dass dieser Spielweise etwas Angestaubtes anhaftet.
Wirkung vom Time Press Rolls
Kein bisschen „Oldskool“ klingen Time Rolls im Groove eines R&B Songs. Ganz im Gegenteil! Gleich ob binär oder ternär gespielt: Time Press-Rolls als festes Element eines Grooves verleihen einem Song Melodik und rhythmische Intensität.
Beispiel für einen Time Press Roll Groove
Die nachfolgende Notation zeigt ein Beispiel für einen Time Press Roll Groove. Im ersten Takt sind die Press Rolls auf den Zählzeiten Zwei und Vier des 4/4 Taktes zu hören. Im zweiten Takt der Figur folgen auf der Eins und der Zwei „normale“ Achtelschläge und auf der Drei und der Vier Viertelschläge. Wichtig ist es die Vier mit einem Akzent zu spielen. Damit erhält der Groove seinen „Second Line Charakter“, der ihn eben deutlich von einem europäischen Marsch mit den Bezugspunkten der Eins und der Drei unterscheidet.

Spieltechnik Time Press Rolls
Anders als in der Marschmusik werden die Press Rolls in Time mit einem lockeren Griff erzeugt. Die Hände müssen sich öffnen, damit der Stick rollt.
Im Beispiel rollt die linke Hand. Das geht mit dem Traditionel Grip sowie dem Matched Grip gleichermaßen gut. Wichtig ist lediglich die lockere Stickhaltung.

Vielen Dank für das Lesen und ich wünsche Inspiration und Freude am Ausprobieren.
Christian W. Eggers – 28. Mai 2024 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 28. Mai 2024)
Fußnote (1): Aukes, Antoon; Second Line – 100 Years Of New Orleans Drumming, Seite 25, (C. L. Barnhouse)
Bildnachweis Titelfoto (Teaser ganz oben): McElspeth auf pixaby, Autorenprofil, Lizenz
Lass es lieber sein! – Der Film
Die stompology.org Hausband „Archie Ancora & His Motorboats“ hat es sich nicht nehmen lassen einen Song zum Thema „Brassband Groove und swingende Spielmannszüge“ beizusteueren.
Nun ja, zum Glück war die Kamera dabei und so sollen die Oldskool-Mucker Archie und die Jungs hier ihren Platz mit einem eigenen Posting bekommen.
Eigentlich braucht es keiner weiteren Worte. Ich hoffe, der Song läd zum Tanzen und Schwenken der Taschentücher wie in einer Second Line Parade ein.
Update – Neue Version – 12. Februar 2026
Archie und die Jungs haben die Idee des Songs „Lass es lieber sein“ nochmals aufgegriffen.
Christian W. Eggers – 15. Mai 2024 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung am 12. Februar 2026)
Die Zeitmaschine – Vorstellung und Test eines Dynacord Bandechogerätes „Echocord Super 65“
Nachdem Sam Phillips mit der Hilfe von zwei Tonbandgeräten das Slapback Echo zum Markenzeichen des frühen Rock’n’Roll gemacht hatte, war die Entwicklung von speziellen Bandechogeräten für Tonstudios und Gesangsanlagen nur eine Frage der Zeit.

Die ersten professionellen und serienreifen Bandechogeräte eroberten Anfang der 60er Jahre den Markt der Studioelektronik. Als die britische Band The Beatles Mitte der 60er Jahre mit derartigen Geräten von Dynacord ausgestattet wurde, war das Bandechogerät für die Raumklanggestaltung schon beinahe etabliert.

