The rock we stand on – Swinging quarters

Können Viertel-Schläge swingen? Theoretisch nein, praktisch ja!

Theoretisch können in einem 4/4 Takt die Viertel, die den Puls bilden, nicht swingen. Swing wird als ein Phänomen begriffen, dass erst in der Unterteilung der Viertel (des Pulses) in Achtel-Schläge enstehen kann. Immer dann, wenn die Achtel in der „triolischen Dehnung“ erfolgen. So in aller Kürze die heutige Theorie zum Effekt Swing.

„A way of saying something fom inside himself, as far back as time, as far back as Africa, in the jungle, and the way the drums talked across the jungle, the way they filled the wohle air with a sound like the blood beating inside himself.“

Sidney Bechet über den Jazz

Und überhaupt: Die fleißige europäische Jazzforschung hat sich stets bemüht Erklärungen zu finden. Bei denjenigen, die Jazz „erfunden“ haben, den Musikern und Musikerinnen aus Nordamerika, soll das gelegentlich auf erheiterndes Befremden gestoßen sein.

Akademische Klimmzüge

Mussten zunächst die aus der Klassik bekannten (und einst von strengen Musiklehrern und -lehrerinnen verpönten) Synkopen als Erklärung herhalten, waren dann die Betonungen der Zählzeiten Zwei und Vier das Merkmal für den Swing.

Die heute vorherrschende Ansicht (hier stark verkürzt) meint, dass es Offbeats und Onbeats (also Schläge auf dem Puls und Schläge zwischen dem Puls) gibt, die in ihren betonten und unbetonten Kombinationen den Swing ausmachen. Werden diese Kombinationen dann noch „triolisch“, also in der nahezuen Dreiteilung des Mikrotimings der Achtel gespielt, dann ist alles gesagt und verstanden.

Nun bemühen sich die Generationen von Schlagwerkenden an den Musikschulen und Muikhochschulen das alles mit dem Kopf umzusetzen, auszufeilen, zu kultivieren und ein wenig hier von und ein wenig davon zusammenzudenken und zu spielen. Mit Tanzmusik und Ausgelassenheit der frühen Jahre der Popmusik hat das schon lange nichts mehr zu tun.

Also, können Viertel nun swingen?

Hier kommt ein Tom-Tom (Jungle-) Groove, der mit Vierteln swingt. Lautsprecher aufdrehen und „hop around the room“!

Was für ein schönes Beispiel für die vielen Tom-Tom Grooves des Jazz, die im 4/4 Puls den Swing beinhalten: „Bill Haley & The Comets – Rudy’s Rock“ von 1956″; Auschnitt: Basis des Tom-Tom Grooves (2)

Lass dich nicht verwirren: Die Schlagfolge sieht unbeschreiblich einfach aus. Ist sie wohl auch. Mit dem richtigen Gefühl getrommelt wird sie swingen.
Variation: Betonung der „Eins“ – Cozy Cole Stil

Den gleichen Effekt der „swingenden Viertel“ der hier gezeigten Grooves nutzen Jazz-Bassisten und Bassistinnen mit dem „Walking Bass„: Viertel, Viertel, Viertel, Viertel. Vielleicht mal eine Achtel-Note, damit es auch im Mikrotiming swingt. Wunderbar!

Christian W. Eggers – 23. Februar 2022 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung am 25. Februar 2022)

Quellen

  • (1) Sidney Bechet zitiert aus „All that Jazz, Michael Jacobs, Reclam

Berühmte Grooves – God Only Knows by The Beach Boys – Part 2

Im ersten Teil zum Drum Groove von God Only Knows von den Beach Boys ging es um die Basis der Schlagfolge.

Dieser zweite Teil der Artikelserie ist dem Zwischenspiel (Interlude) der Takte 32 bis einschließlich 35 gewidmet. Oha! Das Ding hat es in sich!

