Berühmte Grooves – „Cry to Me“

Es gibt Grooves, die schon für sich allein gespielt die Melodie des zugehörigen Songs in das Gedächtnis bringen. Einer dieser Grooves ist die Schlagfolge des Songs „Cry to Me“. Gesungen hat den Song der Soulsänger Solomon Burke.

Solomon Burke (1967) Quelle: Atlantic Records, Public domain, via Wikimedia Commons / Wikipedia

Der Gesangsstil von Solomon Burke wird häufig mit der Ausdrucksstärke der Soulsänger Sam Cooke, Otis Redding und Ray Charles verglichen.

Der Song

Die Soul-Ballade „Cry to Me“ wurde 1961 in New York bei Atlantic aufgenommen und sie erschien 1962 als Single. Geschrieben und produziert hat den Song Bert Berns („Bert Russel“), den Der Rolling Stone 2015 auf Rang 64 der 100 besten Songwriter aller Zeiten listete.

An den aufwendigen Aufnahmesessions waren die Studio-Hausmusiker von Atlantic beteiligt; das Schlagzeug wurde laut Credit des Labels von Gary Chester (siehe unter „Der Drummer“ unten) gespielt.  Die Ballade knüpft an die Gospel-Soul-Welle Mitte der 50er bis in die zweite Hälfte der 60er Jahre an und enthält den mehrstimmigen Doo Wop-Gesang  im Stile der Dominoes, Drifters und Platters

Die Originalfassung von „Cry to Me“ kannst Du auf YouTube anhören.

Der Groove

Die Besonderheit des Grooves liegt in der im Arrangement durchgehend hervorgehobenen Zählzeit 3-Und. Auf die 4 und 4-Und fallen keine rhythmischen Schwerpunkte. Das ist zunächst etwas gegen die Hörgewohnheiten, da in den 4/4-Takten des 60er Jahre R&B meist die „Zwei“ und die „Vier“ die rhythmischen Bezugspunkte durch kräftige Backbeats am Schlagzeug modern wurden. Komponist und Produzent Berns war ein Liebhaber kubanischer Musik und das wird auch im Arrangement von „Cry to Me“ spürbar. In der nur einen Takt umfassenden rhythmischen Figur und mit den Akzenten der Band ensteht eine 3:2 „Mini-Clave“: „Bab-Bab-Bab – da-da“(Erklärung „Clave“ siehe Bo Diddley Beat).

„…fiery Afro-Cuban incantations that pulsed with sex and sin.“

Website Bert Berns

Das eigenwillige und eingängige „Bab-Bab-Bab – da-da“ (enstpricht im 4/4-Takt den Zeiten Eins, Eins-Und, Zwei, Drei, Drei-Und) haben zahlreiche Interpreten später in ihren Coverversionen geglättet oder den Song im  6/8-tel Gefühl interpretiert (so z. B. die Rolling Stones). Spätere Live-Versionen von Solomon Burke wurden am Schlagzeug als leichter tanzbare „Zwei-Vier-Backbeats“ getrommelt.

Basis-Groove „Cry to Me“ von Solomon Burke
Interpretation des „Cry to Me“ Grooves (Video-Länege 0:33)

Der Komponist und Produzent Bert Berns

Aus der Biografie BertBerns.com: „A Cuban music aficionado since even before he traveled to Cuba in the days before Castro, Berns brought the heart of mambo into rock and roll — not the supple Brazilian samba rhythms found in records by Jerry Leiber and Mike Stoller or Burt Bacharach, but fiery Afro-Cuban incantations that pulsed with sex and sin.“

Der Drummer Gary Chester

Gary Chester wirkte als Studio-Drummer an einigen hundert Titeln über drei Jahrzehnte mit. Er ist der Autor des Lehrbuches „The New Breed“. Als Drummer, wie auch als Lehrer, verfolgte und realisierte Chester ambitionierte Ziele.

“His systems have been used and endorsed by drummers such as Kenny Aronoff, Danny Gottlieb, and Dave Weckl.” (Drummerworld.com über Gary Chester)

„Playing good is not good enough, you’ve got to be innovative.“

Chester zitiert nach Bob Henrit

Einen detaillierten  Artikel über das Wirken von Gary Chester hat  Schlagzeuger Bob Henrit (Argent / The Kinks) 2018 geschrieben. Gary Chester starb am 17. August 1987.

Christian W. Eggers, 19. Februar 2021 (letzte Aktualisierung: 22. Februar 2021)

Quellen

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."

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