Das stompology.org Management fragte unseren Archie und die Jungs, ob sie nicht mal einen Song mit so ungefähr eineinhalb Akkorden komponieren könnten. Archie meinte: „Ich kann sogar drei Akkorde! Aber weniger geht bei mir immer.“
Recherchiert man im Internet, werden meist vier bis fünf „Ein-Akkord-Songs“ als Beispiele genannt. Darunter Papa was a rollin‘ stone von The Temptations und Chain of Fools von Aretha Franklin.
Also keine Angst davor, sich als Komponisten-Minimalist auf Grund von Unvermögen zu outen. In so guter Gesellschaft kann doch nichts schiefgehen.
R&B Tradition
Historisch betrachtet sind Songs mit nur einem Akkord (mit ein bis drei Abwandlungen) gar keine Seltenheit. Es gab sogar große Hits im Stil des frühen R&B.
Ein Beispiel ist der Song Bo Diddley von Bo Diddley.
Rechnet man die leer angeschlagenen Saiten nicht mit, dann benötigt man nur einen (gegriffenen) Akkord zum Spielen dieses wilden Songs. Der Song hielt sich laut Wikipedia zwei Wochen lang auf Platz 1 der Billboard R&B-Charts und wurde schließlich zur zehnt meistverkauften Single des Jahres 1955.
Worauf ist zu achten?
Songs, die nur auf einem Grundakkord basieren, klingen von Natur aus monoton in ihrer harmonischen Struktur. Mit einer aufwendigen Melodieführung ist dieser Eindruck in den engen Grenzen der vorgegebenen Harmonie nicht gut aufzuheben. Es drohen nervige Dissonanzen. „Ein-Akkord-Songs“ sind mehr eine Herausforderung der Kreativität im Bereich der Rhythmik, der markanten Riffs und der Solos sowie in der Wahl einer interessanten Instrumentierung.
Vorteile der Reduktion – Abhotten oder chillen
Ein Vorteil der Reduktion einer Komposition auf einen Akkord kann in einer entspannten, fast meditativen, Wirkung bestehen. Ein Beispiel hierfür ist die Art, in der JJ Cale öfter Songs angelegt hat.
Dazu im Gegensatz lässt sich mit einer rudimentären Harmonik mächtig „abhotten“. So wie im Bo Diddley Song, dessen zwei Akkorde den Groove gestalten. Ohne dass es auch nur eine Sekunde langweilig wird.
Beispiel-Song – Das Ende der Aufgeregtheit
Anders als der Bo Diddley Song basiert unser Beispiel-Song auf der Idee der Entspannung und Ruhe durch Reduktion der Harmonien. Der „Grund-Akkord“ ist E-Dur. Es folgen E6 und E7.
Der Wechselbass spielt die Töne E und H und nicht E und A, wie häufig üblich in der Tonart E. Für das Hauptmotiv der kurzen Melodie wurde ein Gitarren-Banjo gewählt. Der stoisch gespielte Beat (natürlich kein Computer!) auf der Snare-Drum wurde mit den Jazz-Besen markiert.

Viel Spaß beim Anhören und bis bald!
Christian W. Eggers – christian@stompology.org – 28. März 2026 (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 28. März 2026)