Schlagzeuger Christoph Buhse im stompology-Interview

Shuffle-Spezialist Christoph Buhse gewährt im stompology.org-Interview Einblicke in seine Karriere als Musikprofi sowie als Lehrbuchautor und er teilt spannende Details zu seinen Auftritten mit Chuck Berry mit. Und Christoph verrät, wie man eine Technik zum Spielen von sehr schnellen Shuffle-Grooves erlernen kann.

Christoph: Ich muss zugeben, dass in der aktuellen Pop-Musik geshuffelte Grooves nur selten vorkommen. Hört man sich die Playlists auf Spotify für Hits 2024 an, findet man keinen einzigen Song im geshuffelten Feel.

„Shuffle“ steht zur Zeit eher für einen Tanzstil, der an Twist erinnert, die Jungen fahren voll drauf ab. Shuffle heißt ja ursprünglich schlurfen, beziehungsweise mischen.

Christoph Buhse ist Drummer, Fachbuchautor, Lehrer und Produzent. Er arbeitet seit über 35 Jahren als professioneller Musiker und hat bei unzähligen Live-Konzerten und Studio-Sessions mitgewirkt. Einige namhafte Künstler, mit denen er gespielt hat, sind Annett Louisan, Joja Wendt, Yvonne Catterfeld, Michel van Dyke und Chuck Berry. 

Dennoch gibt es ab und an doch geshuffelte Songs, die auch Erfolg haben. Ich denke zum Beispiel an Adele mit ihrem Titel-Song  für James Bonds „Skyfall“, oder Phil Collins „You can´t hurry love“. Im Hip Hop wird auch öfters mal geshuffelt, zum Beispiel Code mit „When the saints out“.

Für mich persönlich sind geshuffelte Grooves vielleicht deswegen besonders interessant, weil sie eben dieses Swingige aus dem Jazz haben.

Christoph: Ich übte mit Claus Hesslers „Daily Drum Workout“, ein Buch über Stickings. Mir gefiel die Systematik, mit der alle Positionen geübt werden. Da ich schon immer auf geshuffelte Grooves stand, entstand der Gedanke ein Buch zu schreiben, welches sich diesem Thema widmete, in ähnlich systematischer Art. Wirklich alle möglichen Positionen.

Behandelt werden sollte der normale Shuffle, also ich meine den bluesigen Shuffle im 1/8tel Feel, aber auch geshuffelte 16tel Grooves wie sie zum Beispiel bei Totos „Rosanna“ zu hören sind. Auf dem Markt gab es noch kein Buch zu diesem Thema.

Ich hatte auf der Bundesakademie in Trossingen einige Zeit Unterricht bei Claus und erzählte ihm von dem Vorhaben. Er war begeistert und unterstützte mich sehr bei dem Lehrbuch und stellte dann auch den Kontakt zum Verlag Alfred Music her.

Das stimmt so überhaupt nicht. Aus meinem Unterricht mit jungen Schülern habe ich erfahren, dass diese problemlos geshuffelte Grooves lernen. Allerdings wird das Gehör nicht für den Unterschied zwischen gerade (binär) und geshuffelt (ternär) trainiert, da diese im Höralltag eben selten sind.

Geschwindigkeit ist bei allen Grooves eine große Hürde. Die Hauptinfo dazu: Große Geschwindigkeit – kleine Bewegungen.

Geschwindigkeit ist bei allen Grooves eine große Hürde. Die Hauptinfo dazu: Große Geschwindigkeit – kleine Bewegungen! Konkrete Tipps zum Einüben in Stichpunkten:

  • Erst mal nur die Rechte Hand: 1 Takt 1/4tel , 1 Takt 1/8tel, hier die Bewegung klein ausführen;
  • Das alles noch nicht schnell;
  • Dann beide Hände gleichzeitig: 1 Takt 1/4tel , 1 Takt 1/8tel;
  • Jetzt die linke Hand auf „+“dazu, im 2. Takt auf „e“, „de“: 1 Takt gerade 1/8tel (RLRLRLRL), 1 Takt 16tel;
  • Jetzt die Linke Hand später spielen, kurz vor dem rechten Schlag;
  • Jetzt die Geschwindigkeit leicht erhöhen;
  • Wenn das gut klappt, Bass Drum auf 1 und 3 hinzufügen;
  • Wenn das gut klappt, Bass Drum auf alle Viertel, 1 2 3 4….;
  • Wenn das gut klappt, Hi-Hat auf 2 und 4 hinzufügen.