Aus Swing Eights werden Straight Eights

Die Takte des Zwischenspiels weichen von der swingenden Basis durch die „gerade“ Spielweise ab. Aus Swing Eights werden Straight Eights. Schnell wird diese Feinheit mit großer Wirkung als Änderung des Pulses wahrgenommen. Die „gedehnten“ Swing-Achtel werden in den Takten 32,33,34 und 35 nicht nur „gerade“ gespielt, sondern auch im Staccato, also nur sehr kurz ausklingend. Auch das trägt dazu bei, dass eine Tempoänderung des Pulses wahrgenommen wird. Tatsächlich ändert sich jedoch nur das sogenannte Mikro-Timing.

So manche gestandene Band fliegt hier aus der Kurve und einige auf Text und Melodie fixierte Kirchenchöre „zernuscheln“ das Zwischenspiel oder lassen es gleich ganz weg.

In Big Band Arrangements des Songs wiederum wird die Klippe auch gerne umschifft, indem die Band das Interlude einfach im Fluss der „swingenden Achtel“ der Strophen spielt.

Wie präzise die Band und Phil Spectors legendäre The Wrecking Crew die Produktionen des Albums Pet Sounds und das Interlude von God Only Knows umgesetzt haben, ist gut in der Originalaufnahme zu hören. Im dritten und vierten Takt des Interludes läuft alles rund! Hier ist das Original verlangsamt zum Mitzählen der gespielten und pausierenden Achtel der insgesamt vier 4/4 Takte des Zwischenspiels zu hören.

Interlude von God Only Knows der Beach Boys – Quelle: YouTube Account / Channel Beach Boys – Das Musikzitat wurde zur Veranschaulichung dieses Artikels verlangsamt. Das Original kann über diesen Link angehört werden. Interessant ist, dass in ersten Takt des Interludes die Bassgitarre nicht
genau die „Und-Zeiten“ trifft und dass Brian Wilson sich dennoch für diesen Take aus Dutzenden von Takes entschieden hat

Eine Methode zur Erfassung schwieriger Passagen ist es, das Original einer Aufnahme zu verlangsamen und die rhythmischen Ereignisse zählend mitzutrommeln, um diese dann zunächst mit Strichen zu Papier zu bringen. Zehn Achtel werden gespielt und sechs Achtel pausieren

Das Piano spielt im Interlude von God Only Knows, unisono mit weiteren Instrumenten, die oben „mitgeschlagenen“ Achtel der insgesamt vier 4/4 Takte des Interludes.

Piano Bassfigur der Achtel des Interludes. Die 2-taktige Phrase wird zweimal gespielt

Die Schlagzeug-Figur ist eng an die oben gezeigte Spielweise angebunden. Der Drum Part weist jedoch die Besonderheit eines kurzen und im Fluss des Staccatos enorm effektvollen Fill in auf.

Notation des Schlagzeug-Parts des Zwischenspiels von God Only Knows. Die 2-taktige Figur wird zweimal gespielt. Im zweiten Takt werden die Achtelpausen des Orchesters mit einem kurzen (16-tel) Fill in gestaltet
Gespielt wie oben in der Notation gezeigt; abweichend jedoch die Viertel nicht mit der getretenen Hi-Hat, sondern mit der Bassdrum markiert

Gespielt zusammen mit einer Band müssen Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger wahrscheinlich der Fels in der Brandung sein und die übrigen Mitwirkenden durch diese vier Takte geradezu stoisch hindurchführen.

So, und das war auch schon der zweite Teil zur Spielweise von God Only Knows. Im kommenden dritten Teil geht es abschließend um das majestetische Outro und die aufregend marschartigen Rolls von Hal Blaine, dem Studio-Schlagzeuger der Beach Boys, im Fadeout eines typischen Beach Boys Kanons.

Christian W. Eggers – 5. Februar 2022 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung des Artikels am 6. Februar 2022)

Röhren-Tonbandgerät – Wenn es richtig retro klingen soll

Ist ein Tonbandgerät aus den 70er Jahren schon eine Herausforderung zur Aufnahme von Live-Musik, so wird es richtig spannend, wenn man sich mit einer „Röhren-Kiste“ der 60er Jahre befasst.

