Mikrofonierung authentischer Drumset-Sounds

Mit diesem Beitrag werden „alte Schule“-Mikrofonpositionen zur Mono-Aufnahme eines Drumsets vorgestellt. Dabei geht es um vier unterschiedliche Aufnahmemöglichkeiten des Drumsets als klangliche Einheit mit nur einem einzigen Mikrofon. 

Vorgestellt in Bild, Text und Audio werden zwei sogenannte Overhead-Platzierungen sowie zwei Mikrofon-Platzierungen zwischen den einzelnen Instrumenten des Sets.

Der Testaufbau erfolgte in einem kleinen Raum mit starker Schalldämmung. Das Drumset wurde „offen“ gestimmt: Die Resonanzfelle sind höher gestimmt als die Schlagfelle. Gespielt wurde das Set mit Jazz-Besen. Den Audios wurde ein „Vintage“-Hall beigemischt. Auf weitere Bearbeitungen wurde verzichtet, damit die Sound-Unterschiede der vier ausprobierten Mikrofonstellungen deutlich zu Tage treten.

Zwei Möglichkeiten der Overhead-Mikrofonierungen

Als Overhead-Mikrofonierung werden die Mikrofonstellungen bezeichnet, bei denen Mikrofone über der Kopfhöhe des Schlagzeugers platziert werden.

Abbildung 1: Oben links im Bild ein Sennheiser Mikrofon MD 441 in einer Spinne, aufgebaut als Overhead-Mikrofon mit einer Höhe von etwa 1,80 Metern in einem Winkel von 45 Grad auf das Drumset gerichtet.

Overhead-Mikrofonierungen wurden mit der zunehmenden Anzahl der einzelnen Instrumente eines Drumsets notwendig. So konnten die inzwischen größeren Sets und ihre Spielweisen in einem ausgewogenen Klangbild als Einheit mit den noch überschaubaren Möglichkeiten der 60er-Jahre-Tonstudios aufgenommen werden.

Overhead-Stellung 1 – Winkel von 45 Grad vor dem Set

Diese Art der Overhead-Platzierung eines Mikrofons gibt mit der Aufnahme den Höreindruck wieder, den ein Zuhörer bekommt, wenn er in kürzerer Entfernung vor dem Set steht (Abbildung 1 und Abbildung 2).

Abbildung 2: Overhead-Mikrofon im Winkel von 45 Grad vor dem Drumset platziert. Das Set wird annähernd so aufgenommen, wie die Lautstärkeverhältnisse der Set-Bestandteile von einem Zuhörer wahrgenommen werden, der vor dem Set steht. Dieser Aufbau lässt sich recht einfach umsetzen und führt in der Regel bei zahlreichen Studio-Aufnahmebedingungen zu akzeptablen Ergebnissen. Ein Nachteil besteht, je nach Spielweise, in einer schnell als unangenehm empfundenen Hervorhebung von Crash- und Ridebecken.
Audio „45 Grad Overhead Mikrofon“

Overhead-Stellung 2 – Winkel von 90 Grad direkt über dem Set

Wird das Mikrofon mit einem Winkel von 90 Grad direkt über dem Zentrum des Sets platziert (Abbildung 3), werden Snare Drum, Toms und Becken recht „scharf“ aufgenommen. Insbesondere die Obertöne der Becken kommen zur Geltung. Die Bassdrum wird im Verhältnis zu den anderen Instrumenten des Sets leiser wiedergegeben, jedoch kommt der Klang des Schlagfells der Bassdrum in dieser Stellung deutlicher heraus. 

Sinnvoll kann es sein, ein zusätzliches Mikrofon vor dem Resonanzfell oder dem Schlagfell der Bassdrum zu platzieren. Problematisch dabei ist jedoch, dass zwei gleichzeitig genutzte Mikrofone mit deutlich unterschiedlichen Abständen zur Schallquelle zu einer sogenannten Phasenverschiebung führen und dadurch die Aufnahme kraftlos und matt klingt. Es empfiehlt sich, vor der eigentlichen Aufnahme einige Tests mit unterschiedlichen Abständen des Bassdrum-Mikrofons vorzunehmen.

