Bandsalat Teil 3 – Uher Report Praxistest

Zunächst: Was soll der Quatsch? Gibt es einen vernünftigen Grund im Jahre 2021 Schlagzeug Grooves mit einem 45 Jahre alten Reporter-Tonbandgerät aufzunehmen? 

Aus „stompologischer“ Hör- und Sichtweise lässt sich nur sagen: es macht riesigen Spaß! Und schließlich geht es ja hier um die akustische Dokumentation der „alten“ Grooves. Diese konnten nur analog aufgezeichnet werden und der Klang mit allen seinen Unzulänglichkeiten und Besonderheiten hört sich vertraut an, meine ich.

Das Uher Report Stereo 4400 IC wurde von 1971 bis 1979 produziert. Der nicht gerade designpreisverdächtige Metallwürfel aus den Uher Werken München erfreute sich – bis zur Ablösung durch portable Kassettenrekorder Anfang der 80er Jahre – bei Radioreportern und Sendern weltweit großer Beliebtheit. Bei meinem aus einem Privathaushalt erworbenen Gerät funktionierte zunächst der rechte Kanal nicht. Das Mehrfache betätigen der Spurwahltasten hat den Fehler vollständig behoben. Zudem waren die Antriebsriemen ausgeleiert, so dass diese ersetzt werden mussten.

Der Charme des Analogen

Ein Vergleich der analogen Bandaufnahme mit analogen Fotografien drängt sich auf. Das analoge Foto setzt sich – sehr vereinfacht – aus Silberkörnern zusammen. Werden Negative und/oder Abzüge des Negativs digitalisiert, wird der optische Eindruck der Kornstruktur des Films miteingefangen. Je nach Auflösung des Films stärker oder weniger deutlich. Die akustischen Eigenheiten der analogen Bandaufnahme bleiben zum Teil, ähnlich wie die Besonderheiten der Filmemulsion, bei einer Umwandlung in Dateien erhalten. Das macht den Charme aus.

Ohne Zubehör geht es nicht. Adapterkabel zur Digitalisierung, Entmagnetisierungsspule, Wattestäbchen, Alkohol und (eher selten) ein ganz klein wenig Uhrmacher-Öl halten das Gerät funktionsfähig.

Zum Testen der Funktionsfähigkeit der inzwischen häufig über 50 Jahre alten Uher Geräte, ist die Nutzung von Originalzubehör sinnvoll. Damit lassen sich Fehler ausschließen, die in der fehlenden Kompatibilität zwischen veralteter deutscher Audio Din Norm und modernen Zubehör und neueren Mikrofon- und Audio-Anschlüssen bestehen können.

Zwei Original-Mikrofone von Uher mit der Bezeichnung M534. Zum Testen des Uher Report ideal, da die Mikros auf das Report abgestimmt sind. Das Paar der wenig benutzten Mikros war über eBay Kleinanzeigen für Euro 65,00 zu erwerben.

Ein erster Test mit Bandgerät und Schlagzeug

Nachdem nun alle notwendigen Komponenten zur Aufnahme und zur Digitalisierung zusammen sind, hier zunächst ein kurzer Aufnahmetest mit meinem Schlagzeug und dem Uher Report 4400 Stereo IC.

Ein Bo Diddley Groove aufgenommen mit dem Uher Report und zwei Uher M534 Mikrofonen. Wiedergegeben über den eingebauten Lautsprecher des Bandgerätes.

Je weiter man in der Zeit bei der Wahl der analogen Technik zurückgeht, umso aufwendiger wird es, die Brücke zur digitalen Musik-Publikation zu schlagen. Abgesehen von den ständig notwendigen Wartungsarbeiten und den eventuellen Reparaturen (siehe Bandsalat Teil 1 und Teil 2), muss man für die speziellen Adapter für Mikrofonanschlüsse, Kabelverlängerungen und Audioanschlüsse ein kleines Vermögen aufbringen.

Digitalisierung der Tonbandaufnahme

Die Umwandlung der Tonbandaufnahmen in digitale Formate ist hier mit einem Minimum an Technik zu sehen. Das niedrigpreisige Interface von Behringer und die freie Software Audacity reichen für die Erstellung von MP3 Dateien völlig aus.

Digitalisierung: Ein Interface kann über die Din-Audio-Buchse des Uher Report angeschlossen werden. Im Bildbeispiel wird die Stereo-Aufnahme zur digitalen Mono-Aufnahme. Auf einen in Auftrag gegebenen passenden Adapter mit 2 x Klinke (Stereo) sowie mit einer guten Abschirmung warte ich derzeit noch.

Der mit Audacity bearbeitete Groove, hier als MP3 Datei hochgeladen. Die Mikros standen für den Test ganz einfach vor dem Schlagzeug. In der Bearbeitung sind die Bässe (Bassdrum) etwas hervorgehoben und natürlich darf die Simulation eines 50er Jahre Raumhalls nicht fehlen. Ansonsten wurde die analoge Aufnahme unverändert übernommen.

Das waren spannende und lehrreiche Wochen! Jetzt aber freue ich mich, demnächst die Aufnahmen der alten Grooves für dieses Archiv mit der „Uher-Kiste“ fortsetzen zu können.

Christian W. Eggers (2. Oktober 2021) christian@stompology.org

(Letzte Aktualisierung dieses Beitrags: 2. Oktober 2021)

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."

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