Jan, wir kennen uns über unsere Beiträge aus dem drummerforum.de. Kürzlich hast du unter der Zeile Lieber spät als nie die CD Astro-Bash! Deiner Band The Jumpin’ Rockets aus München vorgestellt. Für die Leser und Leserinnen der Website stompology.org ist eine aktuelle Produktion von Songs im Stil des 50er Jahre Rock’n’Rolls natürlich interessant. Zunächst: Wie bist du als im Jazz beheimateter Schlagzeuger zu den The Jumpin‘ Rockets gekommen und was ist der Reiz für dich in einer Rockabilly-Band zu trommeln?
Es ist eigentlich genau anders herum. Ursprünglich war ich in jungen Jahren ein typischer Rockdrummer, hatte nur einen tollen Lehrer, einen studierten Jazzer, der mir die Grundlagen hierfür vermittelte. Erst in den letzten 20 Jahren nahm der Jazz mit Bigband, Swing und Dixieland bei mir einen immer größeren Anteil ein. Sandra, unsere Sängerin, kannte ich bereits aus einer gemeinsamen Country-Rock-Band, deshalb landete ich vor etwa drei Jahren zunächst als Sub bei den Jumpin‘ Rockets. Mein Vorgänger war in der Folgezeit leider durch gesundheitliche Probleme längerfristig eingeschränkt, daher kam es zu einer Art „Urlaubsvertretung“ über mehrere Monate. Das hat musikalisch und menschlich so gut geklappt, dass eines Tages Sandra mich anrief, ob ich mir vorstellen könnte, fest einzusteigen. Wie sagt man so schön, der Rest ist Geschichte. 😉

Eure CD Astro-Bash! hat einen für meine Ohren sehr kultivierten Sound ohne die im Rockabilly häufig zu hörenden Spiralenhall- und Echoorgien. Der Sound der Instrumente Kontrabass, Halbakustik-Gitarre, Drumset und des ausdrucksstarken Gesangs eurer Sängerin ist nicht exotisch altmodisch. Dennoch vermittelt er eine nostalgische Atmosphäre. Wie habt ihr die CD technisch aufgenommen?
Den Live-Videodreh zu All Night Long (im Artikel weiter unten verlinkt; Anmerkung der Redaktion) machten wir gemeinsam mit Micha Herrmann vom Frequenzgarten in Augsburg als Toningenieur zuhause in Sandras im 50ties-Style gestalteten Wohnzimmer. Das müsstest du sehen bzw. man sieht es ja im Video. Es war glaube ich eine Idee von Micha, auch die geplante CD statt im Studio bei Sandra zu recorden, da ihm der Sound wirklich gut gefiel. Letztendlich spielte für uns dabei natürlich auch die Kostenfrage eine Rolle. Ein großer Vorteil war, dass Sandra sich keine Vorstellung machte, wie es ist, mehrere Wochen im Tonstudio leben zu müssen, ich vermute aber stark, dass sie beim nächsten Mal nicht mehr so entgegenkommend sein wird. 🙂
Wir sehen uns als Musiker des 21. Jahrhunderts.
Während die erste Rockets-CD Hot Stuff From Rocketsilo 51 in einem historischen Tonstudio mit Technik aus der damaligen Zeit entstand, entschieden wir uns diesmal für eine moderne Produktion mit DAW und Software-Plugins. Um den von dir beschriebenen nostalgischen Touch zu bekommen, nahmen wir jedoch die Instrumente, getrennt durch Akustik-Stellwände, live zum Click auf, was uns eine ausreichende Kanaltrennung bei gleichzeitiger Liveatmosphäre ermöglichte. Lediglich einige Overdubs wie zusätzliche Gitarren und Percussion spielten wir separat ein, und die kompletten finalen Gesangsspuren wurden ebenfalls später im Studio eingesungen, wir hatten Sandras Wohnzimmer schließlich lange genug zweckentfremdet.
Wissenswerte Fakten der Jumpin‘ Rockets, verfasst von Jan Falckenberg: Die Band existiert seit 2017, von der Urbesetzung sind noch Robert und Steffen geblieben. Zunächst als Quintett mit Piano und männlichem Leadgesang, fand vor 4 Jahren nach dem Ausstieg des früheren Sängers und des Pianisten über eine Anzeige Sandy Lee zur Band. Ich bin mittlerweile seit 2 Jahren fest dabei.
Während Robert als Gitarrist in der Regel die musikalischen Grundideen zu neuen Songs hat, ist Sandra eine hervorragende Texterin mit einem tollen Gespür für Melodien. Gleichzeitig stammen von Robert viele der kreativen Elemente wie unser geniales Bandlogo, Flyer und dergleichen, während Sandra sich um die oft ungeliebte Aufgabe des Bookings kümmert. Unser Jurist Steffen ist der Mann für alle vertraglichen Dinge, und ich bin Ansprechpartner für die technischen Fragen rund um Veranstaltungen. Du siehst, die Jumpin‘ Rockets, das ist echte Teamarbeit, bei der keiner zu kurz kommt.
