The rock we stand on – Swinging quarters

Können Viertel-Schläge swingen? Theoretisch nein, praktisch ja!

Theoretisch können in einem 4/4 Takt die Viertel, die den Puls bilden, nicht swingen. Swing wird als ein Phänomen begriffen, dass erst in der Unterteilung der Viertel (des Pulses) in Achtel-Schläge enstehen kann. Immer dann, wenn die Achtel in der „triolischen Dehnung“ erfolgen. So in aller Kürze die heutige Theorie zum Effekt Swing.

„A way of saying something fom inside himself, as far back as time, as far back as Africa, in the jungle, and the way the drums talked across the jungle, the way they filled the wohle air with a sound like the blood beating inside himself.“

Sidney Bechet über den Jazz

Und überhaupt: Die fleißige europäische Jazzforschung hat sich stets bemüht Erklärungen zu finden. Bei denjenigen, die Jazz „erfunden“ haben, den Musikern und Musikerinnen aus Nordamerika, soll das gelegentlich auf erheiterndes Befremden gestoßen sein.

Akademische Klimmzüge

Mussten zunächst die aus der Klassik bekannten (und einst von strengen Musiklehrern und -lehrerinnen verpönten) Synkopen als Erklärung herhalten, waren dann die Betonungen der Zählzeiten Zwei und Vier das Merkmal für den Swing.

Die heute vorherrschende Ansicht (hier stark verkürzt) meint, dass es Offbeats und Onbeats (also Schläge auf dem Puls und Schläge zwischen dem Puls) gibt, die in ihren betonten und unbetonten Kombinationen den Swing ausmachen. Werden diese Kombinationen dann noch „triolisch“, also in der nahezuen Dreiteilung des Mikrotimings der Achtel gespielt, dann ist alles gesagt und verstanden.

Nun bemühen sich die Generationen von Schlagwerkenden an den Musikschulen und Muikhochschulen das alles mit dem Kopf umzusetzen, auszufeilen, zu kultivieren und ein wenig hier von und ein wenig davon zusammenzudenken und zu spielen. Mit Tanzmusik und Ausgelassenheit der frühen Jahre der Popmusik hat das schon lange nichts mehr zu tun.

Also, können Viertel nun swingen?

Hier kommt ein Tom-Tom (Jungle-) Groove, der mit Vierteln swingt. Lautsprecher aufdrehen und „hop around the room“!

Was für ein schönes Beispiel für die vielen Tom-Tom Grooves des Jazz, die im 4/4 Puls den Swing beinhalten: „Bill Haley & The Comets – Rudy’s Rock“ von 1956″; Auschnitt: Basis des Tom-Tom Grooves (2)

Lass dich nicht verwirren: Die Schlagfolge sieht unbeschreiblich einfach aus. Ist sie wohl auch. Mit dem richtigen Gefühl getrommelt wird sie swingen.
Variation: Betonung der „Eins“ – Cozy Cole Stil

Den gleichen Effekt der „swingenden Viertel“ der hier gezeigten Grooves nutzen Jazz-Bassisten und Bassistinnen mit dem „Walking Bass„: Viertel, Viertel, Viertel, Viertel. Vielleicht mal eine Achtel-Note, damit es auch im Mikrotiming swingt. Wunderbar!

Christian W. Eggers – 23. Februar 2022 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung am 25. Februar 2022)

Quellen

  • (1) Sidney Bechet zitiert aus „All that Jazz, Michael Jacobs, Reclam

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."

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