Über das analoge Aufnehmen

Gibt es einen vernünftigen Grund im Jahre 2021 Schlagzeug-Grooves mit einem  uralten Kassettenrekorder aufzunehmen?  Ich kann keinen vernüftigen Grund dafür finden.

Aus „stompologischer“ Hör- und Sichtweise lässt sich nur sagen: es macht Spaß! Zudem erspare ich mir die Arbeit, die Unzulänglichkeiten und Eigenheiten der analogen Technik nachträglich digital zu erzeugen. Schließlich geht es ja auf stompology.org um die „alten“ Grooves. Diese wurden nun einmal analog aufgezeichnet!

Sound Beispiel: analoge Aufnahme des Grooves „My Girl Josephine“ (Fats Domino)

Ich hatte das Glück, einen professionellen Rekorder aktivieren zu können. Das Radioreporter-Gerät lag über 20 Jahre in einer Kiste mit längst vergessenem anderen Elektroschrott eines stillgelegten Rundfunkstudios.

Pflegeaufwand zur Inbetriebnahme

Der Zustand der Ledertasche ließ Schlimmes befürchten. Tatsächlich aber lief der Rekorder nach Anschluss eines Netzgerätes sofort ohne „Kreislaufstörungen“.  Das Rückwärtsspulen klemmte anfangs etwas. Die Testaufnahmen klangen jedoch ermattet, so dass ich den Rekorder wieder in den wohlverdienten Ruhestand versetzen wollte. Mit den bewährten Pflegetechniken längst vergangener Tage lässt sich zum Glück eine Menge ausrichten. Die Tonkopf-Reinigung und das Entmagnetisieren (siehe Fotogalerie) haben ihre Wirkung getan. Ich meine, der Aufwand hat sich gelohnt.

Passende Mikros

Der Rekorder mag wohl alte Mikros gerne. Für die Aufnahme Sound-Beispiel „Do It Again“ wurde ein Shure 16A über der Snare platziert und dicht vor der Bassdrum ein Electro Voice RE 20 aufgebaut.  

Sound Beispiel: analoge Aufnahme des Intros „Do It Again“ (Beach Boys). Der Effekt wurde nachträglich mit Audacity digital erzeugt
Bedienungsanleitung zur Entmagnetisierung des Tonkopfes

Bedienung des Rekorders

Das Schöne ist die Gutmütigkeit. Anders als bei digitalen Aufnahmen darf  zur Bandsättigung die Peak-Anzeige auch mal rot leuchten. Wenn man sich auf das Trommeln konzentrieren will und nicht auf den Monitor eines Rechners schauen möchte, ist so ein Bandgerät tatsächlich sehr bequem.

Umständlich wird die Sache erst, wenn man die Aufnahmen editiert und digitalisiert. Es ist ein anderes Arbeiten. Vergleichbar mit der Langsamkeit der Verarbeitung einer analogen Fotoaufnahme.

Fazit

Für die Hobby-Produktion der kurzen Demonstrationen der Grooves der Hits vergangener Tage auf meiner Website passt die alte Technik mit ihrem speziellen nostalgischen Bedienungsgefühl. Wenn ich mir aber vorstelle, dass ich beruflich Aufnahmen erstellen müsste, würde ich den Rekorder doch lieber einem Museum für Radiotechnik schenken.    

Dank an die Userinnen und User des Drummerforums für die Tipps zur Digitalisierung analoger Tonaufnahmen!

Christian W. Eggers, 18. März 2021

christian@stompology.org

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."