Berühmte Grooves – Der Mitch Mitchell Beat

„Kannst Du mal einen Mitch Mitchell Beat dazu spielen?“ Wer sich Ende der 60er Jahre an den Trommeln verschiedener Bands abgemüht hat, wird diese Frage der Gitarristen vielleicht noch kennen. Meistens bahnten sich damit ausschweifende Gittarrensolos an.

Manchmal ist es inspirierend ein wenig von dem Ursprünglichen der Schlagzeug-Pioniere in das inzwischen Gewohnte zurückzuholen. Grund also, den Mitch Mitchell Beat genauer zu betrachten und anzuhören. Am Ende dieses Artikels findest du eine Anregung zur Herangehensweise deine eigenen Grooves im Mitch Mitchell Stil zu komponieren.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Es geht in diesem Artikel um den besonderen Groove aus 8tel und 16tel Bestandteilen als Gerüst und um die Inspiration zu eigenen Variationen der 8tel und 16tel Figuren. Zum Studium der zahlreichen elegant „explodierenden“ Mitchell Fills, herausragendes Markenzeichen Mitchells,  findest du auf YouTube recht ausführliche Beispiele.

Aus Beatmusik wurde Rockmusik

Der Schlagzeuger Mitch Mitchell war in der Periode des Überganges von der Beatmusik zur Rockmusik eine treibende Kraft weit über das Werk der Band Jimmy Hendrix Experience hinaus. Denn mit der am 23. Oktober 1966 in London aufgenommenen Single Hey Joe wurde nicht nur eine neue Dimension des Gitarrenspiels eröffnet.

Cover der Single „Hey Joe“ – Am 5. Januar 1967 gelangte die Single in die britischen Charts, wo sie als höchste Platzierung Rang sechs erreichte.

Den Basis-Groove des ursprünglich aus der Folkmusik stammenden Songs Hey Joe prägt eine Kombination aus 8tel und 16tel Schlägen. Kombinationen von 8tel-Figuren und 16tel-Figuren auf den Pulsschlägen zu einem Basis-Groove gehören heute in das Standardrepertoire der Rockschlagzeugerinnen und Rockschlagzeuger auf der ganzen Welt.

Die 16tel-Figuren (im Wechsel mit 8tel-Figuren) sind damit keine improvisatorische Verzierung, sondern jetzt ein Merkmal des Grooves. Das gab es bis 1967 in den Hits der englischen Produktionen nicht so konsequent und einprägsam zu hören.

Der Mitch Mitchell Beat

Zum Erkennungssong von Jimmy Hendrix wurde seine erste Single Hey Joe (Link zu YouTube). In dieser ersten Aufnahme der „Experience”  ist das Fundament der später in Fachzeitschriften und von Musikerinnen und Musikern als Mitch Mitchell Beat bezeichnete Spielweise schon gelegt.

Basis-Groove „Hey Joe“ – Die zweitaktige 4/4-Figur enthält jeweils auf der Zählzeit Zwei Sechzehntel-Schläge, gespielt auf dem Becken und der Snare. Weiter ist charakteristisch die leicht swingende Spielweise, die Mitchell auch in schnelleren Grooves beibehielt.
Diese 8tel-16tel-Kombination ist ein wenig bewegter als der „Hey Joe“ Basis-Groove. Die Sechzehntel-Figur wird hier auf den Zählzeiten Zwei und Drei gespielt. Der Groove eignet sich, leicht „angeswingt“, für langsame Songs.
Hier kannst du eine weitere Variation eines Mitch Mitchell Beats mit Presschlägen auf der Snare auf den „Und-Zeiten“ hören.
„Von wegen Vierviertelknecht“

Über Mitch Mitchell ist viel geschrieben worden. Einen informativen Nachruf hat die Süddeutsche Zeitung zum Tode von Mitch Mitchell am 14. November 2008 veröffentlicht.

Mitch Mitchell during a Jimi Hendrix Experience’s performance for Dutch television show Hoepla in 1967. Quelle: A. Vente – Beeld en Geluidwiki – Gallery: Hoepla Archief Beeld en Geluid, catalogusnummer 67455081, fotonummer 17 (cropped). Via wikibedia Lizenz CC BY-SA 3.0 N

Grooves im Mitch Mitchell Stil komponieren

Mit der Möglichkeit 8tel und 16tel Figuren in einem Takt entsprechend des Könnens und des Empfindens zu mischen, besteht die Option, Grooves in zahlreichen Variationen zu komponieren. So können Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger ihre eigenen Grooves finden und erfinden.

