Dieser Beitrag beinhaltet einen Klangvergleich der Bandgeräte Revox A77 und Revox G36 im Einsatz zur Abrundung einer digitalen Musikproduktion. Der Artikel ist eine Aktualisierung des gleichnamigen Beitrags vom 12. April 2025. Die Aktualisierung wurde notwendig, weil die Revox A77 einen technischen Fehler hatte. Dieser ist inzwischen behoben und der Vergleich wurde nunmehr mit zwei technisch einwandfreien Geräten wiederholt.
Die Revox A77 und Revox G 36 gehören zu den Klassikern der gehobenen Konsumenten-Tonbandgeräte. Auf Grund ihrer Robustheit, ihrer Konzeption und ihrer Tonqualität erfreuten sich diese Geräte auch im semi-professionellen Einsatz in den 60er und 70er Jahren einer weiten Verbreitung.

Auch heute, nach einigen Jahrzehnten, sind beide Gerätetypen nicht allein etwas für Sammlerinnen und Sammler sowie für Fans analoger Hi-Fi Geräte.
Im Zuge der Wiederentdeckung der Vorzüge von Tonbandgeräten finden diese und weitere Klassiker öfter wieder Anwendung in der Musikproduktion. So zum Beispiel verpassen die Bandgeräte einer bisher rein digitalen Produktion einen letzten Schliff.
Klangvergleich bei der Herstellung eines Masters
Für die Herstellung eines „Masters“ wurden in diesem Vergleichstest die Geräte Revox A77 und das Röhrengerät Revox G36 genutzt. Der Vergleich der Klangeigenschaften bietet sich zwischen diesen beiden Revox Geräten an, da damit auch ein Vergleich der Klangeigenschaften bezüglich Röhrengeräten (Revox G 36) und Transistorgeräten (Revox A77) möglich ist.
Weiter ist das digitale Master im Vergleich zu den mit den Bandgeräten gemasterten Soundbeispiel als Audio hier (siehe unten „Klangvergleich“) hörbar.
Angaben zum Test
Aufnahme-Software Audacity, Audio-Interface Steinberg UR 22, Bandgeräte Revox A77 MK III und Revox G36 MK I, Bandmaterial RTM LPR 35, Gesangsmikrofone: Sennheiser MD 441 und Superlux R102 gleichzeitig. Mikrofone der akustischen Gitarren: Behringer C2 Stereoset. Snaredrum-Mikrofon: Sennheiser MD 441.
Beide Bandgeräte befanden sich in einem technisch betriebsbereiten Zustand. Da die Geräte nicht für das aktuell hergestellte RTM LPR 35 Bandmaterial eingemessen wurden, sind Abstriche bezüglich der Aussagekraft des Audio-Vergleichs zwischen den hier zur Verfügung stehenden Geräten notwendig.
Aufbau des Klangvergleichs
Es wurden für die Erstellung der digitalen Aufnahme bewusst keine analogen Effektgeräte genutzt. Auf ein analoges Mischpult und Röhren-Mikrofonvorverstärker wurde ebenfalls verzichtet.
So soll es möglich sein, die digitale Aufnahme nicht schon vor dem Einsatz der Bandgeräte mit, sonst erwünschten, analogen Klang-Färbungen anzureichern.

Die Audiodaten zum Vergleich
Zum Vergleich nachfolgend die rein digitale Aufnahme (Audio 1), die Aufnahme der digitalen Aufnahme mit einer Revox A77 (Audio 2) und die Aufnahme der digitalen Aufnahme mit einer Revox G36 (Audio 3).
Audio 3 – Master mittels einer Revox G36 erstellt
Reine Klangbeschreibungen sind der individuellen, subjektiven Klangwahrnehmung (Stichwort Psychoakustik) unterworfen. Leserinnen und Leser dieses Artikels können sich auf Grund der obigen Audios einen Eindruck zu ihrer eigenen und damit für sie selber nützlichen Beurteilung verschaffen.
Eigene Wahrnehmung
Da ich kein Techniker bin (aber dennoch Ohren habe), möchte ich mich an dieser Stelle nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und es bei der Beschreibung des persönlichen Klangerlebens als (Hobby-) Musiker belassen.
Überraschung: Ich höre in diesem Beispiel mit meinem Gehör eines älteren Menschen keine herausstechenden Unterschiede mehr zwischen diesen drei Aufnahmen desselben Songs. Trotz der Verwendung eines recht professionellen Studio-Kopfhörers. Eigentlich frage ich mich: „Wozu dieser wahnsinnige Aufwand?“
Ja, es rauscht ein wenig bei den Bandaufnahmen. Mit etwas Einbildung klingen die Bandaufnahmen etwas „runder“. Erstaunlich finde ich die Qualität der beiden Bandaufnahmen gegenüber der rein digitalen Aufnahme. Aber das erhoffte analoge Klangwunder ist hier, gegenüber der rein digitalen Aufnahme, für mich nicht hörbar eingetreten.
Fazit zum Klangvergleich
Etwas ernüchtert mein Fazit und gleichzeitig mein Tipp: Von Beginn an bei der Produktion sorgsam mit dem Computer versuchen einen transparenten Sound und warmen Klang durch die Auswahl von Instrumenten und hochwertigen Effekten zu erzeugen. Wenn sorgsam mit den analogen Geräten „gearbeitet“ wird, die Geräte heil und hochwertig sind, dann ist die Qualität noch überraschend gut im Vergleich zur rein digitalen Aufnahme. Nachträgliche Wunder am Klangbild einer rein digitalen Aufnahme in Richtung „Vintage“ werden allein mit Bandgeräten wahrscheinlich nicht ohne weitere tontechnische „Tricks“ verwirklicht.
Ich hoffe, den Leserinnen und Lesern mit den Audiobeispielen einen Weg zur Hörerfahrung beim Einsatz von Bandgeräten zur Abrundung digitaler Produktionen gegeben zu haben und freue mich natürlich über Rückmeldungen hierzu.
Christian W. Eggers – christian@stompology.org – 17. Juli 2025 (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 18. Juli 2025) Dieser Beitrag erschien erstmals am 12. April 2025 und wurde vollständig überarbeitet.














