Zahlreiche HiFi-Fans bleiben der Röhrentechnik bis heute treu. Das Angebot an Audio-Röhrenverstärkern wächst und es scheint so, dass auch junge Musikkonsumenten der Fasziantion der „leuchtenden“ Verstärker erliegen.
Dieses Phänomen hat schon länger nichts mehr mit der auf stompology.org sonst gepflegten Liebhaberei der nostalgischen 50er und 60er Jahre Geräte aus den Keller- und Dachbodenfunden zu tun. Zeit, einmal etwas Neues vorstellen zu dürfen.

Ein eindrucksvoller Beweis für eine moderne und zudem optisch außergewöhnliche Neukonstruktion für eine „Stereo-Verstärker-Anlage in Röhrentechnik mit Monoblock-Verstärkern für Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad und für hochpegelige Quellen“ wird hier erstmals auf stompology.org der Öffentlichkeit mit einem Gastbeitrag von Peter Wolff aus Kiel vorgestellt.
Die Erbauer und Konstrukteure dieser Stereoanlage (Elektronik-Entwicklung und -Bau: Peter Wolff; Gehäuse-Gestaltung und -Bau: Thomas Nebel) haben ihrer Konstruktion die Bezeichnung PewoTone 6AS7G verliehen.
Stereo-Verstärker-Anlage in Röhrentechnik mit Monoblock-Verstärkern für Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad und für hochpegelige Quellen
von Peter Wolff
Entwickelt wurden Mono-Endstufen für eine Ausgangsleistung von 5W in Eintakt-Triodenschaltung. Warum Eintakt-Triodenschaltung – trotz relativ hohem Aufwand bei Netzteil und Übertrager?
Die spektrale Reinheit und spektrale Verteilung der Harmonischen von gut ausgewählten und beschalteten Trioden (im Vergleich zu anderen aktiven Bauelementen) ist für Musikwiedergabe unübertroffen.
Der Aufwand für den Ausgangsübertrager läßt sich durch Wahl eines kleinen Übersetzungsverhältnisses verringern – was die Eigenschaften des Übertragers verbessert.
Daher wurden Leistungsröhren mit vergleichsweise geringem Innenwiderstand gewählt (z.B. 6AS7G, 6080 bzw. 6H13C (kyrill.)). Weiterer Vorteil: niedrige Betriebsspannung und Betriebssicherheit der Endstufe.
Nachteil: Das bedeutet geringer Leerlaufverstärkungsfaktor und damit ist eine große Steuerspannung der Treiberstufe bei dennoch kleinem Klirrfaktor nötig.
Eine solche Treiber- und Vorverstärkerstufe ist sogar mit nur einer Triode möglich, wenn deren Betriebsspannung deutlich über der Betriebsspannung der Endstufe liegt und der Leerlaufverstärkungsfaktor hoch genug ist.
Entsprechende Überlegungen und Messungen führten zur Pentode 6Ж51П ((kyrill.), bzw. EF184, 6EJ7) in Triodenschaltung.
Somit durchläuft das Musiksignal nur zwei (!) Verstärkerstufen. Das führt hier durch geeignete Dimensionierung der Schaltung zur teilweisen Kompensation von Klirranteilen.
Es konnte auf jegliche Gegenkopplung verzichtet werden.
Die Arbeitspunkteinstellung erfolgt mit Hilfe der eingebauten Messinstrumente.

Zur Ansteuerung der Monoblöcke, die bereits eine ausreichende Eingangsempfindlichkeit aufweisen, wurde ein kompakter, fernbedienbarer Vorverstärker entwickelt, der eine sehr niedrige Ausgangsimpedanz hat, um beliebig lange (im Wohnmaßstab) Leitungen zu den Monoblöcken zu ermöglichen.
Dazu kam eine spezielle Katodenfolgerschaltung mit Metall-Keramik-Trioden (Nuvistor-Trioden) zum Einsatz (keine Spannungsverstärkung, nur Stromverstärkung). Die Lautstärke-Fernbedienung erfolgt durch ein motorisiertes Potenziometer, die Quellenumschaltung durch Signal-Relais.
Einige technische Daten
Monoblöcke Ausgangsleistung nominal je 5W; Frequenzgang/ Leistungsbandbreite: 22Hz bis 27000Hz +0/ -1dB @ 5W; Klirrfaktor: ~1% (@ 1W) / 2 bis 3% bei Vollaussteuerung (@ 5W), dabei harmonisches Oberwellenspektrum (fast nur k2 und k3 mit k2 > k3); Störspannungsabstand (A-bewertet): – 95 dB (bezogen auf 1W Ausgangsleistung); Eingangsempfindlichkeit: ca. 900mV
Steuerverstärker Frequenzgang 20Hz bis 200kHz +0dB/ -0,5dB (10kOhm Abschlusswiderstand); Klirrfaktor (k @1kHz): bei Ausgangsspannung 1V <0,01% / bei 10V 0,025%; Störspannungsabstand, A-bewertet: besser als -107dB (Lautstärkesteller voll aufgedreht, Eingang abgeschlossen mit 1 kOhm); Übersprechdämpfung: besser -100dB (1kHz)/ besser -90dB (10kHz); Ausgangsimpedanz ca. 40 Ohm (!)
Der Gehäusebau
Die guten klanglichen Eigenschaften der Geräte sollten ihre Entsprechung auch in einem besonderen, wertvollen Äußeren finden.
Die Gestaltung und den Gehäusebau besorgte Thomas Nebel mit viel Liebe zum Detail.
Das Design

Das Holz der Trafo-Abdeckung wird durch ein weißes Porzellan-Schmuckelement, das von einer Künstlerin geformt und gebrannt wurde, vor der Wärmestrahlung der Endröhre mit der Bezeichnung 6AS7G geschützt.

Die schachbrettartige 3D-Optik an den Transformator-Abdeckungen der Endstufen entstand aus unzähligen Einzelteilen, die entsprechend fein geschliffen und verklebt wurden. Sogar die Schraubenköpfe wurden passend verziert.

Die verbauten Holzarten
Die kontrastierenden Holzarten sind: Elsbeere, Mahagoni und Esche.
Das Vorverstärkergehäuse ist ebenfalls hauptsächlich in Elsbeere und Mahagoni gestaltet. Die banale Lüftungsöffnung ist mit einer Schornstein -„Trompete“ aus dem exotischen Fernambuc veredelt. Der Drehknopf ist ebenfalls aus Fernambuc gefertigt – mit einer Einlage aus dem fast schwarzen Grenadill.
Peter Wolff – 6. Oktober 2025 – Kontakt über die Redaktion stompology.org; christian@stompology.org (letzte Aktualisierung am 7. Oktober 2025)