Retro-Homerecording – Mixer für Mono-Tonbandaufnahmen

Röhrentonbandgeräte verfügen meist nicht über Schaltungen zur Entzerrung von Tonfrequenzen sowie zur Anapssung der Eingangswiderstände. Das ist insbesondere bei Aufnahmen mit Mikrofonen jedoch häufig notwendig.

Bei Mono-Aufnahmen von Audiosignalen aus Computern und Hi-Fi Geräten ist zu beachten, dass „Stereo auf Mono“-Widerstände erforderlich sind. Ebenso bedarf es regelmäßig der Anpassung von „modernen“ Mikrofonen an die Technik der 50er Jahre durch die Vorschaltung von Vorverstärkern und einer Zuschaltung einer Phantomspeisung der Mikrofone.

Wie sich diese Anpassungen mittels eines kleinen, preiswerten Mischpultes der Technik der Gegenwart vornehmen lassen, wird nachfolgend kurz mit einigen Fotos und Bildunterschriften beschrieben.

Video: Homerecording mit einem Mono-Bandgerät und einem kleinen Mischpult, angepasst für den Monomix

Für den Funktionstest wurde ein Grundig TK 20 (nachfolgendes Foto; links im Bild) mit der Selbstbaukonsole (rechts im Bild) verbunden. Damit das „Retro-Gefühl“ nicht auf der Strecke bleibt, wurde das kleine Mischpult herausnehmbar in einen Grundig TK 20 Holzkoffer versenkt. Das Netzteil findet im Inneren des Koffers Platz. Hinzu sind ein VU-Meter im Retrostil sowie ein Mono-Main-Out als Diodenanschluss gekommen. Das alles geht natürlich auch ohne die Bastelarbeit mit dem Umbau eines Grundig- Tonbandholzkoffers.

Das VU-Meter zeigt den Main-Out des Mischpultes an. Das weiße Schaltfeld ist u.a. für Mono-Kopfhörer und Zuschaltung eines Monitor-Lautsprechers reserviert und noch nicht fertig verdrahtet. Die Diodenbuchse Mono Main Out (unten rechts im Bild) wurde mit Lastwiderständen „Stereo auf Mono“ versehen.

Bei der Aufnahme mit einem Mono-Tonbandgerät kann ein Stereo Main Out (unten im Bild die zwei schwarzen Klinken-Stecker unter dem Behringer Logo) über die Mono-Main-Out-Buchse (unten ganz rechts, Diodenbuchse) mit den „Stereo auf Mono“ Wiederständen verbunden werden. Das Aufnahmegerät wird über diese Buchse angeschlossen.

Als Mischpult wurde das „Behringer Xenyx 802“ (herausnehmbar) eingesetzt. Es verfügt über einen Preamp mit Phantomspeisung für Mikrofone. Mit dem 3-Band-Equalizer (EQ) ist es möglich, den Frequenzverlauf, also von tiefen bis zu hohen Klanganteilen, anzuheben oder abzusenken. Das bedeutet, es ist möglich, bestimmte Bereiche, wie z. B. die Bässe, in ihrer Lautstärke zu verstärken oder zu reduzieren. 3-bändig heißt, es sind drei Regler für die Teilbereiche Bässe, Mitten (mittlerer Frequenzbereich) und Höhen einstellbar.

Fazit

Sucht man die Verbindung der alten Röhrentonbandgeräte mit „moderneren“ Komponenten, ist so ein Mini-Mischpult praktisch. Es enthebt einen zahlreicher, oft zermürbender, Anpassungsprobleme zwischen sehr alten und neuen Technikstandards. Für Musiker ist so eine Konsole auch zudem gut für ein unproblematisches „Einschleifen“ von Effektgeräten, wie etwa Spring Reverbs.

Christian W. Eggers – 15. Januar 2023 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 16. Januar 2023)

Famous Grooves – „The Million-Dollar-Beat“ – Nadine by Chuck Berry

Eine Eigenart des Rock ’n‘ Roll war und ist es, längst Bekanntes im neuen Gewand zu spielen. Hierzu gehört die Wandlung ursprünglich „hüpfender“ Piano Boogie Phrasen in gerade Achtel. Diese Wandlung vom Shuffle zum geraden „binären“ Groove wird oft mit der rhythmischen Auffassung weißer Interpreten des frühen R&B erklärt.

Tatsächlich aber waren es die Großmeister des R&B selbst, die diese Wandlung vollzogen. Ein Vorreiter dieser „modernen“ Spielweise war Little Richard. So wie Richard am Piano hatte Chuck Berry die Gabe, die „straight-eights“ auf der Gitarre geradezu herauszupumpen und damit das unerschütterliche rhythmische Fundament eines Songs zu legen.

Als einer der ersten schwarzen Musiker brachte er [Chuck Berry] den „Twang“-Sound weißer Country-Musik in die schwarzen Rhythm-and-Blues-Kneipen, in denen er mit seinen frühen Bands auftrat. Das Publikum verspottete ihn dafür als „Black Hillbilly“, doch als mehr und mehr weiße Zuhörer in die Klubs kamen, schien sich für einen kurzen Moment die Möglichkeit einer von Rassenfragen befreiten Popkultur zu eröffnen.“

Der Spiegel (1)
Chuck Berry demonstriert im Fotostudio seinen berühmten Duckwalk

Der Groove

Der den Song Nadine von Chuck Berry prägende rhythmische Charakter besteht im Zusammenspiel von Gitarre und Schlagzeug. Es gibt nicht so viele Hits, deren Gitarren-Groove mit dem von Nadine vergleichbar ist. Vielleicht am ehesten noch das dadaistische Woolly Bully der skurrilen Band Sam the Sham & the Pharaohs.

