Tom-Tom-Grooves mit Akzentverschiebungen gestalten

Tom-Tom-Grooves sind mitreißend. Man denke an den Bo Diddley Beat und an Bill Haley & The Comets mit dem Song Rudy’s Rock. Oder an das etwas anspruchsvoller zu spielende Intro des Songs Sing,Sing,Sing mit Gene Krupa am Schlagzeug.


Wie kann man so einen Groove gestalten? Eine Idee hierfür ist die Akzentverschiebung. Ein Beispiel für die Praxis soll mit diesem Artikel gezeigt werden.


Erster Schritt – Eine Basis-Figur aussuchen


Swing-Grooves der 40er, 50er und 60er Jahre allein auf den Toms gespielt klingen häufig ein wenig rudimentär und archaisch. Meist wurden diese Tom-Tom-Grooves als Intro oder als ein kurzes Solo über acht Takte in einen Song eingebaut.


Hier ist eine einfache Swing-Schlagabfolge, bestehend aus zwei Takten, zu sehen. Diese Figur ist die Basis für das Beispiel „Groove komponieren mit Akzentverschiebungen“.


Zweiter Schritt – Verschiebungen einfügen

Im zweiten Schritt werden die Akzentverschiebungen festgelegt. Eine einfache Methode ist das Wandern von On-Beat Akzenten. Im 4/4 Takt sind das die Zählzeiten der Viertel 1 bis 4. Die Verschiebungen sind hier stets im ersten Takt der 2-taktigen Figur eingefügt. Erster Durchgang der Figur Akzent auf der Eins, zweiter Durchgang der Figur Akzent auf der Zwei, dritter Durchgang der Figur Akzent auf der 3 und, wie könnte es anders sein, vierter Durchgang der Figur Akzent auf der 4.

Der zweite Takt der Figur (die Achtelschläge) bleibt, wie er ist. Dann kommt man auch nicht so schnell ins Tüdeln.


Dritter Schritt – Alles zusammenfügen und spielen

Im letzten Schritt muss man eigentlich nur noch das spielen, was auf dem Papier so übersichtlich geordnet aussieht.

Das war es dann auch schon. Natürlich gibt es unzählige Möglichkeiten die ganze Sache zu verfeinern und Verschiebungen beispielsweise in die Off-Beats der Achtel einzubauen. Auf jeden Fall ist die Methode der Akzent-Verschiebungen eine Möglichkeit der Inspiration zur Herangehensweise der Komposition eines „eigenen“ Tom-Tom-Grooves.

Das Einüben der Viertel-Akzentverschiebungen


Bleibt noch eine Frage: Kann der Zuhörer diese Akzent-Verschiebung eigentlich wahrnehmen? Das System dahinter wahrscheinlich nicht. Aber es entsteht ein Effekt, den man „unerwarteter Akzent“ nennen kann. In einer einfachen Swing-Figur klingt das schon ziemlich aufregend.
In diesem Sinne „let there be drums“ und bis bald!


Christian W. Eggers – 29. Juli 2023 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 8. August 2023)

Gallop Rhythm

Recherchiert man über eine Suchmaschine den Begriff „Galopprhythmus“, wird man zunächst meist auf einen bedrohlichen kardiologischen Befund verwiesen. In der modernen Popmusik taucht der Begriff insbesondere im Bereich Heavy Metal auf. Mit etwas Suchen lassen sich Galopprhythmen (engl. Gallop Rhythm) aber auch in der frühen Popmusik finden.

Die Stompology Hausband Archie Ancora & His Motorboats hat es sich nicht nehmen lassen einen Song im Gallop Rhythm als Beispiel zur Spielweise dieser treibenden Beats aufzunehmen. Der Song Leicht ergänzt einen Artikel über den Gallop Rhythm; einen Beat, den vor langer Zeit Ringo Starr für den Rock’n’Roll entdeckt hat.

Leicht wurde mit der Unterstützung des Schlagzeugers und Produzenten Christoph Buhse aufgenommen. Archie und die Jungs haben sich riesig gefreut. Dank für den Refrain und den Mix!

Gallop Rhythm als wesentlicher Kompositionsbestandteil eines Songs

Ein berühmter Groove der 70er im Gallop-Stil ist mit den Beatles in dem Song Get Back zu hören. Mit einem zehn Jahre früheren Song (1960) ist ein Rhythmus dieser Art in dem Song Apache von den Shadows ebenfall zu einem Hit geworden. Beide Songs haben bis auf den Beat kaum Gemeinsamkeiten. Gut zu hören und zu fühlen ist jedoch, dass sich mit der Galoppgeräusche imitierenden Rhythmik am Schlagzeug Spannung und Energie in eine Komposition bringen lässt.

Zwei Spielarten der Gallop Rhythmen

Gemeinsam ist den Galopp Rhythmen die konstante Kombination von einem Achtel- und zwei Sechzehntelschlägen pro Pulsschlag.

Spielweise 1: Einem Achtelschlag folgen zwei Sechzehntelschläge. Zählweise pro Viertel: „Eins un-de – Zwei un-de – Drei un-de – Vier un-de“.

