OK! Der „Schaubitz Blues“ ist in seiner ersten Version gefloppt. Der ohnehin nur aus zwei Mitgliedern bestehende Fan Club droht zu bröckeln. So darf es nicht weitergehen. Archie und seine Jungs mussten professionelle Hilfe aufsuchen.
„It’s very hard to please the people every single time!”
Ein inzwischen privatisierender Musikproduzent, der hier im Zusammenhang mit Archie ausdrücklich nicht genannt werden will, meinte: „Macht mal das Ding schneller und mehr nach vorne gespielt.“
Kein echter Geheimtipp, den wohl jeder Musikproduzent der alten Schule gibt, wenn er gelangweilt ist.
Dazu befragt, sagte uns Archie mit seinem Hang zur Theatralik im Hamburger Akzent: „It’s very hard to please the people every single time!” und verdrehte die Augen Richtung Himmel.
Die Jungs haben sich, so konfrontiert mit der Härte des Showbusiness, mächtig angestrengt und gleich schon mal vorsorglich etwas Begeisterung in den Song gemischt.
Hier ist er nun im neuen Surf-Beat Gewand: der „Schaubitz Blues – The Extended Fan Club Version“.
Audio zum Schaubitz Blues – The Extended Fan Club Version. Hier wurde das Audio mit einer Bandmaschine „gemastert“.
Was wurde aus der ersten Version? Auf Wunsch der sensiblen Künstler haben wir „das Experiment“ gelöscht.
Surfen im Offbeat
Und nun zum eigentlichen Thema, dem Schlagzeugspiel. Das scheint nach dem ganzen Theater mit der Band etwas in den Hintergrund zu geraten.
Zum Grooven in der neuen Version des „Schaubitz Blues“ haben sich die Jungs eines Surf-Beats bedient.
Mit dem Surf-Beat wurde nach Ansicht einiger Musikhistorikerinnen und -historiker die DNA für das moderne Rockschlagzeug erschaffen.
Eine treibende Variante ergibt sich, wenn der Basis-Surf-Beat mit Offbeats (Schlägen, die nicht auf dem Puls liegen) angereichert wird. Hier geht es zum Artikel mit Schlagzeug-Noten und Hörbeispielen zum Surfen im Offbeat.
Ich wünsche Freude beim Anhören und Experimentieren! Auch dann, wenn Experimente schief gehen können.
Christian W. Eggers – 10. Juli 2024 – christian@stompology.org (hoffentlich letzte Aktualisierung am 10. Juli 2024)
„Die Füße sind für das Tempo einhalten zuständig. Die Hände sind für Verrücktheiten da.“ So lautet eine grundlegende und frühe Idee der ersten New Orleans Musiker, die ab den 1920er Jahren ein Drum Set nutzten. (1)
Eine dieser schönsten Verrücktheiten der Hände, übernommen aus den New Orleans Brassbands, sind die „Time Rolls“.
Definition „Time Roll Groove“
Ein Time Roll besteht aus sogenannten „gepressten Wirbeln“, den Press Rolls, die nicht als Verzierung sondern als Bestandteil eines Grooves auf der Snare Drum gespielt werden. Bekannt ist diese Art des „Wirbelns“ aus der Marschmusik. Über die New Orleans Paraden gelangten die Press Rolls in den frühen Jazz.
Press Rolls als Ausgangspunkt
Wie der Name „Press Roll“ schon impliziert, entsteht er durch einen Stick-Schlag auf das Fell der Snare Drum und einem anschließenden Druck so, dass man nicht mehr einzelne Noten hört, sondern eine Vielzahl von Anschlägen. Man kann es auch so sagen: aus „Tack“ wird „Drrrrrrrrrr“.
Press Rolls als Groove-Element
Werden diese „drrrrrrrrrr’s“ jetzt konsequent durchgehend in einem Groove gespielt, kann von einem Time Roll Groove gesprochen werden. Heute sind diese Grooves meist im sogenannten Dixie Land Jazz zu hören. Das mag dazu beitragen, dass dieser Spielweise etwas Angestaubtes anhaftet.
Wirkung vom Time Press Rolls
Kein bisschen „Oldskool“ klingen Time Rolls im Groove eines R&B Songs. Ganz im Gegenteil! Gleich ob binär oder ternär gespielt: Time Press-Rolls als festes Element eines Grooves verleihen einem Song Melodik und rhythmische Intensität.
