Bausteine eines Grooves – Spielgefühl und Spieltechnik

Grundlagen Teil 5 – Spielgefühl und Spieltechnik

Nachdem die fundamentalen Bausteine eines Grooves (Puls und Fluss, metrische Gewichtungen, Takteinteilung, Tempo und die Teilung des Pulses in ein Mikrotiming) sowie die Phrasierung bekannt sind, kannst Du im letzten Abschnitt zu den Grundlagen etwas über Spielgefühl und Speltechnik erfahren.

Es liegt in der Natur der Verschiedenheit der Musikstile, dass unterschiedliche Richtungen auch unterschiedliche Klänge bevorzugen. Diese sind nicht nur allein durch die verschiedene Beschaffenheit der Trommeln mit ihren Stimmungen und der klanglichen Eigenschaft der Becken herzustellen. So braucht ein Jazzdrummer nicht nur andere Instrumente, sondern auch andere Spieltechniken als der Drummer einer Heavy Metall Band.

Das Spielgefühl in swingenden Rhythmen lässt sich mit der Vorstellung an etwas Rundes und Rollendes verbinden.  Spieltechnik dient der Verwirklichung eines Musikstils mit seinen Erfordernissen für Timing, Mikrotiming, Dynamik und Klang. Die richtige Technik ist die Technik, die einen Groove einer bestimmten Musikrichtung in allen seinen zuvor hier beschriebenen Komponenten verwirklichen kann. 

Der legendäre Swing-Drummer Jo Jones soll einmal den Grundsatz für eine gefühlvolle Technik mit den Worten „Don’t play the Sticks, let the Sticks play!“ formuliert haben.  Damit ist gemeint, dass man ein Gefühl für die Schwingungen der Sticks entwickeln kann und dabei die Bewegungen so ausgerichtet werden können, dass möglichst viel Energie aus dem Rückschlag der Sticks für den nachfolgenden Schlag erhalten bleibt. 

Die Grundtechniken der Stick-Haltung: Werden die Sticks mit der linken und der rechten Hand so gehalten, wie die Haltung hier für die führende Hand gezeigt ist, spricht man vom Matched Grip. Wird der Stick in der linken Hand (bei Linkshändern wäre es dann die rechte Hand) abweichend von der Rechten so gehalten, wie in der unteren Grafik „linke Hand“ gezeigt, wird das als Traditional Grip bezeichnet.
Der Traditionel Grip ist nicht schwerer zu erlernen als der Matched Grip. Schwer ist aber das Umlernen, wenn über Jahre mit dem Matched Grip gespielt wurde. Seinen Ursprung hat die „alte Haltung“ in der Militärmusik, bei der dieser Griff durch die schräge und seitliche Position der Trommel am Körper erzwungen war. Selbstvertändlich kannst Du auch mit dem Matched Grip Swing spielen. Der Traditional Grip fördert jedoch die Unabhängigkeit der linken Hand von der rechten und er erleichtert ein kontrolliertes leises Spiel, was natürlich bei Ghost Notes besonders von Vorteil ist.
Eine Empfehlung zur Spielweise

Spiele die Bassdrum-Viertel im Groove weich und gerade eben noch hörbar. Behalte damit „Luft nach oben“ für Bassdrum-Akzente („Bomben“).

Bedenke, dass ein durchgehend lauter Snaredrum-Backbeat nicht die Basis für zahlreiche traditionelle Grooves ist. Die konstante Gewichtung der „Zwei“ und der „Vier“ erfolgt im 4/4 Takt durch die getretene Hi-Hat.

Häufig kommen triolische Grooves ohne durchgehende Backbeat-Phrasierungen durch Snare-Akzente aus. Spiele auch Backbeats auf der Snare nur mit einem Bruchteil Körpereinsatzes, den Du in der Rockmusik aufwendest. Spiele aus den Handgelenken und Unterarmen.

Das bedeutet nicht, dass Du zaghaft oder gar lahm spielst. Die Energie konzentriert sich im Fluss und der Dynamik, so dass der Groove kraftvolle Eleganz und Leichtigkeit ausstrahlt.

Beispiel für Spieltechnik und Gefühl

Am besten ist es, wenn Du Dir das alles einmal anschauen kannst. In dem Video „Harry James spielt Green Onions“ (youtube) kannst Du ab Minute 1 sehen, wie Buddy Rich den Rückschlag der locker gehaltenen Sticks in einem Swing-Groove nutzt. Und was den Wums angeht: Dass es ganz schön zur Sache gehen kann, siehst Du am Ende des Videos ab Minute 4:56.

Beiträge dieser Artikelserie zur Theorie

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."

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