Hier kannst du sehen, wie du an das Komponieren eines Grooves herangehen kannst. Es bestehen unzählig viele Variationsmöglichkeiten die Reihenfolge der Figuren zu verändern und so eigene Grooves zu „erfinden“. Das macht viel Spaß.

Ich wünsche viele gute Ideen bei dem Ausprobieren der Kombinationsmöglichkeiten und Freude beim Nachspielen der Beats im Mitch Mitchell Stil.

Christian W. Eggers, 24. März 2021 (Letzte Aktualisierung dieses Artikels am 4. Oktober 2021) christian@stompology.org

Berühmte Grooves – The Surf Beat

Das unberechnbare Showgeschäft produziert seltsame Geschichten und Wunder. One-Hit-Wonder! Eine kaum an Skurrilität zu übertreffende Geschichte ist die des Songs Surfin‘ Bird und der Surf-Band The Trashmen (Die Müllmänner) aus Minneapolis. Vielleicht hatten die Beach Boys recht: „…everybody had an ocean“. Minneapolis liegt im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten am Mississippi River.

Wie ein einfacher Beat der regionalen Modeerscheinung  „Surf Sound“ zu einem DNA Baustein des modernen Rockschlagzeugs wurde und wie du diesen Beat spielen kannst, davon handelt dieser Artikel.

Der Song „Surfin‘ Bird“

Den Prototyp des puren Surf Beat beinhaltet der spektakuläre Songs Surfin’ Bird. Dazu gleich mehr.

Großes Kino ab Minute 1:20:Der Schlagzeuger der Trashmen Steve Wahrer tanzt den Surfin‘ Bird. Noch heute wird gerätselt, ob der Song als Parodie entstanden ist oder ob grandiose Selbstüberschätzung zu einer der verrücktesten Aufnahme der Popmusik führte.

Well, everybody knows

Surfin’ Bird ist eine Kombination der Stücke The Bird’s the Word und Papa-Oom-Mow-Mow der Doo-Wop-Gesangsgruppe The Rivingtons. Aber was soll’s. 58 Jahre weiter, also heute, ist das Klauen unter der Bezeichnung Sampling gefeierte Errungenschaft der Technik zur Verwirklichung künstlerischer Freiheiten. Man muss noch nicht mal mehr selber ein Instrument spielen können.

Es bleibt die Frage, ob Surfin’ Bird ein gekonntes Klauen war und ob diese, in den Kay Bank Studios in Minneapolis übersteuert aufgenommene und entfesselte Dröhnung eine Wegmarkierung der Musikgeschichte darstellt. Mehr oder weniger schmeichelhafte Superlative sprechen dafür.

 „Surfin‘ Bird“ is one of the silliest records ever made, but guaranteed to make you laugh and stomp- a your feet“.

Gary Peterson, Discographical Annotation, “Cowabunga! The Surf Box“, Rhino Records

Der Song, veröffentlicht im November 1963, erreichte 1964 Platz vier der Billboard Hot 100 (!) und konkurrierte mit einem Song einer noch wenig bekannten Band aus England um die Spitzenplatzierungen: I Want To Hold Your Hand von The Beatles. Die Trashmen waren sozusagen das letzte Bollwerk gegen die „British Invasion„.

Der Surf-Beat ballerte aus tausenden Garagen

In einer Konzertkritik aus dem Jahr 2008 wurden die verbliebenen Musiker der Trashmen als Ikonen des Surf-Trash-Garagenbeats bezeichnet (taz). Das ist mehr eine Ehre als eine Beleidigung und auch nicht falsch:  Mit der hohen Verbreitung der erfrischenden Laienhaftigkeit, weit über den Empfangsradius des kalifornischen Surf-Senders KFWB hinaus, ermutigte er eine ganze High School Generation zur Gründung von Bands. Schon bald ballerte der Surf-Beat (Boom, Duh-Duh, Boom, Duh) im ganzen Land aus tausenden Garagen der Elternhäuser des weißen Mittelstandes.

„A-well, a bird, bird, b-bird’s the word

A-well-a don’t you know about the bird?