Beispiel für einen Time Press Roll Groove
Die nachfolgende Notation zeigt ein Beispiel für einen Time Press Roll Groove. Im ersten Takt sind die Press Rolls auf den Zählzeiten Zwei und Vier des 4/4 Taktes zu hören. Im zweiten Takt der Figur folgen auf der Eins und der Zwei „normale“ Achtelschläge und auf der Drei und der Vier Viertelschläge. Wichtig ist es die Vier mit einem Akzent zu spielen. Damit erhält der Groove seinen „Second Line Charakter“, der ihn eben deutlich von einem europäischen Marsch mit den Bezugspunkten der Eins und der Drei unterscheidet.
Notation eines Beispiels für einen Time Roll Groove. Die mit einem Z gekennzeichneten Notenhälse markieren die Press Rolls. Bass Drum und Hi-Hat liegen hier auf den Vierteln im Two Beat, also dem fortlaufendem Wechsel von Bass Drum und Hi-Hat auf dem Plus der Figur.
Das Video zeigt einen Time Roll Groove in einem kurzen Ausschnitt eines R&B Songs im Stil der 60er Jahre. Der vollständige Song ist hier zu hören und nicht als Aufforderung zum Unterlassen von Time Rolls zu verstehen: Lass es lieber sein!
Spieltechnik Time Press Rolls
Anders als in der Marschmusik werden die Press Rolls in Time mit einem lockeren Griff erzeugt. Die Hände müssen sich öffnen, damit der Stick rollt.
Im Beispiel rollt die linke Hand. Das geht mit dem Traditionel Grip sowie dem Matched Grip gleichermaßen gut. Wichtig ist lediglich die lockere Stickhaltung.
Der Traditional Grip oben im Bild erklärt. Der Stick in der Linken kann für Press Rolls „umgedreht“ werden, damit sein Eigengewicht zum Federn ausgenutzt wird.
Vielen Dank für das Lesen und ich wünsche Inspiration und Freude am Ausprobieren.
Christian W. Eggers – 28. Mai 2024 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 28. Mai 2024)
Fußnote (1): Aukes, Antoon; Second Line – 100 Years Of New Orleans Drumming, Seite 25, (C. L. Barnhouse)
Nachdem Sam Phillips mit der Hilfe von zwei Tonbandgeräten das Slapback Echo zum Markenzeichen des frühen Rock’n’Roll gemacht hatte, war die Entwicklung von speziellen Bandechogeräten für Tonstudios und Gesangsanlagen nur eine Frage der Zeit.
Umschlag zum Handbuch – Quelle Website Bandecho.de, Tim Frodermann
Die ersten professionellen und serienreifen Bandechogeräte eroberten Anfang der 60er Jahre den Markt der Studioelektronik. Als die britische Band The Beatles Mitte der 60er Jahre mit derartigen Geräten von Dynacord ausgestattet wurde, war das Bandechogerät für die Raumklanggestaltung schon beinahe etabliert.
Das Foto zeigt eine Echocord Super65 des Herstellers Dynacord. Das Röhrengerät bietet eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten. Von super kurzen „Rock’n’Roll-Echos“ bis hin zu Echos die mehr in der Psychedelic Music Anwendung fanden. Das hier gezeigte Exemplar wurde vom Voreigentümer mit neueren Knöpfen für die Potenziometer und Klangregelung (linke Seite) versehen. Sehr angenehm ist der „Ein- Ausschalter“ in der Tastenreihe. Bei der Stellung „Aus“ wird die Tonbandandruckrolle vom Antrieb gelöst. Damit kann sich die Gummirolle bei längerer Standzeit nicht verformen.
Wie funktioniert ein Bandechogerät und was macht es?
Wikipedia hat zur Funktionsweise eines Bandechogerätes folgenden Eintrag veröffentlicht:
„Ein Bandhallgerät besteht aus einem endlosen Magnetband und zugehörigem Sprech- und Hörkopf. Das Audiosignal wird über den Sprechkopf auf das Magnetband aufgenommen. Je nach Geschwindigkeit des Magnetbandes kommt das Signal kurze Zeit später am Hörkopf vorbei und wird wiedergegeben. Mittels der Geschwindigkeit des Magnetbandes kann die Verzögerungszeit (Delay) eingestellt werden. Manche Bandhallgeräte verfügen über mehrere zuschaltbare Köpfe, so dass mehrere Echos erzeugt werden können. Über diverse Regler kann die Intensität des Nachhalls eingestellt werden. Außerdem kann ein Kopf als variabler Löschkopf eingestellt werden, so dass das Signal nach dem Durchlauf ganz oder teilweise gelöscht oder mit neuen Signalen überlagert werden kann.“
Das Innenleben zeigt den Bandtransport mit einer Endlosschleife und fünf Tonköpfen, die über das Frontpanel des Gerätes schaltbar kaum einen Wunsch zur Echo-Gestaltung offen lassen. Dieses Exemplar eines Echocord Super 65 ist vom Voreigentümer gepflegt worden.