Wie funktioniert ein Bandechogerät und was macht es?
Wikipedia hat zur Funktionsweise eines Bandechogerätes folgenden Eintrag veröffentlicht:
„Ein Bandhallgerät besteht aus einem endlosen Magnetband und zugehörigem Sprech- und Hörkopf. Das Audiosignal wird über den Sprechkopf auf das Magnetband aufgenommen. Je nach Geschwindigkeit des Magnetbandes kommt das Signal kurze Zeit später am Hörkopf vorbei und wird wiedergegeben. Mittels der Geschwindigkeit des Magnetbandes kann die Verzögerungszeit (Delay) eingestellt werden. Manche Bandhallgeräte verfügen über mehrere zuschaltbare Köpfe, so dass mehrere Echos erzeugt werden können. Über diverse Regler kann die Intensität des Nachhalls eingestellt werden. Außerdem kann ein Kopf als variabler Löschkopf eingestellt werden, so dass das Signal nach dem Durchlauf ganz oder teilweise gelöscht oder mit neuen Signalen überlagert werden kann.“


Der Test des Echocord Super 65
Zunächst bestanden Bedenken das Gerät in einem Raum mit dem Gesangsmikrofons aufzustellen. Doch der Motor des Bandtransportes läuft erstaunlich leise. Das Gerät wurde mit einem Direktanschluss und danach „eingeschliffen“ über ein Mischpult getestet.
Direktanschluss an ein Mikrofon
Für den Test mit einer Blues Harb wurde ein Beyer M55 Mikrofon gewählt. Diese dynamischen Mikrofone, ursprünglich für Heimtonbandgeräte gedacht, erzeugen einen durchsetzungsfähigen Sound gerade bei der nahen Abnahme vom Instrumenten.

Direktanschluss Gesangsmikrofon „Presto“ Einstellung
Was mit der Mundharmonika gelungen ist, funktioniert auch sehr gut mit der Gesangsstimme. Das Signal wird ohne weitere Bearbeitung verdichtet und damit „fett“.

Einschleifen über ein Mischpult
Beim sogenannten Einschleifen eines Effektgerätes wird das Gerät nicht direkt mit der Schallquelle verbunden, sondern der Effektanteil wird dem Original-Signal beigemischt.

Das Einschleifen empfiehlt sich bei dem Einsatz des Gerätes während der Gesangsaufnahmen. Der direkte Anschluss macht großen Spaß bei der Abnahme von Instrumenten. Da das Echocord ein Röhrengerät ist, kann auch mal kräftig bis zur deutlich hörbaren Übersteuerung ausgesteuert werden und damit die „musikalische“ Verzerrung eines Röhrenverstärkers zusammen mit dem Echoeffekt erreicht werden.
Was koste der Spaß?
Was muss man investieren, um ein funktionierendes Röhren-Bandechogerät zu erhalten? Zunächst den Kaufpreis zwischen 200 Euro und 450 Euro. Hat man das Gerät ergattert, geht es erst los. Egal was mit besten Wissen und Gewissen versprochen wird; irgendetwas ist immer. Ohne dass es Voreigentümer oft wissen können. Es sei denn, man erwirbt ein von einem der wenigen Fachbetriebe für Vintage-Technik überholtes Gerät. Also, bevor mit so einem Gerät aus dem Privatverkauf tatsächlich Musik gemacht werden kann, muss in der Regel ein Techniker oder eine Technikerin alterungsbedingte Fehlerquellen (z. B. Kondensatoren erneuern) beheben.
Literaturtipp und Download der Bedienungsanleitung mit Schaltplan
Eine sehr umfangreiche Website zum Bandecho hat Tim Frodermann erschaffen. Da bleibt kein Wunsch nach Informationen offen. Der Autor hat es sich zur Aufgabe gemacht auf seiner Webseite „so viele Informationen wie möglich zu den Orchestergeräten aus deutscher Produktion zu sammeln und bereitzustellen. Warum? Damit Jeder die Geräte nach bestem Wissen verwenden und – soweit es die eigenen fachlichen Möglichkeiten erlauben – auch reparieren kann.“
Über die Website von Tim Frodermann ist, neben weiteren Anleitungen, die Anleitung für das hier getestete Gerät als gut lesbares PDF zu erhalten: Dynacord Echocord Super 65 Handbuch (bandecho.de)
Ich freue mich wie immer über Kommentare. Nur nicht über die von „Dagobert“, der ein notorischer Querulant zu sein scheint. 🙂
Christian W. Eggers – 10. Mai 2024 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 16. August 2024)
Mehrstimmig singen und aufnehmen für Beginner
In der Theorie ist mehrstimmig singen und aufnehmen ganz einfach. Man gruppiere die Band um ein einziges Mikrofon, lege die Hauptstimme fest und der Rest der Band singt die passenden verschiedenen Nebenstimmen. Die Praxis der Aufnahme ist auch einfach. Oder genauer gesagt: sie war einfach. Dann, wenn beispielsweise Talente wie die Musiker der Beach Boys oder der Hollies loslegten.
Was aber, wenn die Band nicht über die gesanglichen Fähigkeiten der Altmeister der Mehrstimmigkeit verfügt? Muss dann auf Mehrstimmigkeit verzichtet werden?
Wie man es dennoch ohne Chorerfahrung zumindest für eine Aufnahme hinbekommen kann, davon handelt dieser Artikel.
Mehrstimmigkeit im Rock’n’Roll
Zunächst eine kurze Erklärung zur Mehrstimmigkeit in der „populären Musik“ mit möglichst wenig Fachausdrücken. Gemeint mit „populärer Musik“ ist der traditionelle Jazz und natürlich der Rock’n’Roll mit seinen „Doo Wop Gesangsstil“.
Im Prinzip basiert Mehrstimmigkeit auf dem Singen von Akkorden. Also dem gleichzeitigen Erklingen zweier oder mehrerer verschiedener Töne. Der sogenannte Akkordsatz wird zum Satzgesang.