Vorweg: Es lohnt sich für alle Musikerinnen und Musiker, die den analogen Workflow und den „schmutzigen“ Sound der sehr frühen Jahre der Popmusik mögen. Im Zuge der Lo-Fi Bewegung könnte ein Röhrengerät auch für jüngere Künstler und Künstlerinnen interessant sein.

Zwischen Einbildung und Tatsache

Was ist anders gegenüber einem Transistorgerät? Das Fachmagazin amazona.de beschreibt es für Verstärker so:

„Während bei einem Transistor das Signal nahezu gradlinig verläuft, so hat man bei Röhren immer kleinere Schwingungen, die in der Endverstärkung mitverstärkt werden. Das ist im Prinzip die ‚Störung‘, die den warmen auch angezerrten Sound der Röhre erzeugt.“

Egal was es ist, es klingt einfach anders! Weil die Röhren andere Fehler (sogenannte Artefakte) produzieren als die Transistoren eines „modernen“ 70er Jahre Tonbandgerätes. Eine sehr hoch ausgesteuerte Schlagzeugaufnahme, aufgenommen mit einem Röhren-Tonbandgerät, lässt das Herz des alten R&B und Jazz Drummers höher schlagen.

„Old Tape Recorder Stomp“ aufgenommen mit einem Grundig TK 27 L aus den 60er Jahren

Aber wenn am Ende doch noch digitalisiert wird…

Wozu der Aufwand, wenn die Bandaufnahme hinterher digitalisiert wird? Weil die digitale Technik es ermöglicht, die typischen „Fehler-Eigenschaften“ der Röhrenaufnahme gnadenlos festzuhalten und wiederzugeben.

Beispiel: Digitalisiert man ein Filmnegativ, werden Filmkorn-Strukturen und weitere analoge Artefakte mit eingescannt. Wird keine Entstörungssoftware eingesetzt; siehe da, es sieht aus wie früher. Genau so funktioniert das mit der Digitalisierung von analogen Tonaufnahmen.

Lässt sich der Röhren-Sound und der Klang der Bandkompression nicht digital simulieren?

Gut ausgesteuerten Bandmaterial wird eine gewisse Musikalität nachgesagt. Lässt sich das nicht einfacher mit Softwareprogrammen digital simulieren? Ja! Das geht im Laufe der Entwicklung immer besser. Sogar mit kostenfreier Software.

Mir macht das aber gar keinen Spaß. Ich sehe eine Bandmaschine als einen Teil meines „analogen“ Musikinstruments an. Arbeitsabläufe und Technik der analogen Gerätschaften bewirken ein intensiveres und tieferes Erleben von Musikproduktionen, als dieses am Computer möglich ist. Es beginnt damit, dass ich mein Drumset viel genauer stimme und nicht denke „die Software wird es schon noch machen“.

Was kostet der Spaß?

Was muss investiert werden, damit man mit Röhrengeräten in der heutigen Zeit aufnehmen kann? Zeit, Zeit, Zeit und ein gehöriges Maß an Frustrationstoleranz.

Klar, man kann sich für 25.000 Euro eine restaurierte Studiomaschine aus den 50er Jahren kaufen. Es geht aber auch preiswerter mit sogenannten Consumer-Geräten, also den Geräten, mit denen der „Musikverbraucher“ damals Musik aufgenommen und gehört hat.

Zeit, Zeit, Zeit und ein gehöriges Maß an Frustrationstoleranz

Grundig TK 27 L Tonbandgerät mit Röhrenbestückung aus den 60er Jahren. Herzlichen Dank an Klaus Diemer aus Bad Füssing, der mir dieses gepflegte Gerät aus seiner eigenhändig restaurierten Sammlung zur Verfügung gestellt hat. Es ist schön, die Begeisterung für diese alten Geräte mit jemanden teilen zu dürfen.

