Der kleine beige Amp – Modifikation eines preiswerten Röhren-Amps „Fame Tube 5“

Kürzlich entdeckte ich in einem Kleinanzeigenmarkt die Abbildungen eines Mini-Röhren-Amps der Marke Fame. Optisch erinnerte mich der kleine Würfel an einen US-Fender Amp Champ 600. So einen Verstärker hatte mein Großonkel nach seinen wilden Tagen der Beat-Musik auf dem Dachboden versteckt. Das Ding hatte große Klasse und hinterlies einen tiefen Eindruck „in meinen Ohren“. Gebaut wurden diese Verstärker von 1949 bis 1953 in den USA. Ich vermag nicht zu sagen, wo das inzwischen wohl ziemlich wertvolle (Sammler-) Stück meines Großonkels abgeblieben ist.

In der Erwartung, dass der „Brüllwürfel“ aus der Kleinanzeige zumindest mit einer sehr einfachen Röhrenschaltung einem Fender Champ 600 konzeptionell ähnlich ist, landete das Gerät für 70 Euro bei mir. Nach dem Auspacken habe ich den Kieler Röhrengerät-Spezialisten Peter Wolff befragt, ob er das Gerät aus chinesischer Fertigung auf technische Fehler prüfen und gegebenenfalls Modifikationen zur Verbesserung des Klangs vornehmen könne. Die Begeisterung über diese Anfrage hielt sich nach wenig beflügelnden Erfahrungen mit der Audio-Elektronik aus chinesischer Herstellung in Grenzen.

Hersteller und Verarbeitung

Fame ist eine Marke des Musikversandhandels Music Store. Die Herstellung diverser Musikinstrumente nebst Zubehör erfolgt im Auftrag von Music Store meist in China. Der Fame Tube 5 Mini-Amp ist inzwischen nicht mehr als Neuware zu erhalten. Tatsächlich ist der Verstärker ein „reiner“ Röhrenamp. Er ist dem Fender Champion 600 aus dem Jahre 2008 (einer Neuauflage des Camp von 1949) äusserlich (!) in einzelnen Bauteilen ähnlich.

Inzwischen macht der kleine beige Amp Fame Tube 5 jede Menge herrlichen Röhren-Krach.

Der Fame Tube 5 hat ein solides Holzgehäuse und ist perfekt bezogen. Optisch ist das Holzgehäuse vertrauenserweckend und ohne Schnörkel und Gedöns verarbeitet. Aufgeschraubt stellt heraus, dass einzelne Bauteile – wahrscheinlich schon ab Werk – etwas provisorisch befestigt wurden. Eine Kabelverbindung war recht wackelig mit dem Lautsprecher verbunden und ein Kondensator hing ziemlich lose in der Luft.

Der Fame Tube 5 wird nicht mehr gebaut. Für wenig Geld ist er über Kleinanzeigenmärkte zu erwerben. Auf Grund seines kompakten und soliden Gehäuses sowie seiner einfachen Konzeption eigent er sich zum „Weiterbasteln“.

Klangliche Eigenschaften des Amps und Modifikation des Übertragers

Klanglich lies der Würfel jedoch erkennen, dass man auch bei einer sehr einfachen (damit aber wirklich nicht automatisch schlechten) Röhrenschaltung Fehler machen kann. Wo sind blos die tieferen Mitten und die Bässe? Der Amp klang recht nervig. Weit von nostalgischen Erinnerungen der Dachbodenfunde entfernt.

Messwerte zum Verstärker „Fame Tube 5“: Lautsprecher: ca. 4 Ohm; Ferquenz f.: 1 kHz; Ausgangsleistung und Klirr an R = 4 Ohm: 3 W bei 5 % Klirrfaktor, 4 W bei 6,6 % Klirrfaktor, 4,8 W bei 10 %; Klirrfaktor; f: = 100 Hz max 0,5 W bei 10 %, 200 Hz max. 1,9 W bei 10 %; . Bei 10 kHz bis 20 kHz Augangsleistung 4 W möglich.

Technisch durchgemessen ergab sich, dass der Ausgangsübertrager nicht zur Übertragung niedrieger Frequenzen mit nennenswerter Leistung ausgelegt war. Ein Ausgangsübertrager ist das Bindeglied zwischen Röhrenendstufe und Lautsprecher. Diese Übertrager sind prägend am Klang eines Amps beteiligt. Wird hier an Eisen und Kupfer gespart, helfen auch ein howertiger Lautsprecher und teure Marken-Röhren nicht mehr weiter.