Abbildung 3: Overhead-Mikrofon im Winkel von 90 Grad über dem Drumset platziert. Wird für die Schlagzeugaufnahme eine reichhaltige Obertonstruktur benötigt, ist diese Platzierung sinnvoll. Kondensatormikrofone verstärken diesen Eindruck; dynamische Mikrofone mildern die „Schärfe“ ab. Für Ausgewogenheit der einzelnen Instrumente des Sets eignen sich bei der 90-Grad-Stellung Mikrofone mit einem weiten Aufnahmeradius, bis hin zu Mikrofonen mit einer Kugelcharakteristik, soweit die Aufnahmebedingungen (Raumgröße, Abstände weiterer Schallquellen zum Drumset, Schalltrennwände zwischen Schallquellen) diesen Einsatz erlauben.
Audio „90 Grad Overhead Mikrofon“

Mikrofonierung innerhalb des Drumsets

Der Ursprung der Drumset-Aufnahmen mittels Mikrofonaufbauten zwischen einzelnen Instrumenten des Drumsets geht auf die Aufnahmepraxis der späten 40er und 50er Jahre zurück. Zu finden ist diese Mikrofonierungstechnik im frühen R&B, im Jump Blues sowie im Rockabilly. Sie ist für den Drumset-Sound der 50er Jahre stilprägend. 

Zwei Stellungen eines Mikrofon innerhalb eines Sets zwischen den einzelnen Instrumenten des Sets waren üblich:

  • ein waagerecht ausgerichtetes Mikrofon über der Bassdrum zwischen kleinem Tom und Ridebecken,
  • oder ein vertikal ausgerichtetes Mikrofon, aufgestellt zwischen Hi-Hat und Snaredrum.

Waagerechtes Mikrofon über der Bassdrum

Waagerechte Mikrofonaufbauten in Höhe der Bassdrum und innerhalb eines Sets (Abbildung 4) werden inzwischen oft als „The Wurst“ bezeichnet. Wichtig ist, dass das Mikrofon den Schall der Bassdrum nicht direkt abnimmt. Es wird wenige Zentimeter über der ersten Hälfte des Kessels platziert.

Abbildung 4: Mikrofon ca. 10 cm über der Bassdrum platziert. Die Klänge der Resonanzfelle von Tom 1 und der Snaredrum sind neben den anderen Instrumenten des Sets besonders präsent. Die Bassdrum setzt sich aufgrund der Nähe des Mikrofons zum Bassdrum-Kessel noch ausreichend durch.
Audio „Mikrofon über der Bassdrum innerhalb des Sets“

Mikrofon zwischen Snaredrum und Hi-Hat

Für den Aufbau der Mikrofonierung (Abbildung 5 und 6) zwischen Snaredrum und Hi-Hat wird ein Mikrofon mit Achtercharakteristik benötigt. Der Schall wird über die Vorder- und Rückseite des Mikrofons aufgenommen. 

Die Möglichkeiten der Klangbeeinflussung sind mit dieser Stellung reichhaltig. Durch das Drehen des Mikrofons kann der Aufnahmeradius des Mikrofons präzise ausgerichtet werden. So hebt beispielsweise eine leichte Drehung in eine annähernd parallele Stellung zur Hi-Hat deren Lautstärke an. Das ist besonders bedeutsam für Swing-Rhythmen, deren Backbeats (bei 4/4 Takten sind das die Zählzeiten 2 und 4) durch die getretene Hi-Hat hervorgehoben werden sollen.

Abbildung 5: Mikrofon zwischen Hi-Hat und Snare Drum platziert. Diese Positionierung erfolgt mit einem Bändchenmikrofon mit Achtercharakteristik. Der Bassdrum-Sound wird durch das Schlagfell geprägt. Mit einer Rebound-Spieltechnik, bei der der Bassdrum-Beater nach dem Aufschlag zurückschnellt, ist die Bassdrum auch ohne ein weiteres Mikrofon deutlich hörbar.
Audio „Bändchen-Mikrofon zwischen Snaredrum und Hi-Hat“

Das Ridebecken wird mit einem weichen und zurückhaltenden Klang eingebunden. Die Abnahme der Bassdrum erfolgt über das Schlagfell, in dessen Nähe sich ein Bändchenmikrofon mit Achtercharakteristik befindet.

Abbildung 6: Die Stärke der „zwischen Hi-Hat und Snaredrum“-Stellung liegt in der Wiedergabe der Snaredrum beim Spiel mit den Jazz-Besen, bei Trainbeats und den Boogie-Woogie-Spielweisen. Weiter wird das Zusammenspiel der getretenen Hi-Hat mit Offbeat-Akzenten auf der Snaredrum hervorgehoben. Das Klangbeispiel wurde mit einem preisgünstigen Bändchenmikrofon „Superlux R102“ aufgenommen.