Oben im Bild ist ein Grundig Tonbandkoffer TK 27 L zu sehen. Mehr oder weniger funktionsfähig kann so ein altes Gerät aus den 60er Jahren zwischen 40 und 250 Euro kosten. Je nach Erhaltungszustand. Ganz ohne etwas Schrauben, Basteln und Reinigen wird es selten gehen. Hilfe hierbei kann z. B. über das tonbandforum.de gefunden werden.

Hürden und Tipps

Hier einige Hinweise, die helfen sollen, sich schlechte Erfahrungen zu ersparen.

Aussteuerung bei Stereo-Aufnahmen

Geräte mit zwei Aufnahmekanälen haben meist nur eine Aussteuerungsanzeige für beide Kanäle. Das „magische Band“! Es reagiert erstaunlich schnell und genau. Nicht so träge wie die Zeigerinstrumente der 60er und 70er Jahre.

Bei Stereoaufnahmen empfiehlt es sich zunächst nur ein Mikro mit dem Gerät zu verbinden und die manuelle Aussteuerung im Pausenbetrieb vorzunehmen. Dann kann das zweite Mikro aufgestellt und so ausgesteuert werden, dass dieses nicht zur Übersteuerung führt.

Bei der Digitalisierung können anschließend beide Kanäle natürlich noch ein wenig zur jeweils gewünschten Ausgewohgenheit korrigiert werden.

Das „magische Band“ zeigt den Pegel der Aussteuerung der Aufnahme an. Berühren sich die günen Seiten leicht, ist die maximale Aussteuerung erreicht. Im Normalbetrieb ist die Röhre natürlich abgedeckt und nur als kleiner Schlitz über dem Schriftzug „Stereo“ sichtbar.

Etwas einfacher ist es, wenn die Mikros vergleichbar der Blumlein-Aufstellung (die für Mikros mit Achtercharakteristik gedacht ist), also sehr dicht beieinander in die gleiche Richtung zeigend, aufgestellt werden. Hier können dann beide Mikros gleichzeitig ausgesteuert werden.

Mikrofonaufnahmen ohne externen Vorverstärker

Soll ohne zusätzliche technische Ausrüstung aufgenommen werden, sind die passenden hochohmigen (ca. 5 bis 20 kOhm Impedanz) Mikrofone notwendig. Zu Grundig TK Geräten passen die robusten und schweren Grundig Studiomikrofone mit der Bezeichnung GDM 322 und GDM 321.

Wichtig ist, dass der Stecker nicht von einem Vorbesitzer „verbastelt“ wurde und sich die im DIN Stecker enthaltene spezielle Schaltung im Originalzustand befindet. Diese Mikros funktionieren dann auch hervorragend an anderen Geräten, wie etwa denen von Uher.

Ein so hochwertiges Mikro ist schon für 50 Euro über „ebay-kleinanzeigen“ zu finden.

Die schweren und robusten Grundig Mikrofone GDM 321 und GDM 322 sind gesucht und sie werden nicht nur von „Retro-Fans“ geschätzt.

Zu bedenken ist noch, dass der direkte Betrieb der hochohmigen Mikros an einem Grundig TK Röhrengerät nur mit geringen Kabellängen ohne Qualitätsverluste möglich ist.

Möglich ist es aber mittels eines Vorverstärkers mit eingebauter DI-Box zwischen Mikro und Tonbandgerät lange Kalbel zu verwenden (siehe nachfolgenden Abschnitt).

Mikrofonaufnahmen mit Vorverstärker und DI-Box

Sollen Aufnahmen mit den heute üblichen niederohmigen Mikrofonen angefertigt werden, ist die technische Anpassung zu Röhrenbandmaschinen notwendig. Hier kommt der technisch Unkundige schnell durcheinander: Impedanz, symmetrisch, asymmetrisch?