Hier kannst Du Nadine von Chuck Berry anhören: CHESS Recording, 1964, YouTube

Die Gitarre

Den hohen Wiedererkennungswert erhält der Groove durch die Spielweise der 1-taktigen Achtelfigur als Lauf auf der Gitarre: 1-Und-2-Und-3-Und-4-Und. Auf der Zählzeit 4-Und „sitzt“ dann ein Gitarren-Akzent (von unten nach oben gespielt = Upstroke-Akzent), der in den nachfolgenden Takt hineintreibt.

Audio Gitarre Basis-Groove Nadine
Das Schlagzeug – Der „Million-Dollar-Beat“

Wie bereits beschrieben: Nicht einmal ein Anflug von Swing ist zu hören. Das war 1964 noch etwas relativ Neues. Es ist der „Ur-Million-Dollar-Rock-Beat“. Tausende erfolgreiche Songs sollten folgen, denen dieser schlichte 4/4-Drum-Beat mit seinen Achtel-Schlägen auf der Hi-Hat zu Grunde liegt. So auch in dem Song Billy Jean von Michael Jackson.

Das Schlagzeug beschränkt sich auf das Allerwesentlichste. Im Notenbild sieht das dann auch völlig unspektakulär aus.

4/4 Takt mit Achteln auf der Hi-Hat, Bassdrum auf 1 und 3 und die Snare auf 2 und 4. Wer hat das nicht im Schlagzeugunterricht als erste Übung gespielt?
R&B Variante

Chuck Berry hatte keine eigene Band. Flog er zu einem Konzert nach Paris, dann begleiteten ihn eben Musiker der Pariser Szene. Über die vielen Jahre sind zahlreiche Live-Aufnahmen mit „fremden“ Schlagzeugern entstanden. Einige von ihnen spielten Nadine ein wenig mehr im Stile des frühen R&B. Diese Spielweise zeigt die nachfolgende Notation.

Die Abwandlung hat einen kaum wahrnehmbaren nicht ständig gespielten Akzent auf der Zeit 4-Und synchron zur Gitarre. Die Hi-Hat wird nicht (!) mit dem Fuss hart geschlossen, so dass sie für etwas klangliche Bewegung sorgt. Die Bassdrum wird „old·school“ leise auf den Vierteln durchgespielt.

Audio Schlagzeug mit Gitarre: „gerade Achtel“ ohne Akzente bei lose geschlossener Hi-Hat und leiser Bassdrum auf allen Vierteln

Etwas druckvoller wird die Zeit 4-Und, wenn sie zusätzlich (leise) auf der Bassdrum gespielt wird. Aber Vorsicht: Weniger ist hier mehr!

Probiert man das einmal aus und konzentriert sich auf die 4-Und, ist die Wirkung verblüffend. Ist man im Fluss mit einer Band und verzichtet auf jedes „Mätzchen“, wünscht man sich, dass der Song nicht schon nach zweieinhalb Minuten in die Zielgrade gelangt.

Der Drummer Odie Payne

Odie Payne entwickelte den berühmten Double-Shuffle, der später von Fred Below und Sam Lay mit großer Wirkung verwendet wurde. Payne nahm für Chess auf, darunter eine Reihe klassischer Chuck-Berry-Songs wie Nadine und No Particular Place to Go. Er nahm mit den meisten großen Chicagoer Blueskünstlern auf: Otis Rush, Sonny Boy Williamson II, Muddy Waters, Jimmy Rogers, Eddie Taylor, Magic Sam, Yank Rachell, Sleepy John Estes, Little Brother Montgomery, Memphis Minnie und vielen anderen.“ (2)

Odie Payne, 1978; Foto: Lionel Decoster

Ich wünsche viel Freude mit dem Üben, Ausprobieren und Abwandeln dieses wunderbaren „gerade Achtel Songs“ der frühen 60er Jahre.

Christian W. Eggers – 14. Januar 2023 – christian@stompology.org (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 16. Januar 2022)

Literatur und Links

  1. „Nachruf auf Chuck Berry – Outlaw wider Willen“ – Der Spiegel
  2. Kurzbiografie Odie Payne; earwigmusic.com „Odie Payne„, aus dem Englischen übersetzt
  3. Link zur Originalaufnahme „Nadine“, CHESS Recording, 1964: YouTube

Bildnachweise

Drumset Instrument des Jahres 2022 – Eine Video-Dokumentation

Anlässlich der Wahl des Drumsets zum „Instrument des Jahres 2022“ hat der Kieler Schlagzeuglehrer Markus Zell sich unter Schlagzeugern und Schlagzeugerinnen aus Schleswig-Holstein umgesehen. Es entstand eine über einstündige Dokumentation, eingebunden in ein Interview mit dem aus Kiel stammenden Schlagzeuger Jost Nickel.

Das Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendmusik Schleswig-Holstein ist so angelegt, dass nicht allein Profis und bekannte Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger zu Wort kommen. So zeigt der Film neben professionellen Musikerinnen und Musikern auch ganz „normale“ Menschen, die aus Freude am Lernen und Spielen ihre Freizeit am Drumset verbringen.

Der Film ist jetzt, nachdem er u. a. in Programmkinos gezeigt wurde, auf YouTube anzuschauen und hier eingebunden.

Ein Filmbeitrag von Markus Zell zum „Instrument des Jahres 2022 – das Drumset“.
Schlagzeug in Schleswig Holstein, eine Bestandsaufnahme.
Ein Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendmusik SH
Mit freundlicher Unterstützung des Landesmusikrates SH und der Sparkassenstiftung SH

Ab Minute 17 des Filmes durfte auch der Autor dieser Website etwas über sein Projekt stompology.org erzählen. Vielen Dank an Markus Zell und sein Team.

Christian W. Eggers – 12. Januar 2023 – christian@stompology.org