Parlor-Bluesgitarre für Bottleneck und Open Tuning – Eine Umbauanleitung

Mit diesem Beitrag wird die Modifikation einer einfachen Parlor-Gitarre zur Stahlsaiten-Bluesgitarre für das Spiel mit dem Bottleneck in Open Tuning Stimmungen beschrieben.

Wie das Ding klingt

Das Wichtigste am Anfang. Das Audio gibt den Sound der umgebauten Parlor-Gitarre wieder.

Das Audio mit den drei kurzen Klangbeispielen in Open Tuning E Dur wurde nicht digital bearbeitet. Aufgenommen wurde es in Stereo: ein Kanal mit einem Großkondensator-Mikrofon platziert neben dem Schallloch und der zweite Kanal mit einem eingebauten Schallloch-Tonabnehmer von Gretsch direkt in den Interface-Eingang.

Eigenschaften und Herkunft

Parlor-Gitarren sind kleine Gitarren. Die Bezeichnung Parlor haben die Minis erhalten, weil sie ursprünglich für den Einsatz im kleinen Kreis der Hausmusik konstruiert wurden. Man kann diese Gitarren daher auch mit den deutschsprachigen Bezeichnungen Salon-Gitarren oder auch Wohnzimmer-Gitarren versehen.

Eine zur Blues-Gitarre umgebaute Parlor-Gitarre. Sie wurde bewusst roh im Outfit gelassen. Wer es anders mag, muss glätten, schleifen, lackieren und polieren.

Typische Korpuslängen betragen bescheidene 45 cm bei einer Griffbrettlänge von ca. 40 cm. Wobei der Hals meist mit dem 12. Bund am Korpus ansetzt. Zunächst wurden die Gitarren mit Darmsaiten versehen; ab Mitte der 40er Jahre dann mit Nylonsaiten.

Parlor-Gitarren als Blues-Gitarren einsetzen

Zum traditionellen Blues-Instrument wurden die Wohnzimmer-Gitarren nicht wegen ihres warmen, unverwechselbaren Klangs oder ihrer Kompaktheit.

US-Bluesmusiker sollen die kleinen Gitarren aus aus der Not heraus verwendet haben. So gab es, über Versandhauskataloge vertrieben bis in den letzten Winkel des Südens, kostengünstige „kleine“ Gitarren, die auch für Landarbeiter erschwinglich waren.

Es dauerte nicht lange und die mit kräftigen Stahlsaiten und in eine Dobro-Stimmung gebrachten Gitarren gingen aus dem Leim.

Mit Stahlsaiten umgerüstet und in meist offenen Stimmungen entstand ein eigenwilliger, spezieller Klang. Heute verbindet man den Sound der kleinen Gitarren auf Grund der ersten Plattenaufnahmen mit dem frühen Blues der Südstaaten.

Einige Musiker und Musikerinnen haben diesen Sound wiederentdeckt und so sieht man hin und wieder die Salon-Gitarre auf Plattencovern und auf Bühnen bei Folk- und Blueskonzerten.

Problem: Stahlseiten und hohe „Offene Stimmungen

Im traditionellen Blues sind sehr häufig sogenannte offene Stimmungen und das Spiel mit dem Flaschenhals zu hören. Die hierfür erforderlichen Stahlsaiten waren für die meisten Wohnzimmergitarren der damaligen Zeit eine Überforderung.

Sogar die für Stahlsaiten hergestellten „Stella Steel Neck“ Gitarren mit ihren mit Metall verstärkten Hälsen hielten dem Saitenzug der Blues-Spielweisen häufig nicht lange nicht stand.

Es dauerte nicht lange und die mit kräftigen Stahlsaiten und in eine Dobro-Stimmung gebrachten Gitarren gingen aus dem Leim. Krumme Hälse, verzogene und gerissene Decken im Bereich der Saitenhalter waren auf die Dauer unvermeidlich.

Es sei denn, Bastler (meist die Musiker selber) modifizierten die kleinen Leichtbauten.

Kaufen oder modifizieren?

Das Angebot an Parlor-Gitarren ist inzwischen nahezu unübersehbar. Es gibt sie, neben den Ausführungen für Nylonsaiten, inzwischen auch robust gebaut für Stahlsaiten. Eigentlich sind diese Ausführungen „Mini Westerngitarren“ mit Metallstab im Inneren des Halses und zusätzlichen Verstrebungen des Korpus.

Seltene 70er Jahre Framus Parlor-Gitarre mit Metallstab im Inneren des Halses. Der Hals ist nicht verleimt, sondern solide verschraubt (nachfolgendes Foto). Diese Gitarre kann sowohl für Nylonsaiten wie auch für Stahlsaiten genutzt werden. Mit Glück lassen sich Gitarren dieser Bauart über Kleinanzeigenmärkte finden.