Wenig Gedanken um Anschlüsse mit Impedanzanpassungen sowie störendes Brummen muss man sich machen, wenn ein Mikrofonvorverstärker mit DI-Box zwischen „modernen“ Mikros (niederohmig und meist mit symetrischen XLR-Verbindungen) und alter Bandmaschine angeschlossen wird.

Bandmaterial

Frisches Bandmaterial gibt es noch via Musikhaus Thomann zu bestellen. Mit einigen gebrauchten und sogar ungebrauchten Bändern von BASF habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese inzwischen enorm „schmieren“ und zu extremen Verunreinigungen der Tonköpfe, Bandführungen und Rollen führen.

Hervorragend in der Verabeitungsqualität sind die alten BASF Bänder mit der Bezeichnung LGS 52. Auch nach intensiven Nutzungen erzeugen sie kaum Abrieb und keine Schmutzfilme in der Bandführung sowie an den Tonköpfen. Die Bänder sind an ihrer Weinroten Rückseite mit dem durchlaufenden Aufdruck LGS 52 zu erkennen.

„Wie alle Bandarten vom Typ LGS auf der praktisch unverwüstlichen ©LUVITHERM-Folie. Das dauerhafte Tonband für den normalen Gebrauch.“ (http://www.magnetbandmuseum.info/basf-produkte-1960.html)

Verbindung zum Interface

Bei der Digitalisierung ist bei Grundig TK Geräten der 50er und 60er Jahre zu beachten, dass ein Ausgangssignal an das Interface nur ausreichend kräftig ausgegeben wird, wenn der Lautsprecherregler des TK (TK = Tonbandkoffer) aufgedreht wird. Der Innenlautsprecher kann zum Glück an der Rückseite des Gerätes abgeschaltet werden.

Die Lautstärke der Abhörkontrolle (z. B. mit Kopfhörer) ist dann über das Interface herzustellen. Die Verbindung zum Interface lässt sich beim TK 27 über die dritte Buchse von links gesehen auf der Rückseite des Gerätes herstellen.

Und wie klingt es nun?

Ich wünsche den Leserinnen und Lesern, dass dieser Artikel zum Experimentieren einlädt. So ein Bandgerät kann sehr viel Freude machen. Ich freue mich über Nachfragen und Hinweise aus der Leserschaft.

Christian W. Eggers – 23. Januar 2022 – christian@stompology.org – (Letzte Aktualisierung dieses Artikels am 12. Juni 2022.)

Low Fidelity Soundfiles zum Download

Die ultimative Low Fidelity Soundfile Bibliothek – Fünf echte Tonband- und Plattengeräusche zum Download

Alles zu steril? Das Klangbild eurer Produktionen soll endlich schmutzig und historisch wirken? Ok, hier sind vier echte Lo-Fi Geräusche zum Download parat. Als Bonustrack: die Weltpremiere des Old Tape Recorder Stomp für Jazz und Boogie Fans sowie die Swing Hi-Hat.

Alle Dateien dürfen ohne Bedingungen für jeden Zweck frei verwendet werden.

Schlagendes Bandende

Wer kennt es noch? Wahrscheinlich kaum jemand. Das schlagende Geräusch des losen Bandendes gegen eine Metallspule, wenn das Band abgelaufen ist. Spätestens in den Geräten der 70er Jahre war die automatische Bandendabschaltung Standard.

Knistern einer Schallplatte

Der nicht mehr wegzudenkende Klassiker!

Rauschen des Lautsprechers

Schluss mit dem Rätseln, ob der Lautsprecher eingeschaltet ist. Wird richtig aufgedreht, gesellt sich meinst ein wenig Brummen dem Rauschen hinzu.

Links: Grundig Tonbandkoffer TK 27 L mit Röhrenbestückung. Rechts: Uher Report 4000 IC Tonbandgerät
Einschalten eines Tonbandes

Freudige Erwartung. Ob die Kiste fehlerfrei läuft?