Well, everybody knows that the bird is the word“

Song-Text Zeile Surfin‘ Bird

Der Surf Beat am Schlagzeug

Der Surf Beat wurde zum Innbegriff der Spielweise des frühen Rockschlagzeugs. Treffender als der Buchautor und Schlagzeuger Daniel Glass es getan hat, ist der Surf-Beat nicht zu beschreiben:

„Was auch immer die Ursprünge sein mögen, hier ist der Surf-Beat in all seiner einfachen Pracht. Im Wesentlichen ist der Groove nur ein Standard-Rock’n’Roll-Pattern mit einem zusätzlichen Snare-Schlag, der an das „und“ der 2 angeheftet ist. Das resultierende Kick / Snare-Pattern (Boom, Duh-Duh, Boom, Duh) wird für immer mit der Musik der 60er Jahre verbunden sein.“

Der Basis Beat
Der Tom-Tom Part zum Anhören: Du spielst statt auf dem Becken einfach auf dem Tom die Achtel-Schläge. Das klingt schon ein wenig nach Punk. 🙂

Der Drummer – “It was pure rock ‘n’ roll”

Im Nachruf der ameikanischen Nachrichtenagentur AP ist über Steve Wahrer zu lesen: “Dal Winslow, a founder of the group and now a computer systems analyst, said `Wahrer was one of the first drummers to use a heavy, heavy, foot-pedal beat. A driving, real danceable style. It was pure rock ‘n’ roll.´“

Album Cover „Surfin‘ Bird“

Wie die Party endete

Die Surf-Wellen brandeten immerhin fast sieben Jahre. Kaum eine der Bands mit den seltsamen Namen und den bis zum Anschlag aufgedrehten Hall-Potis ihrer Fender Verstärker überlebte. Die Beatles und die Rolling Stones setzten andere Maßstäbe. Und die einheimischen Party-Surfer wurden Fans amerikanischer Folk-Musiker und Psychedelic-Rock Bands der Hippie-Bewegung.

Einige Kompositionen im Surf-Sound klingen auch heute noch nach Sonne, Strand und Meer. Spektakuläre und bis in das letzte Detail ausgefeilte Drum-Cover des erfolgreichen Titels Wipe Out tauchen in den YouTube Kanälen junger Schlagzeugerinnen auf.

Andere zeitlose Songs der Surf-Sound Ära werden heute gerne zur Untermalung von Filmszenen verwendet. So etwa The Lonely Surfer von Jack Nitzsche. Den Beach Boys gelang mit Pet Sounds 1966 der Befreiungsschlag aus der „Surf-Ecke“ und die Meisterwerke „eines der ersten Alben, die aus der Überzeugung entstanden, dass diese Musik auch noch Generationen später gehört und geschätzt werden würde.“ (wikipedia)

Und was wurde aus den Garagen-Trommlern mit dem Boom, Duh-Duh, Boom, Duh und ihren Bands? Das ist eine andere spannende und wahrscheinlich sehr lange Geschichte.  

In diesem Sinne: COWABUNGA!

(Cowabunga = freudiger Ausruf in der Surfer-Szene über ein positives Ereignis)

Christian W. Eggers, 17. März 2021 (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 20. März 2021) (christian@stompology.org)

Quellen:

Berühmte Grooves – Der Motown Beat

Drummer verbinden mit den Motown-Produktionen der 60er Jahre häufig einen treibenden Snare-Beat, der als der Motown Beat (oder auch Motown Groove) bezeichnet wird. Wie du diesen Beat am Schlagzeug spielen kannst und wie er berühmt wurde, erfährst du mit diesem Artikel.

Hintergrund Motown Records

Mit 800 Dollar Starkapital gründete Berry Gordy im Januar 1959 „Talma Records“. Aus dem Label wurde ein Jahr später „Motown Record Corporation“ und eine Hit-Fabrik, ansässig in der Autostadt Detroit.

Die Motown Studios in der „Autostadt“ Detroit (USA), aufgenommen im Mai 2007. Autor: TM Peukert via wikimedia -Public Domain

Gordy hatte feste Vorstellungen, wie Soul für die Masse klingen sollte. Mit bändigen Eingriffen in die Spiel- und Gesangsgewohnheiten „seiner“ Musiker verfolgte Gordy das Ziel, Soul und R&B bei der weißen Bevölkerung salonfähig zu machen.

Gordy wurde reich. Von den weißen Plattenbossen hatte er sich wahrscheinlich zuvor als Songschreiber abgeschaut, wie man fremde Talente vermarktet. Dem von Gordy engagierten Songschreiber- und Produzententeam „Holland-Dozier-Holland“ ist ein entscheidender Anteil am Erflog der Mowton-Interpreten und an einem rasanten Wachstum der Verkaufszahlen zuzuschreiben.

Portrait der ByteFM Redaktion: „Berry Gordy – der Mann hinter Motown wird 90 Jahre alt“

Der Motown Beat am Schlagzeug

Ein in Motown-Produktionen öfter verwendeter und neuartiger Beat wurde zum rhythmischen Markenzeichen. Er ist in zahlreichen Hits aus dem Hause Gordy zu hören.