Christoph: Ich habe durch mein Spiel mit Inga Rumpf und Joja Wendt, dem Hamburger Showpianisten, viel Erfahrung im Bereich Blues, Boogie Woogie sammeln können und habe dadurch ein guten Ruf in diesem Stil gehabt. Joja wurde schon 2004 für Chuck Berry in Hamburg angefragt, ein Jahr später wieder. Er hat mich dann empfohlen und so kam der Kontakt zustande.

Es gab keine Setliste. Chuck erwartete, dass man seine Songs kannte und fing einfach an zu spielen, wie es ihm in den Sinn kam.

Christoph: Ich war ordentlich nervös, denn Chuck hatte keine eigene Band dabei, der örtliche Veranstalter hatte diese zu stellen. Chuck war bekannt dafür, dass er öfters mal während des Konzertes die Musiker von der Bühne schmiss, wenn er unzufrieden war.

Chuck Berry mit Christoph Buhse im Jahr 2005 in Zürich.

Es gab keine Setliste. Chuck erwartete, dass man seine Songs kannte und fing einfach an zu spielen, wie es ihm in den Sinn kam. Dann musste man sofort mitspielen. Allerdings war sein Bassist Jim Marsala immer dabei, er war sehr nett und unterstützte einen, wo er konnte.

Leider wurden die meisten seiner Songs eher rockig gespielt. Das fand ich etwas schade; hatte ich doch die legendäre Konzertaufnahme von „Hail! Hail! Rock’n’Roll“ mit Eric Clapton, Keith Richards und Steve Jordan an den Drums rauf und runter gehört.

Zum Glück war Chuck Berry mit mir zufrieden und hat in Zürich auf der Bühne sogar geschrien „You are a star!“ Vor und nach dem Konzert zog er sich leider eher zurück. Er war freundlich, aber man hatte wenig Kontakt mit ihm.

Christoph: Ich spiele aktuell nicht mehr so viel, weil mir das Reisen große Mühen bereitet. Außerdem hat sich eine gewisse Sättigung eingestellt, mich reizt vieles nicht mehr so sehr. Dennoch spiele ich immer noch sehr gerne Drums und übe auch.

Ich spiele mit einigen Boogie Pianisten zum Beispiel mit Christoph Steinbach & Boogie Boosters aus Kitzbühel. Mit ihm macht es mir Spaß, denn er hat eine unglaubliche Energie beim Spielen und die Band ist sehr gut.

Außerdem spiele ich in einer sehr guten Soulband aus München, Soulkitchen, wir spielen fast nur auf Events für Firmen; die Bezahlung ist dementsprechend fair.

Für mein musikalisches Seelenheil habe ich aber auch mein kleines Homerecording Studio. Ich produziere Musik, wie sie in dem Moment aus mir herauskommt. Die kommerzielle Seite ist noch nicht vordergründig, aber ich hoffe natürlich in dieser Richtung mich etablieren zu können und Musik machen zu können, die mir entspricht, aber eben ohne viel zu reisen.

In Hamburg musste ich doch viel Musik machen, mit der ich haderte. Zum Beispiel Musicals, die sehr schlecht bezahlt werden. Bis auf König der Löwen fand ich die Musik doch zu kitschig.

Christian W. Eggers – christian@stompology.org – 17. August 2024 – Letzte Aktualisierung dieses Artikels am 19. August 2024

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