Berühmte Grooves – Der T-Bone Shuffle

Berühmt (und auch bei Musikern gefürchtet) ist dieser Groove, weil er in einer dezenten „Gegenrhythmik“ zur gewöhnlichen Shuffle-Figur gespielt wird. Dazu unten mehr.

Zur Geschichte des Songs

Der „T-Bone Shuffle“ erschien erstmals als B-Seite der Single „Papa Ain’t Salty“ bei Atlantic im Jahre 1954. Beide Songs wurden von T-Bone Walker komponiert. In seiner scheinbar naiven Schlichtheit ist der „T-Bone Shuffle“ mehr im Jump Blues der 40er Jahre als im R&B der 50er verwurzelt. Die kurzen und leisen Bläser Big Band Phrasen geben dem Song eine Ballroom Atmosphäre. Die Originalaufnahmen wurden von Oscar Lee Bradley getrommelt. Bradley verkörperte den typischen Sideman Drummer der 40er und 50er Jahre: beim Publikum wenig bekannt, unspektakulär im Spiel aber von fundamentaler Bedeutung für das Gelingen zahlreicher Blues Klassiker.
Hier kannst Du den Song in der Originalversion anhören: https://m.youtube.com/watch?v=0GsRzqbRvus

Der Groove

Auf der Basis einer verbreiteten Boogie Piano Rhythmusfigur und einem in Vierteln schreitenden Contrabass (Walking Bass) spielt der Schlagzeuger einen Snare Besengroove durchgehend geschlagener Shuffle Achtel (rechte Hand), während der kreisende Besen (linke Hand) für das fließende Rauschen sorgt. Soweit entspricht der Groove einem konventionellen Shuffle.

Für zusätzliche Spannung sorgt die Akzentuierung der feinen Besenschläge. Akzente erfolgen ausnahmslos und im Fluss auf den Offbeats, den mit ternärer Dehnung gespielten „Und-Zählzeiten“: „Eins-Und-Zwei-Und-Drei-Und-Vier-Und“.
Diese Offbeat-Phrasierung des Shuffles steht in einem Konflikt mit der gewohnten Shuffle Onbeat-Spielweise der Band („Eins-Und-Zwei-Und-Drei-Und-Vier-Und“). Die durchgehende Betonung von Offbeats bewirkt ein Vorantreiben. Werden alle Offbeats des Schlagzeuges so sanft und fließend wie im T-Bone Shuffle betont, entsteht ein unaufdringlicher Shuffle-Gegenrhythmus, der im Hintergrund für zusätzliche rhythmische Bewegung sorgt.

Hier kannst Du sehen (und hören: coming soon) wie Du den „T-Bone Shuffle“ spielen kannst:

Die linke Hand „schlurft“ durch kreisende Bewegungen und die rechte Hand lässt die Achtel hüpfen. Im Notenbild werden Shuffles meist als binäre Achtel ausgewisen. Am Beginn einer Notation befindet sich dann ein Hinweis ( 2 = 3 ) , dass zwischen den notierten Achteln eine Achtelpause zu lesen und zu spielen ist.

Eine von zahlreichen Varianten des Shuffles im T-Bone Stil: Hörbeispiel coming soon

Wenn die Hi-Hat leicht geöffnet mit Achtelschlägen angespielt wird und die Snare nur auf den Offbeat-Achteln gespielt wird, ensteht ein stark treibender Shuffle.

Nicht ganz einfach – Der „umgekehrte Shuffle“

Nicht einfach, weil zunächst sehr ungewohnt, ist die Koordination gleichmäßiger Kreisbewegungen des Besens mit der Shuffle-Schlagfolge im „Gegenrhythmus“ zu der Onbeat-Akzentuierung der Mitmusiker und zur Hörgewohnheit der üblichen Shuffles mit der Betonung auf den Puls-Zählzeiten 2 und 4. Als Schlagfolge der rechten Hand bietet sich an, die gewohnte Shuffle Schlagtechnik „Downstroke – Upstroke – Downstroke – Upstroke“ umzukehren, so dass die Downstrokes jetzt auf den Offbeats erfolgen. Damit sind die Offbeats „automatisch“ betont.

Wichtig ist das weiche und gleichmäßige Spiel und die feinfühlige Akzentuierung der Offbeats damit der Fluss seine triolische Beschwingtheit behält.
Bei den Kreisbewegungen der linken Hand gibt der Puls der Bassdrum Orientierung: Auf der „Eins“ und der „Drei“ erfasst der Kreisbogen den oberen Rand der Snare, auf der „Zwei“ und der „Vier“ den unteren Rand. Zur Einübung des Kreises auf der Snare siehe hier.

Beispiel-Video „T-Bone Shuffle“

Eine flüssige Besen-Variante zur Spielweise des T-Bone Shuffles ohne Kreisbewegungen zeigt hier Jan Falkenberg aus dem drummerforum.de. Vielen Dank!

Schlagzeug Transkription (Noten): Christian Eggers – Quellen: „Reclams Jazzlexikon“ und „All that Jazz“ von Michael Jacobs, Beispiel-Video: Jan Falkenberg, „trommla“ drummerforum.de

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Veröffentlicht von Christian W. Eggers

Drummer aus Kiel in Schleswig-Holstein. "Drummer machen Fehler, die meistens laut sind."