Beispiele für Songs im Motown Beat

  • „Stop! In The Name Of Love” (The Supremes)
  • “Reach Out I’ll Be There” und
  • I Can’t Help Myself“ (beide Titel gesungen von den The Four Tops).

Dieser Beat ist wahrscheinlich das ursprünglichste und eigenständigste der häufig mit orchestralen Overkill arrangierten Motown-Produktionen.

Die Basis des Motown Beat im Notenbild: Es wurden in Motown-Produktionen noch zahlreiche Perkussionsinstrumente hinzugefügt. Efektvoll ist es, mit der Bassdrum „freier“ zu spielen und z. B. Schläge auf der „2-Und“ hinzuzufügen und andere wiederum auszulassen.

Besonderheit des Motown Beat

Die Besonderheit dieser Schlagfolge liegt in den stringent gleichlaut „durchgespielten“ Vierteln auf der Snare Drum sowie der sparsamen und wirkungsvollen Bassdrum zwischen den Snare-Schlägen (im Basis-Beat auf der „3-Und“ und der „4-Und“).

Mittels großzügigem  Overdubbing wurden meist zahlreiche weitere Percussion-Klänge hinzugefügt, wie etwa Schellenkränze auf den Backbeats der 4/4-Takte (also auf 2 und 4). Starke Echo- und Halleinstellungen lassen das Schlagzeug im Klangbild der Songs nach hinten treten, so dass die redundaten Snare-Viertel nicht nerven.

Audio Beispiel „Motown Beat“

Ein berühmtes Beispiel für eine mitreißende Spielweise einer Abwandlung des Motown Beat ist in dem Song „Keep on Running“ (1965) der Spencer Davis Group mit Pete York am Schlagzeug zu hören und zu sehen.

Schwierigkeitsgrad

Wenn die Spielweise neu ist, ist das konstante Spielen der Viertel-Schläge auf der Snare mit der linken Hand in Kombination mit der Und-Bassdrum von den Bewegungsabläufen nicht sofort „intus“. Einmal richtig „in der Rille“ und locker gespielt treibt der Groove enorm. Es ergeben sich spannende Möglichkeiten des Zusammenspiels, insbesondere mit dem Bass.

Ich wünsche viel Freude beim Ausprobieren und Experimentieren!

Christian W. Eggers, 8. März 2021 (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 16. März 2021)

christian@stompology.org

Lesetipp: „Guitars, Bars, and Motown Superstars“ von Dennis Coffey

Woodblock zum Selbstbau

Zu den wohl ältesten Percussion-Instrumenten der Menschheit gehören Holzblöcke. Sie finden in fast jeder Musikrichtung Anwendung. Ganz besonders im frühen Jazz und in lateinamerikanischen Grooves.

So richtig zufrieden bin ich mit dem Klang handelsüblicher Woodblocks  bisher nicht gewesen. Egal welche Holzart und Bauweise: mir ist der Klang zu scharf. Es dominiert der Eigensound der Sticks und nicht der Klang eines schwingenden Holzkörpers mit Resonanzraum.

Ein Stück Buchenholz (im Beispiel aus dem Kaminholzkorb gerettet), etwas Werkzeug und Geduld können Abhilfe schaffen. Aus einem 22 cm (lange Seite) x 5 cm (breite Seite) und 6 cm (hohe Seite) Stück Feuerholz wurde ein Klangholz zur Befestigung am Spannreifen der Bass Drum.

Der Klang gefällt mir: etwas hölzern-hohl mit Nachklang, nicht zu spitz und dennoch nicht dumpf. Auf der Oberfläche gespielt entsteht der typische helle „Tick“-Klang, seitlich angeschlagen bringt der Resonanzkörper des Blocks ein schönes Holz auf Holz „Tock“ hervor. Tropenhölzer haben auf Grund ihrer Faserdichte weniger Nachklang als heimische Laubhözer. Wichtig ist, dass das ausgesuchte Holz nicht zu weich ist und den Sticks standhält.

Klangbeispiel Woodblock

Woodblock in fünf Schritten

Schritt 1: Das sorgfältig ausgesuchte Stück Holz kräftig aushöhlen. Das Holz wird in eine Schraubzwinge eingespannt. Als Fräse kann auch eine kleinere Kettensäge genutzt werden (Achtung: Unfallgefahr!). Die zukünftige Oberseite nicht zu dünn fräsen. Sie soll den Dorn der Halterung aufnehmen und als Schlagfläche dienen.

Schritt 2: Optional einen Schallschlitz in die Vorderseite fräsen. Hierfür eignet sich ein Winkelschleifer oder auch eine Stichsäge.