„Old Tape Recorder Stomp“

Und hier ist sie: Die erste Schlagzeug-Aufnahme auf stompology.org mit einem Röhrentonbandgerät TK 27 L aus den 60er Jahren von Grundig. Schluss mit diesen neumodischen Transistoren!

Die Swing Hi-Hat

Nun noch die Swing Hi-Hat. Seit In the Mood (Glenn Miller) der Inbegriff einer swingenden Spielweise am Schlagzeug.

Ein nicht ganz so ernst gemeinter Beitrag von Christian W. Eggers (22. Januar 2022) christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 30. Januar 2022)

Retro Bass Drum Tuning

Nachdem mehrfach Leserpost zum Retro Bass Drum Sound eingetroffen ist, soll hier kurz beschrieben sein, wie dieser hergestellt werden kann.

Resonazfell tiefer als das Schlagfell gestimmt

Hier ein Beispiel zum Sound der Bass Drum, die bei zahlreichen bisherigen Aufnahmen auf stompology.org verwendet wurde. Das Resonanzfell ist in diesem Beispiel tiefer als das Schagfell gestimmt.

Der Motown Beat als Beispiel für einen „warmen“ Bass Drum Sound ohne übermäßigen „Attack“

Resonazfell höher als das Schlagfell gestimmt

Es folgt ein Klangbeispiel der leicht gedämpften Bassdrum mit einem Resonazfell, welches deutlich höher als das Schlagfell gestimmt ist. Insgesamt ist die Bassdrum hier hoch gestimmt. Aufgenommen wurde sie frontal schräg von oben zur Abmahme des gesamten Sets mit nur einem Mikrofon.

Diese Stimmung setzt sich gut bei einfachen Aufnahmen mit nur einem einzigen Mikro – frontal aufgestellt – durch und sie kling auch sehr jazzig wenn sie mit alten Bandmaschienen aufgenommen wird.

Zunächst: Entscheidend ist nicht unbedingt ein besonderes teures Mikrofon und auch nicht die digitale Bearbeitung der Aufnahmen (abgesehen vom Hall). Auch entsteht der Klang nicht durch einen besonders hochwertig verarbeitenden, teuren und großen Kessel der „großen Trommel“. Man muss also meist nur wenige Mittel einsetzen, um zu seinem eigenen Klang der Bass Drum zu gelangen.

Ein Bändchen-Mikrofon erlaubt es, dass Set so aufzunehmen wie man es auf dem Hocker hört. Der Sound des Schlagfells kann hier einfach „mitgenommen“ werden, wenn das Mikrofon zwischen Snare und Hi-Hat platziert wird. Das Mikro aus China kostete 80,00 Euro und es klingt wirklich gut.

Offene Stimmung der Bass Drum

Als offene Stimmung der Bass Drum können die Stimmungen bezeichnet werden, die einen warmen, länger nachklingenden Zweiklang durch Schlag- und Resonanzfell produzieren. Auf ein Schallloch im Resonanzfell wird verzichtet; ebenso auch auf die üblichen Dämpfer, wie etwa Kopfkissen und Wolldecken, innerhalb des Kessels.

Der Klang der hier verwendeten 24er Gretsch Renown Bass Drum wird maßgeblich durch die Stimmung und vorsichtige Dämpfung von Schlag- und Resonanzfell bestimmt.

Diese Buch von Nils Schröder ist sehr zu empfehlen. Schlagzeuger Nils Schröder beschreibt die Herstellung der verschiedensten Trommel-Sounds der unterschiedlichsten Musikrichtungen durch das passende Stimmen. Hier sitzt jedes Wort! Inzwischen ein Standardwerk für Trommlerinnen und Trommler.

Die Gretsch Renown Bass Drum weist auch keine Bohrungen für Tomhalterungen auf, so dass die Luft hier nicht entweicht. Von Vorteil für einen offenen Sound sind auch dünne Kessel, da diese besonders gut schwingen.

