Tonbandmaschine als Echogerät nutzen

Musikerinnen und Musiker haben häufig den Wunsch ihre rein digitalen Produktionen mit analogen Soundeffekten zu bereichern. Besitzerinnen und Besitzer eines Tonbandgerätes wissen es häufig nicht: sie haben nicht nur ein Aufnahmegerät für das analoge Mastering, sondern meist auch eine fantastische „Echomaschine“.

Tonbandgeräte der etwas gehobeneren Konsumentenklasse verfügen häufig über zahlreiche Funktionen der Profi-Geräte der Musikproduzenten der 60er und 70er Jahre. Die daraus resultierenden Möglichkeiten können einer rein digitalen Produktion einen individuelen Anstrich verleihen.

Dieser Artikel gibt eine kurze Anleitung zur einfachsten Nutzung von Bandgeräten als Echogerät innerhalb einer Musikproduktion.

Was an Ausrüstung benötigt wird

Zunächst muss die Bandmaschine über eine sogenannte Hinterbandkontrolle verfügen. Bandgeräte aus der gehobenen Konsumentenklasse sind meist mit Tonköpfen zur Hinterbandkontrolle ausgerüstet. Profi-Geräte immer.

Hinterbandkontrolle

Hinterbandkontrolle bedeutet, dass man das bereits auf Band aufgenommene Signal schon während des Aufnahmevorganges hören kann. Natürlich ein wenig verzögert gegenüber dem Eingangssignal. Damit sind diese Bandgeräte mit ihrem Tonkopf zur „Hinterbandabhöre“ geborene Echogeräte.

Im Bild ist ein Tonbandgerät Revox A77 zu sehen. Es verfügt über die Funktion zum Abhören des bereits aufgezeichneten Signals schon während einer Aufnahme. Es muss nicht immer ein Gerät aus der Schweiz sein. So verfügen beispielsweise auch einige Geräte des Herstellers Uher über Hinterbandkontrollen und umfangreiche Schaltungsmöglichkeiten.

Mischpult

Neben dem Bandgerät ist als eine weitere Hardware-Komponente ein Mischpult notwendig. Es genügt schon ein kleiner „Mixer“. Soll die Aufnahme in Stereo erfolgen, muss das Mischpult bei der hier gezeigten Schaltung mit vier Eingangskanälen und zwei Stereo-Auskangskanälen ( zwei L und R Output-Buchsen) ausgerüstet sein.

Verkabelung

Diese Grafik zeigt nicht den Plan für einen neuartigen Atomreaktor, sondern die Verkabelung zum „Einschleifen“ eines analogen Bandechos in eine Stereo-Aufnahme mit dem Computer.
Das Foto zeigt das Aufnahmeszenario der Grafik zur Schaltung des Bandgerätes in der praktischen Anwendung. Für die Aufnahme einer akustischen Gitarre wurden zwei Mikrofone ausgewählt. Das einfache Mischpult aus den 80er Jahren (von Inkel) bietet ausreichend Eingangskanäle und zwei Stereo-Ausgänge zur Verbindung mit der Bandmaschine und dem Audio Interface.

Was möglich wird

Die in der Grafik gezeigte Schaltung des sogenannten Einschleifens des Bandechos in die Aufnahme des Computers ermöglicht vielseitige Möglichkeiten der Echo-Sound-Gestaltung.

Intensität und Charakter des Echos können beeinflusst werden über

  • die Wahl der Bandgeschwindigkeit am Tonbandgerät,
  • über das Mischpult durch Regelung des Pegels der Beimischung der aufgezeichneten Signale des Tonbandgerätes (in der obigen Grafik ist der Signalweg grün markiert),
  • durch die Panorama-Regler am Mischpult zur Zuordnung der Echointensität im Stereobild.

Verfügt das Mischpult über digitale Hall- und Echoeffekte, sind die Möglichkeiten der Gestaltung nochmals in Kombination mit dem analogen Bandecho erweitert.

Damit dieser Beitrag im wahrsten Sinne nicht zu trocken bleibt, folgen an dieser Stelle Soundbeispiele.

Die Sache macht wirklich Freude. Über das Experimentieren vergisst man schnell die Zeit. Ich wünsche viele neue Entdeckungen beim Ausprobieren der Möglichkeiten der Soundgestaltung mit einer Bandmaschine.

Christian W. Eggers – christian@stompology.org – 31. März 2025 (letzte Aktualisierung dieses Artikels am 1. April 2025)

Hinterlasse einen Kommentar