In diesem zweiten Teil der Artikelserie zur Umsetzung des swingenden Spielmannszuges geht es um das Einüben der Two-Beat-Basis der swingenden Second Line Spielweise für Basstrommel und Becken.
Im ersten Teil war zu erfahren, wie ein swingender Two Beat einer New Orleans Brassband klingt.
Als Two Beat wird eine Spielweise bezeichnet, die auf dem Wechsel von Basstrommel- und Becken-Schlägen der Viertel in einem 4/4 Takt basiert. Das Tempo dieser Schläge bestimmt das Schritttempo einer Parade.
Die Voraussetzungen für den New Orleans Parade Stil im swingenden Two Beat bestehen im wesentlichen aus
- dem Spielen im triolischen Fluss,
- dem Hervorheben der Zählzeit 4 sowie
- im Spielen von Offbeats (Synkopen) auf der Zeit 2-Und.
Zur Einstimmung und Orientierung an dieser Stelle ein Song einer New Orleans Brassband, die einen typischen Second Line Groove spielt.
Zusammenspiel von Basstrommel und Becken
In einer New Orleans Brassband spielen die Bass-Trommler und Bass-Trommlerinnen auch die Becken. Diese sind an den Basstrommeln mit kleinen Stativen befestigt. In einer klassischen Spielmannszugs-Besetzung fallen diese beiden Instrumente auf jeweils eine Person. Dritte Personen spielen die Snare Drums.
Zusammenspiel im Two Beat
Das rhythmische Fundament für das Spiel im Second Line Parade-Stil bildet das Zusammenspiel von Basstrommel und Becken im Two Beat. Damit ist der Wechsel von Basstrommel und Becken auf den Vierteln eines 4/4 Taktes gemeint.
Das erste Viertel wird auf der Basstrommel gespielt, das zweite Viertel wird mit den Becken markiert, das dritte Viertel erklingt wieder mit der Basstrommel und das vierte Viertel zum Abschluss eines Taktes erfolgt wiederum mit den Becken.

Erst wenn das Fundament des Zusammenspiels von Basstrommel und Becken sicher steht, sollten die melodisch gespielten Schlagabfolgen auf der Snare Drum hinzukommen (siehe Teil 3 dieser Artikelserie zur Spielweise der Snare Drum).
Grundsätzliches zum Einüben
Die „Mutter“ der hier vorgestellten Spielweise ist der „triolische Fluss“ des Zusammenspiels von Basstrommel und Becken.
Für die ersten Schritte ist es bedeutsam zu verstehen, dass Second Line Kompositionen meist als 4/4 Takte notiert werden. Doch liegt hierin die Gefahr von Missverständnissen. Dem rhythmischen Fluss liegt meist ein 6/8-tel Gefühl zu Grunde. „Triola-Triola-Triola-Triola“. Dieses Gefühl wird hier als triolischer Fluss bezeichnet. Näheres hierzu ist hier zu finden.

Förderlich ist es, wenn die nachfolgenden drei Übungen in einem sehr langsamen Tempo zur Einübung begonnen werden. Auch wenn das zunächst seltsam wie eine „Zeitlupe“ wirkt und man sich noch nicht vorstellen kann, dass sogar die wenigen Schläge der Übung 1 „grooven“ können.
Übung 1 – Triolischer Fluss mit Bass-Drum-Offbeats
Ziel dieser Übung ist die Gewöhnung an die Zählzeit 2-Und und an die Hervorhebung der Zählzeit 4.
Die Übung 1 zeigt die Basis der Two Beat Figuren: Je nach Komposition können den unterschiedlichen Zählzeiten der bis zu vier Takte umfassenden Figuren Basstrommel-Offbeats (Synkopen) hinzugefügt werden. Im Beispiel ist ein Schlag der Basstrommel auf der Zählzeit 2-Und im zweiten Takt der Figur hinzugefügt. Weiter ist es wichtig die Schläge der Zählzeit 4 deutlich zu akzentuieren.

Mit dem folgenden Audiobeispiel ist zu hören, wie die einfachste Basis-Figur eines typischen Second Line Grooves im Two Beat langsam eingeübt werden kann. Dabei ist es hilfreich Betonungen zunächst etwas zu übertreiben.
Mit dieser synkopierten Basstrommel auf der 2-Und nimmt die Schlagfolge jetzt deutlicher den Charakter eines Second Line Two Beat an.
Nach dem Spielen der 2-Und ist es wichtig, dass die 3 und die akzentuierte 4, gespielt von Basstrommel und Becken, im triolischen Fluss bleiben. Gemeint ist damit, dass diese Viertel-Schläge nicht „zackig“ im binären Zeitgefühl erfolgen sollten. Darauf ist besonders zu achten, denn sonst verliert diese Spielweise ihr Flair.
Übung 2 – Komplexe Figuren der New Orleans Brassbands
Komplex und damit auch melodischer sind die 4-taktigen Figuren. Das Notenbeispiel zeigt ein verbreitetes Pattern zum Second Line Drumming. Die oben gezeigte Übung 1 ist ein Schritt zum Erlernen komplexer Figuren. (2)

Übung 3 – Komplexe Figuren mit Pausen als „hohe Schule“
Fortgeschritten ist das Spielen komplexer Abläufe mit Pausen auf der Zählzeit Eins oder/und auch auf der Zählzeit Drei. Diese Pausen sind sehr wirkungsvoll, weil sie dem Groove zusätzlichen swingenden Schwung verleihen. Die Pausen sind im Notenbild rot hervorgehoben.

Nachfolgend ein Beispiel für den Schwung mittels Pausensetzungen auf der Eins im dritten Takt und auf der Drei im vierten Takt. Ein schönes Beispiel für die Kunst des Weglassens und ihre Wirkung in der Rhythmik.
Der dritte Teil dieser Artikelserie befasst sich mit der Spielweise der Snare Drum auf der Grundlage des hier gezeigten Fundaments des Two Beat von Basstrommel und Becken.
Ich bedanke mich für das Interesse und freue mich, wenn diese dreiteilige Artikelserie (Teil 1, Teil 3) dazu beiträgt, dass das Spielen im Stil der New Orleans Brassbands auch eine Bereicherung für traditionelle Spielmannszüge sein kann.
Christian W. Eggers – 3. März 2024 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 20. März 2024)
- Fußnote (1): Nicht zu verwechseln ist die Aufteilung 3:2 im „two-beat“ mit dem Spiel der New Orleans Brass Bands mit den dort auch im Programm befindlichen afrokubanischen Claven der meist binär gespielten Grooves.
- Fußnote (2): Reproduziert aus Second Line – 100 Years Of New Orleans Drumming, Antoon Aukes (C. L. Barnhouse), Seite 3