„Bei mir klingt es aber mit meinen Boxen gut!“. Die Ernüchterung setzt spätestens mit der Wiedergabe seines Meisterwerks über ein Smartphone oder die Laptop-Lautsprecher ein. Es folgen dann zeitraubende händische Versuche am Mischpult oder mit der Aufnahme-Software Kompromisse zu finden.
KI-Einsatz als audiotechnisches Hilfsmittel
Der KI-Einsatz zur Gestaltung von Inhalten (!) kommt auf stompology.org selbstverständlich nicht in Betracht.
Anders könnte es sein, wenn die KI allein die rein technische Optimierung zur Erstellung eines Masters besser erledigen kann, als es bisher in Eigenleistung möglich ist. Dann kann man sich eigentlich nur wünschen, dass das zeitlich anspruchsvolle Mastering als rein technischer Vorgang mittels Knopfdruck durch eine Maschine erleichtert wird.
Audio-Mastering hat den Zweck eine fertige Stereospur (oder auch Monospur) eines Songs für die Wiedergabe auf verschiednen Geräten kompatibel abhörbar zu machen. Ob Smartphone, Autoradio oder Monster-Stereoanlage: Ein Song soll auf üblichen Audio-Geräten möglichst gleichmäßig passabel klingen. Audio-Mastering ist daher weniger eine Gestaltung der Audio-Inhalte, sondern ein technischer Vorgang zur Anpassung des Klangs unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der Endgeräte der Hörer und Hörerinnen.
Nun haben gerade die Produktionen von stompology.org die Zielsetzung einen „Vintage Sound“ der 50er bis 60er Jahre zu vermitteln. Im Einsatz dafür sind Bandmaschinen und weitere analoge Studiogeräte „alter Zeiten“.
Gibt es eine KI-Bearbeitung tatsächlich so vorsichtig, so dass unsere sensiblen Künstler beim Anhören des Maschinenproduktes nicht am Ende der Besonnenheit angelangt sind?
Macht nun ein KI-Mastering alle Bemühungen das Flair der frühen Musikproduktionen herzustellen zunichte? Das muss einfach ausprobiert werden!
Der Dienstleister LANDR
Als Dienstleister wurde das Portal www.landr.com des Anbieters LANDR ausgesucht. Dort kann auch eine zur Optimierung eines bestehenden Masters Dateien hochladen. Mit einigen Voreinstellungen zum gewünschten Klangcharakter, wie zum Beispiel „warm“, geht es dann recht zügig zum abhörbaren Vorschlag mittels Button zum Hin- und Herschalten zwischen Original und KI-Version.
Noch schneller geht es dann, wenn man das Master herunterladen möchte, zum Bezahlsystem. Neun Euro sind futsch. Immerhin hat man nicht die „Katze im Sack“ gekauft, sondern den Sound, den man zuvor im Vergleich zwischen Original und KI-Produkt hören konnte. Tatsächlich deutlich waren auch Unterschiede des Sounds mit alternativen Voreinstellungen zu hören.
Also, man braucht keine technischen Vorkenntnisse. Die ganze Sache dauert wenige Minuten.
Ein sogenannter Prompt (textliche Befehle zur Bearbeitung) ist für die Master-Erstellung nicht erforderlich. Interessant ist, dass bei LANDR offenbar eine „automatische“ Musikgenre-Erkennung im Spiel ist. Legt Archie Ancora los, „merkt“ die KI „Aha! Das ist wohl alter Kram. Was mit Vintage und so.“
Wie sich ältere Popmusik anhört, hat die Maschine wahrscheinlich zuvor aus Trainingsdaten (echten Beispielsongs) „erlernt“ und als Muster abgelegt.
Das Testmaterial
Für den Test wurde eine überwiegend analoge Produktion hochgeladen. Das Röhrentonbandgerät-Master des Songs An der Bucht eignet sich für den Test gut. Eine schwierige Produktion für ein Master: Über einen Breitbandlautsprecher der 60er Jahre klingt das Original recht angenehm ausgewogen, über die iPhone Kopfhörer ein wenig kratzig an den lauten stellen und mit der Stereoanlage irgendwie immer noch „wummerig“. Es gibt also etwas zu tun für die KI, wenn der Anbieter seine Versprechen hält.
Bleibt etwas vom Flair der Klangerzeugung mittels Röhrentechnik im KI-Master erhalten? Oder ist alles dahin? „Denkt“ die KI analoge Artefakte seien Störgeräusche, die es zu „glätten“ gilt?
Der Vergleich zwichen KI-Optimierung und Original
Hier zunächst das Original-Master. Ein Stereo-Mixdown vom Computer auf eine Revox G36 Bandmaschine. Es ist das Master zum Song An der Bucht. Diese Datei wurde im Portal www.landr.com zum Ausgangspunkt für eine Optimierung mittels KI.
Das „Revox-Master“ wurde zweimalig zwischen Computerspuren und Band Hin und Her überspielt. Damit sollte eine analoge Kompression und kräftige Bandsättigung erzeugt werden.

Es folgt das Audio der KI-Master-Version des Anbieters LANDR. Gewählt wurde im Portal die Voreinstellung „Klangfarbe warm“ und „Laustärke anpassen“.

Im letzten Schritt dieses Vergleichs wurde die Lautstärke des KI-Masters händisch etwas gezähmt. Damit ist es einfacher einen Klangvergleich mit dem Original-Master aus der Revox Bandmaschine zu ermöglichen.

Persönliches Fazit
Ich habe nur meine Ohren zur Beurteilung des Klangs. Also bitte ich um Nachsicht, wenn es hier im Fazit „subjektiv“ zugeht.
Erstmal prima, dass es nicht geschadet hat. Der Song ist noch zu erkennen. Im Gegensatz zu ersten Versuchen mit KI-Mastering vor zwei Jahren, stelle ich fest, dass dieser Song nicht ohne Rücksicht auf den Musikstil zum unbrauchbaren Heavy Metal Mix wurde. Ich höre mehr Bässe und der Song ist deutlich stärker komprimiert. Kann man machen!
Vielleicht fällt der Leserschaft etwas im Vergleich auf, was ich bisher nicht höre. Dann bitte in die Tasten hauen! Es gibt eine Kommentarfunktion oder auch gerne per Mail an christian@stompology.org schreiben.
Viele Grüße und bis bald
Christian
Christian W. Eggers – 1. Oktober 2026 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung am 1. Oktober 2026)