Die Gitarre wurde über Roberts Röhrenamp mit Mikro – ich glaube zweifach – abgenommen, Steffens Kontrabass sowohl über Pickup als auch über Großmembran-Mikrofon auf zwei Spuren aufgezeichnet und später entsprechend zusammengemischt. Das Schlagzeug nahmen wir ganz modern mittels Close Miking ab. Toms und Snare bekamen jeweils ein Sonor C8 aus den 80ern, das die offen und recht tief gestimmten Toms in der Art eines Gene Krupa bei Sing Sing Sing einfangen sollte, was meines Erachtens richtig schön geworden ist. Als Stereo-Overheads verwendeten wir irgendwelche Großmembraner von Micha, und in der Bassdrum lag, nach mehreren Vergleichsaufnahmen mit verschiedenen Mikros, letztendlich eine Grenzfläche vom Typ Behringer BA19A.
Die Frage nach Vinyl taucht regelmäßig auf und wir fänden die Idee alle nicht schlecht.
Interessanterweise entschieden wir uns später beim Mixing dafür, die Overheads nicht zu verwenden, da Micha und ich den Sound ohne Overheads als kompakter und trotzdem ausgewogen empfanden. Generell hat sich unser Sounddesign, wie auch unsere Songs, nicht an der 100% Retro- Attitüde manch anderer Rockabilly-Bands orientiert, sondern wir sehen uns als Musiker des 21. Jahrhunderts, die die alte Musik verehren, aber aus heutiger Perspektive betrachten.
Eure Songs auf der CD sind Eigenkompositionen. Sie klingen so, als seien sie Klassiker, die in den 50er Jahren geschrieben wurden. So zum Beispiel der Titel ‚ALL NIGHT LONG‘. Dieser Song und weitere zehn Songs wurden von eurem Gitarristen Robert Dejak und eurer Sängern Sandy Lee geschrieben. Wer arrangiert die Songs? Gibt es für dich und euren Kontrabassisten Steffen K-F Mitsprachemöglichkeiten?
Danke dir für dieses tolle Feedback. Für mich ist es jedes Mal auch live ein Erlebnis, wenn unser Publikum nicht nur die Coverstücke, sondern auch unsere eigenen Songs mitsingt, ohne sie (vermutlich) zu kennen, denn bisher zählen wir ja noch nicht zu den Rockabilly-Stars wie Brian Setzer, die Go Getters oder JD McPherson.
Wie eigentlich in allen Belangen sind wir auch beim Songs ausarbeiten ein gleichberechtigtes Team, wo jeder seine Ideen mit einbringen kann. Tatsächlich stammen die Arrangements sogar zu weiten Teilen von mir, da habe ich scheinbar ein gutes Händchen dafür. Ich weiß gar nicht, ob die anderen sich an mehrstimmigen Backgroundgesang ran getraut hätten.
Eure CD wird vertrieben über das Hamburger Unternehmen BROKEN SILENCE. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit diesem renommierten Dienstleister? Und wer hat sich eigentlich das lustige CD-Cover ausgedacht?
Unter Vertrag sind wir bei der Essener NIWO MUSIC, die wiederum mit Broken Silence in Verbindung steht. Von denen bekommen wir regelmäßig Berichte über alle initiierten Aktionen, Presseberichte etc., Näheres kann ich dir allerdings gar nicht sagen, da der Kontakt über Steffen und Robert läuft. Nur die Verträge haben wir alle unterschrieben. Das Cover stammt vom US-Künstler Derek Yaniger, einem in der Rockabilly- und Tiki-Fangemeinde bekannten Designer, den Sandra durch ihre guten Verbindungen kennen gelernt hat.
Gibt es weitere Pläne für Tonträger? Eure Musik wäre auf Vinyl doch der Hammer.
Ja, die Frage nach Vinyl taucht regelmäßig auf und wir fänden die Idee alle nicht schlecht. Nur spielen natürlich die Kosten im Gegensatz zur CD eine nochmal größere Rolle, deshalb wollten wir zunächst abwarten, wie Astro-Bash! nachgefragt wird, ehe wir eine LP hinterherschieben. Ich verspreche dir, wenn wir uns dazu entscheiden, bist du der Erste, der es von mir erfährt.
Eine neue CD ist aktuell nicht geplant, im Moment konzentrieren wir uns darauf, uns international auf Festivals bekannter zu machen.
Dafür wünsche ich den Jumpin‘ Rockets viel Erfolg! Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.
Die Mail-Adresse thejumpinrockets@aol.com für Konzert-Anfragen veröffentliche ich an dieser Stelle sehr gerne. Die CD ASTRO-BASH! ist über diverse Anbieter erhältlich, so zum Beispiel auch bei Thalia und jpc.
Das Interview führte Christian W. Eggers – 6. Oktober 2026 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 6. Oktober 2026)