Beschlag an der Unterseite des Korpus zur Halsbefestigung. Framus Model 75C 00115.

Neben dem Erwerb einer für Stahlsaiten geeigneten Parlor-Gitarre besteht eine Möglichkeit zum „authentischen“ Blues-Sound der 40er und 50er Jahre darin, es den Musikern der damaligen Zeit gleichzutun: Modifikation einer „Nylon-Parlor“ zur Stahlsaiten Blues-Gitarre.

Der Umbau zur Blues-Gitarre

Ausgangspunkt für den Umbau ist eine einfach und leicht konstruierte Parlor-Gitarre mit dem Branding Franconia. Die schwer ramponierte Gitarre für Nylonsaiten stammt vermutlich aus 60er Jahren und wurde von der Framus Vorgängerfirma Franconian Music Produktion Fred Wilfer Investment Trust in Erlangen erbaut.

Der Zustand der Gitarre war weder spielbar noch als Sammlerstück geeignet. Lediglich der Hals mit seinem Griffbrett war noch erstaunlich gut erhalten.

Umbau in Bildern

Nachfolgende Fotos beschreiben die erforderlichen Arbeiten des Umbaus einer Parlor-Gitarre zur Blues-Gitarre mit Stahlsaiten.

Der Hals wird ausgefräst und mit einem Stahlstab von 8 x 8 Millimeter verstärkt. Anschließend können die Unebenheiten mit Glasfaserspachtel ausgeglichen werden.
Das Foto zeigt den Hals mit der eingebauten Stahlstange und seiner neuen Justierung am Korpus der Gitarre. Die Mechaniken mussten durch Neuware ersetzt werden.
Der Hals wird vom Korpus aus der Verleimung gelöst und in eine höhere Position mit dem Korpus neu verleimt. Dabei wurde das Griffbrett ab dem 12. Bund zusätzlich um 3 Millimeter mit Holz unterfüttert und eine leichte Halsschrägung nach hinten bei der Justierung (bei aufgezogenen Saiten) berücksichtigt. Der Halsschafft wurde zusätzlich zur neuen Verleimung mit einem Bolzen am Korpus verschraubt. Der Bolzen ist im Halsschafft versenkt und nach Füllung der Bohrung an der Außenseite des Halses nicht sichtbar.
Zur Erleichterung der Justierung des Halses am Korpus sollten vorübergehend (lose) Saiten aufgezogen werden.
Der Saitenhalter wurde durch einen Halter für Schlaggitarren ersetzt. Er bietet deutlich mehr Halt als ein Saitenhalter, der auf der Decke der Gitarre befestigt wird.

Das Foto zeigt den Saitenhalter und den neu angeschafften höhenverstellbaren Steg. Zu sehen sind zwischen Saitenhalter und Steg die verschlossenen Bohrungen des alten Saitenhalters, der auf der Decke mit dem integrierten Steg befestigt war.
Der ursprüngliche Sattel wurde durch einen höhenverstellbaren Sattel ersetzt. Das ist ideal zur Anpassung der Saitenlage für das Spiel mit dem Flaschenhals in Kombination mit gegriffenen Saiten.
Im Schallloch wurde ein Tonabnehmer befestigt. Dieser Klassiker von Gretsch bietet, angeschlossen an einen Röhrenverstärker, einen typischen „Vintage Blues-Sound“.
Das Foto zeigt die Buchse für das Gitarrenkabel an der Unterseite der Gitarre.
Die Saitenlage ist Dank der Höhenverstellbarkeit von Sattel und Steg individuell an die Spielweisen mit Bootleneck in Kombination mit gegriffenen Saiten anzupassen.

Besonders zu beachten

Ist es notwendig den Hals aufgrund einer nicht ausreichend einzustellenden Saitenlage und/oder eines falschen Ansatzwinkels zur Halsschrägung vom Korpus zu entfernen, sind gute Nerven und viel Zeit erforderlich. Ist der Hals, wie meist bei Parlor-Gitarren verleimt, besteht die Aufgabe darin, den Hals möglichst schonend vom Korpus zu lösen.

Anleitungen zu verschiedenen Methoden der Lösung verleimter Hälse sind im Internet auffindbar. Ganz ohne Beschädigungen wird es kaum gehen. Zur Neujustierung sind hier Erfahrungen zu finden: Musima Banjo reparieren .

Ich wünsche viel Freude beim Ausprobieren von „kleinen“ Gitarren mit dem großen Sound!

Christian W. Eggers – 7. April 2026 – christian@stompology.org – (letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 7. April 2026)

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