Die Rückseite mit den Ein- und Ausgängen des Gerätes ist übersichtlich und auch für Laien mit Hilfe der Bedienungsanleitung einfach zu verstehen. Geschuldet war dieses wohl auch dem Einsatz der Geräte bei Live-Konzerten. So entfiel die für Musiker und Musikerinnen nervige Fummelei mit vielen Kabeln und unverständlichen Symbolen.
Der Test des Echocord Super 65
Zunächst bestanden Bedenken das Gerät in einem Raum mit dem Gesangsmikrofons aufzustellen. Doch der Motor des Bandtransportes läuft erstaunlich leise. Das Gerät wurde mit einem Direktanschluss und danach „eingeschliffen“ über ein Mischpult getestet.
Direktanschluss an ein Mikrofon
Audio Gesang im Rockabilly Style aufgenommen mit der „Presto“ Einstellung des Dynacord Echocord. Deutlich ist der Slapback Echo Effekt zu hören.
Für den Test mit einer Blues Harb wurde ein Beyer M55 Mikrofon gewählt. Diese dynamischen Mikrofone, ursprünglich für Heimtonbandgeräte gedacht, erzeugen einen durchsetzungsfähigen Sound gerade bei der nahen Abnahme vom Instrumenten.
Zur Aufnahme einer Blues Harb wurde der Mikrofoneingang des Bandechogerätes Echocord direkt mit dem Mikrofon verbunden.
Audio Mundharmonika „Blues Harb“ aufgenommen über ein Dynacord Echocord.
Was mit der Mundharmonika gelungen ist, funktioniert auch sehr gut mit der Gesangsstimme. Das Signal wird ohne weitere Bearbeitung verdichtet und damit „fett“.
Der Screeshot der Aufnahmesoftware zeigt in der zweiten Spur das Signal einer Gesangsaufnahme. Es wurde die Echocord-Einstellung „Presto“ verwendet. Mit dieser Schaltung läuft das Band recht schnell und dieser Umstand führt zu einer deutlichen Kompression des Signals. Das ist eine gute Sache! Der Gesang setzt sich auch in leiseren Stellen wesentlich deutlicher durch, als das der Fall ohne den Einsatz dieser Technik wäre.
Einschleifen über ein Mischpult
Beim sogenannten Einschleifen eines Effektgerätes wird das Gerät nicht direkt mit der Schallquelle verbunden, sondern der Effektanteil wird dem Original-Signal beigemischt.
Der Eingang des Echocord wird mit dem Mischpult „Send“ verbunden. Der Ausgang des Echogerätes wird mit „Return“ am Mischpult verbunden. Jetzt kann am Mischpult der Effektanteil dem Originalsignal hinzugemischt werden. Ein Vorteil dieser Schaltung liegt in der Möglichkeit sehr feiner Abstufungen des Effektes.
Das Einschleifen empfiehlt sich bei dem Einsatz des Gerätes während der Gesangsaufnahmen. Der direkte Anschluss macht großen Spaß bei der Abnahme von Instrumenten. Da das Echocord ein Röhrengerät ist, kann auch mal kräftig bis zur deutlich hörbaren Übersteuerung ausgesteuert werden und damit die „musikalische“ Verzerrung eines Röhrenverstärkers zusammen mit dem Echoeffekt erreicht werden.
Was koste der Spaß?
Was muss man investieren, um ein funktionierendes Röhren-Bandechogerät zu erhalten? Zunächst den Kaufpreis zwischen 200 Euro und 450 Euro. Hat man das Gerät ergattert, geht es erst los. Egal was mit besten Wissen und Gewissen versprochen wird; irgendetwas ist immer. Ohne dass es Voreigentümer oft wissen können. Es sei denn, man erwirbt ein von einem der wenigen Fachbetriebe für Vintage-Technik überholtes Gerät. Also, bevor mit so einem Gerät aus dem Privatverkauf tatsächlich Musik gemacht werden kann, muss in der Regel ein Techniker oder eine Technikerin alterungsbedingte Fehlerquellen (z. B. Kondensatoren erneuern) beheben.
Literaturtipp und Download der Bedienungsanleitung mit Schaltplan
Eine sehr umfangreiche Website zum Bandecho hat Tim Frodermann erschaffen. Da bleibt kein Wunsch nach Informationen offen. Der Autor hat es sich zur Aufgabe gemacht auf seiner Webseite „so viele Informationen wie möglich zu den Orchestergeräten aus deutscher Produktion zu sammeln und bereitzustellen. Warum? Damit Jeder die Geräte nach bestem Wissen verwenden und – soweit es die eigenen fachlichen Möglichkeiten erlauben – auch reparieren kann.“