Boogie Woogie for Drummers

Eine besondere Heruasforderung nicht nur für Pianisten ist der Boogie Woogie. Dieser Musikstil basiert auf einer konstanten Shuffle Rhythmik auf allen vier Grundschlägen eines 4/4-Taktes. Typisch für das Schlagzeugspiel ist der lockere, leise und häufig extrem schnelle Groove, gespielt mit den Jazz Besen in einer Kombination aus Schlägen und Wischbewegungen auf der Snare.

Hörbeispiel „Barrel House Boogie“

Die Pianisten Pete Johnson und Albert Ammons spielen den „Barrel House Boogie“. Begleitet von James F. Hoskins am Schlagzeug.

If this doesn’t make you move, you don’t have a pulse…

Kurze Geschichte zum Boogie Woogie

Boogie Woogie wurde als Klaviermusik Anfang des  20. Jahrhunderts, hervorgegangen aus dem „Barrelhous Piano“,  zunächst im amerikanischen Mittelwesten gespielt. Der Songaufbau entspricht der „Bluesformel“, der zwölftaktigen und achttaktigen Standardform des Blues mit seiner zyklischen Harmoniefolge.

Ende der 30er Jahre gelangte der Boogie Woogie in das Repertoire der  Tanzkapellen der Großstädte und damit wurde der Boogie Rhythmus auch Sache der Schlagzeuger. Boogie Woogie wurde zunächst von Swing Big Bands bearbeitet und übernommen. Er wurde ein fester Bestandteil des Jump Blues, des frühen R&B und er ist die musikalische Wurzel und das Fundament des frühen Rock’n’Roll.

Die Spielweisen der Basisgrooves

Die nachfolgende Abbildung (1. Basisgroove) zeigt einen mit den Besen „Hand to Hand“ geschlagenen Groove auf der Basis eines Four-Beat. Die Snare-Akzente erfolgen, typisch für den Boogie, synchron zu den häufig in der Bassline des Klaviers gesetzten Betonungen auf den Zeiten „Zwei“, „Vier“ und der „Drei-Und“ als treibendem Offbeat Akzent. Der Handsatz „RLRL“ eignet sich für sehr schnelle Tempi, da er technisch weniger anspruchsvoll ist als der Handsatz im 2. Basisgroove (siehe Abbildung).

Die Abbildung zeigt mögliche Handsätze zu den Boogie Woogie Basisgrooves. Jeder Handsatz hat Vor- und Nachteile, wenn es darum geht dem Groove mit Becken und weiteren Trommeln mehr Klangvariationen zu geben. Puristen, so habe ich festgestellt, spielen meist den 2. Basisgroove RRLR mit der Wischbewegung.

Die im 2. Basisgroove gezeigte Variante ermöglicht die Kombination aus Schlag- und Wisch-Bewegungen. Diese Variante stellt die ursprüngliche Spielweise des Boogies am Schlagzeug dar.

Die Notation zum 3. Basisgroove zeigt eine Boogie Variante im New Orleans Stil.  Ab Anfang der 50er Jahre flossen dort lateinamerikanische Rhythmen in den Boogie Woogie ein. Der Boogie blieb „triolisch“, aber er wurde mit Akzenten auf der „Eins“ und Sechszehntel-Schlägen aus seiner strengen Form befreit. Mehr hierzu kannst Du hier mit zwei Hörpeispielen und Noten erfahren „Faux Latin Grooves – Basis„.

Boogie Handsätze im Video

Grundsätzliches zum Einüben

Die Jazz Besen haben nicht so starke Rückschlageigenschaften wie die Sticks. Damit im rasanten Boogie-Tempo nicht die Puste ausgeht, bedarf es daher etwas Übung. Hier Tipps aus meiner Erfahrung:

  • Halte die Besen locker in den Händen und nutze so den (geringen) Rückschlag der Drähte. Locker gehaltene Jazz Besen erzeugen zudem einen klaren Wischklang auf der Snare.
  • Auch die Schultern und die Arme dürfen sich nicht anspannen oder gar verkrampfen. Höre sofort auf zu üben, wenn Du „unlocker“ wirst und beginne die Übung neu.
  • Der Drive ensteht über ein Gleichgewicht aus den Bewegungen zwischen links und rechts. Es ensteht eine Art Kreisbewegung der Hände und Arme, unterstützt durch den Oberkörper. Daher ist es wichtig, auch möglichst gerade zu sitzen.

Ein tolles Beispiel für die Körperhaltung und die Bewegungen zur Technik des Boogie Woogie Schlagzeugspiels kannst Du hier anschauen.

Und nun wünsche ich viel Spaß beim Üben und Ausprobieren! Kritik und Anregungen ausdrücklich erwünscht. Mail: christian-w-eggers(at)t-online.de

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."