Übung – Turnaround Fill-in

In diesem Artikel geht es um die Spielweise im Turnaround eines Songs. Turnarounds kommen in Songs vor, die nach dem sogenannten Blues-Schema aufgebaut sind. Das sind nicht nur Blues-Songs, sondern auch vieles Kompositionen die dem Jazz, Boogie Woogie, Rock’n’Roll und dem Soul zugeordnet werden.

Turnarounds markieren das Ende eines Chorus

Gemeinsam ist den Songs im Blues-Schema, dass sie keine Verse und keinen Refrain im eigentlichen Sinn enthalten. Die inhaltliche Thematik spielt sich innerhalb von meist zwölf  oder acht Takten in der „Bluesform“ ab. Spannung und Steigerung werden durch den harmonischen Bogen von Tonika, Subdominante und Dominante erzeugt.

So einen Bogen nennt man Chorus (siehe Abbildung unten). Ist er „durchgespielt“ folgt der nächste Chorus in gleicher Spielweise. Damit es nicht langweilig wird, werden die Chorusse an ihren Übergängen hervorgehoben. Man hört also genau, wo ein neuer Chorus beginnt. Diese Hervorhebung wird Turnaround genannt. Er markiert über zwei Takte das Ende eines Chorus und leitet zum nachfolgenden Chorus über (siehe Abbildung).

Eine häufige Form neben dem zwölftaktigen Chorus ist der achttaktige Bluessong-Ablauf. Die ersten vier Takte bilden den „Call“, eine Fragestellung, die letzten vier Takte mit dem Turnaround gehören der Beantwortung, „Response“ genannt.

Fill-ins zur rhythmischen Gestaltung des Turnarounds

Schlagzeug Fill-ins sind kurze Variationen oder Erweiterungen der Groove-Schlagfolge und sie   markieren die Wendepunkte in einem Song. So ein Wendepunkt ist natürlich auch ein Turnaround.

In einem achtaktigen Blues-Schema bietet es sich an, ein Fill-in nur im letzten Takt des zweitaktigen Turnarounds zu spielen. In der obigen Abbildung kannst Du als Beispiel sehen, wo Du Deinen Fill anbringen kannst.

Beispile zum achte Takte Blues-Schema

Der Jazz Gitarrist Bruno Pelletier-Bacquaert hat zwei schöne Beispiele auf seiner Website beschrieben und zum Anhören verlinkt.

„If you listen carefully to Stevie Ray Vaughan’s version of „Mary Had A Little Lamb“ (from his early album „Texas Flood“) you might notice something odd once the vocals come in (at 0:49): the form still sounds like the Blues, alright, but it seems shorter than usual. It turns out Stevie Ray is skipping the first 4 measures of the conventional 12-bar blues (purposely!) effectively making the song an 8-measure blues…“

„The same exact 8-bar blues changes are used by Keith Jarrett during an encore at the end of one of his solo concerts (Paris, 1992). The piece was fully improvised, and is listed as „C the Blues“ in a promotional limited edition CD.“

Auf der Vier enden

Den Variationsmöglichkeiten zur Markierung des Turnarounds sind kaum Grenzen gesetzt. Wichtig ist jedoch, dass der Fill das Ende des Taktes markiert. Die Schlagfolge sollte also auf der Vier des letzten Taktes des Turnarounds enden. Nicht so schön klingt es, wenn Turnaround-Fills zur Eins des neuen Chorus führen und diese dann (so wie in der Rockmusik) krachend betonen. Wo die Eins ist, wissen Jazz- und Bluesmusiker auch ohne Drummer. 

Besser ist es, auf der Vier des letzten Taktes des Chorus eine Markierung durch einen Akzent zu setzen (siehe Abbildung „Variationen) und damit den Abschluss eines Spannungsbogens und der innerhalb dieses Bogens erzählten Antwort den Response-Teil zu besiegeln.

Fill-ins, die einen Chourus beenden oder einen Abschnitt einer Komposition abschließen, enden in Jazz- und Blueskompositionen meist auf der Vier mit einem Akzent. Das ist wirkungsvoll und führt durch die Komposition.

Beispiel Fill-in im letzten Takt eines Chourus

Nachfolgendes Beispiel zeigt einen Fill, bestehend aus einer Viertel und Achtel Kombination (wie oben in der Variante 2 gezeigt) und einem Snare und Becken Akzent auf der Vier. Der Fluss und das Gefühl beim Spielen ist dabei „dreigeteilt“. Die Bassdrum ersetzt auf der 1, 2 und 3 jeweils das erste Triolenachtel einer Achteltriole.

Die Laut-Melodie kann Dir helfen, diesen Fill umzusetzen: „Ugeda – Ugeda – Ugeda – Peng“. Das letzte Viertel im vorhergehenden Takt würde ich nicht mehr in Achtel unterteilen. So hebt sich der Fill leichter aus dem Fluss heraus.

Das Video zeigt Dir, wie Du die drei „Ugedas“ über das Set verteilt spielen kannst. Selbstverständlich gibt es auch hier wieder viele andere Möglichkeiten, die gut klingen können. Eleganter als in meinem Beispiel klingt diese Figur, wenn in allen drei „Ugedas“ unterschiedliche Akzente auf den mit den Sticks gespielten Achteln eingebaut werden. (Leider fliege ich dabei regelmäßig aus dem Sattel und ich fürchte, dass ich diese Feinheiten in diesem Leben nicht mehr eingeübt bekomme.)

Beispiel-Video zum „Ugeda“ Fill

Spiele den 4/4 Puls auf der Bassdrum und lasse die Bassdrum auf der 1, 2 und 3 verwaist, so dass sie im Fluss den ersten Schlag einer Achteltriole übernimmt. Einige Schlagzeuglehrer nennen das Ersetzen von Stick-Anschlägen durch die Hi-Hat oder Bassdrum auch „Substitution“.

Quellen

  • Fritsch, Kellert, Lonardoni: Harmonielehre und Songwriting, Leu-Verlag
  • Kellert, Peter; Fritsch, Markus: Arrangieren und Produzieren, Leu-Verlag
  • Bruno Pelletier-Bacquaert „8-BAR BLUES“
  • zum „Ugeda-Fill“: Andy Gillmann; Top 10 Fills & Licks, CD, Leu-Verlag

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."