Berühmte Grooves – Jump Blues

Der Standard Wälzer Handbuch der populären Musik verzeichnet unter Jump Blues eine Mischung aus traditionellem Big Band Swing und Boogie Woogie. Jump Blues soll sich in den 40er Jahren als eigenständiger Musikstil entwickelt haben. Zahlreiche, inzwischen verkleinerte Band Besetzungen, konnten im Lärm der Kneipen und Lokale der in den Großstädten entwurzelt lebenden Industriearbeiter ihre tanzbaren Songs nur mit einem durchdringenden Gesangsstil, dem Blues Shouting, zu Gehör bringen. (1)

Aber auch der Beat war neu. Führten die Big Band Drummer kunstvoll, gleichsam einer Achterbahnfahrt, durch meist aufwendige Arrangements, beschränkten sich die nicht minder talentierten Schlagzeuger des Jump Blues auf den treibenden Beat. Druchgespielte Backbeats und Snare-Offbeats wurden Bestandteil des Jump Blues. Der Beat wurde steady. Zweifelsohne eine Entwicklung zum R&B, der später Rock ’n‘ Roll genannt wurde.

Verbreiteter Basis Groove des Jump Blues

In den nachfolgenden wenigen Sekunden Handklatschen im Filmausschitt ist mehr über den Beat des Jump Blues zu erfahren als in tausend Büchern. (2)

Der Moderator der Sendung Show Time at The Apollo kündigt Big Joe Turner mit dem Paul Williams Orchestra an: Shake, Rattle & Roll! (3) Den vollständigen Auftritt kannst du auf YouTube ansehen. Das Handklatschen des Moderators bringt den Jump Blues Rhythmus auf den Punkt.
Der Basis Groove Shake, Rattle & Roll
Basis Groove mit Handklatschen
Verfeinerung des Grooves – Die 3-Und

In dem nachfolgenden kurzen Video-Ausschnitt Howlin‘ Wolf – Smokestack Lightning – Live 1964 kannst du hören und sehen, wie der Jump Blues Basis Groove durch einen „Zwischenschlag“ auf der Snare ein wenig mehr Bewegung erhält. Die jetzt eingefügte 3-Und wird ein wenig „gerader“ und damit weniger triolisch gespielt als die anderen Noten in diesem Groove.

Howlin‘ Wolf „Smokestack Lightning“ – Live 1964 – Reelin‘ In The Years Archives. (3) Das vollständige Video kannst du auf YouTube hier anschauen. Der Ausschnitt zeigt im Hintergrund, wie locker der Drummer die 3-Und in den Basis Groove einfließen lässt.
Noten des Basis Grooves hier etwas verfeinert mit einer dezenten 3-Und auf der Snare
Basis Groove – 3-Und auf der Snare
Weitere Variation des Basis Grooves in dem Song Smokestack Lightning – Auf der Zwei, Drei und Vier wird durchgehend „geshuffelt“
Der zweite Takt wird bis auf die Eins durchgehend mit „hüpfenden“ Achten auf der Snare gespielt

Jump Blues Grooves und Rock ’n‘ Roll

Die Umbenennung des R&B in Rock ’n‘ Roll war wohl ein Marketingtrick der Plattenindustrie. Dennoch veränderten Interpreten wie Bill Haley den Jump Blues auf ihre eigene Weise. Manchmal verwässert und süßlich, aber manchmal auch erfrischend neu und kraftvoll klingend. Ein Beispiel für Letzteres ist der Song Rock-A-Beatin‘ Boogie von Bill Haley and the Comets. Den Song kannst du hier auf YouTube anhören. Ab der Minute 1:30 taucht die nachfolgend notierte Figur des 2. Taktes regelmäßig auf.

Das Swing-Pattern wird statt auf dem Becken einfach auf der Snare gespielt (siehe 1 Drumset). Im zweiten Takt der Figur werden die 3-Und und die Vier besonders hervorgehoben.
Anatomie eines Jump Blues Grooves

Der Jump Blues Beat findet sich in einem aufregend dominanten Schlagzeug-Sound wieder. Das mag zunächst auch an der für die damalige Zeit harten Gangart der Drummer der Comets liegen. Hinzu kommt, dass Produzent Milt Gabler sich bei seinen ersten Aufnahmen mit Bill Haley am Jump Blues des ebenfalls bei Decca unter Vertrag stehenden „Vater des Jump Blues“ Louis Jordan orientiert haben soll. (4)

Der betonte 3-Und Zwischenschlag, gefolgt von einer noch stärker akzentuierten Vier mit nachfolgender Pause der 4-Und, wurde ein Erkennungszeichen der Bill Haley Grooves. Darüber hinaus hat die kraftvolle Backbeat-Spielweise dieser ursprünglichen Jump Blues Figur des „Black Music“ R&B zahlreiche nachfolgende Drummer inspiriert.

Christian W. Eggers – 4. November 2021 – christian@stompology.org (letzte Bearbeitung dieses Artikels 22. November 2021)

Quellenangaben

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."

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