Wie man die Stimmen herausfindet
Hat der Song beispielsweise die Tonart G, kann man die Hauptstimme und die möglichen Nebenstimmen schnell durch das Anschlagen des Akkordes G auf einer Gitarre herausfinden.
Da ist zunächst der Grundton G mit dem Schwingen der angeschlagenen tiefen E-Saite zu hören. Es folgt auf der A-Saite der Ton D. Das ist schon mal eine erste und schöne Ergänzung zum Grundton G. Man hat tatsächlich eine zweite Stimme, wenn eine Person das G singt und eine weitere das D.

Lyrische und „bluesige“ Wirkungen
Dominiert das D im Gesang über dem Grundton G, erhält man eine „lyrische Stimmung“. Dominiert das G in der Lautstärke, ist der Ton D die Begleitung. Sie bewirkt eine zarte Klangfarbe neben der Hauptstimme.
Weitere Stimmen lassen sich jetzt mit den einzelnen Tönen des Akkordes G finden und festlegen, indem man einfach die einzelnen Saiten des Akkordes anspielt. Besonders spannend ist es für den Doo Wop Gesangsstil, um bei der Tonart G zu bleiben, einem G eine sogenannte Septstufe zuzufügen. Im Beispiel wird dann aus G ein G7. Das klingt dann ziemlich „bluesig“.
Aufnahme des Satzgesangs
Es gibt Menschen, die haben die Gabe, einfach schon beim Hören der ersten Stimme, eine zweite Stimme spontan und sicher singen zu können. Verfügt man jedoch nicht über diese Fähigkeit, können dennoch Nebenstimmen mit einem kleinen Trick aufgenommen werden.
Zunächst wird die Hauptstimme aufgenommen. Jetzt folgen die später zu löschenden Hilfsspuren mit einzelnen Tönen des Akkords. Im Beispiel ist es der Akkord G. Das nachfolgende Bild zeigt das Prinzip.
Die Hilfsspuren mit dem jeweiligen Ton eines Akkordes dienen jetzt als Stütze. Es fällt damit leicht, die einzelnen Töne der Nebenstimmen zu treffen und parallel zum Gehörten aufzunehmen.
Die Lautstärken zwischen bereits aufgenommener Hauptstimme und dem aufgenommenen Gitarren-Stützton zur noch jeweils aufzunehmenden Nebenstimme kann man individuell für das Mithören über Kopfhörer regeln.
Die Gitarren-Hilfsspuren werden nach der gelungenen Nebenstimmen-Aufnahme gelöscht und die einzelnen Stimmen „zusammengemischt“.

Ich hoffe, diese Anleitung ist hilfreich und ich wünsche viel Spaß bei Ausprobieren!
Christian W. Eggers – 7. Mai 2024 – eggers@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 7. Mai 2024)
