Lateinamerikanische Einflüsse im Jazz haben ihren Weg in New Orleans begonnen. „Faux“ bedeutet „falsch“ oder auch „nachgemacht“. Diese hier nicht abwertende Bezeichnung trifft für den „Faux Latin Boogie“ Groove zu. Er ist weder ein „reiner“ Boogie-Groove noch ein lateinamerikanischer Rhythmus der „geraden Achtel“ (straight eights).
Erfunden wurde der Rhumba Boogie (deutsche Schriebweise: Rumba) in New Orleans. Der Barpianist, Produzent und Komponist Professor Longhair machte dieses Spielweise 1949 weit über die Grenzen der USA berühmt. Das Rhumba Boogie Pattern findet sich inzwischen in vielen Musikrichtungen wieder.
Wie klingt der Rhumba Boogie in einer Komposition?
Markenzeichen des Rhumba Boogie ist der besondere Schwung auf der Zählzeit Eins eines 4/4 Taktes. Der übliche Shuffle wird abgewandelt mit zwei Sechszehntelschlägen (auf der Eins) und einem Offbeat auf der 2-Und; siehe unten Grafik mit dem Notenbeispiel).
Hier ist ein Beispiel für ein Rhumba Boogie zusammen mit einer Band gespielt.
Das wohl berühmteste Beispiel für einen Faux Latin Groove ist in „What’d I Say“ (1959) von Ray Charles zu hören. Getrommelt hat diesen Klassiker Milt Turner; ein Meister des frühen R&B Drumming.

Ungewöhnlich aus der Perspektive eines Swing-Puristen ist die durchgehende Betonung der „Eins“ im 4/4-tel Takt mit einer 16-tel Teilung. Das fühlt sich schon etwas nach Latin-Groove an. Auf der „Drei“ und der „Vier“ folgen dann die gewohnten Shuffle-Schlagfolgen.
Hörbeispiel (ternär) Snare mit Besen
Shuffle-Gefühl oder gerade Achtel? Was ist besser?
Beides ist spannend! Und noch spannender wird es, wenn ein Groove sich zwischen dreigeteilter und zweigeteilter Interpretation bewegt.
Hörbeispiel (binär) Becken, Snare und Tom
Kann man das üben? Es passiert einfach! Ich meine, man muss das nicht üben, wenn man die ternäre Spielweise kennt und in einer guten Band spielt. Im schnellen Tempo streben die ternären Achtel in eine binäre Teilung. Das lässt sich nicht vermeiden und so entsteht eine „Zwischenstation“ der Achtel pro Grundschlag, die weder rein ternär noch rein binär ist. Dieser Effekt des Wanderns zwischen zwei Welten macht nicht nur den Reiz des frühen New Orleans R&B aus, sondern aller im Mikrotiming dreigeteilten Grooves.
Christian W. Eggers – 27. August 2020 (letzte Aktualisierung: 31. Oktober 2023) – christian@stompology.org
Quellen: The Commandments Of Early Rhythm And Blues Drumming, Daniel Glaas, Zoro; Second Line 100 Years Of New Orleans Drumming, Antoon Aukes; Handbuch der populären Musik (Schott)