„Take Five“ – Prelude to a great drum groove – Part 1

Was ungewohnt ist, fällt zunächst schwer. Unter den ungeraden Takten ist ein Walzer auf Grund seiner Vertrautheit schnell als 3/4-Takt zu bergreifen. Aus der Hörgewohneit fühlen beispielsweise Tänzer und Tänzerinnen die Zählzeiten, insbesondere die „Eins“.

Schwieriger wird es, wenn eine vertraute Schlagfolge eines 4/4-Taktes in einer Komposition mit einer 5/4-Aufteilung erweitert werden soll. So verhält es sich mit dem sogenannten Swing Pattern in dem Instrumental-Hit Take Five (Link zum Anhören auf YouTube).

Aus der Hörgewohnheit des Swing als 4/4-Takt gehen schnell die Orientierung verloren und man trommelt im Blindflug auf der Suche nach einem konstanten Bezugspunkt.  

Der Basis-Groove von Take Five. Notiert wird er als 5/4 Takt

 

Die Sache mit dem Bier: Das Lehrangebot zum Üben von ungeraden Takten ist umfangreich. Zunächst gibt es Ratschläge, die helfen sollen nicht “vierkantig” aus einer 5/4 Kurve zu fliegen. Denkbar ist es eine Vorstellung zu entwickeln, nach der einfach an ein bestehendes 4/4 Pattern ein Grundschlag herangehängt wird. So etwa könnte der Puls eines 5/4-Taktes gezählt werden: “Noch ein Bier für mich – Noch zwei Bier für mich…”. Solche Merkhilfen funktionieren auch recht gut, wenn die Schlagfolge in der Unterteilung des Pulses nicht sonderlich komplex ist und die Betonungen (z. B. die Backbeats) mit der Band unisono gespielt werden.

Hier kannst du im Video anschauen und anhören, wie Take Five eingeübt werden kann. Das Hörbeispiel am Ende des Videos nähert sich dem Original-Groove an, ohne jedoch die zahlreichen Feinheiten vollständig zu erfassen.

Wie geht man nun an das Einüben des swingenden 5/4-Taktes von Take Five heran? Und wie lässt sich eine Swing-Schlagfolge passend zur Einteilung der Komposition in 5/4-Takte aufteilen?

Eine Herangehensweise an Kompositionen mit ungeraden Takteinteilungen ist es, den Groove der Rhythmusinstrumente auf sich wirken zu lassen und sich an deren Betonungen zu orientieren. Eine 1:1 Übertragung der Anschlagfolge des Pianos oder der Gitarre auf die Schlagzeugschlagfolge bietet sich für Take Five nicht an. Der schwebende Drive der Swing-Komposition würde verloren gehen.

Umsetzung am Drum Set

In Lehrvideos wird öfter empfohlen die ersten vier Viertel im „Two Beat“ (Wechsel von Bass Drum und Hi-Hat auf den Vierteln) zu spielen und die „Fünf“ mit der Bass Drum zu markieren.

Damit lässt sich jedoch der Drive des Take Five Grooves nicht so ohne Weiteres nachempfinden. Die „Fünf“ klingt als „angehängter“ Schlag wie das „fünfte Rad am Wagen“ und wirkt ein wenig unorganisch im Fluss. Mehr dem Charakter der Komposition entspricht es, in einer 3/4 und 2/4 Aufteilung zu fühlen und zu spielen.

Drei Viertel und zwei Viertel = fünf Viertel – Beinarbeit: Bass Drum und Hi-Hat

Hilfreich kann es sein, einen 5/4-Takt am Schlagzeug als seine Kombination aus 3/4-Takten und 2/4 Takten aufzufassen. Das kommt dem Take Five Gefühl schon sehr viel näher. Bei der 3/4 + 2/4 Aufteilung stellt sich ein Spielgefühl ein, dass schon mit den Grundschlägen zum swingen einläd.

Die „Beinarbeit“in 3/4 und 2/4 Teilungen: Bassdrum/Hi-Hat/Hi-Hat – Bassdrum/ Bassdrum. Schon im Metrum entsteht „Drive“
Swing-Pattern

Basis für die „Handarbeit“ ist zunächst das aus 4/4-Swing-Kompositionen vertraute Swing-Pattern auf dem Ride-Becken. Im Notenbild bertrachtet, wird die „Fünf“ einfach als Schlag auf dem Ride-Becken angefügt.

Die Fünf

Ist die obige Schlaabfolge eingeübt und sicher, kann die Triole auf der Zählzeit Fünf „eingebaut“ werden.

Charakteristisch für die Schalabfolge von Take Five ist die Achteltriole (3 Triolenachtel) auf der Zählzeit 5

„Auffüllen“ der Swing Schlagfolge auf den Zeiten Eins bis Vier

Die Swing-Figur auf dem Ride-Becken wird jetzt durch Schläge auf der Snare ergänzt. Die Noten zeigen den Basis-Groove von Take Five. Durch das „Auffüllen“ des Swing-Patterns mit einem Offbeat-Akzent (auf der 2-Und) und einem Onbeat-Akzent (auf der 4) auf der Snare ensteht die für Take Five typische Groove-Melodie. Auf der „Fünf“ wird eine Triole gespielt. Die „Und“-Ghostnotes der „Eins“ und der „Drei“ erfordern zunächst enorme Konzentration.

Nachdem das Gerüst des Grooves mit der „Beinarbeit“, dem Swing Pattern und der Triole auf der Zählzeit Fünf „stehen“, geht es um das Auffüllen der Schalgabfolge mit Snare-Schlägen. Die in Klammern gesetzten Noten werden als sogenannte „Ghostnotes“ sehr leise gespielt. Der Basis-Groove ist schon eine Herausforderung. Damit er weich und swingend klingt, bedarf es viel Feingefühl der linken Hand sowie einer starken Unabhängigkeit zwischen rechts und links.

Ich wünsche gute Inspiration und Freude am Ausprobieren dieses wirklich einzigartigen Grooves!

Christian W. Eggers – 7. August 2021 (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 17. Juni 2023) christian@stompology.org

Quellen und Material

Hinterlasse einen Kommentar