Abbildung 7: Mikrofon zwischen Hi-Hat und Snare Drum platziert sowie ein weiteres Mikrofon vor der Bassdrum aufgebaut. Insbesondere dann, wenn beide Signale mit nur einem Kanal (Mono) aufgezeichnet werden, empfiehlt es sich, mit unterschiedlichen Mikrofonabständen vor der Bassdrum Testaufnahmen durchzuführen, um die bereits erwähnten, nachträglich nicht behebbaren Phasenverschiebungen einer Mono-Aufnahme zu verhindern. 

Nachteilig können sich die bei einer Platzierung des Mikrofons zwischen Hi-Hat und Snare Drum die mangelnde Durchsetzung der Bassdrum und die des „großen Toms“ (in der obigen Abbildung als Tom 2 bezeichnet) auswirken. Sollen diese Instrumente deutlicher im Gesamtklang einer Komposition zum Tragen kommen, empfiehlt es sich entweder weitere Mikrofone zu nutzen (siehe Abbildung 7) oder eine der bereits zuvor beschriebenen Mikrofonstellungen auszuprobieren.

Fazit zum Test der Mikrofonierung

Die vier Mikrofonplatzierungen erzeugen deutlich hörbare Klangunterschiede. Es kann mit nur einem einzigen Mikrofon der Drumset-Sound durch die Wahl der Mikrofonplatzierung erheblich gestaltet werden.

Die passende Wahl der Mikrofonierung ist im Zusammenhang mit den tontechnischen Anforderungen durch Räumlichkeiten, Instrumente der Mitspielenden und die kompositorischen Gegebenheiten des Zusammenspiels einer Band zu suchen.

Für Musikrichtungen im 50er-Jahre-Stil überzeugt die Position eines Bändchenmikrofons, aufgebaut zwischen Hi-Hat und Snaredrum. Zu berücksichtigen ist dabei, dass je nach Eigenschaft und Qualität eines Bändchenmikrofons, der Höhenanteil angehoben und die tiefen Frequenzen in Mix zurückgenommen werden müssen.

Ich wünsche viel Freude beim Ausprobieren! Herzlichen Dank für das stetige Interesse seit nunmehr über vier Jahren „stompology.org“. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gutes Jahr 2025!

Christian W. Eggers – 29. Dezember 2024 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 31. Dezember 2024)

5 Gedanken zu “Mikrofonierung authentischer Drumset-Sounds

  1. Die Vorsitzende ist aus den Feiertagen zurück und meint, wir sollten uns beim Stompo-Management entschuldigen. Okay, machen wir.

    Liebe Stompology-Redaktion,

    tut uns leid, dass wir euch unterstellt haben, Archie und die Motorboats auszubeuten. Hoffentlich hatte die Band eine gute Zeit an der Ostsee. Wir freuen uns auf ein neues Jahr mit Musik von Archie und den Jungs!

    Euer Archie Ancora Fanclub

  2. Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder des Archie Ancora Fanclub Sektion Germany!

    Die stompology Redaktion und das Management unserer Hausband Archie Ancora & His Motorboats bedankt sich für die Treue und die Anteilnahme am Werdegang und dem Schaffen unseres Künstlers Archie Ancora.

    Selbstverständlich liegt es uns fern Archie und die Jungs auszubeuten. Ganz im Gegenteil! Gelegentlich müssen wir jedoch zur Förderung der Stompology unseren Bildungsauftrag erfüllen. Bei dieser wichtigen Aufgabe möchten wir nicht auf die Mitwirkung unserer Studioband verzichten.

    Wir hoffen, dass wir demnächst wieder einen echten Smash Hit mit Archie und den Jungs an den Start bringen können.

    Herzliche Grüße auch von Archie und den Bandmitgliedern, die sich für einige Tage einen Kurzurlaub (übrigens auf unsere Kosten!!!) in Kalifornien (Schleswig-Holstein) gönnen.

    Auf ein gutes neues Jahr! Wir werden den Fanclub nicht enttäuschen!

    Ihre stompology Redaktion

  3. Danke, Jan! Ich war selber überrascht, wie deutlich die Unterschiede sind.
    Dank auch nochmals für die Reparatur der Monstergewicht-Bandmaschine Telefunken M24. Läuft jetzt rund!
    Alles Gute und Liebe für 2025 wünscht Dir Christian

  4. Voll fies, dass ihr Archie für mickrige Soundbeispiele ausbeutet!

    #freearchie

  5. Ich finde es spannend welche unterschiedlichen Klangbilder mit nur einem Mikrofon in verschiedenen Lagen erzeugt werden können.

    Ein Gesundes Neues Jahr 2025 wünscht dir Jan

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