Daten zum Einbau des größeren Ausgangsübertragers, der auch niedrige Frequenzen mit nennenswerter Leistung überträgt: Primärimpedanz ca. 5 K Ohm, sek. 4 Ohm. Gemessen mit Last R = 4 Ohm; Ausgangsleistung: max 5,5 W bei Frequenz 1 kHz, K = 10 %, Ausgangsleistung: 2,4 W bei 100 Hz, K = 10 %, Ausgangsleistung 4,6 W bei 200 Hz, K = 10 %. Bei 10 kHz bis 20 kHz Ausgangsleistung 4 W möglich.

Anwendungsmöglichkeiten des Fame Tube 5 Verstärkers

Kleine Verstärker mit geringer Lautsstäke sind zum Üben wunderbar. Weiterer und ausschlaggebender Vorteil: Zur Soundgestaltung eigenen sich Röhrenverstärker mit geringer Leistung hervorragend. Die gewünschte „Übersteuerung“ mit ihrem typischen Sound stellt sich früh ein, so dass nur noch ein Mikrofon benötigt wird, das den puren Röhren-Sound am Lautsprecher des Amps auch für notwendige Lautstärken auf einer Bühne über eine PA abnimmt.

Kleine Röhren-Amps eignen sich nicht nur für die Verstärkung von Gitarren mit Tonabnehmern. Blues Harps, abgenommen mit einem Mikrofon, klingen bei hoher Lautstärke des Verstärkers enorm präsent bei gleichzeitiger angenehm „blusiger“ Verzerrung.

Nutzung als Vorverstärker

Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist das Spielen „in the Box“ bei digitalen Musikaufnahmen. Das Gitarren-Signal wird am Verstärker mittels Klinkenkabel an der Lautsprecherbuchse abgegriffen und zum Interface geleitet. So erhält man einen „echten“ Röhren-Gitarren-Klang in der Vorverstärkung. Digitale Simulationen erübrigen sich damit.

Die Anschlussmöglichkeit eines externen Lautsprechers an der Rückseite des Amps wird als Ausgang genutzt und mit dem Eingang eines Interface verbunden. Für diesen Vorgang bedarf es bei dem Fame Tube 5 eines kleinen Tricks. Notwendig ist ein Abschwächer, damit auf Grund der hohen Ausgangsleistung der Lautsprecherbuchse das Interface keinen Schaden nimmt und das ankommende Signal im Regelbereich des Interface-Eingangs für Musikinstrumente liegt.

Das Foto zeigt den Abschwächer, der mittels Klinkenkabel mit dem dem Interface verbunden wird. Ein massiveres Gehäuse des Abschwächers ist noch in Arbeit.

Technische Daten zum Adapter „Ausgang Fame Tube 5 an Eingang Audio-Interface Steinberg UR 22„: Eingangswiderstand 20 Ohm, Ausgangswiderstand ca. 1 K Ohm, Abschwächung am Adapter einstellbar max. ca 45:1 / ca. -33 dB.

Soundbeispiel Mikrofonabnahme einer Gitarre

Den kleinen beigen Amp habe ich mit einer „Blues Gitarre“ im Open Tuning E Dur verbunden. Im Schalloch steckt ein alter, noch gut erhaltener, Schaller Tonabnehmer. Das Mikrofon zur Abnahme des Lautsprechers ist ein modernes Neumann TLM 103. Der Hocker stammt aus dem Baumarkt Bauhaus, erworben 2013. 🙂

Der Aufbau zum Soundtest: Akustische Gitarre Modell Stompophon Archie Ancora Signature mit Schaller Tonabnehmer, Mikrofon Neumann TLM 103, Aufnahmesoftware Audacity. Einstellung am Verstärker auf „clean“ getrimmt.
Audiobeispiel Fame Tube 5 Amp. Die Mono-Aufnahme ist 1:1 ohne jegliche Klang-Bearbeitungen hier zu hören. Am Verstärker wurde eine Einstellung für den Sound „clean“ vorgenommen.

Ohne die Hilfe eines Kenners der Röhrentechnik ist der Fame Tube 5 (jedenfalls mein Exemplar) wohl kaum zu einem Verstärker umzuwandeln, der auch höheren Ansprüchen genügt. Man könnte jetzt noch zahlreiche Bauelemente optimieren, beziehungsweise gegen höherwertige auswechseln. Dabei stehen dann Kosten und Nutzen kaum noch in einem angemessenen Verhältniss zu einer hörbaren Klangverbesserung.

Ich hoffe, der Beitrag ist auch hinsichtlich der technischen Beschreibungen vertändlich.

Mir macht das Gerät mit dem nunmehr passenden Übertrager wirklich Freude.

Christain W. Eggers – 11. Oktober 2026 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 11. Oktober 2026)

Quellen: https://www.gitarrebass.de/equipment/fender-champion-600-im-test/

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