Schritt 3: Die offenen Seiten links und rechts sowie die offene Unterseite mit dünnem Sperrholz verleimt schließen. Schalllöcher mit dem Bohrer hinzufügen.

Schritt 4: Bohrungen in Bodenplatte und Oberseite für die Halterung anfertigen. Die Bohrungen müssen eng sein, so dass der Dorn der Halterung fest eingesteckt werden kann.

Schritt 5: Zur stabilen Befestigung der im Handel gekauften Halterung wurde die obere Bohrung mit einer Plastikmuffe versehen. Damit lässt sich die Halterung gut eindrehen und auch wieder herausziehen. Und damit ist der Block auch schon fertig. Ästheten können mit Schritt 6 fortfahren.

Schritt 6: Unsaubere Holznähte glätten und je nach Geschmack den Block entweder wachsen, ölen, dünn lackieren, beizen oder einfach roh lassen. In dem Beispiel wurden die Vorderseite und die Oberseite weitgehend unbehandelt gelassen und auch die Riefen im Holz nicht herausgeschliffen (Stichwort „Vintage Optik“).

Fazit

Mit dem Selbstbau kann man mit der Auswahl des Holzes, dem Umfang der Aushöhlung und durch die Anzahl sowie Verteilung der Schalllöcher viel Einfluss auf die Klangeigenschaften des Blocks nehmen. Man muss sich herantasten. Je mehr Aushöhlung und Schalllöcher, umso mehr verändert sich der Klang in Richtung „warmer Hohlraum“. Man kann sich die Arbeit zum Teil auch sparen und einen Woodblock kaufen und die Soundeigenschaften durch Ausfräsen und Bohrungen beeinflussen. Das macht aber nicht so viel Spaß wie ein vollständig selbstgebautes Unikat.

Christian W. Eggers, 4. März 2021, christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 15. Juli 2021)

Berühmte Grooves – The Twist

Mit dem Twist entstand Anfang der 60er Jahre nicht nur ein Modetanz. Der Groove des Twist läutete einen Wechsel in der Rhythmik der frühen Popmusik ein. Neben den swingenden Grooves etablierten sich die Beats der geraden Achtel. Das war in dem Ausmaß neu und es entstanden weitere Musikrichtungen (z. B. die Surfmusik)  auf der Basis der „Straight Eight Grooves“ mit ihren Betonungen der Snare auf der Zwei, der Zwei-Und  sowie der Vier und der Vier-Und der 4/4-Takt Kompositionen.

Schlagzeugnoten zum Grovve „My Girl Josephine“ – Eine einfache Figur, die jedoch konstant über 2:30 Minuten im Tempo von 169 bpm nicht ganz leicht durchgehend gefühlvoll zu spielen ist.

Ein Jahr vor der Veröffentlichung des Songs „Let‘s Twist Again“ (Chubby Checker, 1961, YouTube) mit dem markanten Snare-Groove, war der Twist am Schlagzeug schon gefunden. Ganz ohne das neue Etikett Twist wurde „My Gril Josephine“ von Fats Domino zu einem Welthit.

Groove pur

„My Girl Josephine“ basiert auf einem 4/4-Takt Snare-Groove, der vom ersten bis zum letzten Takt unverändert und ohne Fills gespielt wird.

Auffallend ist die Hervorhebung der Backbeats und der nachfolgenden Und-Schläge der Zwei und der Vier: Ganz im Stile des New Orleans Drumming greift Earl Palmer in die „Rudiment-Kiste“ und spielt diese Schläge als sogenannte Flams.

Ein Flam (auch Schleifschlag, Schleppstreich oder einfacher Vorschlag genannt) ist meist in Noten des Schlagwerks zu finden. Zwei Schläge (Vorschlag und Hauptschlag) erfolgen sehr dicht aufeinander.

Wikipedia

Earl Palmer über seine Funktion als Schlagzeuger

Palmer, der wegen seines stetigen Taktes „das Metronom“ genannt wurde, betonte, dass „das Schlagzeug wirklich ein Begleitinstrument ist. Wenn Sie nicht wissen, wie man damit begleitet, sind Sie kein guter Schlagzeuger, sondern nur ein Solist.“ (Perrone, Pierre; 22. September, 2008); „Earl Palmer [Obituary]“The Guardian.)

Ein sehr lesenswertes Buch: Palmers Biographie „Backbeat.“ 2000 wurde Palmer in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Er starb 83-jährig am 19. September 2008 in Los Angeles.

Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren und wie immer freue ich mich über Rückmeldungen und Ergänzungen! (christian@stompology.org)

Christian W. Eggers, 28. Februar 2021 (letzte Aktualisierung dieses Beitrags: 28. Februar 2021)