Das Stimmen der Bass Drum

Die Faustregel für die offene Stimmung der Snare und der Toms ist, dass das Schlagfell tiefer gestimmt ist als das Resonanzfell. Das trifft auch für die Bass Drum zur ersten Orientierung zu.

In meinem sehr kleinen und stark schallisolierten Aufnahmeraum drehe ich diese Regel für die Bass Drum häufig um. Das Schlagfell ist einen Tick höher gestimmt als das Resonanzfell. Die Bass Drum klingt unter diesen Bedingungen sowohl am Schlagfell wie auch am Resonanzfell runder und satter, ohne dass ich genau erklären kann, warum das in einem sehr kleinen und stark gedämpften Raum so ist.

Die Dämpfung der Bass Drum

Beiden Fellen soll eine möglichst starke Schwingung ermöglicht sein, so dass ein Zweiklang mit Sustain entsteht. Diese Schwingungen finden ihre Begrenzung, wenn sie den „Anschlag-Bums“ zu sehr überdecken.

Dämpfung des Schlagfells innen: Es genügt ein kräftiger Filzstoff aufgebracht mit Fotokleber aus der Sprühdose. Obertöne werden so gebändigt aber nicht abgewürgt. Das hier gezeigte Fell war ursprünglich das Resonanzfell. Da es jedoch bedeutend dicker als das Schlagfell ist, wurde getauscht. Der vom Fellhersteller eingebaute Dämpfungsring aus Plastik wurde entfernt. Er hatte die unangenehme Eigenschaft beim Nachschwingen ein Schnarren zu verursachen.

Attack sollte die Trommel schon behalten und der Nachklang soll nicht in einem Obertonjaulen der Felle münden. Daher empfiehlt es sich beispielsweise mit Filz und Neopren je nach Geschmack und Raumakustik beide Felle zu dämpfen. Dieses sollte nur leicht und direkt an den Fellinnenseiten geschehen.

Zur Dämpfung des Resonanzfells werden auf der Innenseite des Fells ein bis zwei selbstkelbende Neopren Quadrate am unteren Rand des Fells aufgebracht. Das übliche Moongel (links im Bild) kann außen auf das Fell gesetzt werden, wenn die innere Dämpfung nicht ausreichend ist. Je nach Raumbeschaffenheit kann natürlich von außen durch die Platzierung von Dämmstoff am Resonanzfell der Sound beeinflusst werden.

Der Bass Drum Beater

Nicht zu unterschätzen ist die Beschaffenheit des Bassdrum Schlägels. Hier gibt es „Vintage Bomber“ aus Kork, puschellige „Muffköpfe“ und so wie hier im Bild einen runden Schlägel, der einfach mit einer (echten) Lammfell-Polierhaube für Schleifteller aus dem Baumarkt bestückt wurde.

Ein runder Beater wurde mit einer Polierhaube aus Lammfell bestückt. Die Haube hat ein Bündchen und lässt sich so sehr leicht montieren und wieder abmontieren, wenn die „härtere Gangart“ angesagt ist.

Die Spielweise der Retro Bass Drum

Nicht förderlich für einen Retro-Sound ist das Hängenbleiben am Schlagfell nach dem Anschlag. Damit ist gemeint, dass der Fuß nach dem Anschlag den Schlägel vom Fell sofort freigibt, so dass es ungehindert schwingen kann. Wer es anders gelernt hat, wird zunächst enttäuscht sein, wenn das nicht auf Anhieb gelingen will.  

Die Aufnahme der Bass Drum

Neben dem heute üblichen Mikro direkt vor einer Bass Drum kann es auch sehr reizvoll sein mit nur einem sogenannten Bändchen-Mikrofon, aufgestellt zwischen Hi-Hat und Snare, den Sound des Bassdrum Schlagfells „mitzunehmen“.  

Very oldschool and very jazzy!

Christian W. Eggers – 11. Januar 2022 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 26. Januar 2022)

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