Spielweise 2: Zwei Sechzehntelschlägen folgt ein Achtelschlag. Zählweise pro Viertel: „Ei-ne und Zwei-e und Drei-e und Vier-und“,

Unterschied zum swingenden Train-Beat und zum Swing-Pattern

Auch wenn die Schlagabfolgen eines Train-Beats im Stil von I Walk the Line (Johnny Cash) und des Swing-Patterns im Notenbild der Abfolge des Gallop-Rhythm in der Spielweise 1 (Notenzeile ganz oben) gleichen, liegen dem Train-Beat und dem Boogie-Shuffle ein entspanteres Spielgefühl zu Grunde.

Gallop Rhythmen basieren nicht auf Triolen wie im Shuffle, sondern auf 16teln, wodurch die Schläge gleichmäßiger, fließender wirken. Durch die „fehlenden“ 16tel (im ersten Groove auf den einzelnen Vierteln und im zweiten Groove auf den Offbeats) klingt der Groove dann wie ein Pferdegetrappel.

Gallop Rhythmus eben!

Viel Freude am Ausprobieren eines Gallop Rhythem; bis bald und let there be drums!

Christian W. Eggers – 17. Juni 2023 – christian@stompolog.org (Letzte Aktualisierung dieses Artikels am 15 August 2024)

Bildnachweis Teaser „Pferd-Foto“:

„Take Five“ – Ein Weg zum Einüben in vier Schritten

Zur Vollständigkeit der Vorstellung von „Take Five“ hier nun auch ein kurzes Video. Das 3,5-Minuten-Video ergänzt den Artikel über die Spielweise von „Take Five“ und soll Mut zur Beschäftigung mit dieser wunderbaren Swing-Schlagfolge machen. Die vier Übeschritte werden am Schlagzeug gezeigt und durch Notenbilder unterstüzt.

Ich wünsche gute Inspiration beim Anschauen des Videos und Freude am Ausprobieren!


12. Juni 2023 – Christian W. Eggers – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 12. Juni 2023)

Sun Records Echo – Wie Sam Phillips es produziert hat

Der Sun Records Inhaber und Produzent Sam Phillips hatte nicht nur die Fähigkeit Talente wie Elvis Presley, Johnny Cash und Howlin‘ Wolf zu ihren Werdegängen zu verhelfen. Sam Phillips war auch ein begnadeter Tüftler im Bereich der damals noch sehr bescheidenen Studiotechnik.

1954 hatte Sam Phillips sein Studio aufgerüstet und zwei Ampex 350-Recorder installiert: einen als Konsolenmodell und einen anderen, der hinter seinem Kopf für das Bandverzögerungsecho oder Slapback montiert war. (1)

Es entstand der typische Sun Records Sound, der wohl ewig mit den Stimmen von Johnny Cash und Elvis Presley verbunden bleiben wird.

Wie das Sun Record Echo „nachgebaut“ werden kann

Vereinfacht gesagt, handelt es sich bei dem legendären Sun Records Echo um zwei Bandmaschinen, die gleichzeitig dasselbe aufnehmen und wiedergeben. Das zweite Bandgerät („Echogerät“) spielt die Aufnahme etwas später ab als das erste, wodurch das Bandecho entsteht.

Die Länge der Verzögerung richtet sich nach der Bandgeschwindigkeit des Gerätes, an das ein zweites Mikrofon im Aufnahmeraum (mit etwas Entfernung zum eigentlichen Aufnahme-Mikrofon) angeschlossen ist. Laufen beide Bandgeräte mit der gleichen Geschwindigkeit, ensteht das typische Sun Records Echo: kurz, dezent und warm.

Ist der Effekt auch mit eher bescheidenen Studioausrüstungen zu erreichen? Und wie! Das Video zeigt, wie es geht.

Christian W. Eggers – 14. Mai 2023 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 26. April 2024)

(1) http://www.history-of-rock.com/sam_phillips_sun_records.htm

Titelfoto Sun Records Gebäude: Titel des Fotos: Sun Studio (2002); Autor: JeremyA; Quelle: Wikipedia; Lizenz CC BY-SA 2.5 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/

Practice „Let There Be Drums“ – New Video

Fragt man Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger, welcher Song die Begeisterung für die Trommeln geweckt hat, wird häufig der Instrumental-Hit Let There Be Drums von Sandy Nelson aus dem Jahre 1961 genannt.

Das Einüben der fünf Basis-Figuren von „Let There Be Drums“ am Set gezeigt

Einige Songs begleiten einen ein Leben lang und immer wieder entdeckt man Neues. Manchmal nur Nuancen und manchmal Fundamentales. Man ist eigentlich nie „fertig“ und das Üben ist der Weg.

Vielleicht lädt das 3,5 Minuten lange Video mit Erklärungen, Audios und Noten zur Beschäftigung mit einem der aufregendsten Drum Grooves der Pop-Geschichte ein. Einen Artikel über die Spielweisen von „Let There Be Drums“ findest Du hier.

Christian Eggers – 16. April 2023 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung am 6. Mai 2023)