„I’m Bad“ – Berühmte Grooves

Mit „I’m Bad“ schuf Bo Diddley den Archetyp des Groove-Songs. Ein Groove-Song ist eine Komposition, die allein auf einer Hookline basiert und ohne weitere Songelemente wie Strophe und Refrain oder den „Call and Response“ des Bluessong-Aufbaues auskommt.

„I’m Bad“ erschien erstmals 1956 als Single des Chess Records Labels „Checker“ in Chicago. Den Song kannst Du auf YouTube hier anhören.

Der Groove

Der „I’m Bad“-Groove ist Bestandteil zahlreicher R&B Songs. Der Groove gehörte in den 50er und 60er Jahren mit Variationen in das Standard-Repertoire der Schlagzeuger. So ist die nachfolgend in der Notation gezeigte Figur Kompositionsbestandteil vieler Bluesstandards. Ein Beispiel ist der Klassiker „Hoochie Coochie Man“ von Willie Dixon, aufgenommen von Muddy Waters 1954 ebenfalls bei Chess Records.

„I’m Bad“ von Bo Diddley basiert gegenüber anderen Blueskompositionen stringent auf der unten gezeigten markanten Figur (siehe Noten). Es gibt keine „Auflösung“ der mit dem Groove erzeugten Spannung in einem weiteren Teil der Komposition. So klingt der Drumpart wie in die Plattenrillen gemeißelt und er vermittelt den rauen R&B des Nordens der 50er Jahre.

Sparsam instrumentiert „funktioniert“ der Song durch ein über sämtliche Takte unverändertes Gitarren-Riff. Die damit erzeugte hypnotische Wirkung wird durch den Sprechgesang zusätzlich verstärkt.

Notation und Spielweise

Die Shuffle-Achtel werden nicht auf dem Becken gespielt, sondern mit den Maracas, den Rumba-Rasseln, aus der Hand „geschüttelt“. Das langsame Tempo mit der leise gespielten Bassdrum allein auf den Grundschlägen des 4/4 Taktes erzeugt so eine geheimnisvolle Atmosphäre.

Die Noten zeigen den Percussion-Part (Drums und Maracas) von „I’m Bad“. Die Maracas sind mit „X-Unterstrichen“ notiert.

Auf der „Vier“ folgt eine ausgespielte Achteltriole, die durch den Offbeat auf der „Drei-Und“ vorbereitet wird. Der Wechsel aus Shuffle Achteln und ausgespielten Triolenachteln vereint innerhalb eine Taktes mit dem langsamen Tempo das hüpfende Shuffle Gefühl mit einem Rollen, wie es aus 12/8 Takten bekannt ist. Die durchgehende Abfolge von Shuffle-Achteln und ausgespielten Triolen kann wie folgt zum Einüben, gezählt werden: „1 – Und, 2 – Und, 3 – Und, Tri – Oh – La…“.

Spielerische Besonderheiten

Der Original-Groove wird von zwei Musikern erzeugt: Frank Kirkland spielte das Drumset und Jerome Green die Maracas, die hier die Shuffle-Achtel eines Drummers am Set vollständig ersetzten. Natürlich ist es auch für einen einzelnen Musiker möglich den Drumpart mit Bassdrum und linker Hand auf der Snare zu spielen und mit der rechten Hand die Shuffle Achtel mit einer Rassel (oder auch einem Schellenkranz) zu erzeugen. Das ist zunächst als Bewegungsablauf ungewohnt und muss geübt werden. Das kurze Intro startet auf der „Drei-Und“. Das Einzählen kann auf diese Weise erfolgen : „1 – 2 – 3 – 4  –  1 Und – 2 Und – 3“.

Die Drummer

Frank Kirkland (Drums) und Jerome  Green (Maracas) waren Session Musiker bei Chess Records in den 50er Jahren. Beide Musiker wurden an diversen Bo Diddley Produktionen beteiligt. Green, ursprünglich ein Tuba Spieler und Jazz Musiker, hatte mit seinem Maracas- Spiel einen großen Einfluss auf den Bo Diddley Sound.
Kirkland kann für sich in Anspruch nehmen, die auch noch heute in modernen Popproduktionen zu hörende Schlagfolge des „Bo Diddley Grooves„ des Songs „Bo Diddley“ erfunden zu haben.

Hörbeispiel Bo Diddley Groove

Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."