Berühmte Grooves – The Jazz Waltz

Walzer? Das ist doch einfach „Wum-ta-ta“ und fertig. Von wegen! Dieser Artikel aus der Reihe „Berühmte Grooves“ beschreibt die Besonderheiten der Jazzwalzers am Beispiel der Grooves der Komposition „Blues Waltz“. Sie ist auf dem Max Roach Album „Jazz in 3/4 Time“ von 1956 verewigt.

Max Roach – JAZZ IN 3/4 TIME –

Swingende Achtel scheinen geradezu darauf gewartet zu haben, für den Walzer entdeckt zu werden.

Bebop und Chansons

Jazz im 3/4 Takt war bis in die 50er Jahre eine Seltenheit. Die Swing-Ära mit ihren durchgehenden und tanzbaren 4/4 Drum-Grooves neigte sich 1945 langsam dem Ende zu. Eine neue Generation von Jazzmusikern begann mit sehr schnellen Rhythmen in verschiedenen Taktarten zu experimentieren. Snaredrum und Bassdrum benutzte man jetzt „hauptsächlich zur Akzentuierung von markanten Melodiestellen.“ (1) Die Bassdrum wird oftmals sparsam aber laut gespielt („Bomben“). Swing-Pattern auf den Becken sind meist rasend schnell und weniger wuchtig als sie in den Big Bands der 40er Jahre gespielt wurden.

Die neue Jazzrichtung wurde Bebop genannt. Der Jazzwalzer in verschiedenen Spielweisen wurde ein Bestandteil der Bebop Kompositionen. In Europa fand der Jazzwalzer ebenfalls in den 50er Jahren Eingang in französische Chansons.

Der 3/4 Swing Groove

Max Roach erzeugte auch in den weniger aufwendig komponierten Grooves eine „Stimmung und Atmosphäre, die nicht so leicht nachzuahmen ist, wie es zunächst scheint.“ (2)

Basis-Groove „Blues Waltz“ von Max Roach – Bass Drum („Eins“) und Hi-Hat („Zwei“ und „Drei“) markieren das Metrum.
Hier eine Variante mit einem Pressschlag auf der „3-Und“
In dieser Variante wird im ersten Takt der Basis-Groove gespielt. In zweiten Takt folgt auf der „3“ eine Achtel-Triole. Diese Figur kommt dir vielleicht bekannt vor. Sie ist ein Bestandteil des Songs „Take Five„.
Hier ein Jazzwaltz zum obigen Notenbeispiel zum Anhören. Für die Stimmung dieses Grooves ist es bedeutsam, die Triolen möglichst zart zu spielen.

Zum Einüben des Grooves kannst du auch die Melodie der Schlagfolge singen: „Ding Din de ding – Ding Din de Tri-oh-la“. Der erste Schlag der Triole sitzt auf dem Becken als „Drei“ und die beiden folgenden Triolen-Achtel werden auf der Snare gespielt.


Walzer und Swing – Schwankende Viertel und swingende Achtel

Inwieweit im Jazzwalzer das Metrum mit dem trickreichen Wiener Nachschlag gespielt wird, ist wohl eine Geschmackssache und vor allem eine Frage des Könnens.

Die Fachliteratur zum „schwebenden Effekt“ des Walzers, hervorgerufen durch den „Wiener Nachschlag“, ist umfangreich. Einen interessanten und verständlichen Aufsatz hierzu findest du hier: Musikterminologie erklärt: Walzer und 3/4-Takt

„Ein Wiener Walzer wird schlicht und ergreifend nicht gerade gespielt. Das heißt, die Zählzeiten sind nicht gleich lang, denn die „2“ wird oft vorgezogen, die „3“ leicht verzögert. Dadurch ergibt sich ein besonderes Feeling. Man spricht auch vom Wiener Nachschlag.“ (3)

Ob nun mit geradem oder ungeradem 3/4 Metrum gespielt: Swingende Achtel passen ganz prima in den europäischen Walzertakt. So als hätte er nur darauf gewartet, dafür entdeckt zu werden.

Foto: Das Keystone Korner war ein Lokal und Jazzclub in San Francisco, das von 1972 bis 1983 bestand. Es zählte während dieser Zeit zu den herausragenden Veranstaltungsorten des Modern Jazz in der Bay Area. Das Keystone Korner lag im Erdgeschoss eines Hauses in der Vallejo Street, Ecke Columbus Avenue. Photo: Brian McMillen via wikipedia Lizenz CC BY-SA 3.0

Der Drummer – Max Roach

Max Roach begann 1933 mit acht Jahren in Marschkapellen zu spielen. Seine Mutter, eine Gospelsängerin, erkannte das Talent ihres Sohnes und ermöglichte Roach das Studium der Kompositions- und Perkussionstechnik an der Manhattan School of Music. Max Roach experimentierte im Laufe seiner Karriere immer wieder mit Duo-Besetzungen und übertrug die Bögen der Melodieinstrumente auf das Schlagzeug. Insbesondere nahm er sich die Freiheit, in anderen Rhythmen zu improvisieren als dem gängigen Vierviertelrhythmus.

Max Roach ca. 1947- Foto: William P. Gottlieb

Das Ausprobieren von 3/4 Swing Figuren lohnt sich! Es bereichert das Repertoire und was noch wichtiger ist, es macht Spaß im 3/4 Takt zu swingen; so dass man geradezu in einen Swing-Walzer-Rausch gerät.

Christian W. Eggers – Kiel, 31. März 2021 (letzte Aktualisierung dieses Artikels: 2. April 2021 – christian@stompology.org – Du kannst diesen Artikel über das Formular ganz unten auf dieser Seite kommentieren. Der Autor freut sich über Anregungen und Ergänzungen.

Literatur

Bildnachweise

  • Kystone Korner Titel- und Beitragsbild: Exterior view of Keystone Korner, San Francisco jazz club at 750 Vallejo in North Beach. Saxophonist Odean Pope of the Max Roach Quartet poses in front (11/16/82). Photo: Brian McMillen / brianmcmillen@hotmail.com – CC BY-SA 3.0 via wikipedia
  • Max Roach: Max Roach ca. 1947 This work is from the William P. Gottlieb collection at the Library of Congress. In accordance with the wishes of William Gottlieb, the photographs in this collection entered into the public domain on February 16, 2010. Via wikipedia

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."

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